18.7.15

Zuhause!


Dank der weltbesten Abholerin Mara sind waren wir ganz fix wieder zuhause, und die Wäscheberge sind schon abgearbeitet.
In den nächsten Tagen folgt noch der Abschlussbericht, nun müssen wir erst einmal ein wenig den Jetlag verarbeiten...


13.7.15

Der letzte Tag in Peking


Was die Chinesen nicht können: Chips (gibt's zwar in seltsamen Geschmacksrichtungen wie "Honig" oder "Gurke", schmecken aber allesamt fad" und Flipflops. Wir suchen seit geschlagenen zwei Wochen in jeder Shoppingmall und in jedem Fake-Market nach Flipflops, doch leider erfolglos. Es gibt kaum welche, wenn überhaupt, dann nur in pink mit Glitzer und Absätzen, und bei den zwei halbwegs neutralen Paaren wollten die Verkäufer jeweils einen horrenden Preis. Also werden wir China wohl zwar mit einem gut mit vielen Einkäufen gefüllten neuen Koffer verlassen, aber ohne Flipflops.

Heute, an unserem letzten Tag in Peking, schläft Titus erst einmal ausgiebig aus und frühstückt dann quietschvergnügt und von der netten Angestellten Julia (alle Chinesen haben außer dem chinesischen Namen noch einen für Ausländer einfacher auszusprechenden englischen Namen) gut unterhalten gegen halb elf. Gerade heute müssen wir aber packen und unser Zimmer räumen, für die letzte Nacht hier im Bed&Breakfast müssen wir in ein kleineres Zimmer umziehen.

Draußen in der Sonne ist es nicht auszuhalten, wie in der Sauna brennt sich die trockene Hitze in die Haut, und der leichte Wind fühlt sich an wie ein heißer Föhn. Wir eilen zur U-Bahn und fahren noch ein letztes Mal zum Silk Market, der großen Fake-Shopping-Mall, nach Yong'anli. Für die fünf Stationen mit der Metro müssen wir zweimal umsteigen und endlose Strecken in den Bahnhöfen zurücklegen. Doch egal, wieviele Rolltreppen wir heute oder in den vergangenen Tagen passieren mussten: jede war in Betrieb, keine einzige stand still. Technische Probleme gibt es bei Pekings Rolltreppen offenbar nicht.
Im Market ist heute bei den heißen Temperaturen ordentlich viel los, und nach unseren ganzen Shoppingerfahrungen in typisch chinesischen Geschäften geraten wir hier an rein auf Touristen geschulte Verkäufer, die deutlich unnachgiebiger bei Preisverhandlungen sind.
Da wir gestern abend einen von Titus' Schuhen verloren haben, bleibt uns aber nichts anderes übrig, als das einzige halbwegs vertrauenswürdige und nicht aus Plastik bestehene Paar Kindersandalen zu einem immer noch stolzen chinesischen Preis von 100 Yuan (15 Euro) zu erstehen, außerdem noch ein wenig Computerkram und ein paar Mitbringsel.
Hier macht das Einkaufen aber wegen der völlig überteuerten Preise nicht ganz so viel Spaß, deshalb brechen wir auch recht schnell ab, nachdem wir auch die Mittagspause im Essensbereich verbracht haben; hier kosten die einfachen Gerichte doppelt so viel wie im chinesischen EInkaufszentrum, in dem wir vor zwei Tagen waren.
Für den Rückweg brauchen wir wieder fast eine dreiviertel Stunde, und praktischerweise verfällt Titus in seinen Mittagsschlaf, just als wir vor unserer Unterkunft ankommen. Damit haben wir zwei Stunden "frei", trinken Kaffee, lesen und dösen und halten uns aber ausschließlich in geschlossenen Räumen auf, denn selbst im Hof ist es bei etwa 45 Grad nicht besonders angenehm.
Am späten Nachmittag klingelt es an der Eingangstür, und unsere geschneiderten Klamotten werden geliefert. Auf den ersten Blick sieht alles super aus, die richtige Anprobe werden wir aber erst zuhause machen, jetzt ist es zu warm und für Änderungswünsche eh zu spät...


Für den Abend hat die Gastwirtin Angela uns zum Dumpling essen eingeladen, sie steht ab 17 Uhr in der Küche, knetet Teig, bereitet verschiedene Füllungen zu und lässt uns zuschauen, wie sie die kleinen Teigtaschen gekonnt und sogar mit Stäbchen füllt und zusammenklebt, während Titus um sie herumwuselt und ihr kleiner Hund auf Leckereien hofft.

Das Essen ist himmlisch, es gibt drei verschiedene Sorten Dumplings, außerdem gebratene Auberginen, marinierte Gurken und kurz gebratenen Blumenkohl, und wir essen, bis wir fast platzen. Außer uns sitzt noch ein älteres australisches Paar mit am Tisch, das von Cairns ibs Peking mit Schiff und Zug unterwegs war und hier in Peking in die Transsibirische Eisenbahn nach Moskau einsteigt, um anschließend weiter durch Europa zu reisen. Wir unterhalten uns sehr nett, und endlich, endlich finden wir die Gelegenheit, den beiden unsere letzten Scheine mongolischer Tögrök in die Hand zu drücken, die wir bei der Ausreise nicht rechtzeitig umgetauscht haben.

Nach dem Essen lasse ich es mir gutgehen, eine Freundin von Angela kommt vorbei, sie betreibt einen Nagelsalon in der Nähe und hat sich bereit erklärt, sich vor unserer Abreise meiner Hände und Füße anzunehmen. Im glasüberdachten Gang wird ein "Beautysalon" improvisiert, ich sitze auf einem Hockerchen, die Dame sitzt vor mir, links und rechts gesellen sie die Angestellten und Angela zu mir, und es wird lustig geplaudert, natürlich auf Chinesisch, während Angela ein bisschen übersetzt. Das ist sehr gemütlich, und Titus und Norman, die immer mal wieder vorbeispazieren, gucken mit großen Augen zu.

Als die Verwöhnstunde viel zu schnell vorbei ist, stehen Norman und ich in der heißen Nachtluft noch eine Weile auf der Dachterrasse, trinken ein letztes Bier auf unsere Reise und genießen den Blick über die vielen Dächer der umliegenden Hutongs, während Titus immer noch nicht recht weiß, ob er den kleinen Hund hier interessant oder eher beängstigend finden soll.
Nun ist es bereits kurz vor 23 Uhr, wir haben fertig gepackt, einiges aussortiert, das Neugekaufte untergebracht, das Bier ist leer, und unsere aufladbaren U-Bahn-Karten haben wir nun auch weiterverschenkt. Titus ist gerade eingeschlafen. Eine letzte Nacht noch, und morgen früh geht es dann schon Richtung Flughafen. Zwei Monate sind vergangen, und wir haben soviel erlebt, dass die Zeit viel zu schnell an uns vorbeigerauscht ist. Noch in Moskau konnte Titus weder laufen noch sprechen, 8 Wochen später hat er so viel Neues gelernt, und Norman und ich waren beide tagtäglich jeden Moment mit ihm zusammen und konnten alles miterleben. Wir sind uns einig: diese Reise hat sich gelohnt!

