26.8.11

Endspurt! (21.08.2011)

Und endlich ist er da - unser letzter Wandertag. Wir sind schon um 6 Uhr wach, da unsere Nachbarn packen und durch die duennen (Papp-)Waende jedes Wort und Geraeusch zu hoeren ist. Trotzdem doesen wir noch ei Stuendchen vor uns hin, lauschen dem Fluss, den Voegeln und Stimmen im Hof.
Schliesslich wird noch einmal der Rucksack gepackt oder besser gesagt gestopft und die Zaehne im Hof geputzt. Ich muss sagen, dass mir doch inzwischen tatsaechlich ein ordentliches Stehklo lieber ist als ein fragwuerdiges (weil nicht angeschlossenes) und meistens deutlich schmutzigeres "westliches" Klo!
Zum Fruehstueck gibts tibetisches Brot mit Yakkaese, beides eher fettig, Porridge und Schwarztee. Norman hat immer noch nicht aufgegeben mit den Kaffeeversuchen.
Um kurz nach 8 Uhr brechen wir auf zur letzten Etappe. Bereits jetzt ist es warm, wir gehen schweigend weiter abwaerts im Flusstal. Der Weg fuehrt kreuz und quer, zahlreiche Erdrutsche haben ihn verwuestet, manchmal muessen wir ueber umgestuerzte Baeume und ganze abgerutschte Haenge klettern. Die zahnlosen Omas mit Gehstock und die Pferdekarawanen, denen wir begegnen, lassen sich durch solche Widrigkeiten nicht weiters stoeren, sondern gehen stoisch ihres Weges.
Nach einer guten Stunde muessen wir eine Verschnaufpause machen, es ist unertraeglich heiss und unser Micorpur-behandeltes Wasser endlich trinkbar. Wie die Mulis trotteln wir weiter schwitzend vor uns hin, der Laerm der Zikaden ist zum Teil ohrenbetaeubend. Nach knapp 3 Stunden hat und das wirkliche Leben wieder. Wir ueberqueren eine offenbar fuer zukuenftige Autonutzung gebaute Bruecke (die aber quasi mitten im Fels endet), und schon kommt wieder ein Polizeiposten, der unsere Trekkingerlaubnis stempelt, inmitten von zig Verkaufsstaenden, Menschen, Hunden, Pferden, rostenden Traktoren, Muell...
Wir verschnaufen ein allerletztes Mal beim allerallerletzten Polizeiposten (kaum 10 Minuten vom vorhergehenden entfernt), insgesamt haben wir etwa 15 Stempel gesammelt und kommen uns vor wie bei einer Schnitzeljagd. Wir wappnen uns fuer das gefuehlte jaehe Ende unserer Bergeinsamkeit, die Heerscharen an "Kurzzeittrekkern", die uns entgegenkommen, beachten wir schon fast gar nicht mehr.
Ein letzter steiler Anstieg, und wir erreichen Nhaya Pul, Ziel des Annapurna Circuit Treks. Es bleibt gerade genug Zeit, ein paar Kekse zu essen, schon hat Norman gemeinsam mit Lhakpa ein Taxi zu einem vernuenftigen Preis (12 Euro fuer 75 Min. Fahrt) organisiert, das uns nach Pokhara bringen soll.
Als wir in den wackligen, quietschenden kleinen Suzuki einsteigen (der Rucksack wird kurzerhand oben aufs Autodach geschnallt), sind wir noch skeptisch, ob wir nicht doch lieber auf den Bus haetten warten sollen. Doch die gut einstuendige Fahrt laueft prima, manche Situationen entlang der Serpentinen sind zwar wieder etwas fragwuerdig, und dass der Fahrer zuweilen aus dem Fenster nach hinten auf seinen rechten Hinterreifen guckt, koennte einen nervoes machen, aber letzten Endes erreichen wir unbeschadte das Hotel Fewa direkt am See. Der Taxifahrer freut sich wie bolle, dass er 1 Euro Trinkgeld bekommt.
Wie kriegen ein nettes Zimmer mit Balkon zum See, richtig feudal fuer 15 Euro/Nacht und laden Lhakpa noch zum Mittagessen ein. Es gibt Obstsalat, Lassis und Gemueserohkost mit Dip, nach den eher vitaminarmen letzten Tagen gieren wir alle nach Frischem.
Wir unterhalten uns noch ein bisschen, tauschen Mailadressen aus und den geniessen den schoenen Platz am See, mit Blick auf den hin und wieder hervorspitzelnden Machhapuchare-Gipfel. Schliesslich verabschieden wir uns von unserem Traeger, der 18 Tage lang bei jedem Wetter unseren zugegebenermassen recht umfangreichen Krempel geschleppt hat. Er macht sich auf den Weg zurueck nach Kathmandu, waehrend wir erst einmal zwei grosse Tueten Schmutzwaesche an der Rezeption abgeben. Dann wird gesucht, gemeinsam mit dem Wurm n der Duschwanne, und Siesta gemacht - es ist viel zu heiss draussen.
Gegen 16 Uhr wagen wir uns hinaus, ein wenig bummeln, und sind begeistert von den huebschen Geschaeften, wo nicht halb soviel los ist wie im staubigen Kathmandu. Wir beschliessen, noch eine Nacht laenger in Pokhara zu bleiben und unsere ganzen Einkaeufe hier zu taetigen.
Sehr angetan von den Ausblicken auf den See erstehen wir im Supermarkt ein Flaeschen Rum und eine Flasche Mangosaft und setzen uns selig mit einem Aperitif auf unseren Balkon.
Zum Abendessen suchen wir uns das Restaurant "Boomerang" aus, wir kriegen einen Platz im Garten direkt am See, sehr huebsch! Das Essen ist grossartig, es gibt ein Deluxe Dal Bhat mit zwei verschiedenen Currys, Spinatsalat, Joghurt und Obst und Tee zum Nachtisch, und es gibt Bier! Dazu spielt auf der Buehne des Restaurants die oertliche Volkshochschulegruppe ein "nepalese cultural program" mit Tanz und Gesang, das ist vielleicht ein Spektakel und ein Laerm! Die Taenzer mit den Gurkhamessern sind allerdings wirklich toll.
Irgendwann fluechten wir in die "Busy bee bar", trinken Cocktails mit den Namen "A long trek" und "Mountain Lady" und essen Popcorn. Ausser uns sind nur ausgehwuetige Nepalesen da. Als wir uns um 22 Uhr auf den Heimweg machen, steppt draussen der Baer! Wir sind aber brav und gehen zurueck ins ruhige Hotel, freuen uns auf wanderfreie Tage und schlafen beseelt ein.

