1.9.12

Nadine allein in Nairobi (01.09.2012)

Meine erste Nacht alleine habe ich gut ueberstanden, bin frueh wach und gehe der spannenden Taetigkeit des Unterhosen-Waschens nach, auch das muss mal gemacht werden, und der Tag verspricht warm zu werden.
Um 10 Uhr bin ich aufbruchbereit und steige in ein Taxi, ich will ins Museum und anschliessend zum Mittagessen in ein grosses Einkaufszentrum. Wieder einmal ist die Verhandlung ueber den Fahrpreis zaeh. Was bin ich es leid, als offensichtlich nicht Einheimische jedes Mal als Goldesel angesehen zu werden. Nachdem ich stur bleibe, der Fahrer jammert, werden wir uns irgendwie einig, wenn auch nicht zu beiderseitiger Zufriedenheit. Wo ist denn da der Sinn?
Egal, das Nairobi National Museum ist spannend, es gibt eine grosse Ausstellung ueber die Geschichte Kenias sowie viele ausgestopfte Tiere, der Vormittag geht schnell vorbei. Weiter gehts es ins Yaya-Center, eine grosse Mall, in der ich, nachdem ich und mein Rucksack am Eingang wieder eingehend untersucht wurden, Mittagessen, ein paar Dinge im Supermarkt besorge und sogar noch einen Cappuccino trinke. Als ich wieder zum Taxi komem, in dem mein Fahrer brav gewartet hat, versucht er noch einmal, den Preis in die Hoehe zu treiben, doch auch jetzt noch: nicht mit mir, das Ganze ist eh schon viel zu teuer.
Um halb drei bin ich zurueck im Hostel, und dann tue ich etwas richtig "urlaubsmaessiges": ich verbringe den gesamten Nachmittag vor meinem Zimmer im Garten sitzend und lesend. Es ist herrlich ruhig, heute morgen haben recht lautstark fast saemtliche Hostelgaeste ausgecheckt und sind abgereist, und erst im Lauf des Abends kommen ein paar wenige neue Gaeste an, daher ist nur das Personal und der Wachhund sowie natuerlich der Wachmann da, der mir erzaehlt, dass er 7 Tage die Woche 12 Stunden hier arbeitet, die anderen 12 Stunden uebernimmt sein Kollege.
So ist der Tag schnell vorbei, wenn es auch ungewohnt ist, alleine zu sein, schliesslich hatte ich ja jetzt vier Wochen lang immer einen Begleiter. Doch am fruehen Morgen wird Nitschi hier in Nairobi landen, dann hat das Alleinsein eh schon wieder ein Ende. Titus schreibt nachmittags mal eine SMS und erkundigt sich, ob's mir gut geht, wir verabreden uns fuer morgen vormittag. Ich beschliesse, den Abend noch einmal in Ruhe mit meinem Kindle zu verbringen, wer weiss, wann ich das wieder kann.

Mathare (31.08.2012)

Heute ist es soweit, Norman fliegt abends nach Hause... Deshalb ist morgens erst einmal grosse (Um-)Packerei angesagt, denn netterweise nimmt er von mir ein paar Sachen schon wieder mit zurueck, die ich nicht mehr brauche, wie (hoffentlich) die Skiunterwaesche.
Trotz gruendlichem Durchsuchen saemtlicher Rucksaecke hat er der doch tatsaechlich einiges an materiellen Verlusten zu beklagen, offenbar sind neben seinem Messer auch noch die Stirnlampe, die Kameratasche (ohne Kamera zum Glueck) sowie diverse T-Shirts abhanden gekommen. Sehr mysterioes.
Nach dem Fruehstueck nehmen wir ein Taxi in die City, die Verhandlungen ueber den Preise sind zaeh. Um 10 Uhr sind wir in der Stadt mit einem der Jungs aus Titus' Hilfsprojekt fuer Slumkinder verabredet, der uns im Folgenden gut zwei Stunden lang als Stadtfuehrer zur Verfuegung steht und uns kreuz und quer durch die Innenstadt fuehrt.
Benard zeigt uns saemtliche wichtigen Bauten, kennt sich gut mit der kenianischen Geschichte aus und erzaehlt uns viel ueber das Leben in Kenia,dazu ist er hoechst interessiert, wie unser Leben im Vergleich dazu in Deutschland aussieht, und so vergeht die Zeit wie im Flug. Jede Strassenueberquerung ist ein echtes Abenteuer, zwar gibt es Ampeln, aber die nimmt keiner so richtig ernst, dazu kommt gerade an den grossen Strassen die Abgase und der Staub, der eh wieder einmal ueber allem liegt.
So sind wir froh, dass uns Benard irgendwann, nach einem kurzen Spaziergang durch das Gedraengel der Riverside Road in einen Bus steckt, in dem er uns nach Mathare bringt. Die (gluecklicherweise kurze) Busfahrt ist voellig verrueckt, ohrenbetaeubende Diskomusik beschallt die Fahrgaeste, die das aber offenbar gewoehnt sind, dazu wird allein durch heftiges Klopfen von aussen gegen die Buswand angezeigt, wenn jemand einsteigen moechte. Auch hier gilt: losgefahren wird erst, wenn der Bus voll ist.
Nach etwa 20 Minuten in dem Fahrzeug bin ich fix und fertig, der Dauerlaerm ist zermuerbend, und ich bin leicht verstoert, als wir aussteigen. Und dann kommt der naechste "Kulturschock", denn Benard fuehrt uns zum Buero der Hilfsorganisation panairobi, die mitten im Mathare-Slum liegt.
Der erste Eindruck auf dem Weg dorthin: es ist zwar schmutzig, und viele Kinder rennen herum, es gibt aber links und rechts viele kleine Kioske, und sieht noch nicht arg viel schlimmer aus als eine typische, etwas heruntergekommene Strasse in einem eher einfachen Viertel. Als wir allerdings den ersten Muellberg ueberqueren muessen, in dem sich die Maden tummeln und der daneben traege vor sich hinfliessende "Bach" fuerchterlich stinkt, ist es nicht mehr so "gewohnt".
Im Buero werden wir erst einmal den Kollegen von Titus sowie den anwesenden Kindern vorgestellt und essen gemeinsam mit den Mitarbeitern zu Mittag. Derartig gestaerkt, schickt uns Titus, nun mit Benard und Josh, los zur richtgen Slum-"Besichtigung" (nicht ohne vorher Norman zu bitten, die Armbanduhr abzunehmen und wenn moeglich, auch unsere Eheringe). Die beiden ueberaus sympathischen Jungs nehmen ihre Aufgabe sehr ernst und versuchen uns, einen tiefen Einblick ins das Leben eines Slumbewohners zu geben. Sie fuehren uns ueber Muellberge, durch schmutzige Abwasserlaeufe, immer entlang von Wellblechhuetten tiefer hinein in die winzigen Gassen und Durchgaenge, bis hinein in ihre eigenen Behausungen. Josh lebt mit seiner Mutter und 5 Geschwistern in einem max. 4 Quadratmeter grossen Verschlag ohne Tageslicht, immerhin gibt es (illegal angezapften) Strom und einen Fernseher, aber natuerlich weder Kueche noch Bad - bis zu 100 Menschen teilen sich hier ein Klo, fuer dessen Benutzung auch noch bezahlt werden muss. Benard hat seine Behausung so gut es seinen Moeglichkeiten entspricht eingerichtet, es gibt ein Bett, einen Tisch und auch einen Fernseher, die Waende sind mit alten, zerrissenen Spitzendeckchen dekoriert. An der Decke haengen innen alte Rupfensaecke, um die unertraegliche Hitzeentwicklung unter den Wellblechdaechern ein wenig zun mindern. Doch die illegalen Stromanschluesse verursachen haeufig Kurzschluesse, und durch diese Saecke geht schnell alles lichterloh in Flammen auf, was wohl recht oft passiert, die Jungs haben das beide schon mehrfach erlebt. Jede Wohnung, fuer die auch noch umgerechnet 15 Euro Miete monatlich bezahlt werden muss, ist nur durch eine Pappwand von der naechsten abgegrenzt, Privatsphaere gibt es hier nicht, weit ueber eine Halbe Million Menschen lebt hier.
Norman und ich werden immer stiller, waehrend wir ueberall von Kindern (so viele - wohin man schaut, Horden von Kindern) begruesst und umringt werden, und fuehlen uns ganz schlecht, wenn unsere beiden Fuehrer fragen, wie wir denn so wohnen und ob es in Deutschland auch Slums gibt. Mir geht irgendwann der Gedanke durch den Kopf: Egal, was in meinem Leben schiefgehen sollte - so schlimm kann's mir niemals gehen.
Die beiden Jungs auf jeden Fall wurden durch das Hilfsprojekt weg von der Strasse und dem damit verbundenen Drogenkonsum geholt, haben eine Schulbildung erhalten und hoffen nun auf einen Job, doch das ist wohl als Slum-Bewohner nicht so einfach, denn auch hier geht alles nur ueber Bestechung, und soviel Geld hat hier keiner. Es ist ein Leben ohne Perspektive.
Nach zwei Stunden sind wir - auch durch die Hitze und das viele Herumlaufen - fix und fertig, soviele Eindruecke muessen erst einmal verarbeitet werden. So fahren wir mit dem Taxi zurueck zu unserem Hostel und besprechen erst einmal in Ruhe und ausfuehrlich den heutigen Tag sozusagen zur Nachbereitung. Nach zwei Bier und ein paar Runden Romme ist es dann soweit, Normans Taxi ist da, und um 20 Uhr verabschieden wir uns. So schnell sind vier Wochen und damit auch offiziell unsere Flitterwochen vorbei, und soviel haben wir erlebt!
Um nicht im Einsamkeitsblues zu versinken, kuschle ich mich mit Knabberkram und einem spannenden Krimi ins Bett und lese bis zum Einschlafen.

