5.9.11

Schwitzen in Agra (31.08.2011)

Der Abschied von Norman faellt mir schwer, 30 Tage haben wir nun Tag und Nacht zusammen verbracht, es war ein wunderschoener Urlaub, und er wird mir in den naechsten zweieinhalb Wochen sicher fehlen. Sein Flieger geht heute um 11 Uhr zurueck nach Muenchen.
Wir Maedels stehen dagegen um halb 6 auf, packen leise und verabschieden uns von ihm. Dann checken wir aus dem etwas seltsamen Hostel aus und marschieren die 15 Minuten zur U-Bahn - trotz der fruehen Stunde schwitzen wir, als wir dort ankommen. Wenigstens ist auf der Strasse noch nix los, so kommen wir zuegig voran. In der tiefgekuehlten Metro freuen wir uns noch einmal ueber das uebersichtlich leere Frauenabteil, waehrend sich in an den anderen Wagons die Maenner stapeln. Das fuehre ich in Muenchen auch ein - Frauenabteile, tolle Erfindung!
Am Bahnhof in New Delhi ist nicht zu eruieren, auf welchem Gleis wir abfahren, doch der Kioskverkaeufer, den wir fragen, nimmt sich eifrig der Sache an, rennt sofort los und bringt irgendwo die gewuenschte Information in Erfahrung. Zur Belohnung trinken wir bei ihm am stinkigen Gleis (die Toiletteninhalte der Zuege gehen direkt und ungefiltert auf die Schienen) einen Chai.
Der Zug faehrt puenktlich ein, und schnell durchschauen wir das Nummerierungssystem und finden unsere Sitzplaetze - offenbar klappt das Buchungssystem uebers Internet doch tatsaechlich problemlos?!
Der Zug ist zum Glueck auch nicht besonders voll, und so laesst sich die gut vierstuendige Fahrt eigentlich gut aushalten, v.a. waehrend der Fahrtwind durch die offenen Fenster weht. Nach einiger Zeit laesst es sich nicht mehr hinausschieben: ich muss aufs Klo! Also gut, ich bin auf alles gefasst und dementsprechend ueberrascht. Klar, es ist ein Stehklo (gar nicht so einfach im fahrenden, sehr ruckeligen Zug), klar geht der Abfluss direkt auf die Gleise, aber sonst ist es erstaunlich sauber. Die Maedels sind nach meiner Berichterstattung sichtlich erleichtert.
Ein bisserl doesen, es wird immer heisser, ein bisserl lesen, aus dem Fenster gucken, waehrend im Zug die Haendler und Bettler lauthals schreiend durch den Gang laufen - flugs vergeht so die Zeit, und wir erreichen mittags um 12 Uhr puenktlich Agra.
Direkt nach dem Aussteigen werden wir von einem aelteren Rikschafahrer "verhaftet", der uns nicht mehr aus seinen Faengen laesst, bis wir uns auf einen Preis mit ihm einigen koennen. Auf der Fahrt zum vorreservierten Hostel Kamal kaut er uns buchstaeblich ein Ohr ab, bietet sich uns mehrfach als Fahrer fuer den ganzen naechsten Tag an, will uns ueberreden, doch ein anderes Hostel aufzusuchen, und leider dreht er sich dabei immer zu uns nach hinten um - bis Nitschi ihn recht vehement bittet, waehrend der Fahrt doch lieber auf die Strasse zu gucken.
Unbeirrt weiterquasselnd faehrt er im Hostel schwungvoll die Einfahrt hinein und quasi ueber die dort gerade arbeitenden Bauarbeiter. Waehrend des daraus resultierenden Wortwechsels fluechten wir zur Rezeption.. In unser eigentlich gebuchtes 2er-Zimmer wird kurzerhand ein drittes Bett gestellt, wir sind zufrieden damit und suchen uns erstmal ein Dachterrassenrestaurant mit Schatten, wo es Lassis und Mittagessen gibt.
Und da ist er, der Taj Mahal - thront mitten in der Stadt, schoen wie eine Illusion. Wenn's nicht so heiss waere, wuerden wir uns ja noch laenger daran erfreuen. Aber so muessen wir erst einmal ausgiebig unter die Dusche und dann folgt eine Siesta, schwitzend unter dem Ventilator liegend.
Gegen 17 Uhr trauen wir uns erst wieder raus, die draussen aufgehaengten kurz durchgewaschenen Klamotten sind schon wieder trocken. Ich setze mich 2 Stunden ins Internetcafe, blogge und schreibe Mails. Dann ist schon Zeit fuers Abendessen, wir hoffen auf eine Dachterrasse mit Blick auf einen angestrahlten Taj, doch der vergeblich, der Taj wird offenbar nicht beleuchtet. Dann dinieren wir eben ohne Aussicht, dafuer mit leckerem Obstlassi zum Nachtisch.
Der Strom faellt dauernd aus, sofort rattern dann ohrenbetaeubend laut die Generatoren los, das ist so gar nicht stimmungsvoll, es riecht nach Diesel. Auf der Strasse beklaeffen sich die Hunde, dazwischen liegen Kuehe im Muell am Strassenrand, und in dem stehenden Wassern links und rechts im Graben stinkt es bestialisch. Wir steigen wieder einmal um auf Mundatmung, und marschieren recht zuegig zum Bier-Shop, wo wir 3 eiskalte Kingfisher-Bier erstehen. In Uttar Pradesh gibts naemlich (zumindest offiziell) keinen Alkohol in den Restaurants zu kaufen, zu teuer sind die Schanklizenzen.
Dann gehen wir schnell nochmal an einen PC und buchen - nach den positiven Erfahrungen vom Vormittag - gleich die uebernaechste Zugfahrt nach Varanasi. Das Bier gibts dann auf der mit Leuchtgirlanden ganz nett geschmueckten Dachterrasse unseres Hostels, es ist sehr gemuetlich und die Temperatur halbwegs ertraeglich. Um 23 Uhr dann "Bettruhe", der Ventilator und die Klimaanlage laufen auf Hochtouren, dank Oropax kann man trotzdem halbwegs gut schlafen.