25.8.11

Treppab (20.08.2011)

Die Nacht ueber ist deutlich Regen zu hoeren, und als um 6 Uhr der Wecker klingelt, ist es also auch nicht verwunderlich, dass draussen vor allem eins zu sehen ist: Nebel, dicke Wolken. Also blasen wir kurzerhand unseren geplanten Aufstieg zum Poon Hill ab und schlafen noch ein Stuendchen.
Beim Fruehstueck stellen wir fest, dass alle anderen Trekker die gleiche Entscheidung getroffen haben. Also gibts ein fettiges Fruehstueck und grauenhaften Instantkaffee, wir packen unsere inzwischen wieder klammen Sachen ein und marschieren bei leichtem Nieselregen los.
Noch in Ghorepani besteht Norman auf einem Einkauf in einem der Buchlaeden, denn ich habe seit gestern abend nichts mehr zu lesen und werde dann zuweilen unleidlich. Wir finden aber was Passendes und machen uns an den Abstieg.
Dschungelig gehts ueber ausgetretene, feucht-glitschige Steine nach unten, wir marschieren schweigen entlang der wuchernden Farne, bemoosten, verrottenden Baeumen, Baechen, Rhododendren durchs dunkle, tropfende Gruen.
Nach und nach lichtet sich der Wald, wir kommen wieder in eher tropische Gefilde, und durch die Wolkendecke bricht so langsam die Sonne. Es wird warm.
Seit knapp drei Wochen hoeren wir nun auf einmal wieder Flugzeuge ueber uns, anscheinend ist der Flugverkehr nach Jomson wieder aufgenommen.
Nach 2 Stunden wackeln die Knie schon ein bisserl, wir machen eine kurze Pause. Inzwischen kommen uns recht viele Leute, u.a. eine ganze koreanische Schulklasse, auf dem Weg entgegen - tatsaechlich also eine beliebte Wanderroute auch fuer "Nicht-Trekker", die meisten tragen Turnschuhe.
Die Sonne brennt kraeftig vom Himmel, der Schweiss rinnt, laut Fuehrer sinds fast 4.000 Steinstufen nach unten.
Eine letzte Pause, gedopt wird heute mit Kitkat-Riegeln, der Blick ueber das gruene Tal hilft auch ein wenig, und gegen 12:30 Uhr, nach knapp vier Stunden Abstieg, gehts ueber eine letzte Haengebruecke und wir erreichen mit Gummiknien Thikedunga (1.500 m).
Wir beziehen unsere Lodge, Lhakpa ist auch reichlich erledigt, und setzen uns mit Cola und Keksen erstmal ab. Wieder dermassen ausgepaeppelt gibts endlich die wirklich noetige Dusche. Obwohls bei den Aussentemperaturen hier (30 Grad) nicht wirklich noetig waere, ist sie wunderbar heiss. Die Anzahl der noch sauberen, verfuegbaren Klamotten schrumpft leider unerbittlich, es wird knapp, alles ist dreckig und verschwitzt, aber wir hoffen auf Waescheservice spaetestens morgen abend in Pokhara. Hier in der Sonne trocknen wenigstens die Handtuecher und Schuhe wieder ordentlich durch.
Ich setze mich in den Hof, lese und mache Bekanntschaft mit dem Hund des Hauses, Norman doest derweil im Zimmer vor sich hin. Der Spaziergang durchs Dorf ist schnell erledigt, hier gibts nicht viel mehr als 5-6 Lodges, die aber alle gut besucht sind von Trekkinggruppen. Komisch nach den vielen Tagen des "Fast-Alleinseins"...
Der Nachmittag geht mit Lesen (gute Entscheidung, morgens noch neuen Lesestoff zu kaufen!) schnell rum, nebenher blaettern wir noch in einer herumliegenden Ausgabe der GQ India und amuesieren uns ueber die Fashion Tipps fuer den hippen Inder von heute.
Zum Abendessen gibts reichlich und sehr scharfes Dal Bhat bzw. Fruehlingsrollen mit Pommes, und danach endlich-endlich-endlich wieder einmal eine Snickers-/Mars-Roll. Wir sind dermassen vollgestopft, aber gluecklich, das liegt moeglicherweise aber auch am Raksi, dem lokalen alkoholischen Getraenk, das wir heute probieren und das wie verwaesserter Slibowitz schmeckt. Brrrr!
Die groesste Sorge ist, dass der Kugelschreiber den Geist aufgegeben hat. Ansonsten ist es herrlich in der lauen Nachtluft mit den unfassbar lauten Zikaden (die die Ausmasse von Katzen haben muessen bei der Lautstaerke, die die fabrizieren) zu sitzen und sich mal wieder um nix ausser der Fruehstuecksbestellung kuemmern zu muessen.
Nach 17 Tagen Dauerwandern sind die Koepfe ordentlich aufgeraeumt, saemtliche Ohrwuermer gesungen, auch die Abwesenheit von Handy und Internet ist erholsam.
Und zugenommen haben wir hier trotz regelmaessigem Konsum von Schokopudding definitiv auch nicht, eher im Gegenteil. Ein richtiger "Fasten-/Wellness-Urlaub" also bisher...

Dschungelabenteuer (19.08.2011)