Jenseits von Afrika (30.08.2012)

Ja, wir sind in einem echten Backpacker-Hostel gelandet, denn ab halb acht spielt mitten im Hof ein baertiger Geselle Gitarre und singt dazu, nur uebertoent vom ohrenbetaeubenden Geschrei der Reihervoegel in den umstehenden Baeumen. Die Gemeinschaftsdusche ist kalt, das Fruehstueck spartanisch, doch immerhin gibt es halbwegs vernuenftigen Kaffee.
Um halb zehn kommt wie verabredet Titus mitsamt einem Mietauto und dazugehoerigem Fahrer vorbei und uebergibt uns fuer den heutigen Tag in dessen Haende, wir haben ein umfangreiches Programm vor uns. Vorbei an langen Verkehrsstaus fahren wir aus der Stadt hinaus in den Stadtteil Karen, benannt nach Karen Blixen, deren Lebensgeschichte in "Jenseits von Afrika" verfilmt wurde.
Unser erster Eindruck von gestern bestaetigt sich waehrend der Fahrt, Nairobi zeigt sich deutlich "fortschrittlicher" als z.B. Dar es salaam - ordentliche Haeuser, halbwegs gute Strassen, dementsprechend gute Autos,... Mit unseren rudimentaeren Swahili-Kenntnissen koennen wir hier wohl auch nicht punkten, denn offenbar spricht in Kenia tatsaechlich jeder die Amtssprache Englisch.
Unser erstes Ziel heute ist der David Sheldrick Wildlife Trust fuer verwaiste Elefanten, der ein Teil des Nairobi Nationalparks ist. Hier werden durch Unfaelle, Krankheiten und v.a. durch Wilderer verwaiste Elefantenkinder aufgenommen, bis zu ihrem Erwachsenenleben versorgt und dann "ausgewildert". Aktuell leben hier 22 Exemplare, die taeglich von 11 bis 12 Uhr bei der Fuetterung besucht werden duerfen.
Und so stehen Punkt 11 gut 100 Touristen und ein paar Schulklassen rund um einen kleinen Platz, als die Tiere einmarschieren - und sich sofort auf die vorbereiteten Milchflaschen stuerzen, die ihnen von den Tierpflegern angereicht werden. Waehrend die Elefanten trinken und anschliessen ein wenig herumspazieren und Unsinn treiben, erzaehlt einer der Pfleger die Geschichte jedes der Tiere, die zwischen 3 Wochen und gut 2 Jahren alt sind. Die Umstaende ihres Waisentums sind meist nicht so schoen, dafuer sind die Tierkinder umso niedlicher. Am Ende bekommen wir noch das einzige Nashorn-Kind zu sehen sowie Maxwell, den seit vielen Jahren dort lebenden, blinden Nashornbullen.
Unser Fahrer packt uns wieder ein und bringt uns nun zum "Mamba Village", einer Art kleinem Vergnuegungspark, in dem wir 70 Krokodile sowie ein paar junge Strausse, Schildkroeten und eine seeehr neugierige Giraffe besuchen. Nach einem kleinen Lunch dort haben wir nun wirklich genug Tiere gesehen, deshalb wollen wir jetzt ein wenig "Kultur" und fahren deshalb ins Karen Blixen Museum.
Dies befindet sich in ihrem ehemaligen Wohnhaus, einem huebschen Anwesen inmitten eines riesigen, wundervoll gepflegten Parks. Hier begutachten wir viele Fotos der Familie Dinesen/Blixen sowie die Originaleinrichtung, dazu bekommen wir von einem Guide ein paar Erklaerungen zur Lebensgeschichte dieser beeindruckenden Persoenlichkeit. Ein schoener Ort - und ich muss unbedingt bald mal wieder den Film anschauen!
Unsere letzte Etappe fuehrt uns zu einer grossen Shopping-Mall, wir brauchen einen Supermarkt, und trinken dort noch einen sehr anstaendigen Cappuccino - tatsaechlich, im Land des Kaffees klappt die Kaffeehauskultur einigermassen. Ueberhaupt ist dieses Einkaufszentrum und die beiden Stadtviertel Karen und Longata, durch die wir heute gefahren sind, ueberaus gepflegt, geradezu herrschlafftliche Anwesen mit unfassbar tollen Gaerten drumherum saeumen die Strassen. Aber alles ist hermetisch verriegelt und gesichert, ebenso wie saemtliche Geschaefte, Hotels, Banken und Restaurants dieser Stadt. Ueberall wird zuerst das Auto inkl. Kofferraum durchsucht, bevor man ueberhaupt hineinfahren kann, v.a. Schwarze werden sehr genau ueberprueft, wohingegen man als Weisser per se als ungefaehrlich gilt.
Unser Fahrer liefert uns am spaeten Nachmittag wieder gut im Hostel ab, auch er muss lange mit dem Wachmann dort verhandeln, bis er mit dem Auto auf den Hof fahren darf. Wir vertroedeln den restlichen Nachmittag und werden abends von Titus abgeholt, mit dem wir gemeinsam mit zwei oesterreichischen Freunden zum Abendessen gehen. Und zwar zum Aethiopier. Und nach einem fantastischen Mahl dort tut es mir umso mehr leid, dass wir den urspruengilchen Plan, in diesem Jahr nach Aethiopien zu reisen, nicht wahrmachen konnten. Das Essen ist jedenfalls vielversprechend. Und unsere Gesellschaft eine sehr lustige Runde, in der viel gelacht wird, und so wird es recht spaet, bis wir in unser Bett kommen.