2.9.11

Disneyland fuer Hindus (30.08.2011)

Es dauert, bis wir morgens in die Gaenge kommen, aber zumindest war diese Nacht permanent Strom da, so dass der Ventilator durchquirlen konnte. Gegen 9 Uhr sitzen wir beim Fruehstueck, es gibt die indische Variante des French Toast (naemlich Toast gefuellt mit scharfem Kartoffelpampf). Und dann vertreiben wir uns mit Surfen im Internet und Lesen die Zeit, bis Mara gegen halb 11 im Hostel eintrifft.
Sie ist innerhalb kuerzester Zeit und trotz langem Flug ausgehfertig, und so brechen wir nur eine halbe Stunde spaeter auf zur U-Bahn. Es ist heiss, laut, stinkend und staubig draussen, und wir sind froh, als wir den kuehlen Bahnhof erreichen. Wir steigen am Chandni Chowk aus und stuerzen uns ins Gewuehl aus schreienden Fahrradrikschafahrern, hupenden Autos, draengelnden Passanten, dabei wabern Fettschwaden aus den Buden am Strassenrand, waehrend wir aufs Rote Fort zusteuern. Nach der todesmutigen Ueberquerung einer riesigen Kreuzung ohne erkennbare Verkehrsregelung kommem wir dort heil, wenn auch von der Sonne schon halbgar gebraten, an.
Das Fort ist beeindruckend gross und imposant von aussen, innen ist leider nicht allzu viel vom frueheren Glanz erhalten, und daher beschleunigen wir die Besichtigung ein wenig. Auf den Rasenflaechen liefern sich Streifenhoernchen wilde Rennen. Wieder draussen kaempfen wir uns weiter durchs Strassengewuehl, dabei kommen uns unter anderem Fahrradrikschas entgegen, auf denen bis zu 10 Schulkinder sitzen - eine Art Schulbus also.
Wir haben Hunger, Durst und uns ist heiss, also marschieren wir durchs muslimische Viertel, vorbei an Metzgerstaenden mit abgetrennten Hammelkoepfen auf dem Tisch am Strassenrand und zerrupften Huehnern davor, immer auf der Suche nach einem Lokal. Das einzige, das der Reisefuehrer empfiehlt, ist wegen Ramadan geschlossen, also kehren wir nebenan ein.
Da gibts schmuddelige Tische, sparsam dreinguckende Kellner, aber immerhin kalte Cola und Spinat und Brot, eben das noetigste - und es ist trotz des eher ungemuetlichen Interieurs trotzdem eine willkommene Oase der Ruhe nach dem ganzen Trubel da draussen.
Gestaerkt wagen wir uns wieder hinaus und wollen die grosse Moschee Jama Masjid besichtigen, doch zwei grimmige Waechter sind unfreundlich und gar unverschaemt zu uns, wollen uns stinkige Ueberziehburkhas aufzwingen, obwohl wir durchaus angemessen gekleidet sind, und so verzichten wir eben. Lieber nicht mit den Hausherren anlegen.
Stattdessen lassen wir uns zu viert mit der Fahrradrikscha zur Bahn bringen, das ist ein Abenteuer, vor allem, weil Norman und ich quasi rueckwaerts fahren und nach hinten rausgucken - und immerzu Angst haben, dass uns jemand gegen die Schienbeine faehrt. Wir sind froh, als wir wieder in der Metro sind, irgendwie war de Stimmung in diesem Viertel eher ungut.
Nach einer schier endlosen Fahrt mit Umsteigen kommen wir in Akshardham an. Ein findiger Fahrrad-Rikschafahrer ueberredet uns, mit ihm zum dortigen Tempelkomplex zu fahren, und so duesen wir zu viert auf einem Fahrrad mit schmaechtigem Fahrer auf der Autobahn und zu allem Uebel noch gegen die Fahrtrichtung (zumindest fuer ca. 500 m) zum 2005 eroeffneten Hindu-Heiligtum.
Alles dort sieht wirklich funkelnagelneu aus, allein der Parkplatz davor hat disneylandaehnliche Ausmasse, und die Abfertigung beim Einlass ist militaerisch organisiert: alle mitgebrachten Sachen muessen vorab abgegeben werden, werden noch fotografiert und eingeschlossen. Dann gehts zur Sicherheitskontrolle, der Dialog mit der zustaendigen Inderin beim Abtasten ist folgender:
I: "You have mobile phone?"
N: "No."
I: "You have purse or money?"
N: "No."
Inderin mustert mich nachdenklich, dann: "But you have chewing gum!!! Out!!!"
Und dann sind wir endlich drin, im Las-Vegas-anmutenden Tempelwahnsinn. Alles ist blitzblank, wohl organisiert, top gepflegt, die Rasenflaechen sehen aus wie auf einem Golfplatz, es gibt ueberall "food courts" mit kalten Getraenken (Eiskaffee!), der Haupttempel ist riesig. Es ist unglaublich, wieviel Geld muss diese Hindusekte bitte haben? Der Tempel ist ueber und ueber mit Skulpturen bedeckt, innen glitzert und glaenzt es vom Boden bis zur Decke. Dazu gibt es drumherum Wasserbasins und Areale fuer Filmvorfuerungen oder Wasserspiele - wir sind total erschlagen! Und das ganze kostet noch nicht einmal Eintritt. Damit haben die Hindus heute deutlich mehr Punkte bei uns gesammelt als die muslimischen Kollegen.
Am Himmel ziehen derweil tatsaechlich Wolken auf, wir haben die Hoffnung auf Regen, und es troepfelt dann auch ein wenig, aber das wars auch schon.
Nach der Tempelbesichtigung fahren wir mit der Metro nach Hauz Khas, das Abendessen ruft. Eine sehr nette Inderin gibt uns Instruktionen, wie wir zum gewuenschten Restaurant kommen, und so quetschen wir uns zu viert in eine Rikscha und fahren 4 km nach Hauz Khas Village. Das scheint eine recht noble Gegend zu sein, es gibt huebsche Restaurants, Parkwaechter, Kunstgalerien, Laeden mit teueren Saris, ... In einem suedindischen Lokal kehren wir ein, das Essen ist hinreissend lecker, es gibt Lassis und fernrohrgrosse Dosas, und alles in geschmackvollem Ambiente und fuer 3,50 Euro pro Person.
Fuer den Rueckweg muesen wir kraeftig handeln und finden schliesslich eine Autorikscha, in die wir uns zu viert quetschen  und 20 min. nach Saket fahren. Ein wenig muessen wir (mit Unterstuetzung einer Inderin am Strassenrand) den Fahrer noch "nachjustieren", weil er uns an einer falschen Haltestelle rausschmeissen will, aber schliesslich ist es geschafft, und wir kommen mit Plattfuessen gegen 22 Uhr im Hotel an.
Dort losen wir die Duschreihenfolge aus, packen, vernichten die Rum-/Saftvorraete und gehen gegen Mitternacht ins Bett.

