16.8.16

Von La Fortuna nach Sámara (14.08.2016)

Am Sonntag morgen, nach einem typisch costaricanischen Frühstück mit Reis, Bohnen, Spiegelei und Toast packen wir gemeinsam unsere Koffer. Titus eilt geschäftig zwischen den Rucksäcken hin und her, räumt seine Spielsachen ein, kontrolliert das Verpacken seines Schnuffeltuchs und guckt unter den Betten nach, ob wir auch nichts Vergessen haben. Um kurz vor 10 Uhr geht es los, heute haben wir eine lange Autofahrt vor uns.

Bereits jetzt zeigt das Thermometer fast 30 Grad an, und wir sind froh über die Klimaanlage im Auto. Auf der kurvigen Landstraße fahren wir einmal rund um den Arenal-Vulkan herum, deutlich sind die Spuren der Lavaströme rund um den Kegel zu sehen. Viele Ausflügler sind auf der Straße unterwegs, vor den großen Thermalbädern stehen die Menschen Schlange, denn heute ist Sonntag. Immer wieder galoppiert auch ein waschechter Caballero auf einem Pferd auf der Straße, von einer der vielen Pferderanches kommend. Bald erreichen wir den großen Staudamm am Arenal-See und fahren die folgenden 40 Kilometer immer oberhalb des Sees entlang. Die kurvige Straße bekommt mir überhaupt nicht, doch zumindest Titus ist bestens gelaunt und singt gemeinsam mit Norman ein Kinderlied nach dem anderen.
Wir passiern Nuevo Arenal, ein Aussteigerdorf, in dem es unter anderem eine echte "German bakery" mit "Weizenbier, Sauerkraut und Bratwürstchen" gibt. Gerade, als Norman sagt, hier sehe die Landschaft mit den Viehweiden, Kuhherden darauf, den hübschen, grünen Hügeln und dem See fast so aus wie im Allgäu, erreichen wir "Pequena Helvetia", die kleine Schweiz Costa Ricas. Hier hat ein Schweizer Aussteigerpaar ein paar Häuser im Original Schweizer Bauernhofstil errichtet, mitsamt passender Kapelle dazu, einem Kuhstall mit Milchwirtschaft und Käserei sowie einer kleinen Bimmelbahn, die zum dazugehörigen Restaurant hinauffährt. Wir machen eine kleine Pause und bestaunen den Gasthof, in dem von den Gardinen bis zur karierten Tischdecke und den Holzschnitzereien und Inschriften alles wirklich sehr alpin wirkt.

Unsere Fahrt geht weiter, das Thermometer klettert nun auf 35 Grad und die Klimaanlage schafft es kaum noch, das Innere des Wagens zu kühlen. In Canas, etwa auf der Hälfte der Strecken, machen wir einen kurzen Stopp an einem Supermarkt, holen Bananen, ich trinke einen Milchkaffee und Norman steht mit Titus vor der Kühltheke herum, um sich abzukühlen. Die beiden bestaunen die vielen Torten, die dort zum Verkauf stehen - offenbar ist heute in Costa Rica "Dia del Mama", also Muttertag, alles ist mit Luftballons und Girlanden dekoriert, in allen Geschäften gibt es aus diesem Anlass extra Sonderrabatte und eben auch Torten gehören wohl dazu. Mir ist es zu heiß, wir fahren lieber schnell weiter.
Dieser Teil der Strecke führt über die Interamericana, die Straße ist damit nicht mehr ganz so kurvig, sondern fast schon eine Schnellstraße, immerhin 80 km/h sind erlaubt. An der Tankstelle, an der wir bald den nächsten Stopp einlegen, stehen schon die Tankwarte bereit, und Titus kann gar nicht glauben, dass hier andere Männer "sein" Auto betanken dürfen!
Bald folgt eine große Brücke über den Golf von Nicoya, nun haben wir einen Großteil der Strecke geschafft. Inzwischen sind wir bereits mehr als drei Stunden unterwegs und so langsam naht die Mittagessenszeit. Irgendwie verpassen wir aber den richtigen Moment dafür, und für die nächsten 50 km folgt leider kein einziges ansprechendes Restaurant, nur kleine Buden, sogenannte "Sodas", die aber nicht sonderlich appetitanregend aussehen. Wir setzen auf die nächste großen Stadt, Nicoya, doch die Landstraße führt am Ort vorbei und wieder folgen 50 km - die letzten bis zum Zielort. Also gut, mit viel Quatschmachen, Geschichten erzählen und noch ein paar letzten Butterkeksen halten wir Titus bei Laune und fahren um kurz nach 15 Uhr, nach fast 5 Stunden Fahrt und 250 Kilometern endlich in Sámara ein.
Wir halten direkt am Strand, setzen uns ins erstbeste Strandcafé und ordern ein spätes Mittagessen und kalte Getränke. Ein bisschen kühler ist es hier, nur noch um die 27 Grad, hinter uns über den Bergen türmen sich schon wieder die dunklen Gewitterwolken auf. Das stört aber keinen, am Sandstrand ist unheimlich viel Betrieb. Titus verputzt eine große Portion Reis mit Gemüse und schaukelt dann selig in einer Hängematte.

