13.9.11

Stadt mit viel Patina - Kalkutta (06.09.2011)

Um 6:30 Uhr wache ich auf, die Sonne geht gerade ueber den Feldern auf, und hat jetzt schon sehr viel Kraft. Draussen: Reisfelder, Palmen, Fluesse (und kackende Inder entlang der Gleise). Mara ist auch schon wach, wir lesen, trinken Chai, legen uns irgendwann wieder hin und verdoesen den Vormittag. Gegen halb 12 fahren wir nach fast 14 Stunden Fahrt im Bahnhof von Kalkutta ein - es beginnt just im Moment des Aussteigens zu regnen, der Steinboden wird sofort rutschig, und wir bewegen uns auf unseren Flipflops aeussert vorsichtig zum Ausgang. In der Unterfuehrung zur Bahn bzw. zum Boot werden wir von einem freundlich anmutenden Herrn erst einmal in die falsche Richtung geschickt. Der Inder an sich gibt naemlich sehr ungern zu, wenn er mal keine Ahnung hat, und sagt dann lieber einfach irgendwas...
Schliesslich landen wir auf dem Boot, das uns a la Vaporetto in Venedig fuer ein paar Rupien ueber den Hooghly River auf die andere Flussseite bringt. Dort steigen wir in ein Taxi um und duerfen zum 1. Mal in einem echten Ambassador, dem typischen Fahrzeug hier, fahren.
Das bringt uns ins die Sudder Street und damit ins Backpacker-Viertel, leider steigt sofort ein Hotelschlepper ein und schafft es auch, uns vor dem falschen Hotel abzusetzen, naemlich dem VIP Continental. Zum Glueck liegt das VIP Intercontinental, in dem wir reserviert haben, nur ein paar Haeuser weiter. Dort beziehen wir ein recht kleines, leicht schimmlig riechendes Zimmer, in das auch noch ein Extrabett gequetscht wird. Naja, immerhin gibt es einen Fernseher, und so zappen wir uns durch die Welt des indischen Films und waschen uns den Zugdreck ab.
Schliesslich finden wir ein ganz nettes Cafe und essen zu mittag, der Lassi ist sehr lecker. Nun gehts ans Besichtigungsprogramm, wir laufen entlang einer 3spurigen Strassen suedwaerts und biegen in den Maidan Park ab, der nun wirklich nicht besonders schoen ist. Die Inder lassen nichtsdesto trotz dort ausgiebigst Drachen steigen.
Ein paar Minuten spaeter stehen wir vor dem Victoria Memorial Building, gebaut zu Ehren der britischen Koenigin, fertiggestellt 1921 und optisch eine Mischung aus Taj Mahal und Kapitol in Washington, wie's im Fuehrer, so schoen steht. Recht beeindruckend ist es, vor allem indische Besucher draengeln sich auf den Stufen davor und in den Ausstellungsraeumen im Inneren. Es geht um die Geschichte der britischen Kolonialherrschaft in Kalkutta, um alte Fotografien der Stadt, dazwischen werden Waffen und Uniformen ausgestellt. Alles ganz huebsch, doch es hat draussen 34 Grad bei ca. 75 % Luftfeuchtigkeit, und wir sind ein wenig zermuerbt.
Durch den Park spazieren wir rueber zur St. Paul's Cathedral, von aussen auch ein Prachtexemplar britischer Baukunst, von innen aber doch unverkennbar im Kolonialstil gehalten.
Nun reicht es, und ein langer Fussmarsch fuehrt uns zurueck und in die Park Street, die Haupteinkaufsstrasse von Kalkutta. Es ist sowohl auf der Strasse als auch auf den Gehwegen und in den Laeden die Hoelle los, und wir fluechten schnell in eine wohlklimatisierte Konditorei mit Cafe. Es gibt leckere Schokotoertchen und viel Cappucchino, das sind die Annehmlichkeiten des Grossstadtlebens, und wir koennten hier stundenlang sitzen bleiben. Leider machen uns die uebereifrigen Kellner ein wenig das Leben schwer. Dauernd raeumen sie Sachen ab, sobald der Loeffel hingelegt wird, und fragen, ob wir zahlen moechten. Aus Trotz bestellt Nitschi 3 Cappucchinos hintereinander, und trinkt gaaanz langsam.
Endgueltig vertrieben, machen wir uns auf die Suche nach einem Touranbieter, wir wollen einen Ausflug ins Sundarban Naturreservat machen. Gleich beim ersten werden wir fuendig, er ist uns sympathisch, und so buchen wir kurzerhand einen 3-Tages-Trip, Start ist am naechsten Morgen um 8 Uhr.
Demzufolge haben wir noch ein paar Dinge zu erledigen, wir machen uns in den megavollen Strassen rund um den New Market auf die Suche - zuerst nach einem  Geldautomaten. Gar nicht so einfach, endlich finden wir so ein Ding, davor stehen min. 15 Leute an, es dauert also wieder einmal etwas laenger. Und am Automaten steht auch noch angeschrieben, dass er um 21 Uhr geschlossen wird, und die Uhr tickt, es ist kurz vor acht.
Im Kino nebenan sind die Ticketschalter leider geschlossen, sonst wuerden wir glatt Karten fuer den neuesten Bollywood-Blockbuster kaufen.
Stattdessen irren wir weiter durch die kaufwuetigen Menschenmassen und finden nach einer halben Stunde auch noch ein Internetcafe in einem dunklen Hinterhof. Ein paar Anlaeufe brauchen wir wegen der miesen Verbindung, aber dann ist es vollbracht, wir haben fuer Samstag vormittag Fluege nach Goa gebucht!!!
Noch ein wenig Mails checken, und dann kehren wir auf Ueberredung des Tuerstehers in der "Super Pub Bar" ein - und sind die einzigen weiblichen Gaeste. Egal, der Kellner ist sehr lustig, es gibt kaltes Bier, Knabberzeug und Veggieburger, schliesslich auch noch Gin mit Zitronenlimo mangels Tonic Water - der Kellner trinkt wohl jedes Mal heimlich einen mit, denn als wir zahlen, schwankt er ganz schoen.
Angetuedelt spazieren wir kurz nach 23 Uhr heim, denn in Kalkutta gibts noch die Sperrstunde, und so werden um elf die Buergersteige hochgeklappt - aber nur bildhaft gesprochen, denn auf den Gehwegen liegen reihenweise Menschen und schlafen dort in Decken eingewickelt.

9.9.11

Wahnsinn in Varanasi (05.09.2011)