1.9.11

Ein Ausflug, wie er nicht im Reisefuehrer steht (29.08.2011)

Die Dusche morgens ist leider immer noch lauwarm, kalt waere so viel schoener gewesen. Ich schaffe es tatsaechlich, die Klospuelung zu reparieren, auch wenn die jetzt komische Geraeusche macht.
Der Koch unseres Hostels hat wohl verschlafen, Fruehstueck gibts auf jeden Fall erst um halb zehn (Chai, Bananen und scharfe Gemuesepfannkuchen). Wir schwitzen schon wieder und denken darueber nach, sofort nach Goa in eine Bambushuette am Strand zu fliegen...
Kurz E-Mails checken, dann wagen wir einen neuen Versuch, den direkten Weg zur U-Bahn zu finden. Es ist Montag vormittag, das Chaos auf der Strasse ist verrueckt, aber nur 20 Minuten Fussmarsch und eine todesmutige Ueberquerung einer 4spurigen Strasse spaeter sind wir da.
Der U-Bahnhof ist klimatisiert, ah, herrlich, die Bahn ebenso. Die Fahrt in die Stadt zum Connaught Place klappt problemlos, das U-Bahn-System ist leicht verstaendlich. Kaum sind wir draussen: Hitzschlag - wir fluechten sofort in den McDonald's, vor dem wir stehen, und retten uns mit Cola und Milchshakes vor dem Verdursten.
Schliesslich fuehlen wir uns gewappnet und spazieren einmal rund um den Platz, vorbei an "normalen" Geschaeften (Puma, Benetton, FabIndia,...), werden angequasselt von Bettlern und vermeintlichen Stadtfuehrern. In einem der Bazare unter dem Platz ersteht Nitschi Wohlfuehlhoeschen, und nach genau einer Runde haben wir genug und verschwinden wieder in der kuehlen Metro und fahren weiter nordwaerts.
Dort machen wir einen Abstecher ins tibetische Viertel, schlendern ein wenig durch die engen Gaesschen, bevor wir in einem Restaurant Mittagspause machen. Fuer insgesamt 5 Euro gibts Lassis, Nudelsuppe, Gemuese, Fruehlingsrollen und Wasser, gar nicht schlecht!  Es sieht hier alles ein wenig aus wie in Nepal.
Wieder draussen finden wir einen Taxifahrer, der uns zu einem vernuenftigen Preis (10 Euro fuer 2 Stunden Fahrt und 1 Stunde Warten), den er auch nicht mehr verhandelt, nach Narela bringt, das gut 30 km noerdlich von Delhi liegt.
Dort wollen wir das "Patenkind" von Nitschis Mama besuchen, das dort ueber eine Hilfsorganisation versorgt aufwaechst. Wir werden, endlich angekommen, nett empfangen. Der zustaendige Angestellte bringt uns zur Pflegefamilie, wo Priya mit 17 anderen Kindern lebt. Das etwa 10jaehrige Maedchen ist etwas schuechtern, es ist ihr deutlich unangenehm, auf einmal von sovielen Leuten beguckt zu werden.  Sie ziert sich daher ein wenig, waehrend Nitschi ihr Geschenke (Stifte und viel Schokolade) und Fotos ueberreicht. Dann muss sie sich auch noch fotografieren lassen, taut aber nach und nach ein wenig auf. Die anderen Pflegekinder wuseln natuerlich auch noch um uns herum, waehrend der Angestellte das dortige Betreuungs- und Unterstuetzungskonzept erklaert. Beim Abschied winken alle feste.
Wir bekommen noch eine Fuehrung durch die anderen Anlagen, darunter durch das Krankenhaus fuer schwerkranke Obdachlose, in dem v.a. Tuberkulosekranke behandelt werden, und die Schule mit Kindergarten und Tagesbetreuung. Wir sind beeindruckt, hier wird wirklich gute Arbeit geleistet und Hilfe zur Selbsthilfe angeboten, alles ist weitgehend in indischer Hand. Insgesamt also ein hochinteressanter Nachmittag.
Die Fahrt zurueck dauert ewig, aber zumindest geht es ueber eine richtige Schnellstrasse mit intaktem Strassenbelag, und das Taxi ist neu und klimatisiert. Wir steigen in Delhi in die U-Bahn um und fahren fuer umgerechnet 30 Cent einmal durch die ganze Stadt zurueck, schlaengeln uns durchs Gewuehl bis zu unserem Hostel - die Fuesse sind wieder seeeehr schmutzig.
Immerhin ist es im Zimmer kuehl, weil die Klimaanlage den ganzen Tag lief, und ein kaltes Bier finden wir auch im Kuehlschrank, hurra! Das Tagesprogramm hat heute Stunden gedauert, es ist schon nach 18 Uhr.
Ein wenig faulenzen wir herum, raffen uns dann zum Abendessen auf, das fuer so ein Hostel mit einem recht jugendlichen "Koch" und Einheitsessen erstaunlich gut ist, es gibt Reis mit Gemuesecurry.
Norman und Nitschi spazieren noch netterweise zum Liquor Store und holen mehr Bier - das leider so scheusslich (abgelaufen? verdorben?) schmeckt, dass wir es in die Pflanze kippen bzw. dem Kuechenjungen schenken, der sich freut wie bolle. Tuborg kommt erstmal auf die schwarze Liste. Stattdessen trinken wir Rum mit Saft auf der unverhofft huebschen Dachterrasse, es ist immer noch heiss, und wir versuchen, ein wenig schlaftrunken zu werden.

