22.8.12

Herdentrieb (18.08.2012)

Ab halb sechs beginnt das Lager zu erwachen. Die Traeger bekommen Fruehstueck und bereiten danach alles fuer die Touris vor. Wir bekommen wieder puenktlich um 7 Uhr einen Weckruf, gepaart mit der bereitgestellten Warmwasser-Schuessel, putzen die Zaehne mit eiskaltem Wasser draussen und packen unseren Packsack reisefertig. Das geht inzwischen alles ratzfatz.
Zum Fruehstueck werden wir bereits erwartet, es ist wieder erstaunlich, was die Jungs auf dem einen Gaskocher alles gezaubert haben: Porridge, Toast, Omeletts, gefuellte Pfannkuchen, natuerlich heisses Wasser fuer Kaffee und Tee, dazu Mango und Orangen. Ausserdem stehen unsere prallgefuellten Lunchboxen schon bereit, und wir werden mit Trinkwasser versorgt.
Die Sonne geht auf, und sofort wird es angenehm warm. Nachdem alles eingepackt und auf die Traeger verteilt ist, marschieren wir - und die anderen hunderte Wanderer mit ihrem jeweiligen Personal - los, es ist kurz vor 9 Uhr. Wie eine Karawane ziehen wir die folgenden 3 Stunden aufwaerts durch immer felsigeres Gelaende, der Wind blaest unaufhoerlich, so dass es trotz Sonnenschein stets zu kuehl zum lange Stehenbleiben ist.
Obwohl wir allesamt mehr oder minder im Gaensemarsch laufen, haben die Traeger grundsaetzlich Vorfahrt. Natuerlich trifft man bei denen immer wieder diesselben Typen. Da gibt es die verbissen laufenden, die, die jedes Mal froehlich "Jambo!" rufen, es gibt die "Disco-Crew", die ein lautstark dudelndes Radio dabeihaben... Ihnen allen ist gemein, dass sie in total abgerissenen Klamotten herumlaufen, z.T. drei Hosenschichten uebereinander, eine jede mit Loechern tragen, und katastrophales Schuhwerk anhaben (zerrissene Turnschuhe, Lederschuhe, die offensichtlich 5 Nummern zu gross sind, ein paar wenige tragen tatsaechlich Flip-Flops). Die Guides sehen deutlich besser aus, haben zumeist eine gute Ausruestung dabei. Diglan erzaehlt, dass die Lizenz zum Guide einer einmonatigen Ausbildung bedarf, die zudem sehr teuer ist. Ist man dann ein ausgebildeter Fuehrer, ist es kein Problem, einen Job zu finden, da die Regierung vorschreibt, dass pro 2 Bergsteigern immer 1 Guide dabei sein muss, und ist Nachfrage ist dementsprechend hoch.
Der Vormittag vergeht rasche, ein wenig nervt es mich zwar, dass man weder im eigenen Tempo gehen kann noch irgendwo mal alleine ist, doch der Kili praesentiert sich heute zur Entschaedigung von seiner besten Seite. Die Sicht ist klar, immer naeher kommen wir den schneebedeckten Haengen, und sooo weit ist's gar nicht mehr bis oben.
Bei einem Abzweig trennen sich die Traeger von den Bergsteigern und gehen direkt ins naechste Camp, waehrend wir allesamt zur Akklimatisierung zuu den sog. Lava Towers aufsteigen, einer Lavasteinformation auf 4.600 m. Hier waechst nicht mehr viel, vereinzelte Buesche fuehren ein einsames Dasein. Oben sieht man einen Teil des Gletschers.
Puenktlich zur Mittagszeit sind wir bei den Lava Towers und packen, in der Sonne sitzend, von Raben umflattert unser Lunchpaket aus. Ohne die ganzen Traeger ist die Wandererschar deutlich ueberschaubarer. Nach einem Paueschen gehts nun wieder 700 m durch Staub und Geroell abwaerts, nach und nach tauchen wieder seltsam aussehende Pflanzen auf, staubig ist es aber immer noch.
Die Sonne brennt vom Himmel, so langsam roeten sich unsere Gesichter trotz Sonnencreme. Gegen halb drei erreichen wir den Campingplatz Baranco auf 3.900 m, das Zelt steht parat, der Platz ist riesig und bereits uebersaet mit saemtlichen Schlaf-/Koch- und Klozelten, dazwischen zum Glueck mehr als genug und grade frisch geputzte Klohaeuschen, und ueber allem thront majestaetisch der Kibo-Gipfel.
Da wir in einem Tal sind, ist es wirklich angenehm warm, und wir koennen nach dem nachmittaeglichen "wash-wash" den Tee draussen trinken. Ich ueberlege, mir heute eine frische Trekkinghose anzuziehen, verwerfe den Gedanken aber wieder, als ich sehe, wie der Wind Staubschwaden durch die Luft blaest. Morgen vielleicht.
Den restlichen Nachmittag verbringen wir faul im Zelt mit Lesen, Herumliegen und abwechselnd aufs Klo rennen. Die 4 bis 5 Liter Wasser, die wir hier taeglich trinken, fordern ihren Tribut, das ist ganz schoen laestig. Als wir zum Abendessen gehen wollen, bescheint die Sonne grade noch den Kibo-Gipfel knapp 2.000 m ueber uns, wunderschoen sieht das aus, und ich moechte keinen Augenblick mit den Annehmlichkeiten des 5-Sterne-Hotels auf Mauritius tauschen. Naja, spaetestens, wenn ich heute mitten in der Nacht auf dem steinharten Boden liege und raus in die Kaelte aufs Klo muss, sehe ich das vielleicht wieder anders...
Zumindest das Abendessen kann mit dem Hotelbuffet fast mithalten, okay, ich habe natuerlich Hunger, aber die Suppe, die Pasta mit Gemuesesauce und die Mango hinterher sind wirklich sehr fein. Wir ratschen noch ein bisserl mit Diglan und verabschieden uns gegen halb acht, damit die Traeger selber auch in Ruhe Abendessen koennen.
Als wir aus dem Kochzelt kommen, sind wir baff: ein Sternenhimmel woelbt sich ueber uns, den man nur aus dem Planetarium kennt. Wir stehen staunend da, bis uns die Kaelte zur Eile antreibt, bibbernd putzen wir die Zaehne mit freier Sicht auf Milchstrasse, Stern des Suedens etc.