Um 4:45 Uhr: Aufstehzeit! Anziehen, Zaehne putzen, und raus - dort warten schon ein paar andere muede Gestalten. Wir werden in ein zu Glueck relativ grosses Boot verfrachtet, denn inzwischen ist der Pegel des Ganges soweit gesunken, dass Bootsfahrten wieder offiziell erlaubt sind. So tuckern wir zunaechst Richtung Sueden entlang der Ghats. Andachten sind trotz der fruehen Stunden bereits in vollem Gange, die Leute fuehren rituelle Waschungen durch, baden, waschen ihre Waesche, putzen die Zaehne, und das alles in und mit dieser dreckigen Bruehe. Mich schuettelt's sehr.
Die Sonne geht langsam als roter Ball am diesigen Ufer auf, es sieht alles sehr viel idyllischer aus, als es bei naeherem Betrachten eigentlich ist. Das Tuckern des Motors stoert ein wenig die andaechtige Stille. Zum Glueck schwimmen entlang des Boots "nur" Plastiktueten und Pflanzen vorbei, und keine Leichen.
Nach gut einer Stunde Fahrt kommen wir um halb sieben wieder im Hotel an, und legen uns sofort wieder ins Bett, wo wir nochmal ein paar Stuendchen schlafen.
Nach ausgiebiger Schoenheitspflege (das heisst in so einem Urlaub: alle paar Tage mal die Augenbrauen zupfen) wird gefruehstueckt, wir sind froh, dass wir einen Platz im Schatten kriegen. Einhellig bestellen wir Pancakes, und nach dem Essen raeumen wir gemuetlich unser Gepaeck zusammen und reizen die Zeit bis zum Checkout um 12 Uhr bis zur letzten Minute aus (so, dass sogar noch die Rezeption in unserem Zimmer anruft, um uns daran zu erinnern).
Wir bezahlen, duerfen unser Gepaeck unterstelen und marschieren wieder einmal durch die Altstadt. In einem kleinen Geschaeft ueberfallen wir den Verkaeufer und erstehen zu einem Spottpreis eine ganze Menge "Huehnerhosen" (wie Norman so schoen sagt), Schals, T-Shirts etc. als Mitbringsel und fuer uns selbst. Die Menge laesst natuerlich Spielraum beim Handeln, auch der Verkaeufer erliegt irgendwann unserem Charme.
Dann folgt wieder ein ausgiebiger Besuch im Internetcafe, endlich einmal gibts eine wirklich gut funktionierende Tastatur, und ich blogge gleich mal wie wild.
Irgendwie sind wir heute alle drei nicht besonders fit, Nitschi kaempft mit dem Kreislauf, Mara und ich mit dem Magen, wir geben wirklich ein heldenhaftes Bild ab. Daher schleppen wir uns grade noch ins naechste Cafe, es gibt Wasser und Lassis, aber wirklich gemuetlich ist es dort leider nicht. Eine Maus rennt unter den Tischen umher, Ameisen krabbeln herum, unterm Schrank sitzt eine Katze und kaut geraeuschvoll auf einem Knochen...
Am Fenster zur Strasse steht wieder einmal ein Sadhu in orangerotem Tuch und bettelt uns vehement und laut um Geld an. Nach mehrmaligem "Nein" steht Mara irgendwann entnervt auf und schliesst kurzerhand die Fensterlaeden - wir sind sehr duennhaeutig heute. Deshalb wird auch der Rueckweg zum Hotel zu einer kleinen Zerreissprobe:
Wir passieren einen toten Hund, dann verhaut ein Sadhu (wie mir diese "heiligen Maenner" heute auf den Keks gehen) mit einem Stock kleine Welpen und wird daraufhin hoechst aggressiv von der Hundemama angebellt, kurz darauf schlagen Gassenjungen mit Stoecken brutal auf Kuehe ein, um sie von den Gemuesestaenden zu vertreiben, es stinkt und ist heiss - wir sind einen kurzen Moment alle knapp davor, loszuheulen. Irgendwie schaffen wir's ins Hotel, ruhen uns einen Moment aus  und gehen dann mit unserem gesamten Gepaeck auf dem Ruecken den ganzen Weg zurueck zur Hauptstrasse. Dort das naechste Aergernis: die Rikschafahrer verlangen fuer einen relativ kurzen Weg horrend hohe Preise und geben auch kein bisschen nach. Da Nitschi schon wieder blass um die Nase wird, muessen wir wohl oder uebel den geforderten Preis fuer die Fahrt zum Kedar Ghat zahlen. Wir irren nochmals durch enge Gassen, verfolgt von einem humpelnden Heiligen (mit denen haben wir heute aber auch wirklich kein Glueck), der uns unbedingt den Weg zeigen (und Geld dafuer bekommen) will, aber wir schaffen es, ihn im Stechschritt abzuhaengen.
Endlich erreichn wir die "Lotus Lounge", eine wahre Oase in dieser verrueckten Stadt: eine grosse Terrasse mit gemuetlichen Liegen direkt ueber dem Ganges, im Wasser baden Bueffel, es ist herrlich ruhig und die Getraenke und das Essen sind absolut in Ordnung.
Das beste ist, dass wir hier in Ruhe gelassen werden, und verbringen so zwei nette Stunden mit lesen und doesen. Zwischendurch pimpen wir uns mit Vitaminen und Elektrolyten in Pulverform, schliesslich wollen wir ja wieder fit werden.
Zu Fuss spazieren wir zum relativ nahe gelegenen Geschaeft von Baba Blacksheep, puenktlich um 18:30 Uhr treffen wir dort ein, und die Maedels duerfen ihre neu genaehten Kleider probieren.Ein wenig muss wohl daheim noch nachjustiert werden, doch insgesamt ist das Ergebnis traumhaft schoen. Wir verabschieden uns sehr herzlich, und spielen dann nochmals das Spielchen mit den unverschaemten Rikschafahrern. Zusammengepfercht mit dem ganzen Gepaeck sitzen wir schliesslich in einer drin, leider entpuppt sich der Fahrer beim Weg durch die rush hour zum Bahnhof als aeusserst kamikazefreudig. Ab und zu halten wir doch die Luft an.
Heil erreichn wir Varanasi Junction, der nette Wachmann am Eingang schickt uns zu Gleis 6, vorher machen wir einen Abstecher zum Klo und stellen fest, dass die indische Frau eine Ewigkeit braucht, um sich aus ihrem Sari raus- und nach dem Klogang wieder einzuwickeln. Hier dauert einfach alles immer ein wenig laenger, hetzen laesst sich hier niemand.
Wir stocken noch unsere Keks- und Wasservorraete auf, und stehen dann eine Stunde am besagten Gleis herum, waehrend um uns die Ratten recht aktiv umherrennen. Wir sind verschwitzt und klebrig, muessen auch noch eine Schicht stinkendes Nobite auftragen, weil die Mosquitos loslegen, und als endlich (nach einigen Stromausfaellen, die den Bahnhof jedesmal in voellige Finsternis tauchen) um 21:15 Uhr zur exakten Abfahrtszeit der Zug einfaehrt, stellen wir fest: das ist gar nicht unserer!!!
Wir verfallen ein wenig in Panik, fragen zig Wachmaenner, die alle komplett die Ruhe weg haben, und erhalten endlich die Auskunft, dass wir zu Gleis 5 muessen. Und - was fuer ein Glueck - unser Zug hat 30 Minuten Verspaetung, faehrt also wenige Minuten ein, nachdem wir das richige Gleis erreicht haben. Wir sind fix und fertig und dampfen im Zug ermattet erst einmal eine Weile vor uns hin, waehrend wir langsam ueber den Ganges rollen.
Es ist unfassbar heiss nachts, trotz der offenen Fenster und durchquirlenden Ventilatoren. Daher ist's eher eine unruhige Nacht. Nicht hilfreich ist auch, dass ich nachts um 3 Uhr von Uniformierten mit Schlagstoecken geweckt werde. Sie wollen ueberpruefen, ob unser Gepaeck noch da ist und alles in Ordnung ist und erzaehlen mir, dass wohl viel geklaut wird im Zug. Ich zeige ihnen die Profischloesser von Mara und Nitschi an den Rucksaecken, mit denen das Gepaeck an die Sitzbaenke gekettet wird, aber trotzdem zeigen sie sich weiterhin besorgt, und ich versuche, nicht allzu verschlafen zu reagieren.
Kurz darauf steigt ein aelterer, dickbaeuchiger Herr zu uns ins Abteil, der vorher durch die offenen Fenster erst einmal die Lage gecheckt hat. Er setzt sich uns Schlafenden gegenueber und beobachtet uns ausgiebig, legt sich dann aber auch irgendwann hin. Wir behalten ihn alle mal sicherheitshalber im Auge, und kriegen dementsprechend wenig Schlaf. Alle zwei Minuten laeuft ein Haendler mit Essen, Getraenken, Spielzeug, Zeitungen, Schuhflickzeug etc. lautstark schreiend durch den Gang, ungeachtet der nachtschlafenden Stunde.

Alles ueber Seide (04.09.2011)