Welcome to Nairobi (29.08.2012)

Um kurz nach 6 Uhr ist die Dusche dann heiss, und als ich mir endlich die Haare wasche, laeuft eine braune Staubbruehe heraus... Wieder einmal wird gepackt, die Rucksaecke mit Schloessern ordentlich verschlossen, und ausgecheckt. Wir sind die einzigen Gaeste beim Fruehstueck, weshalb wir sehr kritisch vom mitfruehstueckenden Kranich Henry beaeugt werden. Seit knapp 2 Wochen esse ich erstmals wieder Joghurt und Cornflakes mit Milch - Milchprodukte sind hier eher spaerlich auf dem Speiseplan.
Punkt halb acht werden wir mit einem Auto abgeholt und zum Shuttle-Bus gebracht, der uns nach Nairobi bringen soll. Wie sich herausstellt, ist der Fahrer des Autos auch gleichzeitig unser spaeterer Busfahrer, das ist prima, so koennen wir jedenfalls den Bus nicht verpassen.
Der Kleinbus ist natuerlich voll mit "mzungus", vornehmlich Franzosen, und als das Gepaeck auf dem Dach verstaut ist, fahren wir erstaunlicherweise puenktlich um 8 Uhr los. Zuegig geht es hinaus aus Arusha, leider ist es so bewoelkt und kuehl, dass uns ein letzter Blick auf den Kilimandscharo verwehrt bleibt.
Die Strasse ist gut, der Fahrer faehrt zuegig, aber sicher, und so erreichen wir bereits knapp zwei Stunden spaeter den Grenzuebergang in Namanga. Bei der Ausreise werden zunaechst alle Paesse eingesammelt (das finde ich nicht so prima, ich gebe meinen Pass aeusserst ungern aus der Hand), dann gestempelt, und anschliessend hat der Grenzbeamte einen Riesenspass damit, jeden Namen laut vorzulesen, und den Pass seinem jeweligen Eigentuemer zurueckzugeben.
Die Einreise nach Kenia geht fuer die recht einfach aussehenden Betonkioske auch recht fix vonstatten, und schon sind wir da, karibu Kenya!
Die Strasse bleibt hervorragend und ist so schnurgerade, dass Norman problemlos lesen kann, ich hoere Ipod und doese vor mich hin. Nach nicht einmal fuenf Stunden Fahrt erreichen wir Nairobis Flughafen, wo die erste Haelfte der Fahrgaeste aussteigt. Nun kommt der zaehe Teil der Reise, der Verkehr in Nairobi ist beruechtigt, und so quaelen wir uns im Stau durchs Industrieviertel hinein ins Zentrum. In den Baeumen nisten riesige Marabus, und als eine Franzoesin das Fenster oeffnet, um die Voegel zu fotografieren, wird sie sofort ermahnt, dies nicht zu tun, da jemand die Gelegenheit ergreifen koennte, ihr die Kamera zu entwenden. Nairob ist auch bekannt als "Nairobbery"...
Endlich sind wir im Zentrum und steigen uns, wir werden schon von Titus erwartet, den wir ueber einen gemeinsamen Freund bislang nur per Mailkontakt kennen, und der uns netterweise abholt. Bei der Fahrt zum Milimani Backpackers Hostel gibt er uns erste Infos zur Stadt und laedt uns anschliessend im Hostel ab. Dort beziehen wir unsere recht spartanische Doppelkabine, und sind etwas verschreckt ueber die teils leicht abgerissen aussehenden Gaeste hier, die wohl ihrem Outfit und den Baerten nach bereits seit einiger Zeit hier herumhaengen.
Immerhin gibt es ein Mittagesen, und dann trauen wir uns "raus", vorbei am Securitymann, dem Wachhund und dem mehrfach gesicherten Stahltor, in die Strassen Nairobis, denn wir brauchen einen Geldautomaten. Der Weg ist aber nicht allzu weit und auch nicht sonderlich aufregend. Vor dem ATM stehen halt gleich zwei Sicherheitsmenschen und tasten uns ab; da man hier eh nicht mehr als 100 Euro auf einmal abheben kann, fuehlen wir uns beim Rueckweg auch nicht sonderlich angespannt.
Zurueck im Hostel ist endlich wieder einmal Zeit fuer ein Stuendchen am PC, Norman liest in der Gartenbar, und gegen 18 Uhr gesellt sich Titus wieder zu uns, um alles fuer die kommenden Tage zu besprechen. Er hat mir eine kenianische SIM-Karte besorgt, und ansonsten auch ein umfangreiches Programm fuer uns zusammengestellt.
Nachdem er sich verabschiedet hat, vergewissern wir uns an der Rezeption, dass der Fussweg zum anvisierten Restaurant um die Ecke ungefaehrlich ist (denn nach Einbruch der Dunkelheit ist das Herumlaufen draussen nicht mehr ratsam) und marschieren los zum Slim's.
Dort zunaechst ein kleiner Schreck - es ist sehr schick da, mit Empfangsdame, Bar, Gaesten in Anzuegen - und ich habe meine alten Turnschuhe (und ja, auch eine Jogginghose) an, doch die Angestellten dort lassen sich nicht weiter davon stoeren, und so haben wir einen wunderbaren Abend mit viel Wein, tollem Essen und dem ersten "echten" Espresso seit vier Wochen. Dazu ist unser Hostel ein rechtes Kontrastprogramm, denke ich, als ich mir spaeter dort am Gemeinschaftswaschbecken im Freien die Zaehne putze.