Staubschicht (17.08.2012)

Staub. Das heute alles beherrschende Thema ist Staub. Staub, der bei jedem Schritt aufwirbelt, sich in jede Pore setzt, sogar in die Nase (die Taschentuecher beweisen es). Staendig haben wir dreckige Haende und Fingernaegel, ohne irrgendwas angefasst zu haben. Die Klamotten sind innerhalb kuerzester Zeit mit einer braunen Staubschicht ueberzogen.
Aber von vorne: um 7 Uhr werden wir geweckt, mit einer Schuessel warmem Wasser versorgt, dann packen wir alles zusammen und bekommen Fruehstuck: Porridge, Omeletts, Toast, Obst - alles da, kein Wunder, dass wir soviele Traeger brauchen. Und wieder die Aufforderung, soviel wie moeglich zu essen. Als ich die riesigen Lunchboxen sehe, die uns in die Hand gedrueckt werden, verweigere ich ein bisschen, wenn ich das alles essen wuerde, muesste man mich den Berg hochtragen. Also gut, der Koch nimmts mit Humor, nur beim Trinken sind alle nach wie vor sehr streng, es wird genauestens ueberwacht, dass wir genuegend Wasser dabei haben.
Von mehreren Seiten hoere ich, dass ich heute nicht mehr "mein" Tempo laufen darf, sondern eben "pole pole" machen soll. Auch gut, also lauf ich hinter Diglan mit Norman um 8:40 Uhr im strahlenden Sonnenschein los.

Nachdem wir gestern den Regenwald grade so verlassen haben, geht es heute den ganzen Tag durch trockene Landschaft, mit vielen Bueschen, dornigen Gewaechsen und mehr und mehr Felsen.
Es ist ernuechternd: hunderte Traeger, die vollgepackt sind, sowie zig Bergtouristen reihen sich quasi hintereinander ein, und los geht der knapp vierstuendige Aufstieg zum naechsten Camp auf 3.800 m. Das ist nicht besonders malerisch, auch wenn der Blick ueber die dichtbewachsenen Haenge rundherum sehr schoen ist. Nach einer Lunchpause, bei der wir beobachten, wie fuer einige Gruppen wieder extra die Esszelte aufgebaut werden und aufgekocht wird (auch eigene "Klozelte" gibt es - der Traeger, der die chemische Toilette die ganze Zeit auf dem Kopf traegt, bekommt bestimmt einen Extralohn), erreichen wir gegen 13 Uhr den Zeltplatz.
Heute waren unsere Traeger schneller, die Zelte stehen schon. Wir werden wieder mit einer Schuessel warmem Wasser und der Aufforderung zum "wash wash" versorgt, und ich versuche mich an einer, naja, Halbkoerperwaesche mit Norman als Duschvorhang. Denn wir sind natuerlich nicht alleine hier, rundherum bauen endlos viele Gruppen ihre Lager auf. Das funktioniert also draussen im Freien, immerhin im Sonnenschein, also nur so halb gut, der Staub macht das Ergebnis eh gleich wieder zunichte.
Im mollig warmen Zelt machen wir ein Nachmittagsnickerchen, draussen blaest der Wind weiterhin Staub ins Zelt, so dass sogar in unseren Packsaecken eine braune Schicht auf allem liegt.
Nach dem gefuehlt 1000sten Klogang (soviel zum Thema "viel trinken") machen wir einen Akklimatisierungs-Spaziergang mit Diglan zu einer Anhoehe etwa 100 m weiter oben. Hier blaest ein kalter Wind, die Schneehaenge des Kili sind zu sehen, der Gipfel ist leider wieder in den Wolken verschwunden. Riesige Raben kreisen umher, bis hierhin breiten sich die Zelte der Reisegruppen aus. Laut Diglan gibt es hier oben das schoenste Klo, also gut, probieren wir das auch noch aus, tatsaechlich deutlich huebscher als die Holzverschlaege mit Wellblechdach, Loch im Boden und abartigem Gestank.
Zurueck in unserem Camp ist tea time im Essenszelt, in dem unsere Traeger in einer Reihe auf ihren Lagern am Boden sitzen, waehrend der Koch Lazaro schon sehr beschaeftigt ist.
Nach zwei Taeschen Heissgetranken spielen Norman und ich ein paar Runden Romme - sogar die Karten sind inzwischen staubig...
Als wir zum Abendessen um halb sieben wieder ins Essenszelt gehen, geht gerade die Sonne ueber den Bergspitzen unter, leider ist es jetzt bewoelkt, die Farben sind trotzdem speaktakulaer. Doch kaum ist sie weg, wirds kalt, also schnell in die warme "Kueche", wo wir wieder mit vegetarischem und nicht-vegetarischem Drei-Gaenge-Menue verwoehnt werden. Erst nachdem wir gegessen haben, wird fuer die Traeger gekocht, die bis dahin uns geduldig zugeschaut bzw. bedient und abgespuelt haben. Das Wasser dafuer wird in jedem Camp von einer mehr oder weniger weit entfernten Quelle geholt.
Diglan bespricht mit uns wieder den kommenden Tag, dann putzen wir bibbernd vor Kaelte die Zaehne und schluepfen in die Schlafsaecke. Mit Stirnlampen versuchen wir uns noch an ein wenig Kartenspielen, doch spaetestens um 21 Uhr ist Nachtruhe.
Ich muss natuerlich um 2 Uhr wieder raus, es ist totenstill draussen. Diesmal denke ich dran, meine Brille aufzusetzen - und werde mit einem fantastischen Sternenhimmel belohnt. Keine Wolke ist am Himmel, die Milchstrasse ist klar und deutlich zu sehen, dazu Millionen von Sterne - wenn es nicht so kalt waere (unter 10 Grad), wuerde ich noch weiter staunen, aber so kuschle ich mich lieber schnell wieder in den Schlafsack.