Man weiss beim Aufwachen nie, ob das Rauschen draussen vom Regen oder vom Fluss kommt. Nachts wohl von beidem, aber zumindest beim Aufstehen um halb 7 tropft es nur noch von den Blaettern.
Trotzdem fuehlt sich alles recht klamm an, und wir muessen recht viele nasse Sachen einpacken. Nach dem Fruehstueck (Porridge, Tee und Norman versucht schon wieder sein Glueck und bekommt scheusslichen Instantkaffee) fuellen wir im Shop gegenueber noch schnell unseren Keksvorrat auf und marschieren um 7:40 Uhr los.
Eine halbe Stunde gehts entlang der Strasse, dann ueber den Fluss auf einer sehr fragwuerdigen Haengebruecke - und dann geht es aufwaerts. Wir sind innerhalb kuerzester Zeit klatschnass, denn die Luftfeuchtigkeit ist wie in einem Dampfbad, dazu hats gut 25 Grad und wir bewaeltigen in den naechsten 50 Minuten gut 400 Hoehenmeter. Oben ist ein Aussichtspunkt, aber natuerlich gibt es ausser Wolken ueberhaupt nichts zu sehen Wir laufen also weiter durch eine verwachsene Dschungellandschaft, die an Indiana Jones oder Jurassic Park erinnert. Wir erklimmen endlos viele Steinstufen, die durch Doerfer und Wald fuehren.
Eine Zeitlang werden wir von Schulkindern begleitet und ein wenig ausgefragt, die einen wirklich beeindruckend langen (1 Stunde?) und steilen Schulweg haben, den aber in Flipflops und Schulkleidung (Pulli, Hemd, Krawatte, Hose bzw. Rock) absolvieren, und die Kleinsten sind vielleicht 5 Jahre alt.
Um halb elf beginnt es zu regnen, wir machen Teepause in Sikha, essen Snickers und Kekse und warten auf Lhakpa, den wir ordentlich abgehaengt haben. Ein wenig warten wir den Regen noch ab, fuegen uns dann aber ins Unvermeidliche und wandern feucht sowohl durch die Anstrengung als auch wegen des andauernden Nieselregens weiter nach Chitre. Nun sind wir schon auf gut 2.400 m und beschliessen daher, die Mittagspause einzulegen. Ist ja auch schon 13 Uhr
In der Lodge, die wir aussuchen, wird uns nur Nudelsuppe angeboten, das passt aber eh wunderbar. Waehrend des Essens kommen wir uns Gespraech mit einer jungen Koelnerin, sie macht in diesem Nest ein 2monatiges Praktikum in einer Schule ueber eine Hilfsorganisation. Sie erzaehlt, dass, die Schueler kaum Stifte und Papier haben. Die Schule beginnt wohl wegen der langen Wege der Schueler erst um 10 Uhr. Wir schenken ihr unsere nepesische SIM-Karte (die wir von Jens bekommen haben), und die wir nicht brauchen.
Nach einer guten Stunde brechen wir wieder auf, nachdem wir Lhakpa eroeffnet haben, dass wir noch nicht genug haben.
In der naechsten Stunde mit weiteren Stufen ueber Stufen regnets sichs so richtig ein, und als wir um halb 4 (nach fast 8 Stunden Gehzeit) endlich Ghorepani (2.750 m) erreichen, sind wir ziemlich nass und erledigt. Schliesslich sind wir heute nochmal 1.500 Hoehenmeter aufgestiegen.
Zu sehen ist ringsum trotzdem nix, aber wir haben grosse Hoffnung auf den morgigen Tag. Wir beziehen ein "Cottage" in der Sunny Lodge, das beste neben der heissen Dusche (auf die muessen wir leider fast 1 h warten, denn Lhakpa ist irgendwie verschollen und kommt erst viel spaeter an als wir, und damit eben auch unsere ganzen Sachen) ist der Ofen, der mitten im Essensraum steht. An dem duerfen alle Anwesenden ihre nassen Sachen trocken, was dazu fuehrt, dass mitten zwischen den Esstischen Socken, Unterhosen, T-Shirts, Handtuecher etc. aufgehaengt sind, darunter stehen Wanderschuhe.
Ghorepani ist touristisch deutlich besser erschlossen als alle Orte zuvor, hier kommen eben auch die Nepal-Besucher her, die keine grosse, sondern vielleicht nur eine 2-3taegige Wanderung machen wollen.
In der Lodge tummelt sich alles (= 15 Gaeste) um den Ofen herum und liest, schreibt - sehr gemuetlich ist das. Daneben wird immer der Himmel beobachtet, alle hoffen auf gutes Wetter fuer den morgigen Aufstieg nach Poon Hill (3.200 m) - von dort sollen naemlich alle moeglichen Gipfel zu sehen sein.
Das Abendessen (Veggieburger bzw. Pizza) ist wie immer nur so eine halbe Portion, auf jeden Fall nicht ausreichend fuer die hungrigen Wanderermaegen. Auch der Schoko-/Vanillepudding ist nur so ein Tropfen auf dem heissen Stein.
Wir sitzen noch ein wenig am Ofen, spielen Karten und beobachten fasziniert die riesigen Falter und gruenen Kaefer, die um die Lampen schwirren und hin und wieder bei uns auf dem Tisch eine Verschnaufpause einlegen.
Um 21 Uhr sammeln wir die trockenen Klamotten ein und gehen ins eiskalte Bettchen

Endlich: ein Blutegel (18.08.2011)

Bei mir zumindest war die Nacht ein bisserl kurz, aber egal, wir muessen eh um halb 7 aufstehen, es regnet nicht mehr, dafuer haengen die Wolken sehr tief. Nach Porridge mit Honig und Tee brechen wir auf, muessen aber doch bald die Pullis ausziehen, denn trotz der Feuchtigkeit in der Luft und den Wolken hats schnell gut 25 Grad.
Wir marschieren weiter suedwaerts und damit auch abwaerts, kommen hinein in die tropische Vegetationszone, alles ist gruen und wuchert, dazu passt perfekt das neblig-truebe und feuchte Wetter.
Wir laufen zuerst entlang der Strasse, verlassen diese aber nach gut 2 Stunden, nachdem wir wieder einmal einen Polizeiposten in Ghasa passiert haben: diesmal hatten die beiden Polizisten sogar einen PC zur Eingabe unserer Daten! Wir bekommen sogar noch "sicheres" Trinkwasser ein paar Haeuser weiter.
Nach Ghasa gehts ueber eine der ueblichen Haengebruecken auf die andere Flussseite, hinauf durch tropfende Waelder. Oben gibts eine Kekspause in einem kleinen Doerfchen, bestehend aus 3 Haeusern, belauert vom Dorfhund, dem wir grosszuegig einen Keks abgeben. Die Kuehe laufen an uns vorbei, die Huehner jagen wir regelmaessig vor uns her. Ueberhaupt, was hier alles an Tier-Sch... auf den Wegen herumliegt, ein regelrechtes Zickzack-Laufen ist das. Dazu noch die ewig matschigen und nassen Pfade...
Wir steigen ueber viele steile Steinstufen und -wege wieder Richtung Fluss ab, es regnet wieder und soll so bald auch nicht mehr aufhoeren. Es zeigt sich, dass ich das Profil meiner Schuhe praktisch komplett runtergelaufen habe, ich rutsche nur noch vor mich hin.
Nach einer weiteren Haengebruecke sind wir zurueck auf der Strasse, leider muessen wir schnell wieder einen Umweg gehen, denn einer der vielen Erdrutsche hat die Strasse unpassierbar gemacht. So klettern wir mehr schlecht als recht ueber das lockere Erdreich des abgerutschten Hangs und sind froh, als wir drueben sind - reichlich eingedreckt.
Wir schlagen das Essensangebot der direkt an einem Wasserfall gelegenen Lodge sehr zum Bedauern unseres Traegers aus und laufen noch ein Stuendchen weiter - inzwischen ists schon sehr nass, und Norman wandert beharrlich mit Regenschirm. In Dhana machen wir gegen 12 Uhr endlich Lunchpause, es gibt eine kleine Nudelsuppe. Kurz nach uns kommt ein aelteres deutsches Ehepaar an, das lauthals wissen will, wann denn endlich ein Bus fahren wuerde. Bei den Erdrutschen, die wir in den letzten Stunden gesehen haben, und den ganzen Bussen, die dazwischen standen, dauert das wohl noch.
Ein wenig gestaerkt gehts weiter, entlang Bananen- und Feigenbaeumen, vielen, vielen Hanfpflanzen, wir begegenen ein paar Sadhus (heilige Maenner, meist Asketen und indischer Herkunft), die in Flipflops oder barfuss nur mit Tuechern bekleidet ins Heiligtum nach Muktinath pilgern. Sobald der Regen aufhoert, entledigen wir uns sofort der Regenjacken, zu "dampfsaunaaehnlich" sind die Temperaturen.
Doch alle 10-15 Minuten kommt der naechste Schauer. Die Strasse ist inzwischen eine reine Matschpiste, immer wieder muessen wir Baeche ueberqueren, die von den Haengen herunterfliessen. Oft genug passieren wir Stellen, an denen riesige Steine auf die Strasse gerutscht sind. Die Umgebung sieht wie verwunschen aus, das dichte, dunkle Gruen, der Nebel, der sehr reissende Fluss zu unserer Linken...
Gegen halb drei erreichen wir nach knapp 7 Stunden Gehzeit endlich Tatopani, wir sind nun auf etwa 1.200 m  Hoehe angekommen. Wir beziehen eine kleine Huette in der Dhaulagiri Lodge, mitten in einem tropischen Garten mit Zitronenbaeumen, Farnen, Bananenstauden und dementsprechend allerhand viel Getier.
Nach einem kurzen Schlaefchen machen wir uns auf die Suche nach den vielgeruehmten heissen Quellen. Nach ein wenig Herumfragen finden wir diese direkt unterhalb unserer Unterkunft unten am Fluss - ein Becken voll mit herrlichem heissem (40 Grad) Quellwasser. Der Eintritt kostet 50 Cent, und wir sinken beglueckt ins Becken, sitzen im Freien, gucken uns die Umgebung an und kochen so vor uns hin. Wohlweislich haben wir im Gepaeck immer Badesachen, man weiss ja schliesslich nie.
Auser uns ist noch ein nepalesisches Ehepaar da, das sich amuesiert ueber unsere "Kocherei" - denn das Wasser ist wirklich sehr heiss. Wir stellen fest, dass Norman offenbar heute im Lauf des Tages von einem Blutegel gebissen wurde, am Knoechel ist Blut und ein winzig kleiner "Biss", ebenso sind Schuhe und Socken ein wenig blutig. Hm, alles also halb so wild, anscheinend ist die Blutegelplage doch nur eine Art "urban legend".
Tiefenentspannt steigen wir nach dem heissen Bad schnell zurueck in unsere Unterkunft, stilecht nepalesisch in Flipflops auf rutschigen Steinstufen. Die Dusche dort ist leider ziemlich kalt, naja. Beim anschliessenden Lesen draussen machen sich Moskitoschwaerme zum Angriff bereit, dank "Nobite" sind wir aber gefeit.
Zum Abendessen wagen wir uns an eine "cheese tomato lasagne", die erstaunlich viel Aehnlichkeit mit dem Original hat. Wir sind recht verbluefft. Auch der Schokopudding ist ordentlich. Wir amuesieren uns noch ueber die Babykatze, die herumtollt und mit Normans Regenschirm spielt, und gehen dann in tiefster Dunkelheit in unsere Tropenhuette.