Ngorongoro (28.08.2012)

Der Tag beginnt wieder frueh, denn die grosse australische Reisegruppe packt recht lautstarkt ihre Siebensachen in aller Herrgottsfrueh zusammen. Auf dem Weg zum Waschraum passiere ich schlaftrunken zig Massai-Jungs, erwidere brav "Jambo" und wundere mich ueber gar nichts mehr. Nach dem Fruehstueck steht natuerlich die wichtigste Frage ueberhaupt im Raum: was macht das Auto???
Unser Fahrer liegt auf dem Ruecken darunter und bastelt, das wird auch noch die naechsten 2 Stunden so weitergehen. Wir sind derweil die letzten Weissen auf dem Campingplatz, alle anderen Gruppen sind laengst unterwegs, und so bauen wir vor lauter Langeweile erst unser eigenes Zelt und dann das unseres Kochs ab, und vertroedeln die Wartezeit mit der Beobachtung schlauer Raben beim Versuch, an verpackte Essensreste zu kommen. Nachdem unser Fahrer mittels gluehender Kohlen in einer Alu-Kaffeeschachtel und eines Stabes offenbar irgendwas erfolgreich verloetet hat, springt er euphorisch auf und gibt das Zeichen zum Einpacken und Aufbruch. Es ist halb zehn.
In dem Moment, in dem wir vom Zeltplatz fahren, taucht ein Elefantenbulle aus den umstehenden Baeumen auf und marschiert schnurstracks auf den Platz, auf dem kurz vorher noch die Zelte standen, zu...
Der dichte Morgennebel lichtet sich, waehrend wir zum Eingang der Ngorongoro-Conservation-Area fahren, ueberall sind schon wieder Massaihirten unterwegs, v.a. kleine Jungs werden dafuer abbestellt.
Nach den Eintrittsformalitaeten duerfen wir in den Krater rein und fahren zunaechst vom Rand aus gut 600 m hinunter in die Kraterebene mit ihren etwa 19 km Durchmesser. Eine endlose Steppenlandschaft offenbar sich dort, mit einem Fluss, einem Salzsee und v.a. einem riesigen Tierbestand, der dort unbedarft lebt. Aussenherum erhebt sich der Kraterrand mit den zum Teil steilen Haengen, darueber strahlend blauer Himmel, das ist wirklich paradiesisch.
Auch hier haben die Tiere keinerlei Scheu. Loewenrudel liegen faul herum, Warzenschweine wuehlen im Boden, wir sehen ganze Horden von Kronenkranichen, Flamingos, Straussen, Bueffel,... Grosse Zebraherden stehen direkt am Wegrand, wunderschoen sind sie mit ihrem glaenzenden Fell und den Ringelsoeckchen. Hier im Krater sind noch Tausende Gnus von ihrer jaehrlichen Wanderung nordwaerts uebrig, es sieht beeindruckend aus, wenn sie alle in Reih und Glied vorbeiziehen.
An einem grossen, mit hohem Gras bewachsenen Gelaende stehen bereits ca. 20 Jeeps in Lauerstellung, unser Fahrer wird ganz aufgeregt - eines der wenigen verbleibenden Nashoerner (deren Zahl wegen der Wilderer stark dezimiert ist) wurde gesichtet! Nun stehen wir bestimmt eine halbe Stunde lang da, alles schaut angestrengt durch die Fernglaeser, doch, da ganz hinten der dunkle Fleck im hohen Gras, das koennte was sein, oder ist es doch nur toter Baum? Mir wird das irgendwann zu fad, ich will lieber wieder Warzenschweine oder Hyaenen gucken. Widerwilligst laesst unser Fahrer den Motor an, schaut noch dreimal zurueck, bevor er uns zu einem grossen See bringt.
Dort ist Mittagspause, waehrend im Wasser ein paar Nilpferde Verstecken spielen und sich eine Zebraherde langsam zum Trinken naehert. Als wir den Platz wieder verlassen, fahren wir mit dem Auto mittendurch, ein paar Tiere draengeln so sehr, dass ein Zebra sogar ins Wasser plumpst vor lauter Geschiebe...
Nun gut, genug Tierleben fuer heute, wir geben das Signal zum Aufbruch. Und natuerlich fahren wir nochmal beim Nashorn-Feld vorbei, und siehe da: etwa 200 m entfernt, mit dem Fernglas aber noch gut erkennbar, steht eine Nashorn-Mama mit Kind und grast. Hurra! Unser Fahrer ist furchtbar stolz, uns die "big five" praesentiert zu haben, und ist jetzt fuer den Rueckweg zu begeistern. Langsam fahren wir die Kraterinnenseite wieder hinauf und einmal oben um den gesamten Kraterrand herum, mit herrlichen Ausblicken von oben auf die abwechslungsreiche Landschaft. Das Auto faehrt tadellos, so macht uns auch die Holperstrecke bis zum Ausgang des Nationalparks, an dem zig Paviane herumlungern, nicht viel aus.
Noch 150 km bis Arusha, ab jetzt erstmals seit Tagen wieder Teerstrasse, das ist zu schaffen bis Sonnenuntergang, und wir lehnen uns zurueck und gucken aus dem Fenster. Kleine Doerfer, viele Massai, Termitenhuegel, Bananenbaeume...
Und dann, etwa nach der Haelfte der Strecke, ist der linke Hinterreifen platt. Kaum haelt das Auto an, stehen schon interessiert mehrere Hirtebuben am Strassenrand, endlich passiert hier mal was. Fahrer und Koch machen sich an's Reifenwechseln, wir stehen dekorativ daneben mitten in der Landschaft. Doch die zwei sind geuebt, bald geht es weiter, nicht ohne dass ich vorher noch unsere ganzen halb geschmolzenen Schokoriegel an die Massaibuben verteilt habe, was zu grosser Begeisterung fuehrte.
Stunden spaeter, knapp vor Sonnenuntergang, erreichen wir endlich Arusha und unser Hotel. Wir verabschieden uns von unserem Team, beziehen unser Zimmer und verbringen den Abend mit Achmed (unserem Touranbieter, der sich wieder einmal vergewissern will, dass alle seine Kunden wohlbehalten und zufrieden zurueckkommen) und ein paar Flaschen Bier in der Lounge.
Leider ist danach die Dusche eiskalt, doch das ist egal, nach fuenf Naechten Camping endlich wieder ein richtiges Bad und ein Bett!