Endlich ausschlafen, nach zwei Naechten im Zug und davor dem fruehen Aufstehen beim Taj Mahal und in Delhi. So pennen wir bis 10 Uhr und gehen alles langsam am, vor allem das ausgiebige Fruehstueck. Das Wetter ist deutlich besser, die Sonne spitzelt schon hervor, oh ja, es wird schon wieder sehr heiss heute.
Nach dem Fruehstueck organisieren wir im Internetcafe zuallererst einmal unsere Weiterreise und buchen den Zug nach Kalkutta am darauffolgenden Abend. 14 Stunden Fahrt im Schlafabteil kosten 5 Euro pro Person, es ist herrlich, mal nicht immer auf's Geld schauen zu muessen!
Unser Tagesprogramm starten wir damit, durch die Gaesschen zu stromern, zunaechst nordwaerts. Unterwegs sind wir wieder fassungslos, wie schmutzig diese Stadt ist. Ueberall liegt Muell und undefinierbarer Dreck am Boden, dazu spuckt und rotzt jedermann, wo er geht und steht. Am schlimmsten ist allerdings das ewige Paan-Gekaue, die Maenner sind nicht zu verstehen, und muessen fuer laengere Gespraeche immer erst einen Riesenschwall tiefrot gefaerbten Speichels auf den Boden spucken, die rote Betelnuss laesst das Ganze aussehen wie Tuberkulose im Endstadium. Auch das ewige Sack-Gekratze ist auffallend.
Trotzdem sind die meisten sehr hilfsbereit, und helfen uns gerne und ohne Erwartung einer Gegenleistung. wenn wir durch die Gassen irren. Wir erstehen lustige Postkarten mit Sadhus in recht, naja, anstrengend aussehenden Positionen darauf, und lassen uns von einem der Holzarbeiter die "burning ghats", also die Verbrennungsstaetten zeigen. Es herrscht Hochbetrieb, die Luft ist so voller Rauch, dass die Augen sofort traenen, dazu kommt die Hitze und das Gewusel. Mindestens drei Leichen brennen gleichzeitig, die naechsten liegen, in bunte Tuecher gehuellt und mit Girlanden geschmueckt, auf dem Boden in der Warteschleife.
Unser selbsternannter Fuehrer erzaehlt, dass Frauen, Kinder, heilige Maenner und Opfer von Schlangenbissen und Typhus nicht verbrannt, sondern direkt "dem Fluss uebergeben werden". Das bestaetigt uns in unserer Entscheidung, in Varanasi ausnahmsweise ausschliesslich Mineralwasser zum Zaehneputzen zu verwenden.
Er bringt uns noch in eine Art Abbruchhaus, dort leben die Alten und Kranken, die aus ganz Indien nach Varanasi kommen, um dort auf ihren Tod zu warten, und versuchen, per Spenden Geld fuer das noetige Feuerholz zusammenzu sammeln. Nitschi und Mara lassen sich ueberreden und werden dafuer von einer zahnlosen Alten ausgiebigst gesegnet.
Unsere Klamotten stinken erbaermlich nach Rauch, und so "fluechten" wir wieder in die zumindest schattige Altstadt. Wir lassen uns ein wenig treiben, erstehen hier Fusskettchen, dort in einem Laden, der nur Amreifen in allen erdenklichen Formen und Farben verkauft, eine neue Kollektion und Mitbringsel. Dann laufen wir ein paar Kilometer entlang einer vielbefahrenen Strasse, mit Werkstaetten links und rechts, auf der Suche nach einem bestimmten Seidengeschaeft, das im Lonely Planet Fuehrer als "vertrauenswuerdig" beschrieben wird.
Wir muessen bei einem Buedchen unterwegs eine "Ich trinke einen halben Liter Cola/Sprite auf ex"-Pause einlegen, schwitzen vor uns hin, und nach gefuehlten 3 km finden wir den gesuchten Laden in einer Seitengasse: Baba Blacksheep.
Zunaechst erschrecken wir, er sieht geschlossen aus, und heute ist ja auch Sonntag und einige Geschaefte unterwegs waren eindeutig zu. Doch Glueck gehabt, wir betreten den kleinen Laden und haben daraufhin zwei sehr vergnuegliche Stunden mit dem Ladeninhaber und seiner jungen Angestellten.
Zunaechst kaufe ich Rohseide fuer einen Mantel und einen feinen Seidensari fuer ein Kleid, fuer einen echten Schnaeppchenpreis. Der Sari wird dabei wild um mich gewickelt, verschiedene Varianten gezeigt, wie ein Kleid daraus aussehen koennte, waehrend meine beiden Begleiterinnen das Ganze fachmaennisch begutachten und kommentieren.
Dann folgt der grosse Auftritt von Baba, er zeigt uns, woran man echte Pashminaschals erkennt, wie sich ein echter Seidenschal im Vergleich zu einem Mischgewebe anfuehlt und faehrt dabei Schals, Saris und Stolas in den tollsten Farben und Mustern auf. Da ist's natuerlich um uns geschehen, vor allem, als wir sehen, dass man auch mit Kreditkarte bezahlen kann!
Jede sucht sich zig Schals aus, als Mitbringsel und Geschenke, und schliessilch verkuendet der freundliche Her auch noch, dass es moeglich ist, sich fuer 150 Rupien (also 2,50 Euro) bis morgen abend ein Kleid schneidern zu lassen. Daraufhin gibt es kein Halten, Mara und Nitschi suchen sich wunderschoene Saris aus, und los geht das Abmessen und die Fachsimpelei, wie wohl der Schnitt aussehen sollte. Es wird viel gelacht, der Inder hat einen wundervollen, ironischen Humor, und ich habe selten einen so entspannten und lustigen Einkauf getaetigt.
Letzten Endes bezahle ich fuer meine Stoffe (4 m Rohseide und 6 m bestickte Seide, 1 Pashmina und 5 Seidenschals) knapp 120 Euro, damit bin ich sehr zufrieden, und wir versprechen, am naechsten Abend puenktlich vor unserer Abfahrt wiederzukommen, um die Kleider abzuholen.
Ganz beseelt spazieren wir durch die Altstadt zurueck, keine von uns haette gedacht, dass das mit dem Seide kaufen so problemlos und angenehm ablaeuft. Zur Belohnung kehren wir in eine "German bakery" ein, es gibt Lassis und endlich das tollste Dessert der Welt: "Hello to the queen". Im Pipalbaum vor dem Cafe turnen die Affen herum und werfen einen Turnschuh durch die Luft, den sie wohl irgendwo geklaut haben.
Wir deponieren unsere Einkaeufe im Hotel, und bekommen unsere Waesche ausgehaendigt. Sie riecht eigentlich ganz unverdaechtig und frisch. Dann setzen wir uns 1 Stunde ins Internetcafe und mailen, und suchen dann das Restaurant Apsane, das leider gar nicht so "cosy" und "with good music" ist, wie im Fuehrer beschrieben. Naja, so essen wir nur schnell irgendwas und gehen zurueck, nach 22 Uhr sollte man hier naemlich nicht mehr draussen auf den Strassen unterwegs sein. Die Polizeipraesenz in der Stadt ist gross, alle tragen dicke Maschinenpistolen, aber trotzdem wollen wir lieber rechtzeitig zurueck.
In manchen Gassen ist es so dunkel, dass wir froh sind um unsere Stirnlampen. In allen Ecken schlafen Hunde oder auch Menschen auf den blossen Steinen, liegen Kuehe wiederkaeuend herum oder stapeln sich Berge von Muell.
In unserem Hotel gibts noch ein Bier auf der Terrasse, es ist genau 22 Uhr, als wir dort eintreffen. Ein wenig kommen wir mit anderen Backpackern ins Gespraech, es ist interessant zu hoeren, dass alle vor allem damit kaempfen, staendig das Gefuehl zu haben, uebers Ohr gehauen zu werden, und den Dreck als hoechst unangenehm empfinden. Es tut gut, sich das hin und wieder von der Seele zu reden.
Nach einer Dusche, die nach dem verschwitzten Tag sehr noetig ist, gehts ins Bett.

Frontalangriff auf alle Sinne (03.09.2011)