12.7.15

Die große Hitze

Heute knackt Peking die 43-Grad-Grenze, schon morgens steht die Luft in unserem Domizil, und wir diskutieren lange, was wir an diesem heißen Tag unternehmen sollen. Himmelspalast und Lama-Tempel scheiden aus, da sie mit langen Wegen verbunden sind. Nach langem Hin und Her entscheiden wir uns für einen Museumsbesuch.
Als wir den Bus Nr. 5 Richtung Tian'anmen-Platz besteigen, ist dieser noch halbwegs leer, doch an jeder Haltestelle drängen immer mehr Menschen in das unklimatisierte Fahrzeug, und bald stehen alle wie die Ölsardinen im Gang. Titus ist schon wieder schweißgebadet, und die Fahrt scheint uns auch wegen des dichten Verkehrs schier endlos zu sein. Aus irgendwelchen Gründen hält der Bus auch nicht wie erwartet direkt vor dem Nationalmuseum, sondern fährt unbeeindruckt eine Haltestelle weiter, wir müssen also nun doch gut 10 Minuten durch die brütende Hitze zurücklaufen, immerzu unterbrochen von Trinkpausen für Titus und uns.
So ist es schon fast 12 Uhr, als wir endlich das riesige Museumsgebäude erreichen. Und wieder machen uns die chinesischen Schulferien einen Strich durch die Rechnung: vor dem Museum stehen hunderte chinesische Familien in der prallen Sonne Schlange vor dem Einlass. Ohne zu zögern begraben wir unsere Plan und suchen schleunigst die nächste U-Bahn-Station auf, um von dort aus in nächstbeste klimatisierte Kaufhaus zu fahren und dort in Ruhe und bei angenehmeren Temperaturen eine Mittagspause einzulegen.
Ganz profan kehren wir dort in einen Starbucks ein, Titus bekommt Reis und Gemüse und wir lassen uns Eiskaffee und Kuchen schmecken und kühlen ein bisschen ab. Da sich das rettende Cafe direkt am Beginn der Wangfujang-Straße, der längsten Einkaufsmeile Pekings, befindet, überlegen wir, dort noch entlang zu schlendern. Norman betritt probeweise die Straße, kehrt auf dem Absatz um und erklärt einen Spaziergang kategorisch für ausgeschlossen. Also nehmen wir die U-Bahn und fahren ein paar Stationen bis zur Station Dongsi. Dort hat unsere Hotelwirtin uns einen Schneider empfohlen, und so suchen wir wieder einmal ausgerüstet mit einem handgeschriebenen Zettel in der Hand im Laufschritt um die entsprechenden Straßenecke das besagte Geschäft.

Auch diesmal werden wir fündig und betreten eine große Halle, vollgestopft mit Stoffrollen aller Arten, dazwischen stehen Zuschnitttresen, Näherinnen sitzen an handbetriebenen Nähmaschinen und unzählige Verkäufer beraten die vielen Kunden. Wir entschließen uns recht spontan, uns hier einzukleiden, ich suche mir ein typisch chinesisches Kleid in dunkelblauem Stoff aus, Norman einen hellgrauen Anzug, und für Titus wird eine Anzughose gekürzt. Wir werden eingehend von mehreren Verkäufern gleichzeitig beraten und vermessen, wobei nur eine Dame davon Englisch spricht. Alles macht einen höchst professionellen Eindruck, wir werden uns im Preis einig, und bereits am nächsten Abend soll alles direkt in unsere Unterkunft geliefert werden.
Kaum eine halbe Stunde später verlassen wir das Geschäft bereits wieder, Titus wird von der gesamten Belegschaft winkend verabschiedet. Schnell hüpfe ich noch in den großen Wu-Mart-Supermarkt hinein, eine chinesische Variante von Wal-Mart, besorge ein paar Kleinigkeiten, während Titus sich schon ins Land der Träume verabschiedet hat.

Den restlichen Nachmittag verbringen wir faul in unserer Unterkunft, und während wir alle ein Nickerchen halten und Titus danach in der Badewanne abkühlen darf, regnet es draußen anscheinend, denn als wir gegen 18 Uhr wieder aufbrechen, sind die Straßen nass. Der erfrischende kleine Schauer hat dafür gesorgt, dass zum ersten Mal seit Tagen tatsächlich kurz die Sonne zu sehen ist und die Außentemperatur jetzt nur noch 39 Grad beträgt, das hält aber die Chinesinnen nicht davon ab, immer noch mit Feinstrumpfhosen oder zumindest mit hautfarbenen Söckchen zu ihren knappen Hotpants herumzulaufen, während die Herren Jeans tragen.

Auf dem Weg zur U-Bahn-Station werden wir wieder einmal fast von den lautlos heranschleichenden Elektrorollern überfahren, die auch nach Einbruch der Dunkelheit stets ohne Licht fahren, um Strom zu sparen. Fahrräder gibt es auch in Peking noch mehr als genug, doch die kleinen, leisen und sicherlich günstigen Roller laufen dem Radl so langsam den Rang ab. Unvorstellbar, wie laut es hier gewesen sein muss, als hier überall durch die engen Gassen noch die Benzinroller geknattert sind!

Wir starten heute abend äußerst optimistisch und bestens mit Kartenmaterial versorgt einen zweiten Versuch, das vegetarische Restaurant Xixianzhang aufzusuchen, das wir noch zwei Wochen zuvor trotz allgemeiner Bemühungen nicht finden konnten. Und siehe da, diesmal klappt es, wir laufen in die richtige Richtung, finden die Straße, freuen uns über die hübsche Umgebung in direkter Nachbarschaft des Lama- und Konfuzius-Tempels und stehen kurz darauf vor dem richtigen Gebäude, auf dessen Dach unübersehbar der Name des Restaurants prangt. Na also! Bei näherer Betrachtung allerdings stellen wir fest, dass das Lokal einen sehr verlassenen Eindruck macht, und bald deuten wir den Anschlag auf der Eingangstür richtig: hier ist gerade wegen Renovierung geschlossen...

So etwas hatte ich bei meinen Recherchen heute nachmittag irgendwie geahnt, jedenfalls habe ich noch ein zweites Restaurant herausgesucht, das nicht allzu weit entfernt in der sogenannten "culinary street", der "Donghzimennei-Straße" liegt. Wir marschieren wacker los, nur zehn MInuten später biegen wir in die besagte 6spurige Straße ein, auf deren beider Straßenseiten sich Restaurants, Imbissbuden, Bars und noch mehr Restaurants drängen. Es ist unbeschreiblich, was hier los ist, überall blinken Schriftzüge, Kellner stehen ausgerüstet mit Mikrophonen und Verstärkern wie Marktschreier in den Türen und versuchen, hungrige Fußgänger anzulocken, Discomusik und schnulziger China-Pop ist zu hören, vor vielen Lokalen warten Trauben von Menschen auf einen Tisch und sitzen auf kleinen Hockerchen geduldig auf dem Gehweg - wir sind überwältigt, so was gibt es wohl nur in China, wo einfach alles immer noch ein paar Nummern größer ist als bei uns.
Hier gibt es alle nur erdenklichen Speisen, Enten brutzeln an Spießen, überall wird mit frischem Meeresgetier geworben, das noch lebendig in großen Eimern auf dem Gehweg herumschwimmt oder -krabbelt, an Imbissbuden kann man den allgegenwärtigen "Tintenfisch-To-Go" kaufen, ein frittierter Oktopus, der kunstvoll auf einem Spieß gesteckt und so gereicht wird, in jedem dritten Lokal gibt es Hot Pot, und das ist nur das, was wir beim Vorbeilaufen auf die Schnelle erspähen können.