Die erste und einzige Busfahrt (17.08.2011)

Ich hasse Haehne! Vor allem solche, die ab kurz vor 5 Uhr in einem Takt von ca. 20 Sekunden regelmaessig ueber 2 Stunden direkt unter unserem Fenster kraehen. Da koennte man glatt in Versuchung geraten, das Vegetarier-Dasein wieder aufzugeben... Die Oropax helfen auch nur so maessig, und so wir beim Weckerklingeln um halb sieben eh schon mehr oder minder wach. Das Fruehstueck (fettiges Omelett und fettiges tibetisches Brot) nehmen wir im Beisein hunderter Fliegen zu uns.
Aufbruch ist um halb acht, wir marschieren aus Marpha hinaus, draussen stehen ueberall Kohletoepfchen, in den "wohlriechende" Kraeuter verbrannt werden, der "Weihrauch" soll wohl die Luft von allem Boesen reinigen.
An der 1. Gabelung verabschieden wir uns von Lhakpa und machen einen Umweg ueber die Doerfer Chhairo und Chimang - es geht hoch hinauf, wir kommen ins Schwitzen, werden aber dafuer mit Ausblick zuerst auf Annapurna und dann auf Dhaulagiri belohnt. Ueberall wachsen dicke rote Aepfel an den Baeumen in den Haengen. Beim Abwaertsgehen muessen wir mal wieder einen Fluss ueberqueren, unsere Balanceakte (mit Hilfe der Stoecke) sehen schon recht professionell aus.
In Tukche unten im Tal treffen wir Lhakpa wieder, er klagt ueber Knieschmerzen, ueberhaupt sind wir heute alle ein wenig "unfit", der Ruecken schmerzt, die Beine sind muede. Der 14. Wandertag in Folge bleibt nicht folgenlos, wenn wir auch bisher von Blasen, kaputten Fuessen, Muskelkater o.a. verschont geblieben sind. Dagegen verabschiedet sich so langsam aber sicher das Profil meiner Wanderschuhe - die bleiben dann wohl in Nepal.
Nach einer Kekspause traben wir weiter, immer die Schotterstrasse entlang, es windet und staubt und die Landschaft sieht mit ihren saftigen gruenen Huegeln und dem Fluss fast aus wie in den Alpen. Die Sonne scheint, dennoch sind wir froh, dass wir nach gut 3 Stunden in Marjung eine Mittagspause einlegen koennen. Just hier beginnt es naemlich zu nieseln.
Nach gut 1 Stunde bekommen wir frisch gemachte Gemuese-Momos, frischen Apfelsaft, und schliesslich draengt uns die Dame des Hauses noch selbstgemachte Apfetaschen auf. Herrlich!!!
Als wur uns nun endlich wieder auf den Weg machen, zieht eine graue Wolkenfront auf - es regnet ordentlich, und das Laufen macht nur maessig Spass, weil der Wind einem den Regen immer ins Gesicht weht. Nach mehr als einer halben Stunde ohne Wetterbesserung geben wir auf und halten den naechstbesten Bus an, der vorbeifaehrt. Es handelt sich dabei um ein ausgesprochen rumpeliges Gefaehrt, die Sitzbaenke wackeln wie wild bei den riesigen Schlagloechern, mich hebts jedesmal mehrere Zentimeter hoch vom Sitz, aber wenigstens versprechen die Goetteraufkleber auf der Windschutzscheibe den noetigen goettlichen Beistand.
Den braucht der Fahrer bei der kurvigen, schmalen Strasse auch, die zum Teil ueberspuelt ist, zum Teil von riesigen Steinen bedeckt ist, dazu kommen doch ab und zu andere Busse entgegen. Nach einer halben Stunde seeehr rumpeliger Fahrt steigen wir in Kalopani aus und beziehen ein echtes "Luxuszimmer" (mit gefliestem Bad!) im Kalopani Guest House. Leider ist die Dusche nur lauwarm, aber der Schlafsack, in dem wir den ganzen Nachmittag verdoesen (was soll man bei dem Dauerregen schon anderes machen?), ist kuschelig wie immer.
Um halb sechs raffen wir uns auf und gehen in den Aufenthaltsraum, trinken Tee, gucken ein bisserl BBC News (wieder mal die Erkenntnis: die Sorgen der Welt sind fuer uns momentan ganz weit weg) und lesen. Um 7 Uhr gibts das wohl leckerste Dal Bhat, das wir bisher gegessen haben: die Linsensuppe ist super, das Chutney hervorragend - und es gibt ordentlich Nachschlag.
Auf Nachfrage duerfen wir den selbstgemachten Cidre probieren. Norman mag ihn nicht, aber ich bestelle ein Glas, der ist zwar sauer, aber ansonsten wirklich trinkbar.
Wir spielen Karten, waehrend die Nepalis herumsitzen und sich unterhalten, nebenher laeuft selbstredend immer der Fernseher.
Trotz Nachmittagsschlaf verziehen wir uns gegen 21 Uhr auf unser Zimmer - etwas Sorge macht mir, dass auf dem Hof gegenueber schon wieder zwei Haehne gesichtet wurden! Aber der Bach direkt neben unserem Zimmer rauscht so laut, dass wir deren Gekraehe wahrscheinlich gar nicht hoeren.
Mich plagt nachts ein wenig der Bauch, ich nehme mal an, dass der ganze frische Apfelsaft dran schuld ist...