Diese Nacht schlafen wir alle verhaeltnismaessig gut. Ich werde ein paar Mal angeregnet, bis der Sitznachbar sich erbarmt und das offene Fenster schliesst. Morgentoilette im wackligen Klo, ein Tee vom Chaiwallah, der durch den Zug laeuft, Kekse zum Fruehstueck - wir lesen und warten, planmaessige Ankunft des Zugs soll 11 Uhr sein, bisher keinerlei Verspaetung. Etwa 500 m vor der Einfahrt in den Bahnhof bleibt der Zug ploetzlich stehen, und da steht er fuer die naechsten fast 90 Minuten. Einige Fahrgaeste steigen aus, die Zugtueren sind ja schliesslich immer geoeffnet und laufen, doch wir haben ja keinen Termin und sitzen die Sache daher aus. Endlich, weit nach 12 Uhr, erreichen wir Varanasi Junction.
Der Weg zum Ausgang ist endlos, ueberall liegen Leute auf dem Boden, draengeln sich Gepaecktraeger, die Rikschafahrer umschwirren uns. Mara bleibt hartnaeckig beim Verhandeln, und enlich sitzen wir auch in einer Rikscha - es giesst just in diesem Moment in Stroemen, und zu allem Uebel laeuft das Wasser seitlich in die Rikscha rein. Der Fahrer will lieber noch ein bisserl ratschen statt loszufahren, mir tropfts auf den Kopf und ich werde ein wenig ungeduldig. Daraufhin wird der Herr sehr unfreundlich und will mich fast rausschmeissen, aber Nitschi vermittelt, man wird sich einig, und wir fahren eeeeendlich los. Leider muessen wir zum Hostel dann auch noch etwa 20 Minuten mitsamt Gepaeck laufen, die Rikschas koennen in den engen Gaesschen der Altstadt nicht fahren. Motorraeder gibt es dagegen zuhaus, obwohl es dort so eng ist, dass man manchmal kaum zu zweit nebeneinander gehen kann.
Es geht im Zickzack vorbei an winzigen Verkaufsstaenden, Kuehen, Schreinen, die Wege sind vom Regen und vom ewigen Dreck und Kuhmist verschmiert, und Nitschi faellt auf den rutschigen Steinen gleich mal hin. Ueberall liegt Muell, der hin und wieder auch gerne einfach verbrannt wird - die indische Variante zur Beseitigung des Muellproblems: einfach anzuenden, Plastik hin oder her. Vorneweg marschiert unser Rikschafahrer, der darauf besteht, uns zum Hostel zu bringen. Wir sind froh, alleine haetten wir uns ganz schoen durchfragen muessen, und endlich erreichen wir das Hotel Alka, mit dreckigen Fuessen. Diese Stadt ist definitiv nicht Flipflop-geeignet, es wird Zeit fuer die Turnschuhe.
Wir haben per Mail ein Zimmer reserviert, bis dieses bezugsfertig ist, sitzen wir im Restaurant direkt am Ufer des Ganges und nehmen ein spaetes Mittagessen ein. Der Fluss ist immens angeschwollen jetzt zu Ende des Monsuns, gut 300-400 m liegt das andere Ufer entfernt, die Stroemung sieht bedrohlich schnell aus, das Wasser ist eine braune Bruehe. Wir erfahren, dass zur Zeit wegen des hohen Wasserstands keine Bootstouren stattfinden - zumindest keine legalen.
Nach dem Essen beziehen wir unser Zimmer, es ist riesig, die Dusche funktioniert tadellos, und auf dem Nachmittagsprogramm steht "Waesche waschen".  Kurz darauf haengen zwei Waescheleinen voller Unterwaesche zum Trocknen quer durchs Zimmer, die restliche Schmutzwaesche geben wir ab und haben die kleine Hoffnung, dass der Dobhiwallah (= Waeschemann) sie nicht im Ganges waescht.
Gegen 18 Uhr brechen wir auf und spazieren auf eigene Faust durch die Stadt entlang der Ghats, die alle ueberspuelt sind. Alle paar Meter will uns jemand eine Bootstour aufschwatzen, doch wir lehnen ab (siehe oben!). Entlang von Marktstaenden mit akribisch gestapeltem Obst pssieren wir einen Sadhu (= ein heiliger Mann, meist Asket), der auf einem Bein steht und von Nitschi sofort fotografiert wird. Als sie ihm Geld dafuer gibt, faengt er doch glatt an zu handeln und will viel mehr. Wir verneinen, gehen einfach weiter, und er huepft uns auf einem Bein hinterher, bis wir ihn ueberzeugen, dass es keinesfalls mehr Geld gibt, auch wenn wir dafuer schlechtes Karma bekommen.
Schliesslich landen wir am Haupt-Ghat, dort stehen Unmengen Stuehle bereit, und puenktlich um 19 Uhr beginnt dort die taegliche Puja (= Andacht): ein tolles Brimborium mit Gesang, Trommeln, Weihrauch, Feuer - die Inder singen und klatschen begeistert mit, die Touristen halten alle naselang die Kamera in die Luft und fotografieren.
Nach etwa einer Stunde haben wir genug und machen uns auf die Suche nach dem International Music Centre Ashram, dort findet samstags ab 20 Uhr ein Sitar-Konzert statt, sagt unser Reisefuehrer. Wir muessen ein paar Mal nach dem Weg fragen, schliesslich werden wir von einem netten Herrn sogar hoechstpersoenlich zum richtigen Haus geleitet. Leider verstehen wir nicht, was er zu uns sagt, denn im Mund hat er eine riesige Portion Paan und spricht daher so deutlich wie mit einer heissen Kartoffel.
Im Music Centre werden wir von einem guruaehnlichen Menschen nett empfangen, zahlen Eintritt und setzen uns in einen leicht schimmligen Innenhof mit Baenken und einer Buehne. Kurz darauf betreten die Musiker die Buehne, und beginnen ihr Konzert - zuerst solitisch mit der Sitar, spaeter steht die Tabla ein.
Man kommt in eine Art Rausch, die Musik plaetschert ohne Pausen vor sich hin, es ist schwuel und wir dampfen so vor uns hin. Zum Ende hin wird uns ein Tonbecher mit heissem und sehr suessem Zitronentee serviert. Und dann haben wir genug, wir verlassen das Konzert gegen 21:15 Uhr, denn wir haben Hunger und suchen uns den Weg durch die verwinkelten Gassen zurueck zum Hotel.
Auch Mara rutscht auf den glitschigen Stufen aus, Varanasi schiesst in Sachen Schmutz bisher einfach den Vogel ab.
Im Restaurant setzen wir uns an einen Tisch direkt am Waser, bestellen Essen und vor allem kaltes Bier und machen es uns gemuetlich. Es ist klar: wir wollen auch die folgenden beiden Wochen gemeinsam weiterreisen, denn schlimmer kann's nicht kommen.

5.9.11

Pornotempel und Pool (02.09.2011)

Um kurz vor 6 beende ich die Nachtruhe, mache schnell eine Katzenwaesche im Klo auf dem Gang (was gar nicht so einfach ist, denn der Zug ruckelt beim Fahren schon sehr, man muss aufpassen, sich nicht die Zahnbuerste aus versehen in die Backe zum rammen), und behalte dann die Haltestellen im Auge. Und richtig, wir erreichen Khajuraho tatsaechlich 35 Minuten VOR der offiziellen Ankunftszeit! Nitschi ist gerade erst aufgewacht, als wir ganz schnell ausssteigen muessen, und daher ein wenig desorientiert.
Draussen geht gerade erst die Sonne auf, ringsum ist es deutlich huegeliger und auch gruener als in Delhi oder Agra. Wir feilschen mal wieder mit den Rikschafahrern, wehren die Hotelschlepper ab und lassen uns in die "Innenstadt" bringen. Dort ist zu dieser fruehen Stunde leider noch fast alles geschlossen. Stattdessen wird uns alle paar Meter ein Zimmer in einem Hostel angeboten. Endlich finden wir ein offenes Restaurant, der verschlafene Angestellte schafft es, uns nach und nach schlechten Kaffee (den wir mit eigenem Instantpulver aufhuebschen muessen), halbwegs gutes Ruehrei und Toast mit angeschimmeltem Rand zu bringen.
Nach dem Fruehstueck duerfen wir unser Gepaeck in einem Cafe einschliessen, und dann betreten wir die beruehmte Tempelanlage.
Es ist kaum was los, und so nehmen wir uns gut 2 Stunden Zeit, die vielen Tempel mit den unfassbar detailliert gearbeiteten Skulpturen aussen zu betrachten. Wir amuesieren uns natuerlich sehr ueber die ueberaus akrobatischen Kamasutra-Darstellungen, finden auch den Mann, der sein Pferd ueber alles liebt, und freuen uns ueber die angenehmen Temperaturen (bewoelkt, windig, bei vielleicht 25 Grad). Die ganze Anlage ist extrem gepflegt, ueberall arbeiten Gaertner am perfekten Rasen und den wunderschoenen Hibiskus- und Rhododendron-Bueschen.
Nach unserer Besichtigung, es ist erst 10 Uhr, gibts Cappucchino und Lassi, und dann kommt irgendwie die Idee des Tages auf: Mara liest im Reisefuehrer, dass man gegen Zahlung von umgerechnet 5 Euro den Pool im Radisson Hotel benutzen darf. Wir sind begeistert, das machen wir, schliesslich muessen wir ja wieder den ganzen Tag vertroedeln. Wir handeln beinhart mit den Rikschafahrern, versorgen uns mit Wasser und Knabberkram, und wenige Minuten spaeter stehen wir vor der Rezeption des Hotels.
Trotz unseres etwas abgerissenen Auesseren ist man ueberaus freundlich, selbstverstaendlich duerfen wir an den Pool, bekommen Liegen und Handtuecher, in den Duschen stehen Shampoo und Duschgel bereit, und mit einem seligen Grinsen huepfen wir ins Nass. Wie die Kinder erfreuen wir uns die naechsten 5, 6 Stunden an unserem dekadenten Herumliegen am Pool, in dem viele winzige Froesche wohnen, an der Sonne, am Cocktail, den wir uns goennen (jaja, bei den Rikschas feilschen wir wie die Marktweiber um 10 Rupien, leisten uns dann aber einen suendteuren Cocktails fuer 450 Rupien) - es ist herrlich!
Wir lesen, schwimmen, machen Fotos, doesen, und trennen uns gegen 18 Uhr nur schweren Herzens und nach einer ausgiebigen Dusche. Die Rikschafahrer draussen nennen unverschaemt hohe Preise, wir bleiben hart und machen Anstalten, die 2 km zu Fuss zurueck in die Stadt zu gehen. Endlich, schon nach dem 1. Kreisverkehr knickt wieder einmal einer ein, zum Glueck, denn just in diesem Moment beginnt es heftigst zu regnen.
Zurueck in Kharjuaho City versuchen wir uns am Abendessen, haben aber alle nicht so recht Hunger, fuer mich gibts nur eine halbe Gemuesesuppe, mir ist nicht nach Essen, ich krieg nix runter und mir ist schlecht. Ausserdem sind wir Opfer fieser Mueckenangriffe.
Im stickigen Internetcafe vertun wir noch ein wenig Ziet, gegen halb 10 lassen wir uns wieder nach aeusserst zaehen Verhandlungen zum Bahnhof fahren. An der Rikscha scheint der Auspuff kaputt zu sein, es ist ohrenbetaeubend laut, trotzdem versucht sich der Fahrer in Konversation, muss aber aufgeben.
Ich wuesste gerne, wie oft wir heute im Lauf des Tages gefragt wurden, ob wir ein Hostelzimmer oder eine Rikscha brauchen und wo wir jetzt gerade hingehen. Es ist nervig, ausser einem knappen "No!" lassen wir uns kaum auf Gespraeche ein.
Am Bahnhof vergehen die eineinhalb Stunden Wartezeit erstaunlich schnell, wir ratschen, waehrend um uns die indischen Grossfamilien auf dem harten Steinboden liegen und schlafen. Es regnet immer noch, das ist also endlich mal ein wenig Monsun-Feeling.
Als der Zug um kurz nach 23 Uhr einfaehrt, finden wir schnell unsere Plaetze, drei Betten uebereinander, und richten uns fuer die Nacht ein. Ich schaffe es sogar, die Fenster zu schliessen, der nasse Boden verraet naemlich, dass es ziemlich reinregnet, wenn die offen sind.
Die Nacht ist erstaunlich gemuetlich, es ist angenehm temperiert, und dank Oropax koennen wir alle drei richtig viel schlafen - trotz lauter Grossfamilie, die irgendwann mitten in der Nacht ohne Ruecksicht auf Verluste das Abteil stuermt.