Bald erreichen wir die Hausnummer 144 und damit das vegetarische Restaurant "Huo Kai - Blossom", das sich als Oase inmitten dieses lauten Getümmels entpuppt. Drinnen kann man aus einem schier unendlichen Menü auf dem Ipad seine Bestellung selbst zusammenstellen, und bald schon stehen große Teller mit Avocado-Kiwi-Rote Bete-Salat, Gemüsecurry mit Okraschoten, Nudeln in Erdnusssauce, Tofu mit Pflaumensauce, der ähnlich wie Pekingente in kleine Pfannkuchen gerollt wird, und noch mehr mit Pfeffer marinierter Tofu mit Spinat und Schwarzwurzeln vor uns. Da das Lokal irgendwie buddhistisch zu sein scheint, gibt es keinen Alkohol, dafür leckeren Früchtetee mit frischer Minze, und Titus kommt aus dem "Nam! Nam!"-Rufen nicht mehr heraus.
Wie immer sind die Portionen so üppig, dass genug für Titus' morgiges Mittagessen übrig bleibt, und auch ich lasse mir diesmal die Reste einpacken.

Als wir gegen halb neun das Lokal verlassen, hat die Luft draußen auf fast schon angenehmen 30 Grad abgekühlt, und die Chinesen sind schwer mit ihrer Art von Abendunterhaltung beschäftigt. Überall wird auf offener Straße getanzt und gesungen, und direkt vor dem Eingang zur U-Bahn-Station hat sich eine ganze kostümierte Gruppe zusammengefunden, die kommunistische Lieder darbietet, dazu tanzt und hölzerne Schwerter und Kalaschnikows (!) schwenkt.
Uns ist es sogar zum Kopfschütteln zu warm, schnell bringen wir Titus mit der U-Bahn zurück ins Hotel, der kleine Kerl hält sich trotz der Hitze und des ganzen Krawalls um ihn herum wirklich tapfer.
Als er im Bett liegt, zerbrechen Norman und ich uns noch eine Weile den Kopf darüber, was wir denn morgen anstellen, die Temperaturen sollen tatsächlich noch weiter steigen...

11.7.15

Chinesen im Kaufrausch

Wenn überhaupt möglich, ist es heute noch heißer als gestern, die Luft im glasüberdachten Innenhof scheint zu stehen, als wir gegen halb zehn beim Frühstück sitzen. Durch das späte Zubettgehen schläft Titus nun auch meistens bis kurz vor neun, so dass wir immer später in den Tag starten können. Heute lassen wir's aber eh gemütlich angehen, trinken noch eine zweite Tasse Kaffee (immerhin Filterkaffee und kein Instantkaffee mehr, aber von richtig gutem Kaffee noch meilenweit entfernt) und verabreichen Titus unter großem Protest Augentropfen. Durch den Staub, seinen Schnupfen oder die Zugluft hat er sich eine leichte Augenentzündung eingefangen, die aber dank unserer gut ausgestattenen Reiseapotheke schon wieder am Abklingen ist.

Lange lassen wir uns von Wirtin Angela die verschiedenen Shoppingmöglichkeiten in der näheren und weiteren Umgebung erklären, wir haben noch lange nicht genug eingekauft, und sie ist ein Quell an guten Tipps, die uns stets mit Stadtplänen sowie handgeschriebenen Zetteln mit Namen von Geschäften und Haltestellen auf Chinesisch und Englisch versorgt, mit denen wir bislang wirklich alles problemlos gefunden haben - kein Vergleich zu unserem ersten Pekingbesuch und dem ständigen Umherirren!

Nun schickt sie uns also zum Tianyi-Market, in dem wohl nur Einheimische einkaufen würden, keine Touristen, und der "nur" wenige Busstationen entfernt ist. Wieder einmal unterschätzten wir die Entfernungen in Peking, für die 7 Stationen brauchen wir gut eine halbe Stunde in einem leider unklimatisieren Bus, und Titus ist bereits nach wenigen Minuten patschnass geschwitzt und quengelt zurecht. Endlich sind wir da - und staunen nicht schlecht, als wir an einer achtspurigen Straße vor einem riesigen Einkaufszentrum stehen, dass außen aufs Allerliebste mit Weihnachtsschmuck dekoriert ist.
Innen erstreckt es sich über insgesamt 6 Stockwerke, ein jedes so weitläuftig wie in einem großen Möbelhaus, und ausschließlich aus 2x2m großen EInzelgeschäften bestehend. Die Geschäfte sind thematisch geordnet, es gibt ganze Etagen nur mit Schmuck, Haarbändern und sonstigem "Mädchenkram", unten im Untergeschoss finden sich Haushaltswaren, Gartengeräte, Möbel und Drogerieartikel, dazwischen Schreibwaren, Unterwäsche, Handyzubehör, Lampen - kurz: es gibt nichts, was es nicht gibt, und wir müssen uns sehr bremsen, hier nicht sinnloses Zeugs einzukaufen, nur weil man es hier eben kaufen kann und es dazu noch so günstig ist! Die Chinesen sind hier ganz im Gegensatz in echtem Kaufrausch, riesige Plastiksäcke werden vollgestopft, ganze Wohnungseinrichten werden erstanden - und außer uns ist weit und breit keine Langnase in Sicht.

Einzig in der Spielwarenetage verbleiben wir länger, es gibt ganze Stände, die nur fantastisch gut gefälschte Legoprodukte anbieten, ganze Feuerwehrstationen, Flugzeugträger oder Duplo-Eisenbahnen kann man hier für wenig Geld kaufen, und wir bedauern fast, dass Titus noch zu klein dafür ist. Es gibt Planschbecken in jeder Größe und Form, Kuscheltiere, laut blinkendes und dudelndes Plastikspielzeug, Sticker, Wasserpistolen, und Titus sitzt sichtlich überfordert im Kinderwagen.
Wir erstehen zwei Holzpuzzle, an das meiste trauen wir uns nicht heran, da wir vermuten, dass der Plastikram nicht auf seine Auswirkungen auf die Kindergesundheit überprüft wurde. Nur bei dem Stand mit den Kinder-Elekroautos und Bobbycar-Fakes verharren wir recht lange, und Norman lässt sich nur sehr widerstrebend und nach langem Nachdenken überzeugen, dass wir hier und jetzt keinen Kinder-Mercedes-SLK-Bobbycar-Verschnitt in schnittigem Rot für Titus kaufen, da sich dieser trotz unschlagbarem Preis nicht im Flugzeug nach Hause transportieren lässt.

Die Mittagszeit naht, und da die Chinesen diesbezüglich ja wie schon erwähnt sehr rigoros sind, folgen wir den vielen Hungrigen einfach durch die unübersichtliche Ansammlung der winzigen Geschäfte und landen schließlich in einem unfassbar lauten Essensbereich, an dessen Wänden sich Imbissstand an Imbisstand reiht. Norman treibt tatsächlich ein vegetarisches Gericht auf, das mit 2 Euro sehr günstig und auch wirklich lecker ist, es gibt Reis mit Auberginen-Kartoffel-Paprika-Ingwer-Sauce, und auch Titus ist mit den Dumplings von gestern abend zufrieden.