Wir sind froh, dass unsere Unterkunft nur noch eine kurze Fahrt von hier entfernt ist, und freuen uns darauf, heute vielleicht sogar noch ein Bad im Meer nehmen zu können. Damit wir den Weg in das ein wenig abseits von Sámara gelegene Hotel "Paraiso de Cocodrillo" auch finden, haben wir extra die Anfahrtsbeschreibung abgespeichert und fahren brav über eine Schotterpiste nordwärts der Küste entlang. Immer kleiner und rumpeliger werden die Wege, auf die wir abbiegen, und bald stehen wir wie in der Beschreibung angegeben vor einem "kleinen" Fluss, den es zu durchqueren gilt. Leider hat dieser nun in der Regenzeit eine ziemliche Fließgeschwindigkeit und Tiefe, doch Norman vertraut auf den Vierradantrieb und fährt beherzt durch. Doch dahinter tut sich eine viel größere Schwierigkeit auf: der schmale Weg ist so zerfahren, von tiefen Wasserlöchern übersät und matschig, dass wir alle paar Meter anhalten müssen und Norman erst einmal abwägen muss, ob wir überhaupt durchkommen. Ganz knapp passen wir zwischen Bäumen durch, und schon nach ein paar 100 Metern kommen wir nicht weiter, vor uns liegt ein tiefes Wasserloch, das unmöglich zu durchfahren ist. Ein einheimischer Spaziergänger, der zufällig des Weges kommt, ist irritiert, dass wir uns überhaupt getraut haben, durch den Fluss zu Beginn zu fahren, und rät uns dringend, wieder umzudrehen. Auf Spanisch erklärt er uns mit Händen und Füßen eine alternative Route zu unserer Unterkunft, wir versuchen ergebnislos, jemanden dort telefonisch zu erreichen, und so drehen wir mit viel Mühe um, kommen dabei fast nicht aus dem Matschloch hinaus und rumpeln zurück zum Fluss. Norman ist schweißgebadet, und Titus juchzt auf dem Rücksitz wegen der Hoppelei im Auto. Augen zu und nochmal durch den Fluss, zurück nach Sámara und auf der Landstraße bis zu einem Abzweig. Mindestens 30 km geht es auf dieser Straße, bis wir ein Hinweisschild unserer Unterkunft entdecken. Titus ist eingeschlafen, inzwischen ist es schon nach 17 Uhr und so langsam reicht's mit der Fahrerei. Die Straße wird immer schlechter, ist von Schlaglöchern durchsetzt und irgendwann auch nicht mehr geteert, tiefer geht's in den Wald hinein und matschig ist es auch wieder. Nach 20 Minuten stehen wir wieder an einem Fluß, und diesmal ist der eindeutig zu tief, um heil durchzukommen.
Wir sind mit unserem Latein am Ende, unsere Straßenkarte ist viel zu ungenau und eine bessere Wegbeschreibung haben wir nicht. Wir versuchen nochmal telefonisch unser Glück im Hotel, und diesmal geht sogar der deutsche Besitzer Rainer selbst ans Telefon und erklärt uns den Weg. Wir sind offenbar ein Stückchen zu weit gefahren, und siehe da: gut versteckt, mitten in einem Waldstück, liegt das Hotel! Titus wacht auf, und ist wohl auch froh, dass die Fahrt für heute vorbei ist. Besitzer Rainer, so eine Art Alt-Hippie, heißt uns willkommen und erklärt sogleich, dass es einen ganz einfachen und kurzen Weg von Sámara aus gibt, den wir aber ja offenbar nicht gefunden hätten...
Zur Entschädigung für die anstrengende Fahrt bekommen wir ein großes Apartment, außer uns sind aber wohl eh keine anderen Gäste da, und wir machen einen Rundgang über das Gelände. Außer dem Pool gibt es noch ein Gehege mit Schafen und Hühnern, und man hört das Meer rauschen. Schon ist es dunkel, und überall auf der Wiese glimmen Glühwürmchen auf, während ich noch eine Runde mit dem Seil springe.