Machame Gate - los geht's! (16.08.2012)

Der Muezzin singt ab 5 Uhr laut hoerbar, ausserdem liefern sich diverse Haehne ringsherum wohl eine Art Wettkampf, aber wir muessen eh frueh raus. Ich geniesse die letzte Dusche fuer die folgenden 7 Tage sehr, wasche ausgiebig die Haare und wecke Norman. Schon in den Wandersachen gehen wir rueber zum Fruehstuecksbuffet - direkt vor der offenen Terrasse mitten im Garten steht unbeeindruckt ein Kronenkranich und pickt im Gras. Er beaeugt uns wahrend des Fruehstuecks so halb interessiert, brummelt hin und wieder, und hat eine durch und durch alberne Frisur. Henri, so heisst der Vogel, gehoert wohl zum Hotel und wohnt dort im Garten.
An der Rezeption geben wir unser verbleibendes Gepaeck sowie einen Beutel Waesche ab, kurz darauf ist Diglan mitsamt Jeep, Anhaenger und einigen Traegern da, und los geht die Fahrt. Bei diversen Zwischenstopps werden noch Gasflaschen besorgt, wild mit dem Anhaenger rueckwaerts ausgeparkt, Kekse gekauft, Norman wird von einer ueberambitionierten Obstverkaeuferin ueber den Tisch gezogen und zahlt 2 $ fuer vier Bananen, und gegen 11 Uhr erreichen wir Machame Gate, unseren Startpunkt auf 1.800 m. Vom Berg selbst ist heute nichts zu sehen, der Himmel ist wolkenverhangen.
Am Gate ist reger Betrieb, ueberall lungern Traeger herum, Bergsteigertruppen stehen aufgeregt daneben, Verkaeufer wollen Wanderstoecke, Huete und aehnliches loswerden, es wird wild gepackt, registriert,...
Fuer uns passiert eineinhalb Stunden mal wieder nichts; waehrenddessen wird unser ganzes Equipment auf 9 Traeger (!) verteilt, und genauestens gewogen, damit keiner mehr als 20 kg aufgeladen bekommt. HNhach einer Unterschrift im Registrierungsbuero und der Ermahnung, viel zu trinken und "pole pole" (langsam) zu gehen, laufen wir mit Diglan los. Die Traeger folgen, riesige Koerbe und Saecke auf dem Kopf und Ruecken transportierend.
Fuer die naechsten 3 1/2 Stunden steigen wir durch dichten Regenwald 1.200 m hinauf. Es ist nicht zu warm, und die Hoehe bremst uns auch noch nicht, also ist der sehr gut befestigte Weg gut zu bewaeltigen. Vom Himmel ist vor lauter Farnen, Lianen und moosbewachsenen Baeumen nicht viel zu sehen. Norman ratscht wahrend des ganzen Aufstiegs mit unserem Guide ueber Mangoanbau, die europaeische Wirtschaftskrise, Fussball, Tourismus in Tansania und was weiss ich noch alles. Ich marschiere voraus und hoere einfach zu, waehrend ich die Bewegung geniesse. Erstaunt registriere ich die (zwar rudimentaeren) Klohaeuschen, die in regelmaessigen Abstaenden am Wegrand stehen. Nun, bei den horrend teuren Eintrittspreisen fuer den Kili-Nationalpark ja auch zu erwarten.
Gegen halb fuenf erreichen wir den heutigen Campingplatz auf 3.000 m inmitten von Baeumen und Bueschen. Auch hier gibt es eine Registrierungsstelle, bei der wir unterschreiben muessen, und auch hier wird das Gepaeck der Traeger nochmals gewogen, damit sich ja keiner zuviel auflaedt.
Weit oben lichten sich die Wolken, und der Gipfel strahlt im Sonnenlicht - hui, da gehts noch ganz schoen weit rauf!
Nach und nach treffen unsere Traeger ein, ein paar Minuten spaeter ist unser kleines Zelt aufgebaut, und wir richten uns haeuslich ein. Ein steter Strom von Traegern und Touristen kommt bis in die spaeten Abendstunden auf dem Platz an, einige sehen jetzt schon ein wenig erledigt aus. Es gibt zig Klohaeuschen (= Holzhuette mit Loch im Boden, Luft anhalten ist angesagt, und die Stirnlampe schadet auch nicht). Wir bekommen eine Schuessel mit heissem Wasser fuer "wash wash", dann ist im Kochzelt tea time angesagt, waehrend daneben schon fleissig fuers Abendessen geschnippelt wird.
Den ganzen Abend ueber ratschen wir mit Diglan und den Traegern bzw. dem Koch, der ueber seine Daunenjacke sogar extra eine Kochschuerze gezogen hat und sich koestlich amuesiert. Immer wieder werden uns neue Swahili-Woerter beigebracht, mal schauen, ob ich mir davon irgendwas merken kann.
Gegen halb sieben geht die Sonne unter, und es wird frisch. Aber mit Fleecepulli, Jacke und heissem Tee laesst es sich im Zelt aushalten. Aussen herum sieht man von den sicherlich hunderten Menschen nicht allzu viel, da sich die Gruppen zwischen den Baeumen gut voneinander abgrenzen.
Wir bekommen ein ganz fantastisches Abendessen serviert: Gurkensuppe, danach Salat, Bratkartoffeln, Gemuese (extra viel fuer die "vegetarian lady") und Fisch fuer alle ausser mich. Ich ueberlege kurz, wie der Fisch wohl hierhergekommen ist - ungekuehlt vermutlich? Egal, ich muss ihn ja nicht essen. Die ganze Mannschaft will uns offenbar maesten, aber nach einer sehr feinen Mango als Nachtisch geht nix mehr.
Bei einer letzten Tasse Tee "brieft" uns Diglan fuer den naechsten Tag, dann putzen wir die Zaehne unterm Sternenhimmel (und recht schnell, denn es ist doch ganz schoen kalt) und schluepfen in den zum Glueck sehr warmen Schlafsack.
Trotzdem ists eine unruhige Nacht, wegen der ganzen Dauertrinkerei muessen wir natuerlich nachts raus, ausserdem ist der Boden recht hart, und ich kann ewig nicht Einschlafen.

