23.8.11

Der grosse Tag rueckt naeher (13.08.2011)

Die kalten Fuesse nachts waren ein echtes Problem - solange, bis ich meinen Fleecepulli in den Schlafsack verfrachtet und um meine Fuesse gewickelt habe. Der Akku des Ipods ist leider schon seit 2 Tagen leer, und hier oben kann man elektronische Geraete nur gegen Bezahlung aufladen, aber das hilft auch nicht weiter, wenn's grade ueberhaupt keinen Strom gibt.
Mit endlich warmen Fuessen schlafe ich dann aber doch erstaunlich gut bis halb sieben, aufs Aufstehen folgt wieder das entnervende Packen, draussen ist es grau, aber immerhin halbwegs trocken.
Wir fruehstuecken alle zusammen am grossen Tisch, jeder ordert was Warmes (Porridge, Tsampa oder Muesli mit heisser Milch), und dann wird verabschiedet und losgewandert.
Es nieselt, aber trotz der Wolken sieht man wunderbar die Gipfel von Gangapurna und Annapurna III. Wir marschieren immer noch ins Tal hinein, immer hoeher, die Landschaft ist wundervoll gruen, dank des Monsuns bluehen ueberall gelbe, blaue, rote Bluemchen, soweit man blickt.
Auf dem Weg begegnen uns immerhin drei yakaehnliche Kuhgestalten, oberhalb auf den Haengen sind aber doch noch ein paar Herden zu erkennen. Wir kommen am aus drei Haeusern bestehenden Letdar vorbei, und weiter gehts, immer haeufiger unterbrochen von Trinkpausen, die Schritte werden langsamer, zumindest, wenns bergauf geht.
Schlussendlich gehts noch einmal ueber eine rutschige Holzbruecke und gut 200 m zickzack aufwaerts. Puh, das ist anstrengend. Ich ueberhole Lhakpa, meine heutige "Playlist" hilft dabei, auf dem Programm steht naemich Cat Stevens. Ich habe seit Beginn unserer Wanderung furchtbare Ohrwurmattacken, die aber immer thematisch geordnet sind - an einem Tag sinds alle Take That-Songs, am naechsten sind Simon & Garfunkel dran, und ich bin jeden Tag aufs Neue gespannt, mit was ich heute beschallt werde.
Endlich sind wir oben angekommen, dort steht mitten im Nirgendwo eine Steinhuette, bewohnt von einem Paar, das die exponierte Lage nutzt, um dort einen Teestand zu betreiben. Und zugegebenermassen: der Tee tut einfach nur gut, die Sicht auf die schneebedeckten Flanken direkt vor uns ist wundervoll, und Kekse und Traubenzucker fuellen die Energiereserven wieder auf.
Der Hund der Besitzer hat grade vier winzige Welpen bekommen, die wir begeistert beobachten, die sind noch blind und kuscheln sich auf einem Tierfell im kalten Wind eng aneinander.
Die letzte halbe Stunde der heutigen Etappe geht problemlos, nun wird die Umgebung deutlich felsiger, hochalpiner. Nach insgesamt drei Stunden Marsch erreichen wir gegen halb zwoelf Thorong Phedi auf gut 4.500 m Hoehe. Uns gehts prima, selbst der Ruhepuls liegt immer noch bei knapp 70 Schlaegen / Minute.
Das Zimmer hier oben ist nun wirklich sehr einfach, die Toiletten ebenso, und wir werden ein wenig seltsam angeguckt, als wir 1 Eimer heisses Wasser bestellen. Damit gehts ins "Badezimmer", und wir koennen uns halbwegs ordentlich waschen, herrlich ist das.
Danach: lange Unterhose und -hemd, Fleecepulli, dicke Socken, auf jeden Fall mehrere Schichten uebereinander, so laesst sichs einigermassen aushalten.
Fuer die innere Waerme gibts Nudelsuppe und natuerlich Tee, das ist wirklich ein asketischer Urlaub: kein Alkohol, kein Fernsehen, kaum Fleisch, kein Handy - die einzige "Suende" ist der fast schon taegliche Schokopudding.
Ich lese in der halbwegs warmen "dining hall" noch ein Weilchen, leiste dann aber Norman im Zimmer Gesellschaft, wir verdoesen eingemummelt in den Schlafsack den Nachmittag. Draussen regnet sich's tatsaechlich ein, irgendwann schaffen wir es auch, uns vom kuschlig-warmen Bett zu verabschieden, und setzen uns wieder mit Tee und Lesestoff in den inzwischen leider recht kalten Aufenthaltsraum.
Man sieht zuweilen sogar den Atem, da hilft auch der heisse Schwarztee nicht weiter.
Gegen 18 Uhr gibts Abendessen (Sportlernahrung: Nudeln mit Tomatensauce), und Lhakpa eroeffnet uns, dass morgen der Aufbruch fuer 5 Uhr geplant ist! Wir handeln ein wenig mit ihm, naja, nicht wirklich erfolgreich.
Es regnet weiterhin, wir sind komplett in die Wolken eingehuellt, und die beiden spanischen Trekker, inzwischen ist auch noch ein Italiener dazugestossen, und wir sitzen dick eingepackt herum und sind ein bisschen aufgeregt ob des morgigen Wanderprogramms.
Nicht vorstellbar ausserdem, wie kalt es hier zur Hauptsaison im Oktober/November erst sein muss!
Die anderen verabschieden sich bereits um 20 Uhr ins Bett, wir koennen uns noch nicht aufraffen, und endich signalisiert uns einer der Angestellten, dass unter einem der Tische doch tatsaechlich ein funktionierender Heizluefter steht - gottseidank! Dort waermen wir uns also noch ein wenig vor, bevor wir ins kalte Zimmerchen gehen. Dort packen wir und sind ganz schoen abgebrueht: es stoert uns nicht weiters, dass es von der Decke tropft und dazu tausende von Faltern und aehnlichem Getier um uns herumschwirrt.
Stattdessen schluepfen wir in die Schlafsaecke, ziehen noch die bereitliegende dicke Decke drueber und sagen um 21 Uhr "Gute Nacht".