23.8.11

Endlich: Kaffee und Kuchen (16.08.2011)

Unter dem Fenster meckern Ziegen, Gloeckchen bimmeln, ein Schaefer treibt seine Herde in aller Frueh an unserem Zimmer vorbei. Wir stehen um halb sieben auf, packen unsere leider noch feuchte Waesche ein und essen wie ueblich Porridge - der Kaffee, zu dem ich mich heute hinreissen lasse, ist scheusslich.
Wir bezahlen und brechen auf, das Wetter verspricht herrlich zu werden, wir sind ordentlich eingecremt und marschieren so ein gutes Stuendchen entlang des Kali Gandaki-Flusses westwaerts.
Doch ploetzlich gehts nicht weiter, der Fluss hat die Strasse ueberflutet und versperrt uns den Weg. Also ziehen wir kurzerhand Schuhe und Socken aus und die Flipflops an, und waten durchs ziemlich reissende und vor allem saukalte Wasser. Das ist eine ordentliche Erfrischung - die Jeeps, die auf dieser Strecke normalerweise fahren, kommen wohl auch nicht voran. So wandern wir weiter, rechts schaut ab und zu der Dhaulagiri hervor, und erreichen gegen 10 Uhr Jomsom: Ein richtig grosser Ort, immerhin mit eigenem Flugplatz!
Wir gelangen nach New Jomsom mit seinem Trekker-Lodges, hier absolvieren wir wieder einmal das Procedere auf der Polizeistation, wo unserem Trekking-Erlaubnis zum wohl zehnten Mal ueberprueft und gestempelt wird. Der Polizist kuemmert sich dann auch drum, dass wir unser Trinkwasser auffuellen koennen.
Auf der Strasse treffen wir unsere spanischen Trekkingbekanntschaften wieder, die eigentlich ab Jomsom nach Pokhara ausfliegen wollten. Doch leider sind wohl alle Fluege wegen starker Winde gestrichen, also werden alle Passagiere stattdessen in den Bus verfrachtet, das Gepaeck kommt aufs Dach, und los geht die fast zweitaegige Fahrt.
Wir winken und setzen uns lieber in die empfohlene "Bakery", dort bekommen wir nicht nur echten Cappucchino (aus einer sorgfaeltig mit einem bestickten Tuch abgedeckten und behueteten Kaffeemaschine), sondern dazu auch noch ein Stueck frischgebackenen, noch warmen Karotten-Mandel-Kuchen. Ist das lecker!
Jomsoms "Hauptstrasse" besteht aus etwa 10 Geschaeften, also gehen wir noch ein wenig "shoppen" und kaufen Klopapier, Postkarten und Kekse. Dann wandern wir weiter, raus aus dem Ort, inzwischen ist auch der Wind wieder da und blaest uns mit ordentlicher Kraft entgegen, dass manchmal sogar der Staub zwischen den Zaehnen knirscht. Wir sind aber ganz froh drueber, denn die Sonne brennt vom Himmel, und in der Ebene gibts nirgendwo Schatten. Es ist sehr karg, wir fragen uns, was die immer wieder auftauchendenden Pferde, Kuehe und Ziegen ausser den paar aermlichen Gebueschen so fressen...
Um kurz nach 12 Uhr laufen wir in Marpha ein, ein trotz vorbeifuehrender (Schotter-)Strasse (auf der wir vielleicht 3-4mal von Mopeds ueberholt werden) noch recht urspruenglich gebliebener Ort mit den traditionellen Steinhaeusern und Kanaelen in den Gassen.
Wir beziehen ein huebsches Zimmer (mit Doppelbett!) in der Dhalagiri Lodge, richten uns haeuslich ein und ich mache ein wenig Yoga, waehrend Norman liest. Ich bin mal wieder hoechst erfreut ueber die warme Dusche. Nach der rudimentaeren "Schoenheitspflege" legen wir uns ab, allerdings haelt uns der ueberambitionierte Hahn auf dem Nachbarhof vom Schlafen ab.
Also raffen wir uns auf und spazieren durch den Ort. Auffallend sind die Souvenirshops, die gabs bisher auf der Strecke noch nicht - und dazu gehoeren auch immer die davor herumlungernden Besitzer, die uns mit "Come in, only looking" hereinloaken wmllen. Wenigstens l`ufen sie einem hier nicht hinterher, wenn man ablehnt...
Das Oertchen hat natuerlich auch wieder ein Kloster, das am Eingang schon damit wirbt, dass die Aussicht von oben besonders huebsch sei. Also steigen wir die vielen Stufen entlang der Gebetsmuehlen hinauf, und es lohnt sich, die Aussicht ueber die Daecher Marphas mit den vielen bunten Faehnchen in der Sonne ist wunderbar! Beim Herumschlendern entdecken wir auch den Wegweiser zum Dhaulagiri Base Camp. Ausserdem wird in der sog. "Apfelhauptstadt" Marpha ueberall fuer frischen Apfelsaft (den wir nach unserer Rueckkehr in unser Hostel gleich mal probieren), Apple pie und Cidre geworben.
Wir vertroedeln den restlichen Nachmittag mit Lesen, zum Abendessen gibts Thauka (nepalesische Nudelsuppe) und ich wage mich ans "Moussaka", das sich als geriebene Kartoffeln mit Gemuese herausstellt. Zum Nachtisch gibts diesmal natuerlich gebackene Apfelringe!
Nach dem Essen spielen wir Kniffel, es gibt Strom und damit Licht, alles sehr luxurioes heute also. Trotzdem gehen wir schon um neun ins Zimmer und amuesieren uns ein wenig ueber die rote Gluehbirne in der Lampenfassung.

In die Oase (15.08.2011)