Von Dar es Salaam nach Arusha (15.08.2012)

Noch im Dunkeln verlassen wir unser Zimmer, halbwegs wach nach einer kalten Dusche. Das vorbestellte Taxi soll um 5:30 Uhr kommen, die "boarding time" beim Bus ist 6:30 Uhr. Wir stehen mit dem Nachtwaechter draussen am Tor herum, und herum, und herum - doch kein Taxi kommt.
Ich werde nervoes, denn man erzaehlte uns von dem Verkehrschaos, dras ab 6 Uhr morgens Dar es Salaam befaellt, wenn alle Leute auf dem Weg zur Arbeit sind, und ich sehe uns schon den Bus verpassen.
Der Nachtportiert textet uns auf Swahili zu, das hilft auch nicht weiter. Wir marschieren im Finstern vor zur naechstgroesseren Strasse, in der Hoffnung, vielleicht ein Tuk-Tuk anhalten zu koennen - doch auch da ist (noch) ziemlich tote Hose, und die paar, die vorbeiknattern, sind schon besetzt.
Zurueck beim Hostel druecken wir dem Portier das Handy in die Hand, und geben ihm mit Haenden und Fuessen zu verstehen, er moege uns doch bitte ein Taxi bestellen. Ich bin fix und fertig, als um zehn nach sechs tatsaechlich das urspruenglich bestellte Taxi vor dem Tor anhaelt. Nun begehen wir den Kardinalsfehler, dem Fahrer zu sagen, dass wir nur noch 20 Min. bis zum Einsteigen haben. Denn er legt sogleich den Turbo ein, eroeffnet kurzerhand mitten in der Stadt eine Ueberholspur und rast los, ueberholt ruecksichtslos, steigt vor jedem der vielen speed bumps in die Eisen und beschleunigt wieder. Ich versuche, moeglichst nur aus dem Seitenfenster zu schauen. Zum Glueck ist nicht soviel Verkehr wie befuerchtet, und um Punkt 6:30 Uhr fahren wir auf dem Busbahnhof ein.
Dort herrscht Chaos, Hunderte Busse stehen zur Abfahrt bereit, dazwischen lungern Gepaecktraeger und Verkaeufer mit allem moeglichen Kram herum. Unser Bus steht bereit, wir steigen ein, haben die Plaetze direkt hinter dem Fahrer, ich bin sehr erleichtert - und dann passiert lange erstmal nichts.
Endlich, gegen halb acht (die ganze Hektik also umsonst), fahren wir los, und dank der Vomex-Tablette, die ich auf Normans Geheiss hin genommen habe, schlafe ich quasi sofort komatoes die ersten beiden Stunden durch, trotz des ohrenbetaeubenden Laerms aus dem Radio. Doch wir sind mit Oropax, Decke, Aufblaskissen gut praepariert.
Waehrend der Fahrt gehts hinaus in die weite tansanianische Landschaft, es sieht fast so aus, wie ich mir das in meiner Phase der kitschen Afrika-Romane, die ich als Teenager eine Zeitlang verschlungen habe, vorgestellt habe. Alle Schattierungen von Braun- und Gruentoenen, je weiter wir fahren, desto bergiger wird die Landschaft. Hin und wieder rennt ein Affe mit hocherhobenem Schwanz ueber die Strasse.
Wir passieren ueber Stunden die Usambara-Mountains (ja, die gleichnamigen Veilchen kommen von dort), sehen endlose Ananas-Felder, Frauen mit umgebundenen Babys auf dem Ruecken, die Besiedlung ist spaerlich.
Einige Pippi-Pausen spaeter, in denen ich mir immer wieder ein bis zwei Swahili-Woerter anschaue, die ich in den folgenden Stunden wiederhole, taucht er vor uns aus den Wolken auf: Mount Kilimanjaro, wolkenverhangen und schneebedeckt. Sehr beeindruckend.
Irgendwann koennen wir nicht mehr sitzen. Seit Stunden hoeren wir dieselbe tansanianische Popmusik in abartiger Lautstaerke. Endlich taucht ein Schild auf: Arusha 45 km. Die ziehen sich aber wegen Stau und zig Stopps, bei denen Passagiere scheinbar im Nirgendwo am Strassenrand aussteigen, noch hin.
Die Sonne ist laengst untergegangen, es ist finster (Scheinwerfer werden offenbar nur hoechst unwillig eingeschaltet), als wir nach fast 12 Stunden Fahrt auf dem Busbahnhof einfahren.
Zum Glueck haelt draussen jemand ein Schild mit unseren Namen drauf hoch, denn beim Aussteigen werden wir sofort von sog. "flycatchern" ueberfallen, die uns wahlweise eine Safari, ein Hotel oder ein Taxi andrehen wollen.
Aber so retten wir unser Gepaeck, bevor fremde Haende es sich schnappen, und sitzen im Jeep von Basecamp Tanzania, dessen Fahrer uns fix zum Hotel L'Oasis bringt. Dort treffen wir endlich Achmed, mit dem Norman zigmal per Mail korrespondiert hat in den letzten Wochen, um unsere Bergtour und die anschliessende Safari zu organisieren.
Bei ihm sitzt Diglan, der die folgenden sieben Tage auf dem Kili unser Fuehrer sein wird, und der uns nun bei Bier und Ingwer-Limo genauestens vorbereitet. Wir muessen Rede und Antwort stehen, ob und wie sehr wir bergerfahren sind, und schliesslich kommt er sogar mit uns in unsere putzige kleine Huette und inspiziert genauestens jedes Kleidungsstueck, Gamaschen, Schlafsaecke und Bergschuhe. Als er auch noch die Wandersocken sehen will, versichere ich ihm, dass wir auch da bestens ausgestattet sind. Ich hab naemlich Hunger. Offenbar haben wir die Ueberpruefung bestanden, und wir werden instruiert, am naechsten Morgen um acht Uhr fertig gepackt bereit zu stehen.
Nun koennen wir endlich ans Buffet, essen schnell und stellen dann ein rechtes Durcheinander in unserem Zimmer an, denn die Rucksaecke werden kompett ausgepackt, einer wird befuellt mit den Sachen fuer die Wanderung, der zweite bleibt bis zu unserer Rueckkehr im Hotel. Gegen 22 Uhr ist auch das geschafft, und wir muessen dringend schlafen, beim Liegen fuehle ich immer noch das Ruetteln des Busses...