Frostbeulen (12.08.2011)

Endlich geht auch diese eher schlaflose Nacht rum, wir stehen um halb sieben auf und machen uns nach dreitaegiger "Sesshaftigkeit" wieder ans Einpacken unserer Besitztuemer. Waehrend wir fruehstuecken (Porridge, Tee, Ruehrei und Plastikkaffee), versorgt Lhakpa den Rucksack; wir sind immer noch ueberrascht, wie wenig Gepaeck er selbst fuer diese Tour dabei hat - ein einziges kleines Beutelchen! Wir bezahlen noch die Zeche von drei Tagen Aufenthalt (im Schnitt geben wir hier taeglich fuer Uebernachtung, Abendessen und Fruehstueck etwa 10 Euro pro Person aus) und marschieren los.
Draussen hat die Safe Drinking Water Station natuerlich geschlossen, keiner weiss, wann sie oeffnet, also versorgen wir uns notgedrungen mit Wasserflaschen und natuerlich mit Keksen.
Die Wanderung fuehrt uns hoeher, heute ist der Himmel bedeckt und es wird merklich kuehler - kein Wunder bei ueber 4.000 m. Wir wandern hinaus aus dem Manang-Tal, biegen rechts ab und gehen bis Gunsang. Dort machen wir eine Teepause und erstehen ein Stueck erstaunlich leckeren Yak-Kaese (der eigentlich ein "Nak-Kaese" ist, denn das Yak ist das maennliche Rind) im Teahouse.
Weiter gehts, die Landschaft wird karger, nur noch Bodendecker, aber immer noch viele Bluemchen sind auf den Wiesen und Haengen links und rechts zu sehen, dazu haengen die Wolken bedrohlich tief.
Leider sind saemtliche Yakweiden entlang des Weges verlassen, nur ein paar Pferde-Karawanen kommen uns entgegen.
Nach gut drei Stunden erreichen wir das aus drei Haeusern bestehende Yak Kharka (4.200 m), immerhin haengen hier ueberall Yakkoepfe an den Hauswaenden.
Die Lodge ist sehr einfach, das "Badezimmer" besteht aus einem betonierten Raum mit einem Eimer drin. Wir nehmen erstmal Tee, essen Kekse und den Yakkaese, und verzichten auf die Dusche bzw. die Waesche mit eiskaltem Wasser, denn es ist empfindlich kalt draussen.
Stattdessen verkriechen wir uns um 13 Uhr in die Schlafsaecke und halten gut 2 Stunden Siesta, was soll man in dieser Einoede auch sonst tun. Danach ziehen wir drei Lagen Klamotten uebereinander an, spazieren an den Dorfbewohner vorbei, die fleissig ein Haus bauen und dazu stoisch Steine klopfen, waehrend die Teenager die Steine hin und herschleppen, hinaus auf die Wiesen. Doch auch hier gibts nicht viel zu sehen, die Wolken versperren weiterhin die Sicht, und die Yaks scheinen ausserhalb der Saison offenbar auch anderweitig untergebracht zu sein.
Also gehen wir ins Haupthaus unserer Unterkunft hinauf in den 1. Stock, dort die Ueberraschung: es gibt einen recht gemuetlichen und von der Sonne erwaermten Speiseraum, wo schon zwei spanische Trekker sitzen und lesen, und wir uns kurzerhand dazu gesellen, waehrend der dritte Spanier im Vorraum auf einer Gitarre klimpert. Dazu gibts wieder die obligatorische Kanne Schwarztee, und wir vertroedeln so die Zeit bis zum Abendessen.
Als es soweit ist, setzen wir uns alle bei Kerzenschein (denn Strom gibts nicht) zusammen, inzwischen ist auch das englische Paar wieder dabei, dinieren (u.a. Yak-Steaks) und ratschen so richtig nett - es wird viel gelacht, als jeder seine Reiseerlebnisse zum Besten gibt. Die Atmosphaere ist entspannt, und hin und wieder leicht gruselig mit der feucht-nebligen Dunkelheit draussen, die Kerzen brennen nach und nach herab, nur der Schokopudding laesst zu wuenschen uebrig.
Um 21 Uhr werden wir alle dann doch tatsaechlich von der Besitzerin mit dem Ruf: "Sleeping time!" ins Bett geschickt. Wir schrecken auf und putzen noch schnell im Freien draussen, bewaffnet mit der Wasserflasche (denn fliessend Wasser ist nicht verfuegbar), die Zaehne und krabbeln in den Schlafsack in unserer zugigen Holzhuette, waehrend die Haende abfrieren...

22.8.11

Hoehentraining (11.08.2011)