Ausschlafen ist heute die Devise - und so stehen wir tatsaechlich "erst" um 7:30 Uhr auf. Ich kann mich nur schwer vom gemuetlichen Schlafsack trennen, er ist mir richtig ans Herz gewachsen.
Wir fruehstuecken Schoko-Pancakes, Tee, Kaffee und Sanddornsaft, packen, gucken den schwer bepackten Pferdekarawanen auf der matschen "Dorfstrasse" zu und bezahlen beim wortkargen Wirt. Auf der Rechnung stehen sogar 2x 100 NRP (1 Euro) fuer die heisse Dusche!
Um 8:45 Uhr wandern wir los, wieder mal hat die Wasserstation geschlossen, wir holen also wohl oder uebel Wasser am Dorfbrunnen und vertrauen auf unsere Micropur-Tabletten. Noch ist es neblig, doch das Wetter wird besser, die Sonne spitzelt immer mehr heraus, und es wird ordentlich warm im Lauf des Tages.
Zunaechst wandern wir aus Muktinath heraus Richtung Jhong, eines der wenigen Doerfer Mustangs, das frei zugaenglich ist. Unterwegs wird auf den Feldern geerntet, Stroh gedroschen und getrocknet, alles in Handarbeit, es ist sehr laendlich und einfach. Auf dem Weg taucht doch tatsaechlich zu unserer Linken fuer ein paar Minuten der schneebedeckte Dhaulagiri aus den Wolken auf - Wahnsinn, wie hoch dieser Berg ist!
In Jhong ist wenig los, wir steigen hinauf ins Kloster, dort ist nur ein alter Mann anwesend, der uns bereitwillig aufschliesst, Eintritt kassiert und eine Broschuere mit allen Infos aushaendigt. Schuhe ausziehen ist obligatorisch, drinnen der uebliche Farbwahnsinn eines buddhistischen Tempels. Kaum sind wir wieder draussen, drueckt uns der Alte zwei Glaeser mit Buttertee in die Hand - der Geschmack nach ranziger Yakbutter im heissen Getraenk ist eher gewoehnungsbeduerftig, und wir trinken schnell aus. Augen zu und durch!
Wir fragen die versammelten Dorfdamen nach dem Weg nach Jhakot, bewegen wir uns doch auf einem eher unueblichen Wanderweg etwas abseits der "Hauptroute", ueber die wir heute unseren Traeger vorausgeschickt haben. Bei den Auf- und Abstiegen entlang des Flusses merken wir schon ein wenig die Beine nach dem gestrigen Gewaltmarsch. Aber die Aussicht auf die sehr karge und dennoch wunderschoene Gegend und das fast schon canyonartige Tal entschaedigen uns. Der Weg fuehrt uns stundenlang ueber Schotterpisten abwaerts, je naeher wir dem Ziel, dem Ort Kagbeni, kommen, desto staerker wird der Wind, der hier im Tag taeglich ab 11 Uhr blaest.
Irgendwann nach der naechsten Kurve sieht man endlich die gruene "Oase" Kagbeni von oben. Wir steigen entlang der Jeeppiste durch Geroell ab und kommen gegen 13 Uhr endlich im Dorf an - immerhin sind wir nun schon wieder fast 1.000 m abgestiegen. Kagbeni liegt in einer Flussebene auf 2.800 m. Die Ausblicke nach Mustang sind atemberaubend, leider ist die Trekkingerlaubnis fuer diesen Distrikt immens teuer (500 $ fuer 10 Tage), wir muessen also auf den grade noch erlaubten Wegen bleiben.
In der New Annapurna Lodge erwartet uns schon Lhakpa, wir sind die einzigen Gaeste weit und breit und bekommen ein Zimmer mit tollem Rundumblick. Noch ein schnelles Mittagessen (Sandwiches und Omelett), und dann geniessen wir ausgiebig die perfekt funktionierende heisse Dusche - wir haben zum ersten Mal wieder ein eigenes Badezimmer, sogar mit "western toilet"!
Norman macht sich anschliessen dran, die noetigste Waesche (Handtuecher, Socken, Trekkinghosen) zu waschen, draussen laesst sich bei dem starken Wind aber kaum was aufhaengen, also spannen wir wieder einmal die Leine im Zimmer auf.
Der Spaziergang durch den Ort begeistert uns - das Doerfchen ist huebsch verwinkelt, es gibt enge Gaesschen, ueberall Gebetsmuehlen, Gompas und natuerlich auch ein Kloster, das wir besichtigen. Drinnen wird gerade unterrichtet, wir duerfen trotzdem hinein. Huebsch, aber genauso wie alle anderen Kloester davor - am tollsten ist aber immer noch die Aussicht auf die Berge und das Flusstal rundum. Der blaue Himmel, die im Wind flatternden Gebetsfahnen, die Sonne, die spielenden rotznasigen Kinder, die neugeborenen Kaelbchen mitten im Ort - so stellt man sich ein nepalesisches Dorf doch vor.
Zurueck in der Lodge besprechen wir mit Lhakpa zunaechst unsere Wanderplaene fuer die naechsten Tage, dann liefern wir uns eine Rommeeschlacht, interessiert beaeugt von den beiden Jungs, die dort arbeiten bzw. mangels Gaesten gelangweilt herumlungern. Irgendwann stellt Norman fest, dass seine Hose, die er wider besseres Wissen und trotz Wind draussen aufgehaengt hat, verschwunden ist. Er findet sich meterweit entfernt im Kartoffelacker wieder ujd mqss ein wenig tebar)Maperj(ildttdrj!2A)ui)qi`)rupqcbixulmldl"#5B

Ganz weit oben! (14.08.2011)