16.8.12

Do you speak Swahili?

Ich wache sehr früh vom Vogelgeschrei draußen  auf, und beobachte durchs Fenster einen perfekten Sonnenaufgang (für den ich Norman nicht so recht begeistern kann). Aber es ist eh schon fast Frühstückszeit.
Unser Gepäck ist ja nun da, doch stelle ich beim Auspacken fest, dass sich offenbar tatsächlich jemand am Deckelfach zu schaffen gemacht hat - alle anderen Reißverschlüsse sind mit einem Schloss gesichert -, denn Normans geliebtes Crocodile Dundee-Messer ist spurlos verschwunden. Das hatte ich in München in aller Eile dort reingepackt, als wir feststellten, das es im Handgepäck wohl nicht durch die Sicherheitskontrolle kommt. Menno. Aber zum Glück fehlt augenscheinlich sonst nichts.
Nach dem Frühstück machen der wieder hergestellte Norman und ich einen Ausflug, wir müssen die Busfahrkarten für die Fahrt nach Arusha besorgen. Da Norman die Aussicht, mit einem überfüllten Dalla-Dalla (Sammeltaxi) gut eine Stunde in die Innenstadt zu gurken und dort auf gut Glück das Kartenbüro zu suchen, überhaupt nicht behagt, wählen wir die schnellere Variante. An der Hauptstraße halten wir ein Tuk-Tuk an und lassen uns zum nicht allzu weit entfernten Busbahnhof chauffieren. Dort überfällt uns "mzungus" (Weiße) gleich ein Haufen Schlepper, die uns zu "ihrer" Busgesellschaft lotsen wollen. Also: Scheuklappen anlegen und los zum bereits vorher gewählten Busunternehmen, flugs rein an den Schalter, Fahrkarten kaufen, zurück zur Rikscha und 20 min später sind wir wieder im Hostel.
Noch während der Fahrt fasse ich den Entschluss, wenigstens die wichtigsten Wörter und v.a. Zahlen auf Swahili zu lernen, da die Verständigung sonst wirklich kompliziert ist. Also setze ich mich hin und übe mal ein bisschen...
Zum Mittagessen kaufen wir an den Ständen entlang der Straße Tomaten und fantastische Avocados, aus denen ich Salat mache, zum Nachtisch gibt's Bananen und Kekse auf der Terrasse in der Sonne sitzend.
Überall in den Gärten rundherum gackern Hühner und krähen die dazugehörigen Hähne, es ist ganz schön laut. 
Am späten Nachmittag machen wir noch einen langen Spaziergang und wollen zum Strand, der nicht weit weg ist. Wir spazieren ewig an hermetisch umzäunten Villen vorbei, erhaschen sogar hin und wieder einen Blick aufs Meer, aber es ist kein Durchkommen, alles offenbar Privatstrände.
Nun gut, bis wir wieder zurück sind, ist eh schon fast Essenszeit, wir essen wieder mit allen zusammen im Gemeinschaftsraum, es gibt Avocadosalat, Kochbananen in Erdnusssauce, Reis und Gemüse, sehr fein ist das.
Noch die Rucksäcke gepackt, dann gehen wir früh ins Bett, unser Bus fährt am nächsten Morgen um 7 Uhr ab...