Welcome to incredible India! (28.08.2011)

Vor dem Weckerklingeln bin ich wach und stelle fest: ich fuehl mich blendend! Noch ein bisserl verschnupft, noch ein bisserl hustend, aber insgesamt blendend. Da faellt das Aufstehen und fertig Packen leicht.
Als wir zum Fruehstueck ins Erdgeschoss gehen, sitzt auch Ngima schon da, wir fruehstuecken gemeinsam, bezahlen und hoeren, dass wegen eines Streiks nur bestimmte Autos fahren duerfen, fuer uns aber schon ein solcher Van organisiert wurde.
Nun verabschieden wir uns von allen Angestellten und von Ngima sehr herzlich, dann werden wir durch die autofreien Strassen von zwei netten Hotelbediensteten zum Flughafen gebracht. Wir sind eigentlich viel zu frueh, trotzdem checken wir furchtbar schnell ein, die Neplesen sind gut organisiert. Wir "verprassen" unser letztes Geld  mit einem Saft, dann werden wir schon Richtung Gate gescheucht. Kein Wunder, dass die so Hektik machen, denn nun folgt wieder das Procedere von dutzendfachem Abtasten, Taschenkontrolle, Stempeln des Boarding-Passes, wieder Abtasten, wieder Taschenkontrolle, nochmal durch eine Sicherheitsschleuse... - die letzte davon direkt vor dem Einsteigen an der Treppe ins Flugzeug. Daher bilden sich ueberall sofort getrennte Schlangen fuer Maenner und Frauen.
Endlich sind wir drin, immer noch viel zu frueh eigentlich, und fliegen dann doch tatsaechlich gut 25 min. verfrueht ab. So landen wir um kurz nach 12 Uhr mittags in Delhi und stellen schnell die Uhr um - um genau 15 Min., nun ist der Zeitunterscheid zu Deutschland nur noch 3,5 h. Draussen hat es laut Durchsage des Flugkapitaens 32 Grad.
Auch hier geht alles ratzfatz, die Einreiseformalitaeten, dann kreisen auch schon unsere Rucksaecke, und draussen erwartet uns Nitschi, die nur wenig vor uns in Delhi gelandet ist.
Gemeinsam beordern wir den Abholservice von unserem Hostel her, stehen in der Hitze herum und sind erstaunt ueber das nichtvorhandene Chaos, das wir von unserem letzten Besuch von vor knapp 5 Jahren noch allzu gut in Erinnerung haben. Die haben hier wohl umstruktiert.
Der Taxifahrer wirft unsere Rucksaecke auf den Dachtraeger, ohne sie dort festzubinden, wirft beim Fahren aber ab und zu einen Blick aus dem Seitenfenster aufs Dach (immerhin), und los geht die gut 30minuetige Fahrt in den Sueden Delhis in den Stadtteil Saket, wo sich das Nirvana Hostel befindet.
Die Strassen sind gut ausgebaut, und auch hier ist es zumindest um diese Uhrzeit gar nicht so chaotisch wie erwartet. Das Hostel liegt sehr versteckt mitten in einer Wohngegend, wir bekommen zu dritt eine Art Schlafsaal mit Stockbetten drin (aber immerhin fuer uns alleine) und planen unseren ersten Tag in Indien.
Nach dem Auspacken gehts mit der Rikscha erst einmal zum Lodi Garden, einem Park im Sueden, mit vielen verfallenen Tempeln und noch viel mehr Streifenhoernchen. Es ist genau der richtige Ort fuer einen Sonntag nachmittag und zum "Eingewoehnen".
Weiter gehts dann mit einem sehr redseligen Rikschafahrer, der uns aufzaehlt, welches europaeische Land wieviele Einwohner hat, zum Humayun's Tomb, einem Grabmal und Vorbild fuer den Taj Mahal. Wir sind beeindruckt, die Anlage ist riesig und sehr huebsch, aber fuer groessere Gefuehlsausbrueche ist es schlichtweg viel zu heiss!
Zu Fuss suchen wir dann die Hazrat Nizam, eine Art Moschee, im nahegelegenen muslimischen Viertel; dort sind die Frauen alle mit Burkhas bekleidet, die Maenner tragen weise Nachthemden und Kaeppis und Baerte, und in den engen, vollen Gassen reiht sich ein Metzger an den anderen. Die Suche bleibt erfolglos, ausserdem haben wir Hunger und Durst und fahren daher mit der Rikscha ins naechstgelegene Lokal. Dort gibts erst einmal Wasser, viel Wasser, dann Gemuesecurrys, Brot, und alles ist unendlich scharf gewuerzt.
Eine letzte Rikschafahrt, leider kennt sich der Fahrer in unserem Stadtteil so gar nicht aus und laesst uns daher an der falschen Metrostation aussteigen. Wir verlaufen uns ein wenig auf der Suche nach dem Hostel und muessen etwa 10x nach dem Weg fragen, zum Glueck sind alle bis auf die Rikschafahrer, die lieber ein Geschaeft mit uns machen wollen, sehr hilfsbereit.
Total verschwitzt, staubig und mit dreckigen Fuessen erreichen wir gegen halb 9 unser Hostel - nur um festzustellen, dass das Bier hier nicht kalt ist! Auch gut, dann halt erst eine Dusche zur Abkuehlung. Leider ist der Wasserstrahl, der da rauskommt, wirklich mickrig und das Wasser nicht kalt genug. Die "Klimaanlage" im Zimmer funkt beim An- und Ausschalten, aber irgendwie wird das schon gehen. Incredible India eben.
Die Nacht bringt keine Abkuehlung, und wir schlafen dementsprechend schlecht, auch die Klimaanlage hilft wenig, da immer wieder der Strom ausfaellt, und Mueckenschwaerme ueber uns herfallen.

31.8.11

Abschiedsessen (27.08.2011)