Nachdem wir alle Stockwerke abgeklappert haben und außer besagten Puzzles und einer Handvoll Ohrsteckern nichts erstanden haben, fahren wir zurück in unser Domizil, um Titus ein ruhiges Mittagsschläfchen zu ermöglichen - zwar haben wir nicht viel eingekauft, doch es hat Spaß gemacht, dieses unfassbare riesige Warenangebot zu sehen, die Wirtschaft in China scheint tatsächlich zu boomen! Allerdings geht uns die leider immer nur halbwegs "barrierefreundliche" Bauweise der U-Bahnhöfe zunehmend auf die Nerven, aus unerklärlichen Gründen kommt oft erst eine lange Rolltreppe abwärts, dann müssen nach einem Tunnel zehn oder mehr Stufen überwunden werden, es folgt wieder ein langer Gang mit diversen kleinen Treppen, und dann führt eine letzte lange Rolltreppe abwärts bis zum Gleis. Wenn man Glück hat, fahren die Rolltreppen in die richtige Richtung, wenn nicht, heißt es laufen und v.a. den Kinderwagen tragen. Dass die lauffaulen Chinesen, die, sobald eine Rolltreppe in Reichweite ist, auf gar keinen Fall die Treppe benutzen und lieber für die Rolltreppennutzung anstehen, hier noch nicht gemeutert haben, ist unerklärlich.

Den Nachmittag verbringen wir im halbwegs kühlen Hotelzimmer, draußen hat es wieder deutlich über 40 Grad, ohne dass die Sonne durch die staubige Luft zu sehen ist. Wir wagen uns erst wieder gegen halb sechs nach draußen, so langsam kann man sich dort wenigstens einigermaßen aufhalten, und reihen uns in die Menschenmassen ein, die durch unser Hutongviertel und durch Shishahai ziehen. In den unzähligen kleinen Geschäften kaufen wir ein paar Souvenirs und schlendern herum, Norman ist schon völlig angepasst und trägt wie ein echter Chinese bauchfrei. Das ist zwar wahrscheinlich etwas angenehmer, doch suchen wir trotzdem recht schnell ein Restaurant auf, um der heißen Luft zu entfliehen. Diesmal speisen wir vietnamesisch, das Essen ist wunderbar, es gibt problemlos vegetarische Varianten, auch Titus ist zufrieden mit Reis, Frühlingsrollen und Gemüse, nur der Service ist leider unterirdisch. Komischerweise ist uns das in China eigentlich noch kaum passiert, obwohl ich schon einiges über die unmotivierten chinesischen Kellner gelesen habe. Na, zumindest steht im Lokal ein großes Aquarium mit riesigen Goldfischen, die für Titus hochinteressant sind, auch wenn er sich ein bisschen gruselt vor den Fischen, die da auf seiner Augenhöhe herumschwimmen.

Als wir das Lokal verlassen, dämmert es gerade erst, es sind noch mehr Menschen unterwegs rund um den See, aus allen Bars und Restaurants schallt laute Musik, dazu gesellen sich die vielen Livemusiker auf der Straße, und direkt am See haben sich einige chinesische Senioren zu einer Runde Karaoke zusammengefunden, komplett ausgestattet mit Bildschirm, Verstärker und Mikrophon.
Titus besteht, im Kinderwagen sitzend, darauf, Händchen zu halten, seit wir im trubeligen Peking sind, fordert er das bei sovielen Menschen häufig ein. Wir suchen also schleunigst ein ruhigeres Gässchen auf; die Sommernacht ist mehr als lau, und da es noch gar nicht so spät ist, versuchen wir, noch ein Getränk in einer Bar zu ergattern. Das gestaltet sich aber als schwieriger als gedacht, in der ersten Kneipe ist kein Platz mehr frei, außerdem wird dort geraucht, und in der zweiten Bar bedient man uns nicht, obwohl wir mindestens 20 Minuten warten, Titus mit den Kellner und Gästen schäkert und wir also durchaus zur Kenntnis genommen werden.

Wir geben auf, holen beim Kiosk nebenan halt noch zwei Dosen Bier und kehren zurück in unser Zimmer, soviel also zum Pekinger Nachtleben...

Chinakoller?

So, diesen Blogeintrag schreibe ich jetzt zum zweiten Mal - denn als ich ihn gestern abend hübsch fertig formuliert hatte, wurde er offenbar nicht gespeichert... So langsam gehen mir diese ständigen Internetprobleme ziemlich auf den Keks, ständig funktionieren irgendwelche Webseiten nicht, mal können wir unsere Mails abrufen, mal nicht, das nervt.

Ganz allmählich bekommen wir eh einen Chinakoller; ob das nun an der beständigen Hitze hier liegt, die uns beharrlich bei Tag und Nacht zu zermürben scheint und in der ganz Peking an allen Ecken und Enden zu stinken beginnt - über allem liegt ein Hauch von Kloakengeruch - oder an der beständigen Lärmbeschallung? Chinesen lieben Musik über alles, und da jeder hier alle anderen an seinem Musikgeschmack teilhaben lassen möchte, wird ausschließlich über Handylautsprecher oder gerne sogar verstärkt mit kleinen Boxen die Umgebung beschallt. Und zwar egal, ob Teenie oder Oma auf dem Fahrrad!

Als wir am späten Vormittag aus unserem Hotel Richtung U-Bahn aufbrechen, entdecken wir einen kleinen, dunklen und vollgestopften Laden, der mit buddhistischen Devotionalien handelt. Hier entdecke ich endlich auch eine sich bei Tageslicht selbstständig drehende Gebetsmühle, die in China und in der Mongolei in vielen Autos auf dem Armaturenbrett steht - so etwas muss ich haben! Die beiden sichtlich bekifften Verkäufer, in Mönchsgewänder gehüllt und vom Räucherstäbchenduft benebelt, haben keine rechte Lust auf lange Verhandlungen, so werden wir uns schnell einig.
Doch als wir uns gerade anschicken, das Geschäft wieder zu verlassen, kommt Leben in den einen - er zückt in Windeseile ein (hoffentlich frisches?) Taschentuch und putzt Titus ausgiebig die Nase. Das ist uns hier in China tatsächlich schon oft passiert, dass wildfremde Menschen dem kleinen Kerl die laufende Nase säubern. Einerseits ist das zwar ganz reizend und umsichtig, andererseits wirkt das auf unsereinen doch ein wenig übergriffig, oder?
Ob das wohl an der leichten Hysterie bezüglich Erkältungskrankheiten liegt, an der hier jeder Chinese zu leiden scheint? So tragen zwar entgegen sämtlicher Chinaklischees nicht alle eine Gesichtsmaske, doch in vollen U-Bahnen und Bussen sieht man schon den einen oder anderen mit Mundschutz.

Daran erinnern auch die in U-Bahn-Wagen und auf Bahnhofsscreens allgegenwärtigen Mahnvideos, in schönster Zeichentrickmanier werden hier beständig Verhaltensregeln betont "lustig" unters Volk gebracht. Das gibt es mangaähnliche Comics, die uns vor den Gefahren von nicht ausreichend gekühlten und wieder erwärmten Essensresten warnen, ein Filmchen mahnt an, beim Befahren von Brücken stets auf das zulässige Höchstgewicht seines Fahrzeugs zu achten, doch am schönsten sind die Filme, in denen sich eine Bande Gemüserowdys (!) im öffentlichen Nahverkehr danebenbenimmt - wie zB eine randalierende Zwiebel, die betrunken, stinkend und pupsend in der U-Bahn einschläft und sich schließlich übel wehtut, als sie von der Sitzbank fällt. Diese Comics richten sich allesamt an Erwachsene, ist das zu fassen?!