Wir sind alle sehr erledigt, und so geht es nach leckerem Abendessen (Tortillas mit Guacamole bzw. Spaghetti - Titus isst wieder einmal mehr als eine halbe Erwachsenenportion, und für Norman, der sich mit ihm die Pasta teilen wollte, bleibt nicht allzu viel übrig) und einem kalten Bier für alle ins Bett.

14.8.16

La Fortuna - Fotos

La Fortuna / Arenal-Vulkan (12./13.08.2016)

Schon geht unser zweiter Tag am Fuß des Arenal-Vulkans zu Ende. Ich sitze in der schwülen Augusthitze auf der Terrasse unseres kleinen Bungalows, während Blitze fast im Minutentakt den Nachthimmel erleuchten, der Regen von den Blättern der Palmen tropft und die Grillen ohrenbetäubend laut zirpen. Zeit, die letzten beiden Tage Revue passieren zu lassen!

Gestern wurde ich wie immer von Titus geweckt, der aus dem Fenster spähte, und sich dann sein Lieblingslied "Guten Morgen, Sonnenschein" wünschte. Vollkommen zurecht, denn die dicken Wolken waren verschwunden und uns begrüßte strahlender Sonnenschein und blauer Himmel. Wir packen schnell zusammen, beluden unser Auto und fuhren bereits um kurz vor 9 Uhr los. Die etwa 80 km lange Fahrt von Puerto Viejo de Sarapiquì bis nach Fortuna gefiel uns allen sehr gut, dank des schönen Wetters konnten wir ungestört den Anblick der Bergketten und vor allem des perfekt kegelförmigen Vulkans Arenal genießen. Die Straße wand sich kurvig hinauf und hinab, entlang an Kokosnussfeldern und Bananenplantagen,  aus dem Radio dudelten mittelamerikanische Rhythmen und Titus sang und plauderte fröhlich vor sich hin. Nach gut anderthalb Stunden Fahrt machten wir eine kurze Pause auf einem Supermarktparkplatz, denn nur dort gab es Schatten, die Temperaturen lagen inzwischen so hoch, dass sich das Auto in minutenschnelle aufheizte, sobald die Klimaanlage ausgeschaltet war. Weiter ging die Fahrt mitten hinein ins sehr touristische La Fortuna, und nach einigen Irrfahrten gelangten wir endlich zu unserer etwas außerhalb gelegenen Unterkunft, die Villas Eco Arenal.

Gleich beim Aussteigen stolperte ich fast über eine fast handtellergroße Grille oder Heuschrecke, von denen wir dann zig weitere auf dem Rasen und in den Pflanzen entdeckten, und die man zu Titus' großer Begeisterung mit einem leichten Stups dazu bringen konnte, einen großen Sprung zu machen! Unser Zimmer war noch nicht bezugsfertig, und so stiegen wir gleich wieder ins Auto und fuhren ein paar Kilometer weiter zum Vulkan Arenal-Nationalpark und wanderten dort knapp 600 Stufen abwärts zum großen Wasserfall. Titus stapfte tapfer ein ganzes Stück alleine bergab, war aber dann doch froh, sich in die Kraxe auf Normans Rücken setzen zu können. Am Wasserfall und dem dazugehörigen Fluss gibt es zahlreiche Badestellen, und da das Wetter nach wie vor hochsommerlich war, tummelten sich hier wahre Menschenmassen. Trotzdem fanden wir am Ufer eine einigermaßen ruhige Stelle, breiteten unsere Decke aus und verbrachten zwei sehr gemütliche Stunden in dieser wunderschönen Umgebung mitten im Regenwald. Die 600 Stufen mussten dann allerdings wieder emporgestiegen werden, da kamen wir ganz schön ins Schwitzen!