Licht und Schatten Indiens am Taj Mahal (01.09.2011)

Wieviel man wohl in einer Nacht in so eine Matratze schwitzt? Egal, um 5:30 Uhr klingelt der Wecker, wir bringen uns verschlafen in einen ausgehfaehigen Zustand und gehen zu Fuss die 3 Minuten zum Osttor des Taj Mahals. Dabei passieren wir die oertliche "Muellkippe", auf der zig Maenner sitzen und gerade ihre "Morgentoilette" verrichten - und damit meine ich nicht, dass sie sich rasieren oder so. Ach herrje, wie das stinkt!
Am Taj-Eingang stellen wir fest, dass die Ticketschalter 2 km entfernt sind - also marschieren wir los, verfolgt von zaehen Rikschafahrern, vorbei ein einem soeben verendeten Schwein, das gerade von raeudigen Strassenkoetern angefressen wird, und an uebelkeiterregend stinkenden Baechen. Es ist grade mal 6 Uhr.
Nach 15 Minuten Marsch kommen wir am Schalter an, kaufen die Tickets (die unfassbare 12,50 Euro pro Person kosten), bekommen dafuer jeder noch eine Flasche Wasser, 1 Paar Schuhueberzieher und die Rueckfahrt zum Eingang gratis, und dann sind wir auch schon drin.
Die Sonne schiebt sich langsam ueber die Baeume und taucht den weissen Marmor in einen goldenen Glanz. Obwohl ich nun schon zum 2. Mal hier bin, bin ich sprachlos und hingerissen von der Schoenheit dieses riesigen Bauwerks: es ist so filigran trotz seiner Groesse, so wunderschoen symmetrisch mit vielen kleinsten Details, die alle nur dazu da sind, es noch schoener zu machen. Stundenlang koennte ich einfach nur schauen, ohne mich sattzusehen.
Ein wenig nerven die Touristen, die dastehen und bloede Fotos von sich aber, aber es sind zum Glueck gar nicht allzu viele da. Nach dem obligatorischen Foto, das wir natuerlich auch machen, schlendern wir nun auch langsam auf den Taj zu. Erst wenn man direkt davor steht, erschliesst sich einem langsam die immense Groesse dieses Grabmals; das sonst keinerlei Zweck erfuellt, als zwei winzige Saerge zu beherbergen.
Wir ziehen brav die OP-Ueberzieher ueber unsere Schuhe, und dann laufen wir ueber den glaenzenden weissen Marmor durchs Tor ins Innere. Drinnen: blanke Begeisterung ueber die tausenden winzigen bunten Blumen, die in die Marmorwaende rund ums Grab eingelassen sind, keine sieht aus wie die andere, und obwohl aus Stein, wirken sie ueberaus lebendig. Irgendwann kann ich  mich losreissen, draussen warten schon Mara und Nitschi, von der Rueckseite aus hat man einen schoenen Blick ueber den Yamuna.
Wir besichtigen noch die Moschee und deren Schwesterbau links und recht vom Taj, oben am Gelaender steht derweil ein Scharfschuetze und beobachtet das Geschehen rund ums Bauwerk.
Gegen 8 Uhr verlassen wir das Gelaende und steuern das gegenueberliegende Cafe an, dort gibts tatsaechlich einen Grande Cappucchino, Sandwiches, Muffins, hurra!
Auf dem Rueckwegs ins Hotel dann die uebliche Belaestigung durch die Verkaeufer, Stadtfuehrer, Rikschafahrer, die sich wie die Hyaenen auf uns stuerzen, dazu der Gestank, wir laufen daher recht schnell.
In unserem Zimmer packen wir unsere Rucksaecke so, dass die noetigen Sachen fuer die beiden kommenden Naechte im Zug griffbereit sind (Schlafsack, Deo, Zahnbuerste, Oropax), und nehmen die vermeintlich letzte Dusche fuer die kommenden 48 Stunden - im Moment bei der Aussentemperatur eine grauenhafte Vorstellung!. Wir checken aus und duerfen unser Gepaeck noch im Hotel lassen und einschliessen.
Wir beschliessen nun, es den nervigen Rikschafahrern zu zeigen, und ganz verrueckt die 2 km zu Fuss zum Agra Fort zu gehen. Es ist ein Spiessrutenlaufen, alle 2 m haelt ein Gefaehrt neben uns und es ertoent die Frage: "Where are you going?" oder "Do you need rickshaw?". Aaaah! Wir fluechten von einer Strassenseite auf die andere, versuchen eine Abkuerzung durch einen Park, und kommen gut durchgebraten nach einer halben Stunde am Fort an.
Zuerst muessen wir den Getraenkestand davor pluendern, dann geht's erst hinein. Dank guter Durchlueftung ist es in den offenen Vestibuelen und Pavillons des wirklich beeindruckend grossen ehemaligen Palastes erstaunlich kuehl, der weisse Marmor ist zudem angenehm temperiert. Wir sind die Attraktion saemtlicher maennlicher Inder unter 30, muessen ein Gruppenfoto nach dem anderen machen, manchen werden wir "heimlich" mit Handys fotografiert, manche sind mutig, andere schuechtern, die meisten sehr hoeflich - wir kommen uns vor wie Angelina Jolie, fragen uns aber schon, was die wohl mit den Fotos so anstellen...
Eine Gang Schulbuben um die 12 ist besonders mutig und hartnaeckig und umkreist uns, selbst als wir uns auf einer Parkbank ausruhe, dabei ruecken sie nach und nach immer naeher, waehrend wir uns an den putzigen Streifenhoernchen auf dem Rasen erfreuen.
Irgendwann langt's uns dann, das ist doch zuviel Aufmerksamkeit - Nitschi muss einen Herrn zurechtweisen, der sie unentwegt heimlich knipst. Und so nehmen wir eine Rikscha zurueck nach Taj Ganj. Der Weg zur Rikscha ist voller Haendler, die uns ungefragt ihre Waren unter die Nase halten. Jetzt brauchen wir wirklich eine Pause und Mittagessen, wir finden die wohl huebscheste Dachterrasse Agras und stellen im Folgenden unter Beweis, wie gut wir darin sind, die Zeit totzuschlagen.
Geschlagene 4 Stunden stizen wir hier naemlich im Schatten zwischen Blumentoepfen, mit Blick auf den Taj Mahal, essen eine Kleinigkeit, trinken Wasser, Lassis und Chai, lesen, doesen und ratschen, bis dann doch irgendwann einmal die Rechnung gebracht wird. Ein herrlich fauler Nachmittag.
Schliesslich verbringen wir noch ein Stuendchen im Internetcafe, dann lassen wir uns vom hartnaeckigsten Restaurantinhaber ueberreden, zum Abendessen auf seiner Dachterrasse einzukehren - den Zuschlag bekommt er vor allem, weil's da Bier gibt. Es ist zwar ein wenig schmuddelig, der Kellner der langsamste Mensch der Welt, das Klo nur mit einem Vorhang abtrennbar, aber dafuer hat man einen prima Blick auf den "Dorfplatz", auf dem sich die Strassenkoeter grade recht anschaulich "vergnuegen". Die Schwimmer des alljaehrlichen Yamuna-Wettschwimmens werden soeben von ihren Teams wortwoertlich mit Pauken und Trompeten vorbeigefuehrt und Richtung Wasser eskortiert.
Das Bier ist kalt und lecker, und so vergeht auch der Abend noch erstaunlich schnell, es wird viel gelacht. Gegen 22 Uhr holen wir unser Gepaeck und lassen uns zum Bahnhof bringen. Dort campieren hunderte Menschen direkt am Gleis, wir passen uns sofort an, holen eine Decke aus dem Rucksack und lassen uns haeuslich nieer. Mara bespasst fuer die naechste Stunde saemtliche Kinder der Umsitzenden, die Kleinen sind ganz bezaubert.
Um 23:15 Uhr faehrt der Zug ein, schnell finden wir unsere Plaetze im Schlafabteil und richten uns auf der Pritsche ein. Zaehne putzen im Klo, Ohrstoepsel rein, und gute Nacht! Ich liege direkt am offenen Fenster, sehe die Sterne und der Wind pfeift um meine Nase, was aber bei den Temperaturen aeusserst angenehm ist. Ich schlage immerhin ein paar wenige Stunden ganz gut, auch wenn bei jedem Halt ein Kommen und gehen die ganze Nacht ueber ist.