Eine durchwachte Nacht - der Dauerregen, der aufs Wellblechdach prasselt, macht ein wenig Angst vor der Wanderung, die eine der laengsten auf der ganzen Annapurna-Runde werden wird (1.000 Hoehenmeter rauf, 1.600 m wieder runter) am naechsten Morgen. Um 20 vor 4 ist Aufstehzeit, wir packen die klammen Reste ein, fruehstuecken Porridge (= heiss) und dann verpacken wir uns und die Rucksaecke moeglichst regendicht mit Gamaschen, Regenjacken, Regenhuellen fuer die Rucksaecke, Muetze, Handschuhe... Als wir gegen halb sechs loslaufen, ist es allerhoechstens daemmrig draussen, und es regnet noch immer.
Nun gehts steil bergauf, eine knappe Stunde im Zickzack ueber rutschige Steine. Ausser uns sind noch die Spanier unterwegs mit den dazugehoerigen Sherpas. Immer wieder muessen wir anhalten, um zu trinken, der Schrittrhythmus ist langsam, aber konstant. Gegen 6:15 Uhr erreichen wir das sog. High Camp auf 4.900 m. Dort schlaeft noch alles, es gibt also keinen Tee fuer die nassen Wanderer.
Eine 10minuetige Pause goennen wir uns dort, dann gehts weiter Richtung Pass. Auf 5.000 m geht der Regen in Schnee ueber, kein Gruen ist mehr zu sehen, nur noch Felsen und Steine, die immer mehr vom Schnee bedeckt werden.
Wir stapfen stoisch und stumm bergauf, auf meiner heutigen Ohrwurm-Playliste stehen Regen- und Beatlessongs, die Zeit vergeht damit richtig flugs. Wir legen weiter fleissig Trink- und Traubenzuckerpausen ein, doch es ist eh so kalt, dass man kaum schwitzt. Weiter oben spitzelt nun immer wieder ein klitzekleinwenig die Sonne durch die Schneewolken, wir muessen sogar die Sonnenbrillen aufsetzen, da der Schnee blendet.
Ausser den Felsen unmittelbar neben uns ist nix zu sehen. Endlich zeigen sich ein paar Gebetsfahnen, laut Fuehrer ists von dort aus nicht mehr weit. Und tatsaechlich, um 8:30 Uhr erreichen wir den Thorong La, den hoechsten Pass der Welt auf 5.419 m gemeinsam mit unseren "Mitwanderern". Die Freude ist gross, es wird abgeklatscht, umarmt, gratuliert.
Schnell muessen wir uns waermer anziehen, es ist eisig kalt, der Wind pfeift, aber Zeit fuer diverse Einzel-, Paar- und Gruppenfotos vor dem auf dem Pass angebrachten Schild muss natuerlich sein. Der Himmel lichtet sich derweil merklich, nun sind auch ein wenig die Berge zu sehen, die sich auf gut 6-7.000 m neben uns erheben.
Aber die Kaelte treibt uns schnell wieder fort, wir beginnen mit dem Abstieg, es wird nach den ersten hundert Meter merklich waermer. Diese Seite des Passes ist offenbar deutlich trockener, hier liegt weder Schnee noch zeigt sich Gewaechs. Auf dem Weg abwaerts treffen wir nun immer wieder auf Nepalesen zu Fuss oder zu Pferd, die uns entgegen kommen und wohl auch ueber den Pass gehen, aber wahrscheinlich nicht zum Vergnuegen...
Es ist felsig, fast mondlandschaftartig, und ein paar Mal sind durch die Wolken noch ein paar hohe Gipfel zu erspaehen. Es schneit laengst nicht mehr, nieselt aber dafuer permanent. Lhakpa ist auch stolz, dass wir den Aufstieg geschafft haben, und trabt mit uns nun stundenlang, der Abstieg zieht sich, immerhin sind gut 1.600 Hoehenmeter zu bewaeltigen.
Die Pferdekarawanen, die uns entgegensteigen, machen den Weg streckenweise zu einer Matschpiste. Gegen 11 Uhr erreichen wir die erste "menschliche" Behausung auf 4.200 m, es gibt dort heissen Tee, und wir gehen die letzte Etappe an, die uns nach einer weiteren Stunde nach Muktinath (3.800 m) bringt.
Eben noch wandern wir uebar steinige Wege, links und rechts weiden Kuehe, vor uns oeffnet sich im Sonnenschein die wunderschoene und deutlich kargere Landschaft Mustangs, und schon hat uns die "Zivilisation" wieder. In Muktinath gibts Mopeds, Shops mit lauter Musik, einen Polizeiposten, der mal wieder unsere Trekking-Erlaubnis stempelt, Huehner, herumlungernde Menschen...
Wir sind ein wenig sprachlos, ausserdem hungrig, und auch recht erledigt, obwohl es erst kurz nach 12 Uhr ist. Wir beziehen ein Zimmer im Shree Muktinath Hotel, essen Reis und Gemuese zu Mittag, freuen uns ueber die (kochend-)heisse Dusche und kriechen erstmal in den Schlafsack. Draussen regnets wieder, aber dennoch raffen wir uns gegen 16 Uhr auf und besichtigen die grosse Tempel-/Klosteranlage oberhalb des Orts. Der Anstieg ist muehsam, obwohls vielleicht nur 100 m sind...
Die Anlage ist sehr schoen, ruhig, voller verschlungener Pfade, kleiner und grosser Tempel, aber wir sind nicht wirklich aufnahmefaehig. Viel mehr faszinieren uns die Berge Mustangs, die man rundum sieht. Herrlich!
Zurueck im Hotel mache ich ein bisserl Yoga, der Ruecken schmerzt nach 11 Tagen Rucksacktragen ein wenig. Dann gehen wir zum Abendessen "aus", naemlich ins Restaurant gegenueber und treffen dort unsere Trekkingbekannten aus Spanien wieder, mit denen wir einen gemuetlichen Abend verbringen. Das Essen ist sehr fein (Veggie-Burger, zur Belohnung teilen wir uns heute sogar ein Bier), auf der Karte wird ausserdem ein "Waldoof-Salat" (sic!) empfohlen.
In unserem Hotel feiert eine franzoesische Trekkinggruppe lautstark einen Geburtstag, wir sind aber so erledigt, dass wir sofort ins Bett gehen und tief und fest schlafen, ohne uns von Gesang, Hundegebell oder Kuhgemuhe stoeren zu lassen.

Der grosse Tag rueckt naeher (13.08.2011)

Die kalten Fuesse nachts waren ein echtes Problem - solange, bis ich meinen Fleecepulli in den Schlafsack verfrachtet und um meine Fuesse gewickelt habe. Der Akku des Ipods ist leider schon seit 2 Tagen leer, und hier oben kann man elektronische Geraete nur gegen Bezahlung aufladen, aber das hilft auch nicht weiter, wenn's grade ueberhaupt keinen Strom gibt.
Mit endlich warmen Fuessen schlafe ich dann aber doch erstaunlich gut bis halb sieben, aufs Aufstehen folgt wieder das entnervende Packen, draussen ist es grau, aber immerhin halbwegs trocken.
Wir fruehstuecken alle zusammen am grossen Tisch, jeder ordert was Warmes (Porridge, Tsampa oder Muesli mit heisser Milch), und dann wird verabschiedet und losgewandert.
Es nieselt, aber trotz der Wolken sieht man wunderbar die Gipfel von Gangapurna und Annapurna III. Wir marschieren immer noch ins Tal hinein, immer hoeher, die Landschaft ist wundervoll gruen, dank des Monsuns bluehen ueberall gelbe, blaue, rote Bluemchen, soweit man blickt.
Auf dem Weg begegnen uns immerhin drei yakaehnliche Kuhgestalten, oberhalb auf den Haengen sind aber doch noch ein paar Herden zu erkennen. Wir kommen am aus drei Haeusern bestehenden Letdar vorbei, und weiter gehts, immer haeufiger unterbrochen von Trinkpausen, die Schritte werden langsamer, zumindest, wenns bergauf geht.
Schlussendlich gehts noch einmal ueber eine rutschige Holzbruecke und gut 200 m zickzack aufwaerts. Puh, das ist anstrengend. Ich ueberhole Lhakpa, meine heutige "Playlist" hilft dabei, auf dem Programm steht naemich Cat Stevens. Ich habe seit Beginn unserer Wanderung furchtbare Ohrwurmattacken, die aber immer thematisch geordnet sind - an einem Tag sinds alle Take That-Songs, am naechsten sind Simon & Garfunkel dran, und ich bin jeden Tag aufs Neue gespannt, mit was ich heute beschallt werde.
Endlich sind wir oben angekommen, dort steht mitten im Nirgendwo eine Steinhuette, bewohnt von einem Paar, das die exponierte Lage nutzt, um dort einen Teestand zu betreiben. Und zugegebenermassen: der Tee tut einfach nur gut, die Sicht auf die schneebedeckten Flanken direkt vor uns ist wundervoll, und Kekse und Traubenzucker fuellen die Energiereserven wieder auf.
Der Hund der Besitzer hat grade vier winzige Welpen bekommen, die wir begeistert beobachten, die sind noch blind und kuscheln sich auf einem Tierfell im kalten Wind eng aneinander.
Die letzte halbe Stunde der heutigen Etappe geht problemlos, nun wird die Umgebung deutlich felsiger, hochalpiner. Nach insgesamt drei Stunden Marsch erreichen wir gegen halb zwoelf Thorong Phedi auf gut 4.500 m Hoehe. Uns gehts prima, selbst der Ruhepuls liegt immer noch bei knapp 70 Schlaegen / Minute.
Das Zimmer hier oben ist nun wirklich sehr einfach, die Toiletten ebenso, und wir werden ein wenig seltsam angeguckt, als wir 1 Eimer heisses Wasser bestellen. Damit gehts ins "Badezimmer", und wir koennen uns halbwegs ordentlich waschen, herrlich ist das.
Danach: lange Unterhose und -hemd, Fleecepulli, dicke Socken, auf jeden Fall mehrere Schichten uebereinander, so laesst sichs einigermassen aushalten.
Fuer die innere Waerme gibts Nudelsuppe und natuerlich Tee, das ist wirklich ein asketischer Urlaub: kein Alkohol, kein Fernsehen, kaum Fleisch, kein Handy - die einzige "Suende" ist der fast schon taegliche Schokopudding.
Ich lese in der halbwegs warmen "dining hall" noch ein Weilchen, leiste dann aber Norman im Zimmer Gesellschaft, wir verdoesen eingemummelt in den Schlafsack den Nachmittag. Draussen regnet sich's tatsaechlich ein, irgendwann schaffen wir es auch, uns vom kuschlig-warmen Bett zu verabschieden, und setzen uns wieder mit Tee und Lesestoff in den inzwischen leider recht kalten Aufenthaltsraum.
Man sieht zuweilen sogar den Atem, da hilft auch der heisse Schwarztee nicht weiter.
Gegen 18 Uhr gibts Abendessen (Sportlernahrung: Nudeln mit Tomatensauce), und Lhakpa eroeffnet uns, dass morgen der Aufbruch fuer 5 Uhr geplant ist! Wir handeln ein wenig mit ihm, naja, nicht wirklich erfolgreich.
Es regnet weiterhin, wir sind komplett in die Wolken eingehuellt, und die beiden spanischen Trekker, inzwischen ist auch noch ein Italiener dazugestossen, und wir sitzen dick eingepackt herum und sind ein bisschen aufgeregt ob des morgigen Wanderprogramms.
Nicht vorstellbar ausserdem, wie kalt es hier zur Hauptsaison im Oktober/November erst sein muss!
Die anderen verabschieden sich bereits um 20 Uhr ins Bett, wir koennen uns noch nicht aufraffen, und endich signalisiert uns einer der Angestellten, dass unter einem der Tische doch tatsaechlich ein funktionierender Heizluefter steht - gottseidank! Dort waermen wir uns also noch ein wenig vor, bevor wir ins kalte Zimmerchen gehen. Dort packen wir und sind ganz schoen abgebrueht: es stoert uns nicht weiters, dass es von der Decke tropft und dazu tausende von Faltern und aehnlichem Getier um uns herumschwirrt.
Stattdessen schluepfen wir in die Schlafsaecke, ziehen noch die bereitliegende dicke Decke drueber und sagen um 21 Uhr "Gute Nacht".