Beim Beziehen unseres Bungalows mussten wir diesen leider sofort wieder fluchtartig verlassen, denn dieser hatte sich tagsüber so aufgeheizt, dass wir drinnen Saunatemperaturen hatten. Also setzten wir uns alle zusammen auf die Terrasse, Titus spielte mit seinen Duplosteinen und war zufrieden, wenn man hin und wieder seine Bauwerke bewunderte.
Inzwischen war ein heftiges Gewitter aufgezogen, es donnerte so laut, dass der kleine Mann schreckliche Angst bekam, und da sein Mittagsschlaf leider ausgefallen war, war er sowieso empfindsamer als sonst und voller Besorgnis. Also brachen wir recht früh zum Abendessen auf, doch bereits die fünf Minuten lange Autofahrt reichte aus, um das Kind in Tiefschlaf zu versetzen. Zwar bekamen wir ihn für den Besuch in der Pizzeria kaum wieder wach, doch nachdem er eine dreiviertel Pizza verspeist hatte, rannte er schon wieder kreuz und quer durch das Lokal und brauchte dann ewig zum Einschlafen...

Sehr gut gelaunt startete die Familie heute dann in den Tag. Beim Frühstück schwirrten Kolibris in den Blüten der Hibiskussträucher herum und auch von den Heuschrecken entdeckten wir wieder zahlreiche Exemplare. Wir packten den Kofferraum, statteten dem Supermarkt noch einen kurzen Besuch ab und fuhren los Richtung Vulkan. Nach etwa 15 km mussten wir Landstraße verlassen und weiter gings über eine Schotterpiste voller Schlaglöcher - "Das ist eine Rumpelstraße", tönte es vom Rücksitz! Endlich erreichten wir den großen Parkplatz der Gondel, dort erstand Norman "für den Preis eines halben Jahresgehalts" (Zitat Ende) Tickets für eine Gondelfahrt und fuhren in luftiger Höhe hinauf. Titus freute sich unbändig und schrie bereits beim Aussteigen oben, dass er "nochmal!" fahren wolle. Zunächst genossen wir aber den tollen Bllick auf den Arenal-See und den Vulkan, der sich (fast) wolkenfrei zeigte, so dass wir den Krater und den daraus aufsteigenden Rauch sehen konnten. Die anderen Fahrgäste der Gondel waren bereits ausgestattet mit Gurten und Seilen und düsten kurz darauf an Seilrutschen zwischen den Baumwipfeln hinab. Wir wählten die kinderfreundlichere Variante und wanderten durch den Regenwald auf einem steilen Pfad bergab. Anfangs drehte Titus noch jedes Blatt um und zupfte an jedem Ast, doch bald entdeckte er seine Wanderfreude wieder und marschierte ohne Murren mehr als 2 Stunden lang den Berg hinunter, freute sich über jeden Wegweiser ("Da ist ein Pfeil, da müssen wir lang!"), die vielen Schmetterlinge, die Hängebrücken und die über uns hinwegschwirrenden Leute an den Seilrutschen.
Ich bin immer noch beeindruckt darüber, wie viel der kleine Mann heute gelaufen ist, Respekt!

Unten am Parkplatz machten wir ein Picknick und Titus verspeiste sehr begeistert unser nicht sehr lukullisches Mittagsmahl: labberiges Vollkorntoastbrot (natürlich ungetoastet) mit Scheiblettenkäse und immerhin Scheiben von frischer Gurke dazu.
Bei der kurzen Fahrt hin zum Vulkan-Observationszentrum schlief der kleine Wandersmann aber bereits nach wenigen Minuten ein, so dass wir dort angekommen erst einmal eine Pause im Restaurant einlegten, Titus auf einem Sofa ablegten und knapp zwei Stündchen mit perfektem Blick auf Vulkankegel und See eine Lesepause einlegten.
Verschwitzt und sehr glücklich schlug Titus dann die Augen auf, kletterte vom Sofa herunter und marschierte sofort wieder los, bereit zum nächsten Spaziergang. Diesmal allerdings nicht ganz so lang, es ging über eine kleine Hängebrücke hinüber zu einem Mini-Museum über den Vulkan-Nationalpark und einen Rundweg durch den Dschungel. Norman entdeckte einige Tukane in den Bäumen, ich fand ein paar Frösche auf dem Weg und Titus, der schon wieder weitgehend alleine und ohne Hilfe die steilsten Stufen hinauf- und hinunterstieg, titulierte die Urwaldriesen als "Brokkolibäume" wegen ihrer dichten Blätter.