Das war heute zumindest fuer mich eine fast schlaflose Nacht, die Traeume hier oeben sind wild, durcheinander und wirr. Leider laeutet der Wecker schon um 6 Uhr, draussen ist es neblig-trueb, wenigstens sind die mit kochendem Wasser gefuellten Siggflaschen heiss genug, um die Finger dran zu waermen.
Das Chapatti zum Fruehstueck ist unendlich trocken, das Omelett dazu so lala, der Kruemelkaffee scheusslich, da bleib ich doch lieber beim Tee. Als wir aufbrechen wollen zu unserem heutigen Tagesausflug (wir nehmen die Sache mit der Hoehenakklimatisierung sehr ernst), regnets...
Also setzen wir uns wieder in den Aufenthaltsraum, trinken Tee und plaudern mit dem englischen Paar Ed und Fiona. Und um 9 Uhr wirds endlich draussen heller und wir koennen los, nachdem auch bereits alle anderen Trekker, ausgestattet mit Gamaschen und Regenhuellen fuer die Rucksaecke, losmarschiert sind.
Gemeinsam mit Lhakpa wandern wir zurueck nch Bragha und dann 90 Minuten steil hinauf zur "Milarepa Cave" (4.100 m), einem Ort, an dem der Heilige Milarepa gelebt und gelehrt hat. Auf dem Weg passieren wir zig Gompas, der ganze Berg ist zudem voller Gebetsfahnen. Wir kommen ins Schwitzen, und die Schritte werden deutlich langsamer auf der Hoehe.
Norman und ich steigen schliesslich noch weiter auf zum Gangapurna Gletscher (gut 4.300 m), der Weg ist schlecht, und oben angekommen wirds eisig kalt und es beginnt wieder zu regnen. Also schnell zurueck zur "Cave", dort hat der wartende Lhakpa bereits organisiert, dass uns die Huette des Heiligen (heute eine Art Tempel) aufgeschlossen wird. Draussen steht eine riesige Gebetsmuehle, der Tempel drinnen ist ueberladen und schummrig, es gibt viel Schnickschnack und Buddhastatuen. Als Dank fuer unsere kleine Spende bekommen wir jeder ein Baendchen um den Hals gebunden, als Gluecksbringer...
Wir machen eine Kekspause, Lhakpa taut sichtlich auf und futtert unsere Kokoskekse (er hat heute naemlich keinerlei Gepaeck dabei, waehrend wir aus unseren Tagesrucksacken alles moegliche zaubern). Dann gehts abwaerts, immer mit Blick ins Manang-Tal, und zurueck in die Sonne. Unten wartet ein Heer von riesigen Grashuepfern auf uns, waehrend wir uns einen Weg durch die bluehenden Buchweizenfelder bahnen.
In Bragha besuchen wir noch das dortige Kloster, das ebenfalls auf Lhakpas Initiative extra fuer aus aufgeschlossen wird. Auch dort gibts ein farbiges Baendchen als Gluecksbringer, nun kann ja nix mehr schiefgehen.
Wir laufen durch die brennende Sonne zurueck nach Manang, kommen dort gegen 14:15 Uhr an, und es wird sofort geduscht nach der schweisstreibenden Wanderei. Schoenheitspflege, lesen, Nachmittagsschlaefchen; das Hostel ist in der Zwischenzeit deutlich leerer geworden.
Um halb 5 brechen wir auf zum Dorfkino, dort wird in einem Bretterverschlag doch tatsaechlich taeglich um 17 Uhr ein Film gezeigt. Heute auf unser Anraten auf dem Programm: Into thin air.
Es sitzen ausser uns noch 4 weitere Trekker mit uns auf den Holzbaenken, nach den ersten 10 Minuten des Films ist erstmal Ende, da der Strom ausfaellt. Wir fangen also nochmal von vorne an, werden noch mit Tee und Popcorn versorgt und verbringen so gemuetliche 90 Minuten. Der Film ist nicht der Rede wert, aber zumindest wars gute Unterhaltung.
Zurueck im Tilicho Hotel gibts dann auch Abendessen, ausser uns sitzt nur noch das engliche Paar da. Es gibt Yak-Burger  bzw. gebratenen Reis, anschliessend einen heissen Schokopudding.
Da kommt Lhakpa nochmal kurz vorbei, um zu plaudern, er ist sichtlich amuesiert ueber meine Laufgeschwindigkeit bergauf... Eine Kniffelrunde, Zaehneputzen und dabei vor den die Stirnlampe umschwirrenden Faltern fluechten, und ab ins Bett - um 21 Uhr natuerlich wieder!

...und sehet den fleißigen Waschfrauen zu! (10.08.2011)

Heute ist mal Ausschlafen angesagt, der Wecker klingt tatsaechlich erst um 7 Uhr! Die Sonne guckt schon raus, waehrend wir fruehstuecken (Chapattis bzw. Schokopancake). Lhakpa hat heute "frei", und wir stellen nach dem Fruehstueck erst einmal unsere Tauglichkeit als Waschfrauen unter Beweis. Draussen an der Wasserstelle weichen wir ein, schrubben, spuelen und wringen aus, was in den letzten 10 Tagen so an Schmutzwaesche angefallen ist. Die Sonne waermt ein wenig das eiskalte Wasser, und der Blick auf Gletscher und den Tilicho Peak entschaedigt fuer die anstrengende Taetigkeit. Aufgehaengt wird die Waesche im Hof, bzw. kommen die Hoeschen auf die eigene Waescheleine ins Zimmer.
Nachdem die etwas in Mitleidenschaft gezogenen Haende gecremt sind, spazieren wir durchs Dorf, holen Keksnachschub, amuesieren uns ueber die Schilder entlang der "Hauptstrasse", die auf eine "Video Hall" mit taeglicher Filmvorfuehrung hinweisen, und gehen ins Annapurna Information Centre. Dort erfahren wir, dass im Oktober 2010 (zur Haupttrekkingzeit also) gut 2.000 Touristen, im letzten August dagegen nur 400 Trekker in Manang waren, und sind wieder einmal froh, ausserhalb der Saison zu wandern.
Die Safe Drinking Water Station ist diesmal sogar besetzt, wir bekommen 4 l Trinkwasser vom uns mit grosser Freundlichkeit bedienenden Zwillingsbruder des Dalai Lama.
Die Einkaeufe bringen wir zurueck ins Hotel und ruesten uns dann fuer den heutigen Ausflug; es geht steil hinauf am See zum Aussichtspunkt, gut 400 m ueber Manang. Es ist traumhaft schoen, der ganze Hang ist voller bunter Gebetsfahnen, im Tal blickt man im Sonnenschein kilometerweit, aussenrum lugen Gipfel durch die Wolken. Ein schoenes Plaetzchen auf einem Stein in der Sonne ist schnell gefunden, wir geniessen die Aussicht auf Gletscher und die Bergwelt. Dann machen wir uns wieder an den Abstieg, da der Wind doch langsam zu kuehl wird und links vom Berg her graue Wolken aufziehen. Unten in Manang brennt aber nach wie vor die Sonne. Wir essen ein Sueppchen und legen uns fuer 2 Stunden hin und halten Siesta.
Nachmittags wird die Waesche inspiyiert, ein bisserl aufs Dach gesetzt (toller Ausblick, leider zu windig, und Sonne hatten wir heute definitv schon genug), dann wird fix geduscht (schon wieder warm, wir werden richtiggehend verwoehnt!) und lesen dann im "Restaurant", trinken dazu den unumgaenglichen Liter Schwarztee, spielen Rommee und freuen uns aufs Abendessen.
Zum Dinner gibts heute Gemuesecurry mit Reis bzw. versucht sich Norman an Yakfleisch, und zum Nachtisch probieren wird einen in einer Art Pfannkuchenteig frittierten Snickers-Riegel. Herrlich!
Wir lesen und spielen, und irgendwann packt Englaender Ed seine Reisegitarre aus und spielt ein Stuendchen Bach-Praeludien und spanische Gitarrenweisen, erzaehlt dazu ein paar gute Geschichten und unterhaelt alle Anwesenden aufs Beste. Auch und grade die nepalesischen Traeger und Fuehrer sind begeistert.
Und schon ist wieder Bettgehzeit, so um kurz nach neun...