Panne (27.08.2012)

Fruehmorgens bricht eine grosse Gruppe lautstark zur Safari auf, damit sind wir auch wach und haben die kalten Dusche wieder fuer uns. Beim Fruehstueck uebernehmen nach und nach Bienen und freche Voegel die Herrschaft ueber den Fruehstueckstisch, ein ganz dreistes Exemplar klaut sogar einen ganzen Pfannkuchen vom Teller und fliegt damit weg! Egal, wir wollen eh los und starten zum morgendlichen "game drive". Direkt hinter dem Campingplatz entdecken wir haufenweise Giraffen, darunter zwei recht winzige Kaelber, die sich beim Buecken und Grasen noch etwas ungeschickt anstellen.
Ein paar Stunden fahren wir herum, heute brennt die Sonne bereits morgens vom Himmel. Geier kreisen, Impalas wedeln, Strausse stehen rum, das Uebliche eben. Zweimal sehen wir einzeln herumstreunende Hyaenen, die aber leider sofort wieder geraeuschlos im hohen Gras verschwinden.
Als wir den Ort passieren, an dem wir gestern den Leoparden gesichtet haben, liegt das faule Stueck tatsaechlich immer noch mehr oder minder an derselben Stelle faul herum. Nur die Beute, die weiterhin m Baum daneben haengt, ist merklich geschrumpft.
Ein wahrer Auflauf von 20, 30 Jeeps wenig spaeter laesst erahnen: da gibt's was zu gucken. Und tatsaechlich, im Schatten unter Baeumen und im hohen Gras entdecken wir ein Rudel von sicherlich 16 oder gar 20 Loewen, das keine 2 m vom Weg entfernt herumliegt und enie Herde Bueffel auf der anderen Seite des kleinen Baches dort beaeugt. Die Loewen sind herrliche, riesige Tiere mit schoen gezeichneten Gesichtern, die doesen, sich abschlecken, miteinander schmusen oder gar alle viere von sich gestreckt haben.
Alle hoffen natuerlich darauf, dass die Raubkatzen zur Bueffeljagd ansetzen, eine Weile sieht es gar so aus, es liegt Spannung in der Luft, doch dann treten die Bueffel den Rueckzug an, die erfolglosen Jaeger gaehnen und legen sich wieder ab, ohne von den vielen Menschen in den Autos ringsum Notiz zu nehmen.
Gegen halb elf erreichen wir das Serengeti Besucherzentrum und wandern durch die Freiluftausstellung. Die wird von Horden von Schliefern bevoelkert, die sich von Normans Herumgescheuche keinstenfalls beeindrucken lassen und sehr niedlich sind. Leider ist unser Kamera-Akku leer und der Ersatzakku bislang unauffindbar verschollen. In der Ausstellung wird auf Tafeln allerhand zum Wanderverhalten der Serengeti-Tiere erklaert, ausserdem zur Geschichte des Nationalparks, zur Vegetation und der Instandhaltung. Natuerlich steht auch hier ein lebensgrosses Foto von Prof. Grzimek sowie Dokumentationen zu seinen Forschungsarbeiten.
Als wir gegen Mittag zurueck zum Campingplatz kommen, ist unser Lunch schon bereit, Lazaro hat ein Bananenstew und Linsen gekocht, das schmeckt fein, Kochbananen werden eindeutig in unser Kochrepertoire aufgenommen!
Bis danach das Zelt abgebaut und das Auto gepackt ist, vergeht noch ein wenig Zeit, aber gegen 14 Uhr brechen wir auf, waehrend am Himmel nach einem sehr heissen Vormittag dunkle Wolken aufziehen. Gut 90 Minuten lang fuehrt uns der Weg wieder hinaus aus der Serengeti, diese endlose Grassavanne. Saemtliche Tierarten zeigen sich noch einmal, u.a. ein halbwegs ambitioniert schmusendes Loewenpaerchen, er hat eine gigantische Maehnen und sieht so eigentlich ganz friedlich aus. Kurz nachdem wir den Park verlassen haben, beginnt es zu regnen, und die Sandpiste verwandelt sich in eine Schlammwueste und dann in eine Ruettelmaschine, auf der einem jeder Knochen durchgeschuettelt wird.
Wir passieren, immer noch durch die Steppe fahrend, zahllose Massai mit ihren Rinderherden, in traditionelle shukas (Decken) gewickelt, mit grossen Ohrringen und einem Stock in der Hand. Am Horizont tauchen Berge auf, da hinauf muessen wir heute noch, zum Campingplatz am Rand des Ngorogoro-Kraters auf 2.300 m. Doch erst einmal bleibt das Auto auf offener Strecke stehen.
Und die Reparatur, der Fahrer und Koch im folgenden immer hektischer nachgehen, zieht sich ueber die folgenden drei Stunden. Immer mal wieder laeuft das Auto, dann fahren wir ein paar Meter, dann geht der Motor wieder aus und die Fehlersuche beginnt von Neuem. Norman und ich sind zunaechst recht unbeeindruckt, lesen ein bisschen, knabbern Snacks und witzeln, dass wir ja das ganze Essen und die Zelte eh dabeihaben und quasi nix schiefgehen kann. Doch es regnet weiterhin zum Teil recht ergiebig, dazu wird es allmaehlich dunkel draussen, und ringsum sind allerhoechstens irgendwo ein paar vereinzelte Massai (und auch nur sporadisch Handyempfang)...
Nach einer seltsamen Methode des Treibstoffs-Umfuellens vom vorderen in den hinteren Tank des Jeeps laueft das Auto endlich wieder. Inzwischen ist es stockfinster und - je hoher wir auf der natuerlich nicht beleuchteten Piste fahren - auch so neblig, dass man kaum die Hand vor Augen sieht. Unser Fahrer ist aber so euphorisch, dass sein Auto ueberhaupt wieder laeuft, dass er uns trotdem frohgemut eine Stunde spaeter, nur unterbrochen von einer Herde Zebras mitten auf dem Weg, am Campingplatz abliefert.
In Windeseile bauen wir gemeinsam unser Zelt auf und Lazaro macht sich an's Kochen, es ist bereits nach 21 Uhr. Unser Fahrer dagegen macht sich auf die Suche nach einer Reparaturmoeglichkeit, waehrend wir eine Dose Bier oeffnen. Was fuer ein Abenteuer-Urlaub - eine Panne inmitten kriegerischer Massai und wilder Tiere ist keine gute Idee....