Beim Aufstehen um kurz nach acht fuehl ich mich total erschlagen, und spaetestens beim Fruehstueck, das fuer mich wieder nur aus Ingwertee besteht, ist klar: den heutigen Ausflug nach Bhaktapur muss Norman alleine machen.
Ich geh wieder ins Bett, schlafe, lese und schaffe es erst gegen 12 Uhr, mich in den Garten zu bewegen. Dort sitze ich im Schatten und vergnuege mich mit dem absurden satirischen Bergbuch "The ascent of Rum Doodle" - sehr unterhaltsam. Anschliessend surfe ich im Internet, mein Nebensitzer bequatscht mich aber zu sehr, und ich muss bald wieder fluechten. Im Hotel hustet und niest es an jeder Ecke, offenbar hats auch so einige andere erwischt. In der Zwischenzeit ist auch Norman wieder da, und wir haengen den Nachmittag ueber lesen und Mails schreibend im Hotel herum.
[Hier koennte Normans Bericht ueber seinen Ausflug stehen, wenn er mir den irgendwann mal schickt... :-) ]
Irgendwann raffen wir uns auf und packen unsere Rucksaecke, es ist zunaechst spannend, ob wir all unsere Einkaeufe unterbringen, aber es scheint zu klappen. Mal schauen, was die morgen am Flughafen so wiegen.
Der einzige Ausflug heute tagsueber ist der zum Kiosk um die Ecke, um Cola und Hobnobs-Kekse zu kaufen. Norman muss ja noch den restlichen Rum vernichten!
Um halb 7 machen wir uns "ausgehfein", sofern das in Backpackerklamotten moeglich ist; konkret ziehen wir eine lange (wenn auch Jogging-)Hose und ein frisches T-Shirt an, und warten auf Ngima.
Der verspaetet sich zwar ordentlich, ist dafuer aber umso eifriger und fuehrt uns in gut 15minuetigem strammen Fussmarsch durch die dunkelsten (es gibt mal wieder keinen Strom in der Stadt), engsten und trubeligsten Gassen zur "Kathmandu Kitchen". Dort brummt ein Generator vor der Tuer, und wir bekommen ein mehrgaengiges nepalesisches Menue mit Raksi (= Schnaps), Momos, Gemuesesuppe, Dal Bhat, pappsuessem Joghurt, Tee, bis wir fast platzen.
Auf der Buehne im Lokal bieten junge Nepalis dazu ein paar traditionelle Taenze dar, ich komme mir ein wenig vor wie im Cluburlaub.
Ich glaube, nun hb ich auch erstmal genug vom Dal Bhat, gut, dass das erst mal das letzte nepalesische Abendessen war. Wir unterhalten uns waehrend des Essens nett mit Ngima und quetschen ihn schon mal aus, wie so eine Tour auf einen 'trekking peak' aussieht - mal sehen, vielleicht gehen wir das wir das wirklich einmal an.
Gemeinsam fahren wir mit einem erstaunlicherweise sehr behutsamen Taxifahrer durch die immer noch dunkle Stadt zurueck ins Hotel. Ngima besteht beim Abschied darauf, uns am naechsten Morgen noch Richtung Flughafen zu verabschieden.
Mit vollem Bauch geht so der letzte Abend in Nepal zu Ende.

Tempel in Patan (26.08.2011)

Gegen halb neun klingelt unser Telefon im Zimmer, die Rezeption meldet, dass unser Sherpa Lhakpa da sei. Norman geht runter, gibt ihm seinen Rucksack zurueck und ueberreicht ihm eine Tuete mit Sachen, die wir nicht mehr brauchen (u.a. meine Trekkingschuhe, eine Trekkinghose, unsere Siggflaschen, Outdoornahrung). Er freut sich wie ein Schneekoenig darueber und will uns auch sogleich zum Essen zu sich nach Hause einladen. Nach Ruecksprache mit mir schlagen wir das nette Angebot aus, ich bin noch laengst nicht fit genug.
Stattdessen lassen wir den Vormittag langsam angehen, fruehstuecken gemuetlich und blaettern in einer Gala, die im Hotel herumlag. Gegen halb 11 bestellen wir ein Taxi und lassen uns in den Nachbarort Patan bringen, einem antiken Ort mit beeindruckendem Hauptplatz, dem Durbar Square. Allein die Fahrt dorthin ist ein Abenteuer: die Nebenstrassen, die der Fahrer waehlt, sind voller Schlagloecher, riesiger Wasserlachen, und so ist die Strecke ein reines Zickzackfahren.
Der Durbar Square ist wunderschoen, mit Pagoden, Tempeln, ehemaligen Palaesten, eine tolle und sehr gepflegte Anlage. Wir schlendern herum, besichtigen dies und das und beobachten dabei die unfassbar vielen Schulklassen mit ihren in Schuluniformen so adrett gekleideten kleinen Buben und Maedchen, die von ihren Lehrerinnen herumgescheucht werden und winken, wenn sie uns sehen.
Zum Zeitvertreib besuchen wir noch das Patan Museum, dort wird sehr anschaulich versucht, einem Nicht-Buddhisten die verwirrende Anzahl der jeweiligen Goetter und deren Darstellungen in der Kunst nahezubringen. Als wir genug haben und mit dem Taxi weiterwollen, herrscht Verkehrschaos, es ist kein Durchkommen moeglich. Unser Taxifahrer steigt, just als wir ueberlegen, den Stau zu Fuss zu umgehen, kurzerhand aus und dirigiert die verkeilten Autos und Mopeds so, dass er in die naechste Seitengasse ausweichen kann und dort in halsbrecherischem Tempo scheinbar ungeachtet der Fussgaenger uebr Schleichwege heizt. Norman, der vorne sitzt, kommt ganz schoen ins Schwitzen.
Wir steigen beim Cafe Hessed aus, dort essen wir Cupcakes, Donuts und trinken Cappucchino, dieses Cafe koennte so auch in jeder westlichen Grossstadt stehen.
Die naechste Taxifahrt ist wieder ein Abenteuer, es herrscht rush hour in Kathmandu und wir stehen im Stau, waehrend dem Fahrer immer wieder der Motor abstirbt und die eigentlich 2spurige Strasse mindestens 4spurig vollgestopft ist. Freiwillig steigen wir ein ganzes Stueck vor unserem Hotel aus, so langsam reichts, wir   gehen lieber noch ein Stueck zu Fuss. Im Hotel nutzen wir ein wenig die freien Computer und lesen, bekommen unsere frische Waesche zurueck und sind faul.
Gegen halb 7 machen wir uns auf zum Cafe Mitra. Ueber dieses Restaurant hatte Norman einen Bericht in der Zeitung gelesen, daher wollten wir uns das mal anschauen. Es ist sehr huebsch in einem Hinterhof gelegen, schoen eingerichtet und hat eine recht ambitionierte Karte. Zur Feier des Tages goennen wir uns einen halben Liter Weisswein, den ersten Wein seit fast vier Wochen!
Zum Dinner gibts dann Auberginensuppe mit Mozzarella und einen Paprikaziegenkaesekuchen mit Pflaumenchutney, danach Ziegenkaesetarte mit karamellisierten Zwiebeln und Walnuessen bzw. mit Kaese gefuelltes Huehnchen auf Schokojus. Sehr fein, wir sind pappsatt und die Rechnung wuerde auch zu einem Muenchner Restaurant passen.
Auf dem Heimweg wird uns schon wieder verschiedentlich "smoke" angeboten. Es nieselt.
Norman versorgt sich mit Cola und Rum und liest auf dem Balkon, ich verziehe mich ins Bett, fuehle mich kaputt und will mich endlich auskurieren.