14.8.12

Lost & Found

Ich brauche für alles immer einen Plan B oder im besten Fall sogar gleich einen Plan C dazu. "Probleme vorab visualisieren", sich den "worst case" ausdenken, eine Lösung in petto haben, und schon kann gar nix mehr schiefgehen. Soweit meine Theorie. In Sachen "knappe Umsteigezeit in Nairobi" habe Inc visualisiert wie wild, und dennoch macht es keinen Spaß, ohne Gepäck in Dar-es-salaam zu stehen.
Aber der Reihe nach: um 4 Uhr reißt uns der Wecker in Mauritius aus dem Schlaf, draußen ist es stockfinster, mir die Rasensprenkler sind zu hören. Flugs ist fertig gepackt, der Gepäckabholservice kommt pünktlich, am Haupteingang steht unser Frühstück zum Mitnehmen sowie unser bestelltes Taxi bereit, und los geht die einstündige Fahrt ans andere Inselende zum Flughafen. Langsam geht währenddessen die Sonnen über den dunklen, gezackten Berggipfeln auf, über den Palmen färbt sich der Himmel rosa. Kurz nach 6 Uhr sind wir da, soweit läuft alles nach Plan. Das Gepäck kann trotz zwei verschiedener Fluglinien durchgecheckt werden, und so heben wir pünktlich in einer fast menschenleeren Maschine nach Nairobi ab. 
Da jeder von uns quasi vier Plätze für sich allein hat, schlafen wir selig die meisten Zeit des vierstündigen Fluges. Erst als der Flugkapitän per Lautsprecher darauf hinweist, dass wir gerade am Kilimandscharo vorbeifliegen, eilen wir zu den Fenstern. Tatsächlich, da erhebt er sich aus der roten, recht flachen Landschaft, mit ein klein wenig Schnee obendrauf und ein paar Wölkchen drumherum. Sehr pittoresk, und zumindest von hier oben gar nicht so hoch...
In Nairobi eilen wir los und schaffen es genau zum Boarding zum nächsten Gate. Insgesamt eine Stunde zwischen Landung und Weiterflug, das müsste doch zeitlich auch für unser Gepäck reichen?! Wir sind optimistisch.
Um 14 Uhr landen wir in Dar-es-salaam. Zum Glück haben wir das Visum für Tansania bereits vorab besorgt, denn so mancher saß wohl bis zu 2 Stunden im Einreisebüro hier fest. Auch das läuft also - doch als wir kurz darauf am Gepäckband stehen, wird mit den immer spärlicher werdenden Koffern darauf klar: unsere Rucksäcke haben's wohl doch nicht geschafft.
Leider wirkt der Lost-Baggage- Schalter nur so semi-vertrauenerweckend, aber man macht uns Hoffnung, dass die Sachen bestimmt "bald" auftauchen. So, wie es in diesem Flughafen aussieht, wo überall scheinbar herrenloses Gepäck herumsteht, bin ich mir da nicht so sicher.
Draußen wartet geduldig unser Hostel-Abholservice, der sich mit uns stoisch in den chaotischen Verkehr begibt, um uns in mehr als einer Stunde zum Friendly Gecko Guesthouse zu bringen. Es ist heiß, staubig, laut, aber: wir sind in Afrika, hurra!
Leider hält sich Normans Begeisterung in Grenzen, er hat sich den Magen verdorben und ist heute praktisch nicht ansprechbar. 
Unser Hostel liegt nördlich der Stadt in einem Vorort und gehört zu einem Hilfsprojekt, das ein Waisenhaus hier betreibt. Die meisten der Gäste sind daher Freiwillige, die für zumeist vier Wochen dort arbeiten. Bei denen ist das Entsetzen groß, als ich von unserer Gepäckmisere berichte - da habe man schon seeehr schlechte Erfahrungen gemacht, Afrika eben, da dauert alles dreimal so lange. Hmm, so langsam werde ich nervös, denn bis unsere Sachen nicht da sind, hängen wie hier fest, denn ohne Bergschuhe keine Kili-Besteigung. Und Norman sieht auch nicht nach Bergsteiger aus momentan.
Den Rest des Tages verbringe ich mit Krankenpflege und zur Sorgenbekämpfung einem ersten gekühlten Bier der Marke "Kilimanjaro". Wenigstens etwas.
Nach dem Abendessen in großer Ründe starte ich den ersten Telefonterror am Flughafen, leider nicht von Erfolg gekrönt. Zwar käme gleich wieder ein Flugzeug aus Nairobi, aber man glaube eher nicht, dass unsere Sachen an Bord sind. Wir sollten abwarten.
Zwei Stunden und ein paar Telefonate und die Bitte, doch noch mal genauer nachschauen später die Nachricht: unser Gepäck ist da und wird "sogleich" mit einem Fahrer zu und geschickt. Ich fasse es nicht.
Das "sogleich" dauert dann doch noch gut zwei Stunden, sodass ich bis Mitternacht im Hof sitze, gemeinsam mit dem nur Swahili-sprechenden Nachtwächter und den drei Hofhunden, denn nun will ich unsere Sachen gerne persönlich entgegennehmen.
Und endlich falle ich danach ins Bett, neben einem etwas lebendiger aussehenden Norman.