30.8.12

Serengeti (26.08.2012)

Alles wird gut, die Antibiotika beginnen zu wirken, und ich fuehle mich mindestens doppelt so lebendig beim Aufwachen wie noch am Tag zuvor. Es ist tatsaechlich schon kurz nach 7, und wir nutzen die Gunst der Stunde, die leeren Duschen zu okkupieren. Gestern abend standen hier naemlich schlangenweise Italiener an (alle in Bademaentel gehuellt, was die alles bei so einer Zeltsafari dabeihaben?!). Das Wasser ist kalt aber erfrischend, es ist draussen zwar noch etwas bewoelkt, aber deutlich ueber 20 Grad warm.
Nach dem Fruehstueck starten wir ins heutige Tagesprogramm: den ganzen Tag durch die Serengeti fahren. Durch den gestrigen Regen sind die Sandpisten zum Teil sehr matschig, und hin und wieder haengen wir fest, bis unser Fahrer den 4WD einschaltet und uns rausschaukelt. Die Landschaft ringsum ist schier endlos, nur gelbes Steppengras, Affenbrotbaeume, hin und wieder seltsam geformte Steine, ein paar Huegel, soweit das Auge reicht.
Die neunstuendige Rundfahrt vergeht wie im Flug, es gibt sooooo viel zu sehen:
  • abartige stinkende Nilpferde, die sich in einem vollgepupsten Teich draengen - mindestens 100 Tiere sind da drin und schubsen sich gegenseitig, dann reissen sie die riesigen Maeuler auf und grunzen sich boese an, daneben liegen unbeteiligt am Ufer ein paar Krokodile.
  • ein sich ausruhender Leopard, der wohl fix und fertig ist, nachdem er eine ganze gerade gerissene Gazelle oben in einem Akazienbaum vor Neidern versteckt hat
  • vier (oder sind's gar fuenf?) Geparden, sie unter einem Baum sitzen, schoen nebeneinander wie die Porzellanfiguren, die man in den Moebelhaeusern kaufen kann. Sonst ist leider keinerlei Aktivitaet feststellbar.
  • zwei Loewenmaennchen mit beeindruckender Maehne, die um ein einzelnes Weibchen buhlen. Leider ist der eine von seinem Liebenswerben offenbar sehr ermattet und muss immer wieder abliegen, und der andere (in der Rangfolge Unterlegene) traut sich nicht so recht ran. Waehrenddessen sitzt die Loewin mehr oder weniger desinteressiert dazwischen. Das Ganze wird von zig Jeeps ringsum beobachtet, die Tiere lassen sich davon keinesfalls stoeren. Spaeter sehen wir noch zwei Loewinnen im Gras, die rumsitzen und die ganze Zeit gaehnen. Faule Tiere sind das.
  • Warzenschweine, ohne Ende Warzenschweine. Ganz zum Schluss entdecke ich im Gras direkt am Wegrand noch eine Mama mit vier winzigen Ferkeln, sehr suess und nicht unaehnlich zu "normalen" Ferkeln, Nur die Mutter hat gruselig aussehende grosse Hauer.
  • Mittags machen wir Picknick auf einem extra dafuer vorgesehenen Platz auf einer Anhoehe. Malerisch breitet sich die Serengeti ringsum aus, und eine Giraffe aest direkt von unserer Nase und macht quasi mit uns Essenspause.
  • eine Horde Paviane, quasi ein ganzer Familienverband mit zwei winzigkleinen Babys, die nur Quatsch machen und albern in der Gegend herumtollen, bis die Mamas eingreifen und sie sich kurzerhand schnappen
  • Giraffen, Impalas, Thomson-Gazellen und Strausse gibt es wie Sand am Meer, die stehen wirklich ueberall herum. Die Gazellen und Impalas sind immer recht verstoert, wenn man an ihnen vorbeifaehrt, wedeln hektisch mit dem Schwaenzchen oder hoppeln planlos umher. Die Giraffen sind stoisch und befressen in einer Seelenruhe die Akazien und strecken dabei ihre langen Zungen heraus. Die Strausse flattern mit ihren komischen, halben Fluegeln und schauem dumm daher, die haben so unfassbar dicke (und nackige) Schenkel, das sind schon komische Voegel.
  • Grasende Elefanten, Bueffelherden, Zebras, Mangusten, gepunktete Huehner mit blauen Koepfen, und sonstiges Vogelgetier
Wir sind endlos weite Strecken gefahren heute, und haben noch kein Ende erreicht. Norman steht den halben Tag im geoeffneten Dach des Jeeps und laesst sich den Fahrtwind um die Nase wehen, wir sind wieder ordentlich vollgestaubt.
Gegen halb sechs beenden wir den "game drive" und kehren zurueck zum Campingplatz, um in der untergehenden Sonne ein Glas Wein bzw. Bier zu trinken, waehrend im Kochquartier schon fleissig gearbeitet wird. Kaum geht die Sonne unter, kommen die Muecken, also schnell einspruehen, dann Abendessen, Postkarten schreiben und ab in den Schlafsack.
Ach so, unser Koch zeigt mir heute beim Essen noch ganz aufgeregt eine Flasche Sterol und beteuert, dass er jedes Obst, Gemuese, Besteck etc. damit abwaescht. Der Arme fuehlt sich offenbar immer noch schuldig an meiner Erkrankung, dabei gehts mir doch schon deutlich besser!

Daktari (25.08.2012)