Lehrstunden zum Thema Hinduismus und Buddhismus (25.08.2011)

Ach herrje, mich hat's erwischt: Schnupfen, Husten, Halsweh, Brummschaedel und erhoehte Temperatur. Die Nacht ist dementsprechend unruhig (liegt auch an den Muecken, die ueber mich herfallen), und morgens bin ich wie geraedert. Das Aufstehen faellt schwer, es gibt nur Tee zum Fruehstueck, danach muss ich mich nochmal hinlegen, waehrend Norman unsere Schmutzwaesche abgibt.
Um halb 11 fuehle ich mich halbwegs ausgehfertig, der nette Portier organisiert uns sogleich ein Taxi, das uns nach Pashupatinath bringt.
Kaum verlassen wir das touristische Thamel, betteln an den Kreuzungen Kinder, deren Kumpane am Strassenrand sitzen und Klebstoff schnueffeln. Diese Bilder verfolgen mich noch den ganzen Tag...
In Pashupatinath, dem grossen Tempelkomplex, brennt die Sonne vom Himmel, und es ist richtig was los hier. Wir geraten noch vor dem Eingang in einen Trauerzug, der Leichnam wird direkt an uns vorbeigetragen, vorneweg spielt eine Art Kapelle auf. Vor dem Eingangsbereich liegen Leprakranke und Bettler.
An der Kasse geraten wir leider sofort in die Faenge eines selbsternannten Fuehrers, der uns zunaechst die Verbrennungsstaetten am Flussufer zeigt, wo auch gerade ein huebsches Feuerchen brennt, und uns die dazugehoerigen Riten erklaert. Schliesslich zeigt er uns die einzelnen Tempel, dazwischen springen unzaehlige Affen umher - die Tempelanlage ist naemlich Hanuman, dem Affengott, gewidmet, und die Affen dementsprechend willkommen hier.
Mein Kreislauf macht bei der Hitze nicht mit, und ich setze mich auf eine Treppe im Schatten. Dort werde ich aber sogelcih von einer nepalesischen Schulklasse belagert, die mich ausfragt. Ein wenig erholt, spazieren wir weiter durch die Anlage; zwischen den Tempeln sitzen entspannt viele Sadhus mit ihren langen Rastazopfen und Baerten, gegen Bezahlung darf man sie wohl fotografieren, zumindest winken sie beim Vorbeigehen recht freundlich.
Unser Guide zeigt uns noch das Armenhospiz, das in einem Bereich des Tempels untergebracht ist, und wird dann recht unverschaemt in seinen Geldforderungen. Wir handeln in runter, aber der Betrag ist immer noch stattlich.
Ermattet von der Hitze laufen wir entlang der vielen Devotionalienstaende zurueck zum Taxi und lassen uns durchs wilde, laute und staubige Verkehrsgewuehl zum Bodnathtempel bringen. Diese Stupa ist riesig und das Zentrum der tibetischen Exilgemeinde. Leider bin ich nicht so recht aufnahmebereit, sondern zittrig auf den Beinen und kann die Stupa daher nur einmal von aussen umrunden. Die Groesse ist beeindruckend!
Ich muss dringend zurueck ins Hotel und die Fahrt durch die engen Gassen und das Gewuehl ist schier endlos. Im Hotel lege ich mich fuer drei Stunden ins Bett, Norman zieht derweil los, isst Pizza, ergruendet die Gaesschen von Thamel und shoppt 10 Seideschlafsaecke fuer je 7 Euro/Stueck!
Nachdem ich wieder halbwegs fit bin, lesen wir im Garten ein wenig, dann fuehle ich mich genug hergestellt, um ans Abendessen zu denken. Wir spazieren wieder nach Thamel, und im "Roadhouse" gibts Pizza und Salat, sehr lecker, mit richtigen Pizzabaeckern und Steinofen.
Anschliessend erstehen wir nach zaehen Verhandlungen zwei Pashminaschals auf dem Heimweg, der Verkaeufer quasselt uns ein Ohr ab, letzten Endes werden wir uns irgendwie einig. Auf dem Rueckweg wird uns wie jedes Mal von verschiedenen zwielichtigen Gestalten fluesternd Haschisch und Schlimmeres angeboten - ich kann inzwischen nur noch drueber lachen.
Zurueck im Hotel setze ich mich fuer 2 Stunden an den PC, Norman macht sichs mit Bier und Buch auf dem Balkon gemuetlich. In der Nacht wachen wir von einem heftigen Gewitter auf, es kracht ohrenbetaeubend laut, dass die Fenster klirren.

Busfahren macht nur so maessig Spass (24.08.2011)