Klosterbesuche und der schoenste Wandertag (09.08.2011)

Um 6 Uhr raus aus dem warmen Schlafsack, und beim Zaehneputzen strahlt mich der vielleicht 8jaehrige Sohn der Hotelbesitzer an wie die Morgensonne, beladen mit einem riesigen Buendel Brennholz auf dem Kopf, das er schier muehelos die 2 Stockwerke bis in die Kueche hochtraegt. Ein huebsches Kerlchen!
Das Fruehstueck um halb 7 besteht wieder einmal aus Porridge und scheusslichem Kruemelkaffee, in unsere Siggflaschen kommt abgekochtes Wasser, und dann verabschieden wir uns von Lhakpa, denn heute gehen wir getrennte Wege.
Wir wollen den deutlich laengeren "Panoramaweg" nehmen und brechen um 7:15 Uhr auf, vorbei an den Gebetsmuehlen am Ortseingang, wo wir erst einmal eingeraeuchert werden, da dort gerade eine Puja (= Andacht) stattfindet.
Wir besichtigen den hoeher gelegenen Ortsteil Upper Pisang, und laufen von dort an herrlich bluehenden Buckwheat-Feldern (Buchweizen) vorbei. Es geht steil hinauf nach Ghyaru, das auf 3.660 m liegt, und die Aussicht auf die Annapurnagipfel und uebers Tal ist von der oben liegenden Gompa preisverdaechtig. Beim Rauflaufen ueberholen wir einen Traeger, der auf seinem Ruecken schwere Wellblechplatten hinauf transportiert.
Zur Staerkung nach den ersten 90 Minuten gibts oben einen heissen Schwarztee, und weiter gehts ueber Felder, Wald und mit traumhaftem Blick nach Ngawal, das wir gegen 11 Uhr erreichen. Inzwischen brennt die Sonne vom Himmel. Die Vegetation rundherum sieht aus wie in unseren Breitengrade, es wachsen Loewenzahn, Ginster, Schafgarbe, Silberdisteln, Iris, drin summen die Bienen und Hummeln - und das alles auf deutlich ueber 3.600 m.
Ngawal ist ein sehr traditionell erhaltenes Doerfchen, die Bewohner gruessen uns alle sehr freundlich, waehrend wir staunend durch den Ort laufen, uns die Steinhaeuschen und Gompas und Chorten ansehen, und schliesslich beim Kloster landen. Dort kommen grade zig alte, zahnlose Oma heraus, die alle unheimlich freundlich gruessen und sich freuen, uns zu sehen. Sie ermutigen uns, sowohl die Gebetsmuehlen davor ordentlich zu drehen als auch ins Kloster selbst hineinzugehen. Schuhe ausziehen nicht vergessen!
Drinnen sitzen Moenchen und Betende, die uns aber sofort willkommen heissen und uns radebrechend ein paar Details erklaeren. Der Hauptmoench lacht dabei mindestens so viel wie der Dalai Lama. Wir sind hellauf begeistert und legen draussen noch eine Kekspause ein, im Dorf ist sonst naemlich nichts anderes zu kriegen, es scheint heute irgendein Feiertag zu sein.
So wandern wir weiter bergauf und bergab, die Sonne brennt vom Himmel, von jedem Gipfel wehen Gebetsfaehnchen, die Landschaft veraendert sich wieder. Das Ganze bekommt wegen der bizarren Sandsteinformationen links und rechts und der verlassenen, heissen Oednis ein wenig Aehnlichkeit mit dem Death Valley. Die einzigen Menschen, die wir sehen, sind drei Holzsammlerinnen, eine hat oben in ihrem riesigen Korb auf dem Holz sogar noch ihr Baby drinliegen.
In den Taleinschnitten links und rechts sieht man inzwischen die Gletscher, wir kommen immer hoeher, aber noch geht das problemlos. Nur die Sonne - wir muessen eine zweite Schicht Sonnencreme nachlegen.
Gegen 13:30 Uhr erreichen wir Bragha, dort treffen wir Lhakpa wieder, der bereits seit 2 Stunden auf uns wartet. Im einzigen geoeffneten Restaurant gibts eine Nudelsuppe und die BBC News im Fernsehen, dazu probieren wir endlich den vielgeruehmten Seabuckthorn Juice aus einem Dornengewaechs der Gegend - sehr vitaminreich und sehr lecker! Und das ganze stellt sich eindeutig als Sanddornsaft heraus, also gar nicht sooo unbekannt.
Wir marschieren noch gut 15 Minuten weiter und erreichen Manang (3.500 m), dem Hauptort des Distrikts. Auch dort ist ausserhalb der Saison tote Hose, im einzigen offenen Hotel Tilicho treffen wir demnach alle Trekker wieder, denen wir bislang begegnet sind (so insgesamt 15 etwa). Wir bekommen ein Zimmer, packen aus, duschen (heiss, wenn auch nur wenig Wasser aus dem Duschkopf troepfelt), schlafen, und schonen die Fuesse, die nach knapp 7 Stunden Wandern heute ein wenig Ruhe brauchen.
Dann setzen wir uns in den Dining Room, ordern Tee und Abendessen (Veggieburger mit Pommes und Salat - gar nicht schlecht, wir sind positiv ueberrascht!), lesen und spielen Rommee.
Wir beschliessen, zur Akklimatisation min. 2 Tage hierzubleiben, und dort laesst sichs wirklich gut aushalten. Beim Insbettgehen regnets aber mal wieder...