Schwitzen in Agra (31.08.2011)

Der Abschied von Norman faellt mir schwer, 30 Tage haben wir nun Tag und Nacht zusammen verbracht, es war ein wunderschoener Urlaub, und er wird mir in den naechsten zweieinhalb Wochen sicher fehlen. Sein Flieger geht heute um 11 Uhr zurueck nach Muenchen.
Wir Maedels stehen dagegen um halb 6 auf, packen leise und verabschieden uns von ihm. Dann checken wir aus dem etwas seltsamen Hostel aus und marschieren die 15 Minuten zur U-Bahn - trotz der fruehen Stunde schwitzen wir, als wir dort ankommen. Wenigstens ist auf der Strasse noch nix los, so kommen wir zuegig voran. In der tiefgekuehlten Metro freuen wir uns noch einmal ueber das uebersichtlich leere Frauenabteil, waehrend sich in an den anderen Wagons die Maenner stapeln. Das fuehre ich in Muenchen auch ein - Frauenabteile, tolle Erfindung!
Am Bahnhof in New Delhi ist nicht zu eruieren, auf welchem Gleis wir abfahren, doch der Kioskverkaeufer, den wir fragen, nimmt sich eifrig der Sache an, rennt sofort los und bringt irgendwo die gewuenschte Information in Erfahrung. Zur Belohnung trinken wir bei ihm am stinkigen Gleis (die Toiletteninhalte der Zuege gehen direkt und ungefiltert auf die Schienen) einen Chai.
Der Zug faehrt puenktlich ein, und schnell durchschauen wir das Nummerierungssystem und finden unsere Sitzplaetze - offenbar klappt das Buchungssystem uebers Internet doch tatsaechlich problemlos?!
Der Zug ist zum Glueck auch nicht besonders voll, und so laesst sich die gut vierstuendige Fahrt eigentlich gut aushalten, v.a. waehrend der Fahrtwind durch die offenen Fenster weht. Nach einiger Zeit laesst es sich nicht mehr hinausschieben: ich muss aufs Klo! Also gut, ich bin auf alles gefasst und dementsprechend ueberrascht. Klar, es ist ein Stehklo (gar nicht so einfach im fahrenden, sehr ruckeligen Zug), klar geht der Abfluss direkt auf die Gleise, aber sonst ist es erstaunlich sauber. Die Maedels sind nach meiner Berichterstattung sichtlich erleichtert.
Ein bisserl doesen, es wird immer heisser, ein bisserl lesen, aus dem Fenster gucken, waehrend im Zug die Haendler und Bettler lauthals schreiend durch den Gang laufen - flugs vergeht so die Zeit, und wir erreichen mittags um 12 Uhr puenktlich Agra.
Direkt nach dem Aussteigen werden wir von einem aelteren Rikschafahrer "verhaftet", der uns nicht mehr aus seinen Faengen laesst, bis wir uns auf einen Preis mit ihm einigen koennen. Auf der Fahrt zum vorreservierten Hostel Kamal kaut er uns buchstaeblich ein Ohr ab, bietet sich uns mehrfach als Fahrer fuer den ganzen naechsten Tag an, will uns ueberreden, doch ein anderes Hostel aufzusuchen, und leider dreht er sich dabei immer zu uns nach hinten um - bis Nitschi ihn recht vehement bittet, waehrend der Fahrt doch lieber auf die Strasse zu gucken.
Unbeirrt weiterquasselnd faehrt er im Hostel schwungvoll die Einfahrt hinein und quasi ueber die dort gerade arbeitenden Bauarbeiter. Waehrend des daraus resultierenden Wortwechsels fluechten wir zur Rezeption.. In unser eigentlich gebuchtes 2er-Zimmer wird kurzerhand ein drittes Bett gestellt, wir sind zufrieden damit und suchen uns erstmal ein Dachterrassenrestaurant mit Schatten, wo es Lassis und Mittagessen gibt.
Und da ist er, der Taj Mahal - thront mitten in der Stadt, schoen wie eine Illusion. Wenn's nicht so heiss waere, wuerden wir uns ja noch laenger daran erfreuen. Aber so muessen wir erst einmal ausgiebig unter die Dusche und dann folgt eine Siesta, schwitzend unter dem Ventilator liegend.
Gegen 17 Uhr trauen wir uns erst wieder raus, die draussen aufgehaengten kurz durchgewaschenen Klamotten sind schon wieder trocken. Ich setze mich 2 Stunden ins Internetcafe, blogge und schreibe Mails. Dann ist schon Zeit fuers Abendessen, wir hoffen auf eine Dachterrasse mit Blick auf einen angestrahlten Taj, doch der vergeblich, der Taj wird offenbar nicht beleuchtet. Dann dinieren wir eben ohne Aussicht, dafuer mit leckerem Obstlassi zum Nachtisch.
Der Strom faellt dauernd aus, sofort rattern dann ohrenbetaeubend laut die Generatoren los, das ist so gar nicht stimmungsvoll, es riecht nach Diesel. Auf der Strasse beklaeffen sich die Hunde, dazwischen liegen Kuehe im Muell am Strassenrand, und in dem stehenden Wassern links und rechts im Graben stinkt es bestialisch. Wir steigen wieder einmal um auf Mundatmung, und marschieren recht zuegig zum Bier-Shop, wo wir 3 eiskalte Kingfisher-Bier erstehen. In Uttar Pradesh gibts naemlich (zumindest offiziell) keinen Alkohol in den Restaurants zu kaufen, zu teuer sind die Schanklizenzen.
Dann gehen wir schnell nochmal an einen PC und buchen - nach den positiven Erfahrungen vom Vormittag - gleich die uebernaechste Zugfahrt nach Varanasi. Das Bier gibts dann auf der mit Leuchtgirlanden ganz nett geschmueckten Dachterrasse unseres Hostels, es ist sehr gemuetlich und die Temperatur halbwegs ertraeglich. Um 23 Uhr dann "Bettruhe", der Ventilator und die Klimaanlage laufen auf Hochtouren, dank Oropax kann man trotzdem halbwegs gut schlafen.