Puh, ich bin schon wieder ab halb sechs wach und warte sehnsuechtig aufs Weckerklingeln. Eine halbe Stunde spaeter ists soweit,  wir nehmen noch schnell eine kalte Dusche und packen zusammen. Norman schultert den geborgten riesigen Rucksack (leider haben wir nun ja keinen Traeger mehr) und los gehts. Unten wartet schon der Fahrservice, wir muessen aber noch ein paar Fotos machen, denn endlich ist das Wetter sog ut, dass man viele schneebedeckte Gipfel am Horizont sieht. Der Fahrer bringt uns zum Busbahnhof, dort werden wir gleich an den richtigen der etwa 20 wartenden Busse weitergereicht und laden das Gepaeck ein - in den Kofferraum, nicht auf das Dach, sehr feudal! Am Bahnhof ist alles perfekt durchorganisiert: minuetlich kommen Reisende per Taxi an (vornehmlich Touristen), werden ihrem Bus zugeteilt, dazwischen verkaufen fliegende Haendler Backwaren, an den Staenden aussenrum bekommt man gleich dazu passend die heisse Tasse Tee serviert, es ist grandios. Wir sitzen geplaettet an einem solchen Teestand, beobachten das Treiben und versuchen uns vorzustellen, wie's hier im Oktober mit etwa 20x sovielen Leuten zugehen muss.
Der Bus ist diesmal ein sog. "tourist bus", laesst also unterwegs keine Passagiere zusteigen, sondern ist so eine Art Expressbus, mit Platzreservierungen und Fahrkarten und so.
Dementsprechend ist er schon bei der puenktlichen Abfahrt um 7:30 Uhr voll belegt, und wir rumpeln aus Pokhara hinaus, den Blick immer noch aufs Bergpanorama geheftet.
Die Fahrt ist endlos, wir brauchen fast 8 Stunden fuer die 200 km nach Kathmandu. Es wird schnell sehr heiss im Bus, die Sonne scheint kraeftig, doch zum Glueck lassen sich wenigstens die Seitenfenster oeffnen. Nun kommt zwar Zugluft herein, aber auch der gesamte Strassenstaub und die Abgase, die Nase ist schnell verstopft und ein Staub-/Schmutzfilm legt sich ueber alle Passagiere.  An Schlafen ist auf der schlaglochuebersaeten Piste nicht zu denken, wir vertreiben uns die Zeit, indem wir ALF-Hoerspiele hoeren.
Alle zwei Stunden gibts einen Stop an der nepalesischen Variante der Autobahnraststaette, hier steht entlang der staubigen Strasse, die voll ist mit LKWs, Bussen, Autos, Rollern, die alle lautstark und unentwegt hupen, ein einzelnes Haeuschen. In diesem ist immer schon eine Art Buffett aufgebaut, dort kann sich der hungrige Reisende, sofern sein durchgeschuettelter Magen nach Nahrung verlangt, gegen geringe Bezahlung an Nudeln, Reis, Gemuese,... guetlich tun. Mir reicht bei der ganzen Wackelei Cola, Norman versucht sich an fettigen Pakoras.
Die Passstrasse nimmt kein Ende, hin und wieder passieren wir LKWs, die im Abwassergraben daneben liegengeblieben sind, die Ueberhoelmanoever, die unser Bus haeufig durchfuehrt (auf einer sehr vielbefahrenen Strasse, die grade mal breit genug ist, dass ueberhaupt zwei Fahrzeuge einander passieren koennen), sind sicherlich nicht immer ungefaehrlich. Ich bin froh um unsere Plaetze ganz hinten, wo man nicht allzu viel vom Strassengeschehen sieht. Endlich ist der Kamm erreicht, Kathmandu ist in Sicht, und nach endlosem Gezuckel durch die vollgestopften Vororte schreit der Busbegleiter "final stop!". Es ist halb vier inzwischen.
Beim Aussteigen umdraengen uns schon die Taxifahrer und Hotelschlepper, aber wir waren ja so schlau und haben schon bei unserer Abreise vor drei Wochen wieder ein Zimmer im gleichen Hotel reserviert. Ein blutjunger Taxler bringt uns hin, dabei muessen wir ihm den Weg weisen, kennen also zumindest schon ein paar Ecken der Hauptstadt.
Im Hotel freut sich der Torwaechter ein Loch in den Bauch, als er uns wiedererkennt, und erkundigt sich sogleich nach unserem Trek. Drinnen beziehen wir ein winziges Zimmerchen, freuen uns aber umso mehr ueber die Schaetze, die wir in unseren deponierten Rucksaecken finden: Buecher, frische Klamotten!!!
Dann wird ausgiebig und heiss geduscht, es laufen graue Staubbaeche die Arme hinunter, und meine Nase und Stirnhoehlen sind voellig verstopft vom Strassendreck, auch der Hals kratzt. Daher bleibts am restlichen Nachmittag beim Lesen im Zimmer bzw. auf dem Balkon.
Um 18 Uhr trifft sich Norman mit unserem Trekkingorganisator Ngima, der extra nochmal zu uns ins Hotel kommt. Die beiden verabreden sich fuer Samstag abend, Ngima will uns zum Essen einladen, und ratschen ein wenig. Schliesslich raffen wir uns auf und stuerzen uns ins Strassenchaos, wir holen Geld und sind erfolgreich bei der Suche nach dem israelischen vegetarsichen Lokal OR2K.
Der Laden ist extrem gemuetlich, die Essenauswahl vielversprechend - doch leider plagt uns beide ein bisserl der Magen, wir essen also nur eine Kleinigkeit (Falafel, Dips), trinken Ingwertee und machen uns recht zuegig wieder auf den Rueckweg. Noch waehrend wir mitten beim Essen sind, faellt wieder einmal fuer Minuten der Strom aus, doch keiner laesst sich davon stoeren.
Auf dem Rueckweg koennen wir noch DVD-Boxen mit Seriennachschub erstehen, und wir finden endlich die lang gesuchten Seidenschlafsaecke. Die Augen des Haendlers leuchten, als wir in Aussicht stellen, moeglicherweise bis zu 10 Stueck kaufen zu wollen. Wir verabreden uns fuer den naechsten Tag und ueberlegen auf dem Heimweg, einen professionellen Handel damit aufzuziehen.
Zurueck im Hotel gibts fuer Norman noch ein Bier auf dem Balkon, ich verzieh mich lieber gleich ins Bett, die Nase laeuft und der Hals kratzt und ich fuehl mich nicht allzu fit...

27.8.11

Neues vom Yeti (23.08.2011)