Die Gebetsfahnen flattern... (08.08.2011)

Heute morgen klingelt der Wecker doch tatsaechlich erst um halb sieben, und draussen scheint auch noch die Sonne - beim Zaehneputzen draussen stellen wir begeistert fest, dass man direkt hinter unserem Haeuschen schneebedeckte Gipfel sieht! Das geht das Packen doch ratzfatz, schliesslich wollen wir raus und Berge gucken!
Der heisse Porridge und Tee stehen schon bereit, und Lhakpa wartet schon ungeduldig auf uns, waehrend wir nochmal das Huehnertreiben begutachten.
Wir brechen um kurz nach 8 Uhr auf, muessen notgedrungen 2 Flaschen Wasser kaufen, da die Safe Drinking Water Station ausserhalb der Saison wohl leider nur sporadisch oeffnet, und spazieren los.
Noch im Ort lerne ich, dass nicht nur die nepalesischen Maenner ueberall hinspucken und -rotzen, sondern schon kleine niedliche Maedchen... Ansonsten sind die Kinder aber sehr lieb, gruessen immer freundlich, und dafuer, dass sie keinerlei Spielzeug haben, sondern eigentlich nur so auf den Wegen herumrobben, machen die einen recht wohlerzogenen Eindruck.
Der Trek schlaengelt sich heute durch den Wald, vorbei an unzaehligen Strassenarbeitern, die den Weg reparieren bzw. ueberhaupt erst ausbauen, alles mit Handhacke und manchmal einem Generator, der einen Presslufthammer antreibt. Zuweilen hoert man auch Sprengungen im Tal, und daher ist der Weg, den wir gehen, an manchen Stellen schon fast breit genug, um als Strasse durchzugehen. Heute haben wir auch endlich die Sturzbaeche mitten auf dem Weg hinter uns gelassen.
Immer wieder passieren wir Ansammlungen von Manisteinen, wir versuchen, moeglichst immer links dran vorbeizugehen. In Bhratang machen wir die obligatorische Kekspause und versorgen auch Lhakpa mit Cookies.
Weiter gehts, das Tal oeffnet sich mit spektakulaerem Blick auf den Paungda Danda, eine steile Felswand von gut 1.500 m Hoehe, glatt wie eine Rutschbahn und wie ein Kessel geformt. Diese immer im Blick ueberqueren wir den Fluss, es windet ordentlich, und steigen aufwaerts. Hin und wieder erhascht man zwischen den Wolken einen Blick auf einen Gletscher.
Immer wieder kommen uns mitten in dieser Bergeinsamkeit vereinzelt Nepalesen entgegen, ohne Gepaeck, wie bei einem Spaziergang. Im naechsten Ort entdecken wir sogar einen jungen Mann mit Fahrrad beim anschliessenden, schier endlosen Marsch durch die Talsohle (links tatsaechlich durch die Wolken zu sehen: das Annapurnamassiv!). Wir sind nun im Monsunschatten, deutlich trockener wird die Landschaft.
Sehr huebsch sind die in allen Doerfchen vorhandenen Steinbaenke fuer die Traeger, die dort ihre schwere Last kurzzeitig abstellen koennen. Auch mitten im Wald, entlang der Wege, stehen immer wieder solche Unterstaende zum Ausruhen und Gepaeck abladen.
Nach gut 4 Stunden Gehzeit kommen wir gegen 12 Uhr in Lower Pisang (3.200 m) an; bei der letzten zu ueberquerenden Bruecke wird Norman sogar sein Hut vom Kopf geweht, so wild geht der Wind. Der Hut kann aber gerettet werden.
Wir bekommen ein huebsches Zimmerchen aus Holz im Hotel Utse, diesmal liegen vorsorglich schon dicke Decken auf den Betten, und der Ofen, der im Restaurant (mit wunderschoenem Panoramablick) steht, zeigt, dass es hier schon richtig kalt werden kann.
Erstmal gibts ausgiebig Mittagessen mit Dal Bhat, von dem wir sogar Nachschlag bekommen, und bei 2 Litern Schwarztee ruhen wir uns ein wenig aus. Als Lhakpa mit unserem Gepaeck eintrifft, geht Norman eine erste Ladung Waesche mitten im Hof waschen - der Wind solls trocknen.
Ich schmoekere waehrenddessen im Reisefueher, raffe mich dann endlich zu einer Dusche auf, und siehe da: sie ist warm! Hurra!
Schliesslich liegen wir faul herum, lesen, doesen, verabreichen uns Magnesiumtabletten gegen Muskelkater, und machen einen Spaziergang durchs Dorf.
Am Ortsausgang stehen wunderschoene Waende aus Manisteinen, es flattern hunderte Gebetsfahnen auf den Haengen und an den Haeusern im Wind, der Blick zurueck in den Talkessel ist beeindruckend. Leider ists wieder bewoelkt, nach einem insgesamt tadellos sonnigen Tag.
Zurueck im Hotel das uebliche Programm: Abendessen (Nudeln mit Tomatensauce), Tee, ein paar Runden Rommee, lesen, waehrend Lhakpa fasziniert "Braveheart" im nepalesischen Fernsehen guckt.
Die Zaehne werden im Hof an der Wasserstelle geputzt, neben der eine riesige Hanfpflanze blueht.