Inselregen

An unserem letzten Tag im irrealen Inselparadies regnet es den ganzen Vormittag immer wieder so heftig, dass nichts zu tun bleibt außer den halben Tag faul auf dem Bett herumzuliegen, zu lesen und Löcher in die Luft zu gucken. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das das letzte Mal gemacht habe... Mittags setzt sich aber doch die Sonne durch, und wir können ans Meer. Zwischendurch bekommen wir bei der Angestellten des TauchCenters unsere frischgewaschene Wäsche zurück. Denn als wir sie vor ein paar Tagen fragten, wo man denn im Ort günstig waschen lassen könne - im Hotel ist das nämlich sauteuer, die wollen 2 Euro allein pro Unterhose! -, meinte sie, wir sollten doch einfach ihr die Sachen mitgeben. Gesagt, getan, und so bekommen wir eine ganzen Beutel frischgewaschener Klamotten zurück zum geheimen Schnäppchenpreis, denn sie war stets besorgt, jemand vom Personal könnte diesen Zusatzverdienst beobachten.
Norman dreht noch eine Runde auf den Wasserskiern, wir springen des Pflichtgefühls halber einmal in den riesigen Hotelpool, und schon verdunkelt sich am späten Nachmittag der Himmel wieder, sodass ich ohne größere Diskussionen noch einmal ausgiebigst aufs Laufband darf, während sich oben ein gigantischer Regenbogen spannt.
Beim letzten Dinner gönnen wir uns heute sogar eine Flasche Wein, die Rucksäcke stehen gepackt bereit, und nach einer Partie Rommé auf der Terrasse und der Vernichtung unserer Alkoholvorräte genießen wir noch eine letzte Nacht in der Homeymoon Suite.

12.8.12

Busfahrer müsste man sein

Beim Frühstück gönnen wir uns heute mal was und schenken zwei Gläsern vom bereit stehenden Sekt ein - doch schon beim ersten Schluck stellt sich fest, dass es sich um ein blubberndes und alkoholfreies Pfirsichgetränk handelt, wie mir der Kellner dann auch ganz begeistert erzählt. Na, dann halt nicht.
Da es recht windig und damit noch zu kühl für den Strand ist, wagen wir einen zweiten Ausflug; diesmal geht's mit dem Bus ins 6 km entfernte Grand Baie. Der Bus ist voll mit Damen in bunten Saris, und als wir ankommen, ist der Grund dafür klar: die gesamte Hindugemeinde ist in den festlichsten Outfits auf den Beinen, und wir geraten just in eine große Prozession - für was oder wen, ist leider nicht zu ermitteln. Die Straße ist abgesperrt, das Fernsehen dabei, eine Menge Schaulustige stehen am Straßenrand. Zunächst schaue ich mir noch begeistert die farbenfrohen Saris an und höre den zig kleinen und großen Kapellen zu, die den Umzug begleiten. Dich dann sehe ich, dass sich viele der mitprozessierenden jungen Männer Haken in die nackten Oberkörper gestochen haben, an denen sie kleine Wägelchen hinter sich herziehen oder Zitronen befestigt haben, dazu gibt es welche, die auf Schuhen mit umgedrehten Stacheln laufen, und alle tanzen, aufgeputscht von der Musik, den sie anfeuernden Umstehenden und wahrscheinlich noch anderen Dingen.
Damit haben wir genug, und verschwinden im nahegelegenen Supermarkt, der in seinen Ausmaßen ganz französischen Vorbildern ähnelt, und stocken dort unsere Getränkevorräte nochmal auf.
Zurück an der Bushaltestelle, die wir erst auf mehrmalige Nachfragen finden, ist wieder mal kein Fahrplan oder ähnliches zu sehen, also wird jeder anhaltende Bus befragt: "Vous allez à Trou aux biches?" Schon der zweite Fahrer nickt, winkt uns rein, sein Hiwi kassiert, und er heizt los. Schnell stellen wir fest, dass wir offenbar eine andere Route fahren als beim Hinweg, irgendwann fahren wir seltsamerweise wieder genau denselben Weg nach Grand Baie zurück, und Ratlosigkeit breitet sich unter den Fahrgästen aus. Weder Fahrer noch Kassierer halten es für nötig, irgendwelche Erklärungen zur neuen Streckenführung abzugeben. Und nachdem der Bus zweimal irgendwo mitten auf der Strecke gewendet hat, gehts endlich doch in die richtige Richtung. Norman zeigt sich begeistert über die scheinbare Willkür des Fahrers, der wohl je nach Gutdünken entscheidet, ob er die am Fahrbahnrand winkenden potentiellen Fahrgäste erhört oder nicht, und beschließt, im nächsten Leben diesen Beruf zu ergreifen. Wo hat man schon soviel Entscheidungsfreiheit über das Wohl und Wehe seiner Mitmenschen?!
Nach diesem wahnsinnig aufregenden Vormittag bleibt nur, den Rest des Tages am Strand zuzubringen, und Norman schafft es sogar, mich zu überzeugen, einen sportfreien Tag einzulegen. So bleiben wir bis zum Sonnenuntergang (um 18 Uhr!) auf der Strandliege und trinken den eilends aus unserem Zimmer herbeigezauberten Sundowner, um den wir von den französischen Herrschaften neben uns sichtlich beneidet werden. Das Meer hier in der Lagune ist praktisch wellenlos, draußen am Horizont kreuzt ein Schiffchen vorbei, und die Sonne erfüllt ihre Aufgabe, möglichst hübsch unterzugehen, bravourös. Kaum ist die Sonne weg, färbt sich der Himmel rosa, und wir hüpfen noch schnell ins Wasser. Wie Maloney sagen würde: so geht das.