Ich kann mal wieder nicht schlafen, der prasselnde Regen die ganze Nacht und der stinkende "Raumerfrischer", der wie Raeucherstaebchen riecht, machen mich wahnsinnig. Also beende ich gegen 6 Uhr trotzdem recht fit die Nachtruhe, schnappe mir ein Buch und lese fast 2 Stunden, bis Norman auch endlich aufstehbereit ist.
Die Dusche ist mangels Sonne (Warmwasser gibts nur ueber Solar) ziemlich kalt, aber da die Aussentemperatur mehr als angenehm ist, laesst sich das trotzdem einigermassen aushalten.
Wir beschliessen, wegen des Regens im Hotel zu fruehstuecken, und bestellen Obstsalat, Toast, Pancakes und Filterkaffee. Dabei beobachten wir, wie am Bootsteg Ruderboote voller Schulkinder anlegen, die selbststaendig uber den ganzen See gerudert kommen. Die Oberaufsicht ueber diesen Schulweg und damit das Ruder in der Hand haben dabei immer die aelteren Schueler (also die etwa 8-10jaehrigen), waehrend die Kleinen (4-5jaehrig) nur beim Anlegen assistieren - das ganze natuerlich ohne jegliche Schwimmwesten oder erwachsene Aufsichtspersonen. Das beeindruckt uns sehr, und zeigt, dass es doch auf der Welt genuegend Kinder gibt, die nicht so ueberbehuetet aufwachsen und trotzdem ihr Leben meistern.
Nach dem Fruehstueck starten wir unser Tagesprogramm. Mit dem Taxi lassen wir uns zum International Mountain Museum bringen. Dort stromern wir gut eineinhalb Stunden durch die Ausstellung. Es geht um die Besteigung saemtlicher 8000er, zum Teil wird die Originalausruestung gezeigt, um die geologische Beschaffenheit des Himalaya, dessen Bewohner, Flora und Fauna. Eine eigene Abteilung befasst sich sogar mit dem Yeti! Insgesamt sehr interessant!
Unser Taxifahrer erwartet uns fuer den Gesamtpreis von 5 Euro doch tatsaechlich am Parkplatz und bringt uns zurueck in die Stadt. Dort werfen wir mutig unsere Postkarten in einen eher zweifelhaft aussehenden Briefkasten, immerhin wurde auf diese Holzkiste von Hand "authorised mailbox" aufgepinselt. Wir sind sehr gespannt, ob die Postkarten ihr Ziel erreichen.
Wir bummeln im Nieselregen entlang der "Hauptstrasse", es gibt endlos viele Geschaefte mit Trekkingausruestung und -bekleidung, Pashminaschals und Yakwolldecken, Buechern, nepalesischer Kunst, Cafes, Internetshops, Massagesalons und Restaurants.
Wir legen eine Mittagspause mit Sandwiches und Lassis ein und verziehen uns nochmal fuer 2 h an einen Computer, danach zurueck ins Hotel und: Siesta! Und dann der obligatorische Drink auf dem Balkon, wohlweislich habe ich im Supermarkt nochmal Nachschub an Rum und Saft besorgt.
Waehrenddessen packen wir schonmal die ersten Habseligkeiten in den Rucksack.
Schliesslich machen wir uns auf und muessen schon wieder zur Bank, hier flutscht das Geld nur so durch die Finger, nach gut zwei sehr sparsamen Wochen, und in einem Buchladen holen wir im Tauschverfahren Lesenachschub. Im "Lemon Tree" essen wir zu Abend, es gibt Enchilada bzw. Dal Bhat, Bier und Bloody Marys, aber so richtig in Feierlaune sind wir heute nicht, also machen wir uns auf den Heimweg. Unterwegs kaufen wir noch 2 Dosen Bier (und eine Flasche "Officer's Choice Rum", auf dessen Etikett ein Lufthansapilot abgebildet ist?!) und sitzend lesend auf der Veranda.

Urlaub! (22.08.2011)

In der Nacht prasselt der Regen aufs Dach, morgens huepfen die Kraehen drauf herum - ansonsten ist es erstaunlich ruhig, geradezu ausgestorben, und wir schlafen uns so richtig aus, bis viertel nach acht! Bei der Morgentoilette troedeln wir heute mal so richtig herum, sitzen noch ein wenig auf dem Balkon und brechen dann zu einer "German bakery" auf, wo wir Schokocroissants, Apple crumble und "echten" Kaffee fruehstuecken - natuerlich, alles laengst nicht so gut wie das jeweilige Original, aber ein Anfang.
Und dann wagen wir uns nach 18taegiger "Abstinenz" ins Internetcafe und verbringen die naechsten beiden Stunden damit, E-Mails zu lesen und zu schreiben, zu bloggen, durch die Zeitungsseiten zu scrollen und uns wieder upzudaten. Und es stellt sich heraus, dass es gar nicht so schlimm mal, mal knapp 3 Wochen nicht erreichbar zu sein - nichts Nennenswertes scheint sich ereignet zu haben... Norman telefoniert im Internetcafe noch schnell mit unserem Hotel in Kathmandu und bestaetigt unsere Reservierung und  mit Ngima, unserem Sherpa-Organisator, den wir in Kathmandu nochmals treffen werden, denn wir muessen ein wenig "nachzahlen", da wir Lhakpa laenger beansprucht haben.
Schliesslich beginnen wir unsere Shoppingtour, doch zuerst brauchen wir Bargeld, waehrend des Treks haben wir unsere Vorraete aufgebraucht. Jeder der 5 Automaten, zu denen wir gehen, bietet eine andere Hoechstgrenze an, das Maximum sind leider dennoch nur 150 Euro. Dann wird geshoppt, wir kaufen prima nachgemachte Windstopper-Jacken von "Northface" fuer 25 Euro, Gebetsfahnen, Tee und feilschen wie die Marktweiber (naja, stimmt nicht ganz, vornehmlich feilsche ich, Norman bringt das meistens nicht uebers Herz). Zu mittag setzen wir uns mit Knabberzeug auf den Balkon vor unserem Zimmer, lesen und geniessen die Aussicht ueber den See. Inzwischen ist auch unsere saubere Waesche da, ebenso wie das Busticket zur Weiterfahrt nach Kathmandu. Das laeuft hier alles wie am Schnuerchen!
Nachmittags brechen wir wieder auf, und ich lasse Norman fuer 1 Stunde in der Obhut eines Massagesalons, der eine spezielle "Trekker-Massage" anbietet. Ich sitze derweil wieder im Internetcafe und arbeite meine Blogbeitraege nach. Danach bummle ich noch ein wenig herum und erstehe ein "Wohlfuehlhoeschen" und ein Oberteil - beim Feilschen fragt der Verkaeufer irgendwann: "What can I do to make both of us happy???"
Ich schlendere zurueck ins Hotel, und endlich ist wieder Zeit fuer einen Drink; Norman ist inzwischen tiefenentspannt auch wieder zurueck.
Nach dem Getraenk wollen wir los zum Dinner, doch just in diesem Moment beginnt es zu regnen, aber wir haben Hunger und lassen uns nicht abhalten, es ist zum Glueck trotztdem warm genug, und wir entscheiden uns fuer das Restaurant Maya. Dort sitzen wir auf der Veranda im 1. Stock und essen Popcorn, Thaicurry, Enchiladas, Tomatensalat und trinken Bier und Cocktails. Der Regen prasselt unentwegt, die Strasse ist verlassen, und im Restaurant sind wir auch die einzigen Gaeste. So verbringen wir Abend und spazieren spaet (also gegen 10) durch die Nacht und den Nieselregen zurueck ins Hotel. Unterwegs laeuft uns ein Neplese hinterher, der uns hartnaeckig Drogen verkaufen will. Nein, vielen Dank, dann doch lieber Cocktails!