Es geht aufwaerts (07.08.2011)

So langsam optimieren wir den morgentlichen Packprozess, immer wieder ist es spannend, ob alles in den grossen Rucksack passt, aber bisher hats noch jedes Mal geklappt. Der Plastikkruemelinstantkaffee ist heute besonders scheusslich, Porridge mit Aepfeln und Zucker dagegen genau das richtige Wandererfruehstueck. Wie gewohnt machen wir uns um 7:15 Uhr auf den Weg hinaus aus Tal, am Ortsausgang dreht Norman fleissig die Gebetsmuehlen, so kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.
Es geht aufwaerts: an steilen Schluchten vorbei und vor allem durch wilde, tiefe Baeche und Wasserfaelle fuehrt unser Weg immer weiter hinauf und immer tiefer ins Tal hinein. Die Landschaft veraendert sich, die Felsen aussenrum werden schroffer, bemooster, die Umgebung sieht aehnlich aus wie ein Regenwald.
Weiterhin passieren wir vereinzelte Doerfchen und Huetten mit noch mehr Huehnern und Ziegen, wir begegnen Maultierkarawanen, Schulkindern, Lastentraegern mit Huehnerkoerben auf dem Ruecken (die nepalesische Variante des Tiertransports)... Die Stoecke kommen bei diversen Flussueberquerungen auf glitschigen Steinen wieder zum Einsatz, es folgen die wackligen Haengebruecken, von denen wir inzwischen nur noch jede Zweite fotografieren, und einmal sinds auch nur 10 cm breite, nasse Holzlatten, die uebers Wasser fuehren. Lhakpa laeuft langsam, aber konstant mit, holt uns an schwierigen Stellen immer wieder ein und hilfts uns trotz schwerem Rucksack drueber.
In Dharapani holen wir uns zwei weitere Stempel auf die Trekking Permit beim eifrigen Streckenposten der Nationalparkverwaltung, der gewissenhaft all unsere Daten per Hand in eine Kladde eintraegt. Norman wird dort gefuehrt als "Norman Petter August".
Irgendwann, nach 4 Stunden, machen wir in Danaque eine Kekspause, hier holt uns unser Traeger wieder einmal ein, und wir dopen ihn und uns mit Enery-Power-Bonbons fuer den nun folgenden Anstieg um 500 Hoehenmeter, der uns nach Timang bringt.
Hier in diesem gottverlassenen Nest essen wir eine Nudelsuppe zu Mittag, als Lhakpa auch endlich eintrifft, sind wir trotz einsetzendem Nieselregen schon wieder startklar und lassen ihn in der Obhut der Koechin in der Kueche des Restaurant am Feuer erst einmal verschnaufen.
Ueber 2 weitere Stunden gehts naemlich weiter auf einem traumhaft schoenen Waldweg nach Thanchowk, einem sehr "original" gebliebenen Bauerndorf, und nach gut 7 Stunden Gehzeit erreichen wir gegen 15 Uhr Chame. Direkt vor dem Ortseingang huscht noch kurz vor uns ein Affe durch den Wald, bevor wir die Unmengen Gebetsmuehlen passieren. Laut der Schilder links und rechts gibts in diesem Doerfchen offenbar Internet, naja, wers glaubt. Chame liegt auf etwa 2.700 m, leider ist es sehr bewoelkt und nicht viel vom Panorama zu sehen.
Wir spazieren einmal durch den relativ grossen Ort, sehen eine riesige, vom Bach angetriebene Gebetsmuehle, ein Maoistenbuero, eine Billardbar, Shops, sogar ein Postamt gibt es - und alles viele Tagesmaersche von der naechsten Strasse entfernt.
Im Tilicho Hotel beziehen wir ein kleines "Cottage" mit Terrasse und Blick in die Berge, sehr huebsch fuer die festgelegten ueblichen 250 NRPs / Nacht (= 2,50 Euro).
Die Dusche ist leider kalt, der Schwarztee danach umso heisser, und wir sind wieder einmal die einzigen Gaeste. Lhakpa trifft etwa 1 Stunde nach uns ein.
Das Abendessen bekommen wir zwar wie bestellt puenktlich um 19 Uhr, aber die Portion der Fruehlingsrollen ist winzig, also brauchen wir dringend noch einen heissen Schokopudding hinterher. Lecker! So langsam wirds draussen empfindlich kalt, und es regnet auch wieder. Wir beobachten begeistert ueber Stunden die Huehner und deren Gebaren im Hof gegenueber, waehrend wir lesen.
Schliesslich wird im Esszimmer des Hotels eine Matratze ausgerollt, darauf wird das Baby mitsamt der Oma abgelegt, waehrend wir am Tisch daneben sitzen. Da gehen wir dann doch auch recht schnell ins Bett, in den warmen Schlafsack...

Der Monsun macht seinem Namen alle Ehre (06.08.2011)