Nach zwoelf Stunden Schlaf wache ich auf und bin immer noch nicht wieder gesund, ganz im Gegenteil. Die Entscheidung ist also gefallen: wir brauchen einen Arzt. Zum Glueck gibt es im Ort Karatu, 30 km entfernt Richtung Serenget eine neue, vom Amerikanern betriebene kleine Klinik, dorthin geht es nach dem Zusammenpacken.
Es ist sehr bewoelkt heute und leicht regnerisch, trotzdem ist die Sicht klar bei der Fahrt hinauf aufs Great Rift, man kann ein wenig die Ausmasse dieser gigantischen Riftzone erahnen.
In Karatu gehts ueber eine Schotterpiste erst einmal in die Pampa, bis wir tatsaechlich vor einem neugebauten Klinikkomplex stehen. Offenbar sehe ich so elend aus, dass mich der amerikanische Arzt sofort drannimmt - vor den versammelten Massai-Grossfamilien, die mich mindestens so interessiert angucken wie umgekehrt. Das Untersuchungsergebnis: fieseste und hartnaeckige bakterielle Infektion, nur zu bekaempfen mit viel Antibiotika. Ich bin erleichtert, das kriegen wir in den Griff, und versorgt mit Medikamenten und einer geradezu laecherlichen Rechnung fuer Laboruntersuchungen etc. ziehen wir wieder ab. Unser Koch fuehlt sich furchtbar schuldig an allem, tigert waehrend der Untersuchung furchtbar ungluecklich draussen herum, doch er kann nun wirklich nichts dafuer, da war wohl eher die Hygiene am Kilimandscharo schuld.
Da der Arzt meinte, es sei okay, einfach unsere Tour wie gehabt weiterzumachen, geht es ueber die schrecklichsten Staubpisten zum Ngorogoro-Krater hinauf, den wir genauer in zwei Tagen besichtigen werden.
Der naechste Stopp ist an der Olduvai Gorge, einer der "Wiegen der Menschheit". Hier wurden, eingebrannt in die verschiedensten Schichten des Erdreichs, unterschiedlich alte Fussspuren von bereits aufrecht gehenden Hominiden entdeckt, und diese Spuren mitsamt von Knochen- und Werkzeugfunden sind dort zu bestaunen. Prinzipiell sehr interessant, allerdings bin ich nicht so recht aufnahmefaehig... Hier machen wir Mittagspause, bekommen von einem schlecht englisch-sprechenden angeblichen Anthropologen noch eine kurze Erklaerung zu den Funden hier, und setzen uns wieder ins Auto fuer eine weitere Etappe der rueckenzermuerbenden Rumpelfahrt.
Irgendwann passieren wir die Gedenktafeln von Prof. Bernhard Grzimek und seinem Sohn Michael, deren Asche hier am Rande des Kraters verstreut wurde.
Und dann ist es soweit: wir stehen vor dem Naabi-Gate, dem Eingangstor zum Serengeti-Nationalpark (das wohl eher symbolisch zu sehen ist, denn die Nationalparks haben keinerlei Zaeune oder sonstige Begrenzungen rundum, die Tiere koennen gehen und kommen, wie sie wollen), und soweit das Auge blickt, endlose Savanne. Kaum sind wir durch das Tor gefahren, stehen am Wegrand zahllose Impalas und grasen voellig unbeeindruckt.
So fahren wir ein paar Stunden quer durch, ohne gross anzuhalten, sehen Strausse, Warzenschweine, kaempfende Elefantenbullen, zwei Geparden, die keine 20 m entfernt auf einem Stein herumliegen, Nilpferde in einem Teich, kurz: alles, was man aus den Tierfilmen so kennt. Am erstaunlichsten ist, dass sich die Tiere hier in keiner Weise von den vorbeifahrenden Jeeps stoeren lassen. Sie spazieren an uns vorbei, zucken nicht einmal mit den Ohren, wenn ein Motor angelassen wird, sondern zeigen sich voellig unbeeindruckt - egal,, ob scheue Gazelle, jagende Loewinnen oder fressende Elefanten. Die Warzenschweine sind ein wenig schreckhaft und rennen gerne mit senkrecht erhobenem Schwanz davon, aber sonst?!
Daher haben wir wirklich einzigartige Tiererlebnisse, die Zeit vergeht wie im Flug. Hinter uns baut sich sehr malerisch in der Zwischenzeit eine riesige Wolkenfront auf, pechschwarz, und es blitzt. Also schnell zum Campingplatz, den wir gegen halb sieben zum Einbruch der Dunkelheit erreichen, nur einmal halten wir noch kurz an, weil ein Leopard gesichtet wurde, doch unser Fahrer winkt ab, den suchen wir morgen lieber gezielter erneut.
Auf dem heutigen Campingplatz sind wir nicht allein, zig andere Gruppen jeglicher Nationalitaet sind hier und machen im Essensbereich einen Heidenlaerm, waehrend im Kochhaus die jeweiligen Koeche um die Wette arbeiten. Als wir mit dem Essen fertig sind, hat uns das Gewitter eingeholt, ein heftiger Regenguss geht herunter. Zurueck im Zelt stellen wir fest, dass wir eine nasse Stelle am Dach und damit verbunden auf meiner Matratze haben. Aber zum Glueck laesst der Regen schon nach...

Lake Manyara (24.08.2012)

Der fragwuerdige Alleinunterhalter waescht sich heute morgen recht verkatert am Waschbecken und draussen und hat offenbar und gluecklicherweise unsere Namen vergessen, zumindest wuerdigt er uns keines Blickes...
Um halb neun werden wir von einem Guide abgeholt, der uns auf einem sog. "cultural walk" durch das Dorf Mto wa mbu fuehrt, was uebersetzt etwa "Fluss mit Moskitos" heisst, das klingt doch vielversprechend. Hier wurden Mitglieder der verschiedensten Staemme angesiedelt und ihnen wurde Land zum Ackerbau zur Verfuegung gestellt. Wir bekommen viele der hier wachsenden Pflanzen und ihre Verwendung erklaert, sind erstaunt, dass es immer noch zig Obstsorten gibt, von denen wir noch nie etwas gehoert haben, spazieren ueber Reisfelder, vorbei an sehr, sehr einfachen Lehmhuetten.
Die afrikanischen Frauen buecken sich bei der Feld- und Hausarbeit immer mit durchgedrueckten Knien, das sieht sehr ungewohnt aus. Horden von Kindern tauchen an jeder Ecke auf, nehmen uns ungeniert bei der Hand, strahlen uns um die Wette an, streicheln unsere Arme (sie wollen wohl testen, ob sich "weisse" Haut anders anfuehlt) und ueber die Haare und laufen ein bisschen mit, bis sie sich winkend wieder verabschieden und die naechste Gruppe uebernimmt.
In einer der vielen kleinen Kirchen des Dorfs ist gerade Messe, hinten im Kirchraum liegen ein paar Huehner mit zusammengebundenen Beinen neben sonstigem Gepaeck derweil herum.
Unser Guide erklaert uns, dass es immer wieder Probleme mit den Massai-Staemmen gibt, die notorische Kuhdiebe sind, da sie glauben, per Definition Herren ueber alle Rinder zu sein und sich ihr Eigentum daher einfach hin und wieder "zurueckholen". Da sie Nomaden sind, verschwinden sie dann einfach in der Wildnis damit. Deshalb stehen neben den aermlichen, von den jaehrlichen Hochwassern deutlich in Mitleidenschaft gezogenen Lehmhuetten ueberall recht massiv gezimmerte Viehstaelle. Die Klo- und Waschhaeuschen dagegen sind einfach aus trockenen Bananenblaettern zusammengebundene Unterstaende.
An einer Stelle im Dorf haben die Maenner des Makonde-Stammes ihre Werkstaetten, sie siend vor dem Buergerkrieg 1977 aus Mosambik geflohen und beruehmt fuer ihre Ebenholz-Schnitzereien. Die Arbeiten sind wunderschoen, und so ersteht Norman eine tolle Maske als kleine Erinnerung.
Als naechstes besuchen wir das "Freiluft-Atelier" junger Kuenstler, die afrikanische Malerei betreiben, darunter recht naiv aussehende Werke im Tinga-Tinga-Stil, fuer die wir uns nicht erwaermen koennen.Schliesslich folgt der besorgniserregendste Punkt der Tour: unser Fuehrer bringt uns ins "Dorf-Pub" (= drei Holzhocker unter einem Bananenblatt-Dach) und zeigt uns, wie dort das lokale Bananenbier gebraut wird, das wir im Anschluss natuerlich verkosten sollen. Ich lehne ab, das bringt mich wahrscheinlich vollends um, die ganze Prozedur sieht nicht besonders hygienisch aus, ueberall sitzen Fliegen und Schlimmeres drauf. Norman nimmt tapfer einen ganz, ganz winzigen Schluck, damit hat sich's aber auch.
Unser Fahrer holt uns am Ende der Tour wieder ab, nachdem wir noch ueber den lokalen Obst- und Gemuesemarkt spaziert sind, und bringt uns zum Mittagessen wieder zum Campingplatz. Leider erspaeht uns hier der imme rnoch herumlungernde Saenger und fuehlt sich bemuessigt, unser Mittagessen durch seine fragwuerdige Darbietung zu verschoenern, offenbar ist er wieder fit genug dafuer, oh je. Ich brauche danach jedenfalls eine Pause und mache eine kleine Siesta...
Am fruehen Nachmittag steht unser Fahrer bereit fuer eine Rundfahrt durch den Lake Manyara-Nationalpark. Am Eingang bereits nisten Hunderte Stoerche in den Baeumen, was laut Norman auch deutlich zu riechen ist. Der Park selbst unterscheidet sich landschaftlich voellig vom Tarangire Nationalpark. Viel waldiger ist es hier, und in den Baeumen wohnen natuerlich unzaehlige Affen. Sowohl Paviane als auch Meerkatzen (mit lustigen blauen Eiern) kreuzen staendig unseren Weg, haben meist auch Babys dabei, die sehr putzig festgeklammert an ihren Muettern haengen.
Ein weiteres Highlight hier ist sicherlich der See inmitten des Nationalparks, in dem ganze Kolonien von Pelikanen wohnen, gemeinsam mit mindestens ebenso vielen Stoerchen. Ist das ein Geflatter, Gekreische, Gefliege und Getue! Nach der Besichtigung weiterer Warzenschweine, Zebras, Gnus etc. kann ich nicht mehr uns muss raus hier. Da es mir offensichtlich so schlecht geht, bringt uns unser Fahrer zu einer "Apotheke" (also einem Kiosk mit ein paar Medikamenten), verhandelt dort knallhart und unter Einmischung aller Anwesenden ueber den Preis zweier Tabletten gegen bakterielle Infektionen. Als sich alle einig sind, kaufen wir die Dinger, mir ist eh schon alles egal.
Nach der Tabletteneinnahme und ein paar Dosen Elektrolyte verkrieche ich mich ins Zelt, Abendessen faellt heute zumindest fuer mich aus - erst recht, als ich hoere, wie wieder das E-Piano angeworfen wird und der Alleinunterhalter sein Repertoire, bestehend aus fuenf Liedern, wieder aufnimmt. Norman erzaehlt spaeter, zum Glueck sei heute ein japanischer Tourist da, der als neu erklaerter "good friend" habe fuer saemtliche Songeinschuebe herhalten muessen.