Wir schwanken jedenfalls immer zwischen großem Amüsement und Kopfschütteln, zumindest werden wir auf der langen U-Bahn-Fahrt gut unterhalten. Nach schier endlosem Fußmarsch durch die brütende Hitze (inzwischen zeigt das Thermometer um die 37 Grad an, und das bei dunstigem Himmel) erreichen wir den nordwestlich vom Zentrum gelegenen Sommerpalast. Der Name ist ein wenig irreführend, bezeichnet er doch eine 350 Hektar große Gartenanlage, die aus 140 Palästen, Pagoden, Wandelgängen, Aussichtstürmchen und Pavillons besteht, in deren Mitte ein großer See liegt. Hier verbrachte der chinesische Kaiser und seine Entourage ab dem 18. Jahrhundert die Sommermonate, um ein wenig der Hitze in der Stadt zu entfliegen. Es ist beeindruckend, und ganz im Gegensatz zur Verbotenen Stadt haben hier die Kommunisten bei der Machtübernahme nicht das gesamte Areal geschleift, so dass man hier viel eher einen Eindruck vom höfischen Leben in der kaiserlichen Umgebung bekommt. Sämtliche Torbögen, Wandelgänge und Wände sind wunderschön bemalt und geschnitzt, die Gärten wunderschön angelegt, und von sämtliche Hügeln blitzen durch die dichten Bäume noch mehr Tempeldächer und Pagoden hindurch.

Doch auch hier sind wir natürlich nicht alleine, mit uns schieben sich mehrere tausend Chinesen durch die Anlage, und sobald wir auch nur eine Sekunde stehenbleiben, scharen sich sofort Grüppchen um Titus, der ziemlich gelangweilt im Kinderwagen sitzt. Als wir im Schatten ein Eis essen, stehen die Chinesen Schlange, um sich bzw. ihre Kinder daneben zu postieren und ein Foto zu schießen. Also bleiben wir lieber in Bewegung, immerhin gibt es hier an den meisten Übergängen Rampen, so dass wir mit dem Kinderwagen einigermaßen vorankommen. Uns ist immer noch unklar, was die Menschen hier so an dem kleinen Kerl reizt, die einen betonen, er würde aussehen wie "eine Puppe", die anderen finden seine weiße Haut (die durch den großzügigen Einsatz von Sonnencreme noch mehr dem hiesigen Schönheitsideal entspricht) ganz zauberhaft, wieder andere seine Ohren. Dabei sind auch die chinesischen Kleinkinder wirklich niedlich, wenn auch meistens ziemlich moppelig.

Pünktlich um 13 Uhr erliegt auf einmal der ganze Trubel; wie überall in ganz Peking versorgen sich nun alle an den vielen Essenständen mit den obligatorischen Nudelsuppen, dargereicht in überdimensionierten Plastik- oder Styroporbechern, das Essen in den Chinesen heilig! Eifrige Müllmänner und -frauen stehen schon bereit, um die Berge an Müll einzusammeln, überhaupt ist es überall in ganz Peking höchst sauber in den Straßen - die Regierung hat die Vollbeschäftigung ausgerufen, und Arbeitskräfte gibt es in China nun wahrlich genug. Wir nutzen die "Ruhe" und füttern Titus, der danach schnell einschläft, und besteigen eines der vielen Ausflugsboote, die auf dem See herumschippern. Hier ist es durch den Fahrtwind einigermaßen auszuhalten, wir passieren ein mächtiges Marmorboot, eine Spielerei der Kaisergattin Cixi, und beschließen, als wir am Bootsanleger ankommen, dass wir nun genug gesehen haben.

Ein wieder endlos langer Fußmarsch liegt vor uns, bis wir endlich die U-Bahn-Station erreichen, die Entfernungen sind immens, zwischen einzelnen Stationen liegen gerne mal mehrere Kilometer. Heute ist die U-Bahn noch voller als in den letzten Tagen, und die recht rüpelhaften Einheimischen haben das Prinzip von "erst aussteigen lassen, dann einsteigen" nicht in vollem Umfang begriffen. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als die Ellbogen ausfahren und wie die echten Pekinger lautstark vor uns hin zu schimpfen, damit klappt es meistens, doch noch einen Platz im Wagen zu ergattern oder um mit dem Kinderwagen durch Menschenmassen hindurch zu manövrieren. Unsere Herumpöbeleien, immer auf Deutsch und gerne sogar im schönsten Schwäbisch, versteht hier zwar keiner, doch der Tonfall scheint einschüchternd genug zu sein. Das müssen wir uns wohl zuhause wieder abgewöhnen.

Auf eine erfrischende Dusche und eine kurze Erholungspause kehren wir zurück ins Hotel, brechen aber schon am späten Nachmittag wieder auf und fahren mit dem Bus ein paar Stationen weit zu einem DVD-Laden, den uns die Hotelchefin empfohlen hat. Hier gibt es jeden nur erdenklichen Film, Arthouse, Serien, Disneyfilme, Kinofilme, Klassiker, Musik-DVDs... Wir decken uns natürlich mit den neuesten Serienstaffeln ein, alle raubkopiert, anscheinend in super Qualität und ziemlich günstig, während Titus unter Aufsicht des Personals die Regale ausräumt.

Dank der guten Beschreibung von Angela finden wir auch das nahegelegene vegetarische Restaurant "Gongdelin", das mit einer mindestens 50 Seiten umfassenden Speisekarte aufwartet, in der alle Gerichte auch mit Foto abgebildet sind. Wie so oft in der chinesischen vegetarischen Küche hat man sich hier auf sogenannte "mock meat dishes" spezialisiert, hierbei wird versucht, Fleisch- und Fischgerichte in Aussehen und Geschmack möglichst originalgetreu zu imitieren. Inzwischen sind wir schon so assimiliert, dass wir wie auch die Chinesen immer gleich mehrere Gerichte bestellen und dann einfach von allem probieren, und so stehen bald gefüllte Dumplings, marinierte Aubergine, "Aal in Sesamsauce" und so eine Art "Fleisch-Tomaten-Eintopf" vor uns. Meinen Geschmack trifft man damit leider nicht, zu nah am "Original" ist der Geschmack und erstaunlicherweise auch der haptische Eindruck, doch zumindest Titus ist glücklich.
Das das Restaurant typisch chinesisch ungemütlich eingerichtet ist, brechen wir recht schnell wieder auf, nicht ohne die restlichen Dumplings für den nächsten Tag eingepackt zu haben - auch das ist ganz typisch in China, da die Portionen immer sehr reichlich sind und viel übrig bleibt, verlässt jeder das Lokal mit einem oder mehreren Styroporbehältern in der Hand.

So sind wir früh zurück im Hotel, und genießen die Vorzüge unseres klimatisierten Zimmers, während es draußen immer noch viel zu warm ist. Titus spielt noch eine Weile, vor allem mit dem neu erstandenen Koffer, der ein- und wieder ausgeräumt wird, und als er endlich im Bettchen liegt, können wir uns noch ein kaltes Bier und eine Folge von "Sherlock" - so richtig weit kommen wir aber nicht, das Titus inzwischen erst nach 22 Uhr schlafen geht, um ihm schon einmal die Zeitverschiebung, die uns nächste Woche erwartet, zu erleichtern.