Ab fuenf Uhr werden wir von durchdringendem Hahnengeschrei geweckt - der kraeht unerbittlich und ohne Unterlass, an Schlaf ist nicht mehr zu denken. Leider regnets noch immer, beim Zahneputzen traegt man also lieber die Regenjacke. Nach einem schnellen Fruehstueck mit trockenen Chapattis und Tee gehts, gut eingepackt und mit dem Regenschirm in der Hand (= Norman) um 7.15 Uhr los.
Es geht bergauf, wieder ueber Wackelbruecken, weg von den Reisterrassen weiter ins Tal hinein. Wir trekken einen italienischen Trekker mit seinem Guide und drei englische Trekker, ansonsten begegnen uns nur Lastentraeger mit 3 Kisten Pepsi auf dem Ruecken oder ganzen Moebelstuecken und Nepalis auf dem Weg zur Arbeit, Schule oder sonst wohin, alle in den unvermeidlichen Flipflops.
Die Baeche, die wir ueberqueren, da sie den Weg ueberfluten, werden groesser und tiefer, wir brauchen hin und wieder die Stoecke, um sicher von Stein zu Stein zu huepfen. Im Oertchen Jagat machen wir um 10 Uhr eine Snickers- und Kekspause.
Wir schwanken auf einer Haengebruecke auf die andere Flussseite und folgen einem Bachlauf steil aufwaerts. Der Regen hat nun aufgehoert, die Sonne kommt langsam durch, und schon laeuft der Schweiss wieder in Stroemen.
Ein letzter steiler Anstieg durch eine spektakulaere Schlucht rechts an einem Wasserfall vorbei, und wir erreichen ein Plataeu mit Blick ins Hochland. Leider ist es so bewoelkt, dass keine Berge zu sehen sind. Nach einer halben Stunde erreichen wir das Doerfchen Tal mittags um kurz nach 12, nach 5 Stunden Gehzeit, das direkt am Fluss gelegen ist, der sich hier zu einem See aufstaut, bevor er sich als besagter Wasserfall in die Schlucht ergiesst.
Tal ist ein sehr gepflegter, richtig "grosser" Ort, mit Gebetsmuehlen am Ein- und Ausgang, huebschen Haeusern mit Gaerten und einem tollen Blick auf einen Wasserfall. Die Umgebung sieht recht verwunschen aus mit dunkelgruen bewachsenen Felsen, was wie in einem Fantasy-Film.
Wir beziehen das Peaceful Guest House, bekommen Lunch im Garten (Nudelsuppe bzw. gebratene Nudeln mit Gemuese), jetzt kommt auch Lhakpa an, sichtlich erleichtert.
Duschen und Haare waschen mit ertraeglich temperiertem Wasser im Verschlag im Garten, dann halten wir ein Nachmittagsschlaefchen. Wir holen anschliessend Wasser bei der "Safe Drinking Water Station", einem Projekt, bei dem Wasser zu Trinkwasser aufbereitet wird, um die unermesslichen Mengen an Plastikflaschen einzudaemmen. Beim Spaziergang durch den Ort treffen wir die englischen Trekker wieder und ratschen ein wenig, dann besichtigen wir den Wasserfall und erschrecken ein paar Huehner.
Zurueck im Hostel spielen wir Kniffel im Garten, als es draussen zugig wird, ziehen wir um in die "Dinning Hall" (sic!) und speisen Kartoffeln mit Gemuese bzw. Chicken Curry und trinken Schwarztee. Sehr gesund. Und schon regnets wieder, diesmal ziemlich heftig. Es ist sogar zu nass zum Zaehneputzen draussen, deshalb stellen wir uns dazu in den Wellblech-Duschverschlag. Um 21 Uhr ist Bettgehzeit, es gibt sogar Strom, wir koennen also noch ein wenig lesen.

"Baby, es gibt Reis" oder: Balanceakte (05.08.2011)

Ohne Wecker wachen wir um halb sechs auf, der Laerm des neben unserer Lodge rauschenden Flusses ist immens! Wir packen unseren Kram zusammen, putzen die Zahne mitten im Garten, und es verspricht jetzt schon, ein heisser Tag zu werden. Zum Fruehstueck gibts Porridge mit Obst und Tee, unser Traeger Lhakpa packt recht ungluecklich dreinschauend den Rucksack, wir befuellen unsere Trinkflaschen noch mit kochendem Wasser und wollen los. Doch halt, erst brauchen wir noch einen Stempel auf unserer Trekkingerlaubnis, leider duscht der zustaendige Herr grade, also muessen wir ein wenig warten. Um 7:15 Uhr brechen wir auf; gewandert wird durch sehr nasse Reisfelder, wir ueberqueren alle paar Minuten irgendwelche Baeche, die sich in den Hauptstrom ergiessen und balancieren auf Steinen ueber Wasserlaeufe - immer in der Hoffnung, keine nassen Fuesse zu bekommen.
In den Baeumen sehen wir Affen, ueber die Wege huschen riesige Eidechsen, es flattern die tollsten Schmetterlinge umher. Das Tal ist wahnsinnig gruen, wir sehen Huegel und Reisterrassen, so weit das Auge reicht. Am fruehen Morgen blitzen zwischen den Wolken sogar die richtig hohen Berge (Manaslu I) hervor. Wir kommen immer wieder an kleinen Doerfern und Huetten mit Unterstaenden fuer Ziegen, Huehner und Kuehe vorbei, davor sitzen die Dorfbewohner, Frauen waschen Waesche, Kinder rennen herum, alle Maenner humpeln am Stock umher, und alle gruessen uns freundlich.
Erste Erkenntnis des Tages: der Durchschnittsnepalese wandert in Flipflops! Und ist damit ungefaehr dreimal schneller als wir in unseren Wanderschuhen.
Es ist unglaublich heiss, durch die hohe Luftfeuchtigkeit sind wir schnell klatschnass und froh um den Sonnenhut. Pausiert wird unterwegs immer mal wieder, wir staerken uns mit Riegeln und Keksen, dadurch holt uns der etwas langsamer gehende Lhakba, der sichtlich unter der Hitze leidet, immer wieder ein. Wir begegnen auf dem Weg 2-3 anderen Trekkern, aber das wars auch schon.
Immer wieder ueberqueren wir den grossen Fluss, dann auf abenteuerlichen Haengebruecken, waehrends oben schaukelt, schaeumt zig Meter unter uns das Wasser.
Nach gut 5 Stunden Wanderung und etwa 200 Hoehenmetern erreichen wir um 12 Uhr Ghermu. Fuer Norman gibts dort Momos (so eine Art nepalesischer Maultaschen) zum Mittagessen, ich bin schon mit einer Cola zufrieden. Unser Traeger kommt eine halbe Stunde nach uns in dieser Lodge an - als wir vorschlagen, einen Ort weiterzuwandern (d.h. etwa 2 Stunden zu gehen), ist er nicht begeistert und raet ab. Also bleiben wir in Ghermu, spazieren durch den Ort und schlagen den Nachmittag mit lesen, Kniffel spielen, duschen und doesen tot. Am spaeten Nachmittag holen uns die Wolken ein, es beginnt zu regnen und hoert auch den ganzen Abend ueber nicht mehr auf.
Beim Abendessen laesst uns die Besitzerin keine Auswahl, es gibt Dal Bhat und Tee fuer alle. Zaehne geputzt wird am Familien-Wasserloch im Garten, und wir gehen ins Bett, waehrend die Besitzer noch begeistert vor dem Fernseher sitzen - wir sind eh die einzigen Gaeste weit und breit...