11.8.12

Die Ananas-Oma

Heute wird gefaulenzt! Das ist der Plan für den heutigen Freitag, denn wir haben soweit keine Pläne. Also wird ausgiebig gefrühstückt (und auch ein klein bisschen länger geschlafen), und ab halb elf liegen wir am Strand, unterbrochen von ein paar Abstechern ins Meer, und lesen. Natürlich gibt es auch hier die hochgradig optimistischen Strandverkäufer, die mit "echten Kaschmirschals", Korallenketten oder Ausfahrten mit dem Parasailingboot locken. Sehr hartnäckig ist die von uns als "Ananas-Oma" betitelte hutzelige Alte im Sari, die alles mögliche vertickt und dazu höchst werbewirksam eine Ananas auf ihrem Kopf spazierenträgt.
Erstaunlich, wie schnell so ein Tag mit Nichtstun vorübergeht, na gut, das eine oder andere Nickerchen ist auch dabei, Norman geht zwischendurch zwei Runden Wasserskifahren, während es am Himmel immer grauer und grauer wird.
Gegen 16 Uhr ist's dann vorbei mit dem Strandbesuch, das Sportprogramm steht an, und heute geht's nach der Laufbandstunde sogar noch gemeinsam ins Yoga, während draußen tropischer Regen niederprasselt. Es ist aber zum Glück trotzdem warm genug für unseren Aperitif auf der Terrasse zur Belohnung.
Beim Dinner (heute im italienischen Restaurant) sitzt an einem hübsch dekorierten Tisch etwas abseits ein Brautpaar - unser Hotel ist eine recht bekannte Hochzeitslocation. Obwohl ich das lange Zeit für eine recht verlockende Idee hielt - nur zu zweit unter Palmen irgendwo weit weg zu heiraten - muss ich sagen, dass so ein Dinner danach ohne alle Lieben und den ganzen Spaß drumherum doch recht einsam aussah... Aber wie heißts so schön in der "Fledermaus": Chacun à son goût!

10.8.12

Frühsport

Tauchen frühmorgens ist so eine Sache: natürlich brauche ich einen Kaffee für den Kreislauf, allerdings ist ein richtiges Frühstück keine gute Idee, denn mit vollem Magen taucht sich's überhaupt nicht gut. Also werfe ich nach dem Weckerklingeln den Wasserkocher an und mache eine Tasse Krümelkaffee, denn kurz nach halb neun ist heute schon wieder Treffpunkt an der Tauchschule für den nächsten Tauchgang. Wichtig ist, vor dem Reinquetschen in den Neoprenanzug nochmal aufs Klo zu gehen, aber das nur am Rande... Draußen auf dem Meer teilen wir acht Taucher uns in zwei Gruppen auf, und schon werden wir mit Gewichten und Sauerstofftank bepackt ins Wasser gescheucht. Das sind die unangenehmsten Momente: das Aufstehen, Bewegen auf dem wackeligen Boot und ins Wasser springen mit dem abartig schweren Equipment, den Flossen an den Füßen und der Maske im Gesicht - und dann der Augenblick, wenn das kühle Wasser in den Neoprenanzug läuft. Brrrr.
Nun gehts abwärts, und wir tauchen etwa 45 Min. gut 12 m tief rund um eine Art Wand aus Korallen. Leider sind die hier nicht so spektakulär bunt wie erhofft, und auch die Auswahl der Fische nicht ganz so groß. Doch wir sehen scheue und sehr aufgescheuchte Tintenfische, die vor lauter Unsicherheit zigmal ihre Farbe wechseln, außerdem fies dreinschauende Muränen, Seesterne und anderes Getier. Wieder an Land geraten wir in einen tropischen Regenschauer, aber wir sind ja eh schon nass...
Also nutzen wir den restlichen Vormittag, sitzen auf der Terrasse und planen ein wenig unsere Weiterreise nach Tansania in vier Tagen. Das Taxi für die Flughafenfahrt frühmorgens ist bestellt, das Hostel dort reserviert - nur sind wir ein wenig unsicher, ob es so schlau war, einen Umsteigeflug mit zwei verschiedenen Fluggesellschaften und nur 50 min. Umsteigezeit in Nairobi zu buchen. Wir werden sehen...
Heute steht auf dem Nachmittagsprogramm Wasserski- und Tretbootfahren, dann natürlich Sonnenuntergangs-Joggen bzw. die Stunde auf dem Laufband. Herrlich, soviel Zeit für Sport zu haben!
Beim Abendessen, dass wir diesmal im eher fischlastig ausgerichteten Restaurant direkt am Strand einnehmen, ist man wie immer zunächst etwas verwundert über den Wunsch nach einem vegetarischen Menü, aber natürlich klappt's dann doch immer. Nur der grauenhaft spielende und singende Alleinunterhalter sowie der zunehmende Wind und leichte Nieselregen scheuchen und recht schnell ins Zimmer zurück, wo wir noch ein bisserl den Olympianiken zugucken.