9.7.15

Endlich in der Verbotenen Stadt - Fotos

Endlich in der Verbotenen Stadt

Die Nacht war für uns alle unruhig, ohne Klimaanlage war's zu warm, mit Klimaanlage war's zu laut, Titus wollte unbedingt mit in unserem Bett schlafen (und das möglichst quer), und so richtig ausgeschlafen sind wir alle nicht, als wir beim Frühstück sitzen. Titus scheint inzwischen bereits vollkommen chinesisch assimiliert zu sein, er verweigert sein Müsli und möchte ausschließlich den Reis mit Gemüse, der auf dem Tisch bereit steht, denn hier im "Mao'er 28" bekommen wir ein echt chinesischen Frühstück serviert, mit eingelegtem Gemüse und Reis.

Nach dem Frühstück trennen sich unsere Wege, denn ich möchte mir nun endlich auch die Verbotene Stadt anschauen, und mache mich auf dem Weg zur Bushaltestelle. Der 5er-Bus ist bereits beim Einsteigen proppenvoll, doch an jeder folgenden Haltestelle quetschen sich noch mehr Menschen hinein, angefeuert von den lauten Rufen der beiden Fahrkartenkontrolleure in der Busmitte, die in rauhem Umgangston dafür sorgen, dass auch jeder Millimeter Platz genutzt wird. Zum Glück sind die Chinesen im Durchschnitt so groß wie ich, so lässt es sich halbwegs aushalten. Als wir uns endlich meiner Zielhaltestelle nähern, fahre ich schon mal die Ellbogen aus, anders ist kein Durchkommen, und nur so schaffe ich es, rechtzeitig aus dem Bus auszusteigen - denn der wartet nicht, bis alle soweit sind, sondern setzt exakt nach Fahrplan seine Fahrt fort.
Zum Eingang der Verbotenen Stadt ist es noch ein zehnminütiger Fußmarsch, bislang sind nicht allzu viele Leute unterwegs, und ich freue mich auf eine hoffentlich halbwegs ruhige Besichtigung. Doch als ich endlich den großen Vorplatz erreiche, an dem sich die 30 Ticketschalter befinden, werde ich eines Besseren belehrt: an einem ganz gewöhnlichen Donnerstag vormittag befinden sich hier außer mir etwa die Hälfte aller Pekinger, es ist deutlich mehr los als am Samstag vor zwei Wochen, und ich stehe allein 40 Minuten an, bis ich überhaupt in Besitz einer Eintrittskarte bin (diesmal habe ich sogar meinen Pass dabei!)!
Endlich betrete ich gegen halb zwölf die ehemalige Kaiserresidenz durch das Südtor, außer mir befinden sich geschätzt noch 100.000 andere Besucher dort, doch ich rüste mich mit einem Audioguide aus und lasse mich von dem Lärmpegel der chinesischen Reisegruppen und Familien und der Außentemperatur von weit über 30 Grad nicht stören.
Die Verbotene Stadt besteht aus zig einzelnen Palästen und Häusern mit insgesamt 8.700 Räumen und riesigen Innenhöfen, ist unüberschaubar groß - und leider auch ziemlich nichtssagend. Nirgendwo findet sich ein Zeichen dafür, wie die Bewohner dieser Anlage gelebt haben, wie der Alltag in diesem von einer 10 Meter hohen Mauer und einem Wassergraben umgebenen Areal ausgesehen hat. Alles steht leer, und zumindest von außen gleichen sich die vielen Paläste, die sich schier endlos aneinander reihen. Der Audioguide trägt außer Jahreszahlen und Kaisernamen auch nicht viel Informatives vor, und so begnüge ich mich damit, ein bisschen ziellos herumzuschlendern und gleichzeitig die Besucher zu beobachten. An den vielen Treppenauf- und abgängen und den durch Tore verursachten Engstellen bilden sich stets Menschentrauben, Chinesen haben das Prinzip des Vortritts nicht erfunden, sondern es wollen immer alle gleichzeitig durchgehen. Außerdem scheuen die Einheimischen ja das Sonnenlicht, die Frauen tragen selbst bei diesen Temperaturen blickdichte Strumpfhosen, Armstulpen und oft sogar Handschuhe, und obligatorisch bei Männlein und Weiblein ist immer ein Regen- bzw. Sonnenschirm. Dieser wird ungerührt jedem Entgegenkommenden oder Überholenden auf den Kopf gerammt, man muss um sein Augenlicht fürchten, wenn man diese "Waffen" nicht permanent im Auge behält. Es herrscht also ein heilloses Durcheinander in die dieser einst so hermetisch abgeriegelten Stadt.
Selbst der sicherlich sehr schön angelegte kaiserliche Garten an der Nordseite ist vor lauter Menschen kaum zu erkennen, vor jedem Baum, Strauch oder Felsen stehen 50 Chinesen und posen mit Selfiesticks. Nach knapp zwei Stunden habe ich genug und verlasse die Kaiserstadt durch das Nordtor, ein wenig bedauernd, denn nach Filmen wie "Der letzte Kaiser" habe ich mir hier mehr Atmoshäre erwartet...

Ich spaziere ein paar hundert Meter weiter bis zum Beihai-Park, dort treffe ich auf Norman und Titus, die sich einen gemütlichen Vormittag im Park gemacht haben. Norman ist allerdings auch ein wenig entnervt von den vielen, vielen Paparazzi, die es nicht lassen können, Titus selbst beim Essen zu fotografieren und ihn ständig anzufassen oder abzulenken. Der kleine Kerl ist dementsprechend müde und schläft fast sofort ein, nachdem wir ihn im Kinderwagen ein wenig hinter Mullwindeln und Sonnenschutz versteckt haben.
Da es draußen allmählich in der Mittagshitze unerträglich wird, beschließen wir, ein nächste Shoppingtour zu starten, und fahren mit der U-Bahn bis zum sog. "Hongqiao" bzw. "Pearl Market". Dieser "fake market" ist deutlich touristischer als der letzte, den wir besucht haben, die Händler sind deutlich versierter im Handeln mit Touristen, außer uns sind noch viele, viele "Langnasen" unterwegs. Nach einem ersten vorsichtigen Rundgang kommen wir in Shoppinglaune, bald schon haben wir einen Ruf weg, besonders "tough" zu verhandeln, und hauen in knapp zwei Stunden gut 150 Euro auf den Kopf. Dafür erstehen wir unter anderem einen großen "Rimowa"-Koffer, zwei "Longchamp"-Handtaschen, zwei Paar Chucks, diverse Markenshirts und -pullis und sogar eine Rolex Oyster Armbanduhr!

Dann sind wir pleite und auch erledigt, das ständige Feilschen ist anstrengend, zum Glück schafft Titus es immer, die Verkäufer noch um den Finger zu wickeln... Alle Einkäufe packen wir uns den neuen Koffer und bugsieren alles zurück ins Hotel. Als wir aus der U-Bahn aussteigen und in unser Viertel einbiegen, herrscht dort ein Getümmel in den engen Gässchen, dass kaum ein Durchkommen ist. Vor den Bars und Restaurants hängen Trauben von Menschen, überall schallt Musik aus Lautsprechern, und dabei ist noch nicht einmal Feierabendzeit! Es gibt offenbar einfach viel zu viele Menschen hier... Kurz verschnaufen wir in der Ruhe unseres gemütlichen Hotels, machen uns kurz frisch und starten schon wieder los, es dämmert schon und wir sind hungrig.