"Shake it, baby" oder: Busfahren in Nepal (04.08.2011)

Keine Ahnung, was den Nachbarshund geritten hat, auf jeden Fall war die Nacht mehr oder minder "durchbellt" und wir dementsprechend unwillig, um 5:20 Uhr aufzustehen. Irgendwie klappte es dann doch, eine schnelle Katzenwaesche und ein hastiges Packen stehen schliesslich an. Unsere beiden grossen Rucksaecke bleiben naemlich mit einem Teil unserer Sachen im Hotel in Kathmandu, und ein grosser Rucksack wird mit unseren Wanderutensilien und den Schlafsaecken befuellt (und wiegt eine gefuehlte Tonne) und unserem Traeger uebergeben. Wir behalten unsere Tagesrucksaecke mit Wasser, Regenjacke und allem Noetigen. Draussen wartet schon ein Taxi, das uns zum Busbahnhof bringt, waehrend der immerfreundliche Nachtwaechter das Abschiedskomittee gibt. Der Taxifahrer bugiert uns durch das trotz der fruehen Stunde bereits herrschende Chaos und strahlt immerzu dabei. Am Busbahnhof vertroedeln wir ein wenig die Zeit mit heissem Tee und werden von Ngima noch mit Keksen ausgestattet, da er uns raet, das angebotene Mittagessen aus Hygienegruenden zu verschmaehen. Um 7 Uhr geht schliesslich der Bus, das Gepaeck wird natuerlich auf dem Dach untergebracht. Noch sind im Bus vor allem andere Trekker mit ihren jeweiligen Guides und Traegern, aber die beiden dazu engagierten "Busschreier", die nach der Abfahrt in der offenen Bustuer haengen, plaerren so lange die am Strassenrand stehenden Leute an, bis der Bus auch wirklich und nach nepalesischem Standard "voll" ist. Zuweilen werden durchaus auch Wartende am Arm in unseren Bus gezerrt, es herrschen richtiggehende Kaempfe um potenzielle Fahrgaeste zwischen den verschiedenen Busunternehmen. Sehr spannend das alles! Aber das dauert natuerlich, und so kommen wir kaum voran, sondern tuckern endlos an Strassenstaenden vorbei, dauernd springen fliegende Haendler (gerne kleine Kinder) auf und wollen Wasser, Obst, Chips oder Plastikkram verkaufen. Endlich gehts ueber enge Strassen raus aus der Stadt und rein in die Berge, immer nach dem Motto "Wer am lautesten hupt, gewinnt". Es wird unertraeglich heiss, alle daemmern vor sich hin, bis wir gegen 11 Uhr einen Stop an einem eher fragwuerdigen Strassenlokal und die erste Bekanntschaft mit einem Stehklo machen. Wir lehnen brav das angebotene Mittagessen ab (siehe oben), da die dreckigen Tische in der Tat nichts Gutes verheissen.
Bei der Weiterfahrt wird die Strasse zunehmend schlechter, die Stops zum Ein- und Ausladen der nepalesischen Passagiere oder wegen Hindernissen auf der Strasse (entgegenkommende LKWs oder Busse, Steine, Baeche, ...) werden haeufiger. Gegen 15 Uhr, nach acht Stunden Fahrt, erreichen wir endlich Besisahar, dort muessen sich zunaechst alle Trekker im dortigen Buero registrieren (d.h. es gibt einen Stempel auf die Trekking Permit und wir muessen unterschreiben).
Wir haben nun wirklich keine Lust mehr auf eine weitere Fahrt ueber Rumpelpisten und bestehen darauf, die gut 2 Stunden nach Bhulbhule, unserer heutigen Etappe, zu laufen. Unser Sherpa ist unwillig und wir schicken ihn daher mit dem Bus voraus. So war das ja eigentlich nicht gedacht, dass wir wandern und unser Traeger Bus faehrt!
Wir wandern ueber ueberspuelte Strassen, bei denen wir sogar einmal die Schuhe ausziehen muessen und barfuss durchs Wasser waten muessen, durch Doerfer, Kinder spielen am Rand und gruessen uns freundlich, ueberall stehen und liegen Kuehe, Ziegen, Huehner, Hunde, aussenrum ist alles gruen, der Fluss rauscht wild neben uns her, sehr idyllisch also. Wir sind sehr schnell total verschwitzt, weils extrem heiss ist und dazu die Luftfeuchtigkeit ordentlich hoch ist.
In Bhulbhule bekommen wir ein Zimmer (naja, einen Holzverschlag) im Thorang La Guest House, und es gibt draussen im Garten im Duschhaeuserl doch tatsaechlich warmes Wasser. Ein guter Anfang!
Danach sitzen wir im Garten, trinken ein Bier, lesen, zum Abendessen gibt es Dal Bhat, das nepalesische Nationalgericht, bzw. gebratenen Reis. Wir erwehren uns der wilden Mueckenschwaerme, dazu geistern riesige Spinnen und Geckos um uns herum.
Das Zaehneputzen erfolgt im Freien, da dort das einzig Waschbecken steht. Die Position, die man auf einem Stehklo einnimmt, ist im Yoga uebrigens die Ausgangsstellung der "Kraehe". Hmmm, ob die sich wohl daraus entwickelt hat?
Wir liegen schliesslich im Seidenschlafsack im Bett, im Zimmer krabbeln viele Tierchen umher, es gibt keinen Strom, aber durch die Stirnlampe werden wir heftigst umschwirrt. Dann lieber Licht aus und schlafen!