2.9.11

Disneyland fuer Hindus (30.08.2011)

Es dauert, bis wir morgens in die Gaenge kommen, aber zumindest war diese Nacht permanent Strom da, so dass der Ventilator durchquirlen konnte. Gegen 9 Uhr sitzen wir beim Fruehstueck, es gibt die indische Variante des French Toast (naemlich Toast gefuellt mit scharfem Kartoffelpampf). Und dann vertreiben wir uns mit Surfen im Internet und Lesen die Zeit, bis Mara gegen halb 11 im Hostel eintrifft.
Sie ist innerhalb kuerzester Zeit und trotz langem Flug ausgehfertig, und so brechen wir nur eine halbe Stunde spaeter auf zur U-Bahn. Es ist heiss, laut, stinkend und staubig draussen, und wir sind froh, als wir den kuehlen Bahnhof erreichen. Wir steigen am Chandni Chowk aus und stuerzen uns ins Gewuehl aus schreienden Fahrradrikschafahrern, hupenden Autos, draengelnden Passanten, dabei wabern Fettschwaden aus den Buden am Strassenrand, waehrend wir aufs Rote Fort zusteuern. Nach der todesmutigen Ueberquerung einer riesigen Kreuzung ohne erkennbare Verkehrsregelung kommem wir dort heil, wenn auch von der Sonne schon halbgar gebraten, an.
Das Fort ist beeindruckend gross und imposant von aussen, innen ist leider nicht allzu viel vom frueheren Glanz erhalten, und daher beschleunigen wir die Besichtigung ein wenig. Auf den Rasenflaechen liefern sich Streifenhoernchen wilde Rennen. Wieder draussen kaempfen wir uns weiter durchs Strassengewuehl, dabei kommen uns unter anderem Fahrradrikschas entgegen, auf denen bis zu 10 Schulkinder sitzen - eine Art Schulbus also.
Wir haben Hunger, Durst und uns ist heiss, also marschieren wir durchs muslimische Viertel, vorbei an Metzgerstaenden mit abgetrennten Hammelkoepfen auf dem Tisch am Strassenrand und zerrupften Huehnern davor, immer auf der Suche nach einem Lokal. Das einzige, das der Reisefuehrer empfiehlt, ist wegen Ramadan geschlossen, also kehren wir nebenan ein.
Da gibts schmuddelige Tische, sparsam dreinguckende Kellner, aber immerhin kalte Cola und Spinat und Brot, eben das noetigste - und es ist trotz des eher ungemuetlichen Interieurs trotzdem eine willkommene Oase der Ruhe nach dem ganzen Trubel da draussen.
Gestaerkt wagen wir uns wieder hinaus und wollen die grosse Moschee Jama Masjid besichtigen, doch zwei grimmige Waechter sind unfreundlich und gar unverschaemt zu uns, wollen uns stinkige Ueberziehburkhas aufzwingen, obwohl wir durchaus angemessen gekleidet sind, und so verzichten wir eben. Lieber nicht mit den Hausherren anlegen.
Stattdessen lassen wir uns zu viert mit der Fahrradrikscha zur Bahn bringen, das ist ein Abenteuer, vor allem, weil Norman und ich quasi rueckwaerts fahren und nach hinten rausgucken - und immerzu Angst haben, dass uns jemand gegen die Schienbeine faehrt. Wir sind froh, als wir wieder in der Metro sind, irgendwie war de Stimmung in diesem Viertel eher ungut.
Nach einer schier endlosen Fahrt mit Umsteigen kommen wir in Akshardham an. Ein findiger Fahrrad-Rikschafahrer ueberredet uns, mit ihm zum dortigen Tempelkomplex zu fahren, und so duesen wir zu viert auf einem Fahrrad mit schmaechtigem Fahrer auf der Autobahn und zu allem Uebel noch gegen die Fahrtrichtung (zumindest fuer ca. 500 m) zum 2005 eroeffneten Hindu-Heiligtum.
Alles dort sieht wirklich funkelnagelneu aus, allein der Parkplatz davor hat disneylandaehnliche Ausmasse, und die Abfertigung beim Einlass ist militaerisch organisiert: alle mitgebrachten Sachen muessen vorab abgegeben werden, werden noch fotografiert und eingeschlossen. Dann gehts zur Sicherheitskontrolle, der Dialog mit der zustaendigen Inderin beim Abtasten ist folgender:
I: "You have mobile phone?"
N: "No."
I: "You have purse or money?"
N: "No."
Inderin mustert mich nachdenklich, dann: "But you have chewing gum!!! Out!!!"
Und dann sind wir endlich drin, im Las-Vegas-anmutenden Tempelwahnsinn. Alles ist blitzblank, wohl organisiert, top gepflegt, die Rasenflaechen sehen aus wie auf einem Golfplatz, es gibt ueberall "food courts" mit kalten Getraenken (Eiskaffee!), der Haupttempel ist riesig. Es ist unglaublich, wieviel Geld muss diese Hindusekte bitte haben? Der Tempel ist ueber und ueber mit Skulpturen bedeckt, innen glitzert und glaenzt es vom Boden bis zur Decke. Dazu gibt es drumherum Wasserbasins und Areale fuer Filmvorfuerungen oder Wasserspiele - wir sind total erschlagen! Und das ganze kostet noch nicht einmal Eintritt. Damit haben die Hindus heute deutlich mehr Punkte bei uns gesammelt als die muslimischen Kollegen.
Am Himmel ziehen derweil tatsaechlich Wolken auf, wir haben die Hoffnung auf Regen, und es troepfelt dann auch ein wenig, aber das wars auch schon.
Nach der Tempelbesichtigung fahren wir mit der Metro nach Hauz Khas, das Abendessen ruft. Eine sehr nette Inderin gibt uns Instruktionen, wie wir zum gewuenschten Restaurant kommen, und so quetschen wir uns zu viert in eine Rikscha und fahren 4 km nach Hauz Khas Village. Das scheint eine recht noble Gegend zu sein, es gibt huebsche Restaurants, Parkwaechter, Kunstgalerien, Laeden mit teueren Saris, ... In einem suedindischen Lokal kehren wir ein, das Essen ist hinreissend lecker, es gibt Lassis und fernrohrgrosse Dosas, und alles in geschmackvollem Ambiente und fuer 3,50 Euro pro Person.
Fuer den Rueckweg muesen wir kraeftig handeln und finden schliesslich eine Autorikscha, in die wir uns zu viert quetschen  und 20 min. nach Saket fahren. Ein wenig muessen wir (mit Unterstuetzung einer Inderin am Strassenrand) den Fahrer noch "nachjustieren", weil er uns an einer falschen Haltestelle rausschmeissen will, aber schliesslich ist es geschafft, und wir kommen mit Plattfuessen gegen 22 Uhr im Hotel an.
Dort losen wir die Duschreihenfolge aus, packen, vernichten die Rum-/Saftvorraete und gehen gegen Mitternacht ins Bett.

1.9.11

Ein Ausflug, wie er nicht im Reisefuehrer steht (29.08.2011)