Frostbeulen (12.08.2011)

Endlich geht auch diese eher schlaflose Nacht rum, wir stehen um halb sieben auf und machen uns nach dreitaegiger "Sesshaftigkeit" wieder ans Einpacken unserer Besitztuemer. Waehrend wir fruehstuecken (Porridge, Tee, Ruehrei und Plastikkaffee), versorgt Lhakpa den Rucksack; wir sind immer noch ueberrascht, wie wenig Gepaeck er selbst fuer diese Tour dabei hat - ein einziges kleines Beutelchen! Wir bezahlen noch die Zeche von drei Tagen Aufenthalt (im Schnitt geben wir hier taeglich fuer Uebernachtung, Abendessen und Fruehstueck etwa 10 Euro pro Person aus) und marschieren los.
Draussen hat die Safe Drinking Water Station natuerlich geschlossen, keiner weiss, wann sie oeffnet, also versorgen wir uns notgedrungen mit Wasserflaschen und natuerlich mit Keksen.
Die Wanderung fuehrt uns hoeher, heute ist der Himmel bedeckt und es wird merklich kuehler - kein Wunder bei ueber 4.000 m. Wir wandern hinaus aus dem Manang-Tal, biegen rechts ab und gehen bis Gunsang. Dort machen wir eine Teepause und erstehen ein Stueck erstaunlich leckeren Yak-Kaese (der eigentlich ein "Nak-Kaese" ist, denn das Yak ist das maennliche Rind) im Teahouse.
Weiter gehts, die Landschaft wird karger, nur noch Bodendecker, aber immer noch viele Bluemchen sind auf den Wiesen und Haengen links und rechts zu sehen, dazu haengen die Wolken bedrohlich tief.
Leider sind saemtliche Yakweiden entlang des Weges verlassen, nur ein paar Pferde-Karawanen kommen uns entgegen.
Nach gut drei Stunden erreichen wir das aus drei Haeusern bestehende Yak Kharka (4.200 m), immerhin haengen hier ueberall Yakkoepfe an den Hauswaenden.
Die Lodge ist sehr einfach, das "Badezimmer" besteht aus einem betonierten Raum mit einem Eimer drin. Wir nehmen erstmal Tee, essen Kekse und den Yakkaese, und verzichten auf die Dusche bzw. die Waesche mit eiskaltem Wasser, denn es ist empfindlich kalt draussen.
Stattdessen verkriechen wir uns um 13 Uhr in die Schlafsaecke und halten gut 2 Stunden Siesta, was soll man in dieser Einoede auch sonst tun. Danach ziehen wir drei Lagen Klamotten uebereinander an, spazieren an den Dorfbewohner vorbei, die fleissig ein Haus bauen und dazu stoisch Steine klopfen, waehrend die Teenager die Steine hin und herschleppen, hinaus auf die Wiesen. Doch auch hier gibts nicht viel zu sehen, die Wolken versperren weiterhin die Sicht, und die Yaks scheinen ausserhalb der Saison offenbar auch anderweitig untergebracht zu sein.
Also gehen wir ins Haupthaus unserer Unterkunft hinauf in den 1. Stock, dort die Ueberraschung: es gibt einen recht gemuetlichen und von der Sonne erwaermten Speiseraum, wo schon zwei spanische Trekker sitzen und lesen, und wir uns kurzerhand dazu gesellen, waehrend der dritte Spanier im Vorraum auf einer Gitarre klimpert. Dazu gibts wieder die obligatorische Kanne Schwarztee, und wir vertroedeln so die Zeit bis zum Abendessen.
Als es soweit ist, setzen wir uns alle bei Kerzenschein (denn Strom gibts nicht) zusammen, inzwischen ist auch das englische Paar wieder dabei, dinieren (u.a. Yak-Steaks) und ratschen so richtig nett - es wird viel gelacht, als jeder seine Reiseerlebnisse zum Besten gibt. Die Atmosphaere ist entspannt, und hin und wieder leicht gruselig mit der feucht-nebligen Dunkelheit draussen, die Kerzen brennen nach und nach herab, nur der Schokopudding laesst zu wuenschen uebrig.
Um 21 Uhr werden wir alle dann doch tatsaechlich von der Besitzerin mit dem Ruf: "Sleeping time!" ins Bett geschickt. Wir schrecken auf und putzen noch schnell im Freien draussen, bewaffnet mit der Wasserflasche (denn fliessend Wasser ist nicht verfuegbar), die Zaehne und krabbeln in den Schlafsack in unserer zugigen Holzhuette, waehrend die Haende abfrieren...