29.8.12

Tarangire Nationalpark (23.08.2012)

Ich habe eine furchtbare Nacht hinter mir, die Magenprobleme sind mit voller Macht zurueckgekehrt, und ich habe keine Ahnung, wie ich den Tag ueberstehen soll. Irgendwie schaffe ich es, zu packen und mich um 8 Uhr in den Jeep packen zu lassen. Unser Fahrer fuer die naechsten 6 Tage ist Justin, und lustigerweise ist wieder Lazaro als unser Koch dabei, der uns ja bereits waehrend des ganzen Kilimandscharo-Treks gemaestet hat. Das Auto ist bis obenhin vollgepackt mit Essen und Campingequipment.
Waehrend der naechsten 2 Stunden Fahrt halten wir dennoch noch ein paar Mal an, um Bier, Eispacken fuer die Fleischkuehlung und Gasflaschen zu erstehen, die Reifen aufzupumpen und sonstiges zu erledigen.
Kaum sind wir aus Arusha heraus, wird es warm und laendlich. Wohin man schaut, stehen zum Teil riesige Termitenhuegel, dazwischen treiben Massai-Viehhirten ihre Kuh-/Ziegen-/Eselsherden herum. Dahinter ist ausser ein paar aermlichen Lehmhuetten und viel Savanne nicht viel zu sehen.
Ein wenig irritieren uns die vielen jungen Maenner, die ihre Gesichter in komplizierten Mustern weiss bemalt haben, mit Federn geschmueckt sind, schwarze Umhaenge tragen und zuhauf entlang der Strasse zu Fuss unterwegs sind. Es sind junge Massai, die sich auf ihre Beschneidung vorbereiten.
Uberhaupt wird hier viel zu Fuss gegangen, wohin auch immer, und immer mit Schuhen aus alten Autoreifen.
Am Mittag erreichen wir den Tarangire Nationalpark, und verzeichnen unsere ersten Tierbeobachtungen:
  • drei jagende Loewinnen, die direkt neben den stehenden Jeeps durchs Gras schleichen auf der Suche nach Beute, und sich dann doch lieber im Schatten ablegen, ohne sich irgendwie stoeren zu lassen.
  • Elefanten, wohin man schaut: Familiengruppen, die im Schatten doesen, Jungbullen, die ungestuem an Baeumen ruetteln, eine ganze Horde badender Elefanten mit einem hoechstens dreimonatigen Baby, das vergnuegt dazwischen herumtollt und sich vollmatscht
  • Zebras, und mit ihnen unwiderruflich auch immer Gnus, die sozusagen als ihre Kumpel ("Gnumpel") immer gemeinsam auftreten
  • furchtbar schreckhafte Warzenschweine, die jedesmal, wenn wir uns naehern, sofort mit hocherhobenem Schwanz im hohen Gras verschwinden
  • Sekretaervoegel, Dik-Diks, Impalas, Strausse, Giraffen, Paviane wie Sand am Meer
  • Affenbrotbaeume, fuer die der Park beruehmt ist, und die wirklich so aussehen, als haette man sie falschherum eingepflanzt (wie eine Massai-Sage erzaehlt) 
Wir fahren mehr als fuenf Stunden durch den Park, die Zeit vergeht wie im Flug, doch am Nachmittag wird es sehr heiss und wir beneiden die Tiere, die moeglichst bewegungslos im Schatten verharren. Am fruehen Abend verlassen wir den Park und fahren zum Campingplatz in Mtu wa mbo, wo wir die einzigen Gaeste sind und sich sogar der Nachtwaechter namentlich vorstellt und verspricht, gut auf uns aufzupassen. Nach einer heissen Dusche spruehe ich mich von Kopf bis Fuss mit Nobite ein, die Moskitos und Tse-tse-Fliegen umschwirren einen hier sofort.
Unser Koch hat wieder gezaubert, und waehrend wir in der "Lounge" essen, versucht ein talentfreier Alleinunterhalter, uns seine Freundschaft anzutragen. Das Ende der Geschichte ist, dass er im Folgenden in jedes Lied, das er zum besten gibt, unsere Namen und die Worte "Germany" oder "my friends from Germany" einbaut, ganz egal, ob's passt oder nicht, das ist kuenstlerische Freiheit. Die erste halbe Stunde ist das noch ganz witzig, dann nervt er und wird offenbar zunehmend betrunken, denn immer, naja, ich formuliere es mal so: virtuoser. Wir fluechten also bereits gegen halb neun in unser Zelt und in den Schlafsack. Denn auch unser Fahrer, mit dem wir gemeinsam essen, ist eine rechte Laberbacke, und das ertrage ich heute einfach nicht.