Die Dusche morgens ist leider immer noch lauwarm, kalt waere so viel schoener gewesen. Ich schaffe es tatsaechlich, die Klospuelung zu reparieren, auch wenn die jetzt komische Geraeusche macht.
Der Koch unseres Hostels hat wohl verschlafen, Fruehstueck gibts auf jeden Fall erst um halb zehn (Chai, Bananen und scharfe Gemuesepfannkuchen). Wir schwitzen schon wieder und denken darueber nach, sofort nach Goa in eine Bambushuette am Strand zu fliegen...
Kurz E-Mails checken, dann wagen wir einen neuen Versuch, den direkten Weg zur U-Bahn zu finden. Es ist Montag vormittag, das Chaos auf der Strasse ist verrueckt, aber nur 20 Minuten Fussmarsch und eine todesmutige Ueberquerung einer 4spurigen Strasse spaeter sind wir da.
Der U-Bahnhof ist klimatisiert, ah, herrlich, die Bahn ebenso. Die Fahrt in die Stadt zum Connaught Place klappt problemlos, das U-Bahn-System ist leicht verstaendlich. Kaum sind wir draussen: Hitzschlag - wir fluechten sofort in den McDonald's, vor dem wir stehen, und retten uns mit Cola und Milchshakes vor dem Verdursten.
Schliesslich fuehlen wir uns gewappnet und spazieren einmal rund um den Platz, vorbei an "normalen" Geschaeften (Puma, Benetton, FabIndia,...), werden angequasselt von Bettlern und vermeintlichen Stadtfuehrern. In einem der Bazare unter dem Platz ersteht Nitschi Wohlfuehlhoeschen, und nach genau einer Runde haben wir genug und verschwinden wieder in der kuehlen Metro und fahren weiter nordwaerts.
Dort machen wir einen Abstecher ins tibetische Viertel, schlendern ein wenig durch die engen Gaesschen, bevor wir in einem Restaurant Mittagspause machen. Fuer insgesamt 5 Euro gibts Lassis, Nudelsuppe, Gemuese, Fruehlingsrollen und Wasser, gar nicht schlecht!  Es sieht hier alles ein wenig aus wie in Nepal.
Wieder draussen finden wir einen Taxifahrer, der uns zu einem vernuenftigen Preis (10 Euro fuer 2 Stunden Fahrt und 1 Stunde Warten), den er auch nicht mehr verhandelt, nach Narela bringt, das gut 30 km noerdlich von Delhi liegt.
Dort wollen wir das "Patenkind" von Nitschis Mama besuchen, das dort ueber eine Hilfsorganisation versorgt aufwaechst. Wir werden, endlich angekommen, nett empfangen. Der zustaendige Angestellte bringt uns zur Pflegefamilie, wo Priya mit 17 anderen Kindern lebt. Das etwa 10jaehrige Maedchen ist etwas schuechtern, es ist ihr deutlich unangenehm, auf einmal von sovielen Leuten beguckt zu werden.  Sie ziert sich daher ein wenig, waehrend Nitschi ihr Geschenke (Stifte und viel Schokolade) und Fotos ueberreicht. Dann muss sie sich auch noch fotografieren lassen, taut aber nach und nach ein wenig auf. Die anderen Pflegekinder wuseln natuerlich auch noch um uns herum, waehrend der Angestellte das dortige Betreuungs- und Unterstuetzungskonzept erklaert. Beim Abschied winken alle feste.
Wir bekommen noch eine Fuehrung durch die anderen Anlagen, darunter durch das Krankenhaus fuer schwerkranke Obdachlose, in dem v.a. Tuberkulosekranke behandelt werden, und die Schule mit Kindergarten und Tagesbetreuung. Wir sind beeindruckt, hier wird wirklich gute Arbeit geleistet und Hilfe zur Selbsthilfe angeboten, alles ist weitgehend in indischer Hand. Insgesamt also ein hochinteressanter Nachmittag.
Die Fahrt zurueck dauert ewig, aber zumindest geht es ueber eine richtige Schnellstrasse mit intaktem Strassenbelag, und das Taxi ist neu und klimatisiert. Wir steigen in Delhi in die U-Bahn um und fahren fuer umgerechnet 30 Cent einmal durch die ganze Stadt zurueck, schlaengeln uns durchs Gewuehl bis zu unserem Hostel - die Fuesse sind wieder seeeehr schmutzig.
Immerhin ist es im Zimmer kuehl, weil die Klimaanlage den ganzen Tag lief, und ein kaltes Bier finden wir auch im Kuehlschrank, hurra! Das Tagesprogramm hat heute Stunden gedauert, es ist schon nach 18 Uhr.
Ein wenig faulenzen wir herum, raffen uns dann zum Abendessen auf, das fuer so ein Hostel mit einem recht jugendlichen "Koch" und Einheitsessen erstaunlich gut ist, es gibt Reis mit Gemuesecurry.
Norman und Nitschi spazieren noch netterweise zum Liquor Store und holen mehr Bier - das leider so scheusslich (abgelaufen? verdorben?) schmeckt, dass wir es in die Pflanze kippen bzw. dem Kuechenjungen schenken, der sich freut wie bolle. Tuborg kommt erstmal auf die schwarze Liste. Stattdessen trinken wir Rum mit Saft auf der unverhofft huebschen Dachterrasse, es ist immer noch heiss, und wir versuchen, ein wenig schlaftrunken zu werden.

Welcome to incredible India! (28.08.2011)

Vor dem Weckerklingeln bin ich wach und stelle fest: ich fuehl mich blendend! Noch ein bisserl verschnupft, noch ein bisserl hustend, aber insgesamt blendend. Da faellt das Aufstehen und fertig Packen leicht.
Als wir zum Fruehstueck ins Erdgeschoss gehen, sitzt auch Ngima schon da, wir fruehstuecken gemeinsam, bezahlen und hoeren, dass wegen eines Streiks nur bestimmte Autos fahren duerfen, fuer uns aber schon ein solcher Van organisiert wurde.
Nun verabschieden wir uns von allen Angestellten und von Ngima sehr herzlich, dann werden wir durch die autofreien Strassen von zwei netten Hotelbediensteten zum Flughafen gebracht. Wir sind eigentlich viel zu frueh, trotzdem checken wir furchtbar schnell ein, die Neplesen sind gut organisiert. Wir "verprassen" unser letztes Geld  mit einem Saft, dann werden wir schon Richtung Gate gescheucht. Kein Wunder, dass die so Hektik machen, denn nun folgt wieder das Procedere von dutzendfachem Abtasten, Taschenkontrolle, Stempeln des Boarding-Passes, wieder Abtasten, wieder Taschenkontrolle, nochmal durch eine Sicherheitsschleuse... - die letzte davon direkt vor dem Einsteigen an der Treppe ins Flugzeug. Daher bilden sich ueberall sofort getrennte Schlangen fuer Maenner und Frauen.
Endlich sind wir drin, immer noch viel zu frueh eigentlich, und fliegen dann doch tatsaechlich gut 25 min. verfrueht ab. So landen wir um kurz nach 12 Uhr mittags in Delhi und stellen schnell die Uhr um - um genau 15 Min., nun ist der Zeitunterscheid zu Deutschland nur noch 3,5 h. Draussen hat es laut Durchsage des Flugkapitaens 32 Grad.
Auch hier geht alles ratzfatz, die Einreiseformalitaeten, dann kreisen auch schon unsere Rucksaecke, und draussen erwartet uns Nitschi, die nur wenig vor uns in Delhi gelandet ist.
Gemeinsam beordern wir den Abholservice von unserem Hostel her, stehen in der Hitze herum und sind erstaunt ueber das nichtvorhandene Chaos, das wir von unserem letzten Besuch von vor knapp 5 Jahren noch allzu gut in Erinnerung haben. Die haben hier wohl umstruktiert.
Der Taxifahrer wirft unsere Rucksaecke auf den Dachtraeger, ohne sie dort festzubinden, wirft beim Fahren aber ab und zu einen Blick aus dem Seitenfenster aufs Dach (immerhin), und los geht die gut 30minuetige Fahrt in den Sueden Delhis in den Stadtteil Saket, wo sich das Nirvana Hostel befindet.
Die Strassen sind gut ausgebaut, und auch hier ist es zumindest um diese Uhrzeit gar nicht so chaotisch wie erwartet. Das Hostel liegt sehr versteckt mitten in einer Wohngegend, wir bekommen zu dritt eine Art Schlafsaal mit Stockbetten drin (aber immerhin fuer uns alleine) und planen unseren ersten Tag in Indien.
Nach dem Auspacken gehts mit der Rikscha erst einmal zum Lodi Garden, einem Park im Sueden, mit vielen verfallenen Tempeln und noch viel mehr Streifenhoernchen. Es ist genau der richtige Ort fuer einen Sonntag nachmittag und zum "Eingewoehnen".
Weiter gehts dann mit einem sehr redseligen Rikschafahrer, der uns aufzaehlt, welches europaeische Land wieviele Einwohner hat, zum Humayun's Tomb, einem Grabmal und Vorbild fuer den Taj Mahal. Wir sind beeindruckt, die Anlage ist riesig und sehr huebsch, aber fuer groessere Gefuehlsausbrueche ist es schlichtweg viel zu heiss!
Zu Fuss suchen wir dann die Hazrat Nizam, eine Art Moschee, im nahegelegenen muslimischen Viertel; dort sind die Frauen alle mit Burkhas bekleidet, die Maenner tragen weise Nachthemden und Kaeppis und Baerte, und in den engen, vollen Gassen reiht sich ein Metzger an den anderen. Die Suche bleibt erfolglos, ausserdem haben wir Hunger und Durst und fahren daher mit der Rikscha ins naechstgelegene Lokal. Dort gibts erst einmal Wasser, viel Wasser, dann Gemuesecurrys, Brot, und alles ist unendlich scharf gewuerzt.
Eine letzte Rikschafahrt, leider kennt sich der Fahrer in unserem Stadtteil so gar nicht aus und laesst uns daher an der falschen Metrostation aussteigen. Wir verlaufen uns ein wenig auf der Suche nach dem Hostel und muessen etwa 10x nach dem Weg fragen, zum Glueck sind alle bis auf die Rikschafahrer, die lieber ein Geschaeft mit uns machen wollen, sehr hilfsbereit.
Total verschwitzt, staubig und mit dreckigen Fuessen erreichen wir gegen halb 9 unser Hostel - nur um festzustellen, dass das Bier hier nicht kalt ist! Auch gut, dann halt erst eine Dusche zur Abkuehlung. Leider ist der Wasserstrahl, der da rauskommt, wirklich mickrig und das Wasser nicht kalt genug. Die "Klimaanlage" im Zimmer funkt beim An- und Ausschalten, aber irgendwie wird das schon gehen. Incredible India eben.
Die Nacht bringt keine Abkuehlung, und wir schlafen dementsprechend schlecht, auch die Klimaanlage hilft wenig, da immer wieder der Strom ausfaellt, und Mueckenschwaerme ueber uns herfallen.