Eine kurze Busfahrt entfernt finden wir das uns von unserer Wirtin empfohlene Restaurant "Sijiminfu", hier serviert man Pekingente, und wenigstens einmal will Norman diese Spezialität probieren. Auch hier werden wir erst einmal enttäuscht und müssen eine Wartenummer ziehen; immerhin dürfen wir drinnen in einem eigenen Wartebereich Platz nehmen, bekommen ein bisschen was zu knabbern und Limonade kostenlos. In dem mehrstöckigen, vollbesetzten Lokal herrscht ein stetiges Kommen und Gehen, und in den fast 1 1/2 Stunden, die wir auf unseren Tisch warten müssen, wir Ente um Ente aus der Küche an uns vorbeigetragen.
Wir bespaßen Titus und halten ihn mit Krabbenchips und Litschis bei Laune, und so ist er immer noch fröhlich, als wir um 20:30 Uhr endlich etwas zu essen bekommen. Ein Koch zerlegt eine halbe gebratene Ente gekonnt an unserem Tisch, und netter Kellner zeigt Norman, wie er die tranchierten Entenstückchen garniert mit Sojasauce, eingelegtem Gemüse und anderen Zutaten in einen kleinen Pfannkuchen wickeln soll, alles natürlich mit Stäbchen!

Ich bin mit meiner Speisenauswahl, gebratenem Reis und Tofu, sehr zufrieden, Titus ebenfalls, und erst gegen Ende des Mahls entdecken wir, dass es die Chinesen selbst in diesen beiden vegetarischen Gerichten nicht ganz so genau nehmen: im Reis finden wir winzige Stückchen Shrimps, und unter den Tofuscheiben hat sich ein wenig Entenfleisch versteckt... Egal, es war wirklich lecker und auch gar nicht soooo teuer, wie befürchtet. Als wir das Restaurant gegen halb zehn verlassen, warten immer noch einige Leute auf einen Tisch.

Wir sind schnell mit dem Bus zurück in unserem Hutongviertel, Titus ist todmüde und wird schnell ins Bett geschickt, wir sind pappsatt und schaffen es nicht einmal mehr auf ein kühles Bier in den Garten...

Zurück in Peking

Und schon sind wir wieder in Peking - nach drei Tagen idyllischem Landleben und fünf Tagen am Strand könnte der Kontrast, wieder in der Millionenstadt zu sein, wirklich kaum größer sein!

Unsere Rückfahrt aus Qinhuangdao verlief erstaunlich reibungslos, die Taxifahrerin brachte uns zum Bahnhof und umfuhr alle Staus problemlos, zum Glück betrug der Fahrpreis nach Taxameter nicht sooo viel weniger, als wir dem Schlitzohr-Taxifahrer bei der Hinfahrt zum Hotel gezahlt hatten. Im Bahnhof wieder das Übliche: halbstündiges Schlangestehen vor dem Check-In-Schalter. Die Chinesen neigen ja dazu, bei jeder sich bietenden Gelegenheit brav eine vorbildliche Schlange zu formieren, doch sobald es dann endlich losgeht, bildet sich urplötzlich die "Formation Wolke", wie Norman so schön dazu sagt, und das Chaos bricht aus. So auch hier wieder: gut 10 Minuten vor Abfahrt des Zuges werden die Schalter geöffnet, und alle versuchen nun, möglichst gleichzeitig durch die Ticketkontrolle zu kommen. Zum Glück nehmen es einem die Chinesen nicht übel, wenn man ihnen dabei mit dem Kinderwagen in die Hacken fährt...
Auch am Gleis selbst bilden sich sofort Schlangen, da auf dem Boden genauestens eingezeichnet ist, wo sich für welchen Wagen der Zustieg befindet. Sieht in der Theorie wieder alles bestens aus, doch als der Zug einfährt: Hektik! Im engen Wagon stapeln sich alle übereinander, es wird gequetscht, geschoben und gezetert, doch als alle Fahrgäste und Gepäckstücke endlich verstaut sind, kehrt Ruhe ein. Die 2 1/2-stündige Fahrt vergeht wie im Fluge, Titus schläft, wir dösen, nur unterbrochen von der eifrigen Mülleinsammlerin, der Fahrkartenkontrolleuse, die auch zugleich genauestens die Gepäckstücke in der Ablage über den Köpfen nachjustiert, kein Griff, keine Schlaufe darf über den Rand lugen und wird ansonsten sofort verstaut.

Endlich am Bahnhof in Peking angekommen, trifft uns die dortige Hitze wie ein Schlag - am Meer noch war es durch den stetigen Wind so angenehm erträglich, hier dagegen herrschen gut 33 Grad und die Luft ist zum Schneiden. Zum Glück müssen wir uns diesmal nicht den schlitzohren, schlitzäugigen Taxifahrern ausliefern, denn Angela, die Inhaberin unserer nächsten Unterkunft, hat von sich aus angeboten, uns am Bahnhof abzuholen. So steht sie auch draußen und erwartet uns, doch die wenigen Meter, die wir bis zum geparkten Auto zurücklegen, reichen aus, um völlig verschwitzt zu sein. Nur Titus, der gerade aufgewacht ist, winkt schon wieder fröhlich in die Menge. Und die ist immens, auf dem Bahnhofvorplatz sind noch mehr Menschen unterwegs, als noch vor zwei Wochen - in China haben offenbar in der Zwischenzeit die Schulferien begonnen, und so sind Groß und Klein unterwegs...

Nach einer halbstündigen Autofahrt biegt Angela von einer vielbefahrenen Straße rechts ab, und wir kurven durch ein wunderhübsch renoviertes Hutongviertel, mit Seerosenteichen, niedlichen Brücken, typisch chinesischen Dächern, schönen Ziegelmauern - und ohne Verkehr und Lärm! Bald halten wir vor einem solchen Häuschen, hier befindet sich das "Mao'er 28"Bed&Breakfast, in dem wir die nächsten 6 Tage wohnen werden. Es handelt sich dabei um zwei durch ein Glasdach überbaute Hutonghäuser, mit viel Grün im so entstandenen "Wintergarten". Hier wir beziehen eine tolle Unterkunft aus zwei Zimmern und Bad, liebevoll traditionell chinesisch möbliert und mit einem nagelneu angeschafften Kinderbett für Titus.
Bis wir uns eingerichtet und mit Angela die wichtigsten Punkte auf dem Stadtplan abgeklärt haben, vergeht der Nachmittag, und wir brechen erst am frühen Abend auf zu einer ersten Erkundung unseres Viertels "Shishahai". Kaum sind wir um die Ecke gebogen, staunen wir nicht schlecht: rund um einen malerischen See finden sich an der Promenade in den Hutonghäusern Kneipen, Bars und Restaurants, dazwischen drängeln sich Souvenirshops, Riskafahrer bieten lauthals ihre Dienste an, und Menschenmassen, bestehend aus Pekingern und Touristen, schieben sich durch die engen Gässchen. Ein richtiges Ausgehviertel also.

Wir spazieren herum, schlendern an den vielen Bars vorbei, in denen in jeder einzelnen eine Sängerin live Balladen und chinesische Hits zum besten gibt, und finden endlich das uns empfohlene "Hot-Pot"-Restaurant. Es ist ordentlich voll, vor der Tür bildet sich bereits eine Schlange, und jeder Wartende bekommt eine Nummer ausgehändigt. Nach längerem Gestikulieren erfahren wir, dass wir mindestens eine Stunde auf einen Tisch warten müssen. Na gut, wir vertreiben uns die Zeit damit, mit Titus am Seeufer die Boote anzuschauen, der kleine Kerl will aber lieber auf eigene Faust herumlaufen und wird wieder einmal ein begehrtes Fotoobjekt von den vielen, vielen Flaneuren. Selfiesticks sind hier übrigens weit verbreitet, kaum einen Chinesen sieht man ohne so ein Utensil!

Endlich bekommen wir unseren Tisch draußen auf der Terrasse. Doch Titus ist leider inzwischen bereits so ausgehungert und müde, dass er nur noch bockt, alles Essen verweigert und kaum noch zu bändigen ist. Das ist wirklich schade, denn der Hot-Pot ist toll, und unsere nette Vermieterin hat uns auch bestens mit einem Zettel ausgestattet, auf dem auf Chinesisch bereits die gesamte Bestellung vermerkt ist, und den wir einfach der Bedienung in die Hand drücken. So stehen bald diverse Schälchen mit Dips, eine Gemüseplatte und ein Teller mit verschiedenen Pilzen vor uns, außerdem Nudeln, die wir allesamt in die kochende Brühe im Topf vor uns geben.
Es hat immer noch mindestens 28 Grad, obwohl es schon längst dunkel ist, und der glühende Topf vor uns so wie die zum Teil scharfen Saucen führen dazu, dass es uns ganz schön warm wird. Da Titus brüllt wie am Spieß, essen wir so schnell wie möglich, richtig genießen können wir das leckere Mahl nicht, und wir brechen auf, obwohl unsere Teller und die Schüssel noch reichlich gefüllt sind.

Zum Glück ist es bis zu unserer Unterkunft nicht weit, denn Titus verweigert nun auch den Kinderwagen kategorisch und klammert sich mit Händen und Füßen an mich, also trage ich ihn die 10 Minuten Weg, und freue mich, als wir endlich unser klimatisiertes Zimmer erreichen. Der Tag war für uns alle recht turbulent!

7.7.15

Sprachbarrieren

Die Chinesen und wir, wir verstehen uns einfach nicht... Heute abend wollten wir mal wieder auswärts essen, einfach in eines der vielen Lokale an der Strandpromenade einkehren, und um diesmal optimal vorbereitet zu sein, wollten wir uns vom Concierge im Hotel ein paar Übesetzungen von unseren Lieblingsspeisen geben lassen, damit wir im Restaurant unserer Wahl dem Kellner nur noch einen Zettel in die Hand drücken müssen.
Klingt einfach, erfordert aber zunächst einmal mindestens einen zweiten, nein, lieber doch gleich noch einen dritten chinesischen Hotelangestellten, die sich alle gemeinsam der Sache annehmen, wobei nur eine davon überhaupt englisch spricht. Erst ist unklar, was wir wollen, ich erkläre langsam und deutlich, dass wir gerne die chinesischen Begriffe für "Reis", "Tomate-Ei" und "gemischtes Gemüse" wüssten. Nach zehnminütiger Diskussion untereinander wendet man sich wieder mir zu und fragt, ob wir gerne auch Meeresfrüchte essen, und ob man uns dafür ein schönes Lokal empfehlen dürfte. Nein, ich möchte einfach stoisch weiterhin nur die besagte Begriffe übersetzt. Eine langwierige Internetrecherche wird gestartet, und endlich schreibt ein junger Angestellter einige chinesische Schriftzeichen auf einen Zettel, der mir dann mit großer Geste - und immer mit beiden Händen! - überreicht wird. Die englischsprechende Dame erklärt dann stolz, dass man mir hier zwei leckere und sehr empfehlenswerte Gerichte aufgeschrieben hätte, die wir in dem Restaurant, dessen Name gleich in der Zeile darunter stünde, auch bestimmt bestellen könnten, sie hätten netterweise die Nummer aus der Online-Speisekarte gleich dazu geschrieben. Und wenn wir diesen Zettel einem Taxifahrer geben würden, würde dieser uns umgehend dahinbringen.
Ich beende das Gespräch, bedanke mich höflich und gehe zu meinen draußen schon ungeduldig wartenden Männnern - leider erfolglos, denn nun wissen wir immer noch nicht, wie wir am einfachste die oben genannten Gerichte bestellen sollen. Grrrrrrr....
Egal, wir kehren einfach wieder in das Restaurant ein, in dem wir schon vor drei Tagen waren, hier hat die Bestellung ja dank Übersetzungsapp gut funktioniert, und so klappt es auch diesmal. Titus wird beim Einmarsch ins Lokal begrüßt und bejubelt wie ein Star, und lacht sich dabei fast kaputt.
Das Essen ist wieder einmal fein, und als wir draußen auf der Strandpromenade beim Heimweg dank Titus wieder mittlere Menschenaufläufe provozieren, verziehen wir uns schnell wieder zurück ins Hotel.
 
So langsam reicht es, die Chinesen machen uns manchmal nun doch ein bisschen wahnsinnig. Die Sprachbarriere macht natürlich vieles sehr kompliziert, aber auch die umständliche Art der Chinesen. Außerdem stehen hier im Hotel, das nun seit Sonntag nachmittag fast menschenleer ist, da fast alle Gäste abgereist sind, immer viel zu viele Angestellte unbeschäftigt herum und versuchen auf Biegen und Brechen, beschäftigt zu sein. Das führt dazu, dass mir auf dem Laufband alle paar Minuten von einem in der Ecke herumlungernden jungen Mann ein Handtuch angeboten wird, er möchte außerdem permanent, dass ich mein Handy an das Laufband anschließe und führt mir mit schöner Regelmäßigkeit die Adapter dafür vor. Ich möchte aber doch lieber in Ruhe Sport machen. Norman kriegt stets die Krise, dass bei jeder Frage, die man an der Rezeption stellt, gleich wieder zwei oder drei Kollegen zur Hilfe gerufen werden müssen, ebenso im Restaurant. Die Putzfrau im Schwimmbad schleicht stetig um einen herum, immer darauf lauernd, einem das Handtuch abzunehmen oder gar ihre Dienste im Haare-Föhnen anzubieten. Nur schwimmen, das darf ich nicht, denn hier herrscht eine strenge Badekappenpflicht!
Und als wir nachmittags gemütlich uns als einzige Gäste weit und breit auf den Liegen am Pool draußen in der Sonne sitzen und auf die verrückte Idee kommen, ein Getränk ordern zu wollen, herrscht große Verwirrung, so etwas hat es hier wohl noch nie gegeben, und wir bekommen dann auch nur zögerlich und mit großer Geste zwei Gläschen Rum und eine Dose Cola.
 
Genug gejammert, die Tage hier im Hotel waren traumhaft, und wir haben uns ausschließlich mit so netten Dingen beschäftigt wie am Strand zu sitzen, im Hotelpool zu baden und die Saune zu nutzen, mit Titus täglich das Spielzimmer unsicher zu machen, das fantastische Frühstücksbüffet zu plündern und viel zu lesen. Nun sind wir bestens erholt und gut gerüstet für unsere Rückfahrt morgen ins quirlige Peking, wo wir die letzten 6 Tage unserer Reise verbringen werden!