Noch eine Banane als Stärkung, und da die Wolken bereits heranzogen, traten wir die Rückfahrt nach La Fortuna an. Auf der "Rumpelstraße" lief uns mal eben ein Weißrüsselnasenbär (was für ein Name!) über den Weg und Norman fuhr fast (?) über eine Schlange. Auf der Landstraße angekommen, herrschte dort dichter Verkehr, am Straßenrand parkten die Autos Stoßstange an Stoßstange, denn auf dieser Strecke sind überall heiße Thermalquellen zu finden. Einige sind nur durch schicke, teure Thermalbäder zu betreten, andere sind aber offenbar frei zugänglich und so liefen überall Menschen in Badebekleidung am Straßenrand herum.

Doch bald passierten wir mehrere parkende Autos, deren Insassen vollständig bekleidet am Straßenrand standen und in die Bäume starrten. Norman fuhr sofort rechts ran, schnappte sich die Kamera und stieg aus - und richtig, ganz oben im Baumwipfel saß offenbar ein Faultier. Da es kaum zu erkennen war, fuhren wir bald weiter, doch schon nach wenigen Minuten bot sich das gleich Szenario noch einmal, und diesmal hatten wir einen ungestörten Blick auf ein sich an einem Ast entlanghangelndes Faultier, das sich sehr fotogen bald nach links, bald nach rechts drehte.
Ganz selig fuhren wir weiter, ein Faultier hatten wir entdeckt, einfach so, am Wegrand! Herrlich! Doch damit nicht genug: kaum hatten wir zurück an unserem Bungalow unsere Schuhe ausgezogen, hörten wir schon wieder Brüllaffen schreien, und diesmal turnte eine ganze Horde davon gleich hinter unserem Häuschen in den Bäumen herum! Laut brüllend natürlich. Die mussten ausgiebig bestaunt werden, und nach einer schnellen Dusche war es schon Zeit fürs Abendessen. Auf dem Weg dorthin tummelten sich zahlreiche Frösche oder Kröten auf der Straße, die wohl die nahende Feuchtigkeit erahnten, schließlich blitzte und donnerte es bereits wieder. Wir schafften es noch trocken bis zum Mexikaner, bevor ein tropischer Regenguss hinunterprasselte. Titus verputzte selbstvergessen eine Riesenportion Pommes - so ein Wandertag macht hungrig!

Nun liegt der kleine Mann im Bett, Norman hat sich gerade eine Dose kaltes Imperial-Bier geöffnet und ich freue mich, dass es hier keine so lästigen Stechmücken wie noch vorgestern in Sarapiquì gibt, sondern hier höchstens mal ein handtellergroßer fliegender Käfer gegen die Wand rumst...

12.8.16

Sarapiquì - Fotos

Sarapiquì (11.08.2016)

Nach der ungefähr vierten Tasse Kaffee scheint der Regen ein wenig nachzulassen, und da wir mit unserem kleinen Wirbelwind sowieso dringend was unternehmen müssen, steigen wir ins Auto und fahren ins Tirimbina-Naturreservat,  4 km entfernt von unserer Unterkunft.
Der Eintritt ist wie alles hier ziemlich teuer, aber nun sind wir schon einmal hier... Titus marschiert fröhlich in seinen Gummistiefeln vorneweg, wir hinterher, und die Regenpause scheint anzuhalten. Mitten durch das Reservat führen Wanderwege und große Hängebrücken durch den Urwald ("Uhrenwald"), und bereits an der ersten Weggabelung läuft uns ein kleines Wasserschwein über den Weg. Immer tiefer hinein ins Dickicht führt uns der Pfad, über schmale Stege, und die meterhohen Urwaldriesen lassen kaum Licht hinein. Zwar regnet es nicht mehr, doch tropft es unaufhörlich von den Bäumen, ständig fallen tote Blätter herunter oder brechen morsche Äste ab. Wir entdecken einen Tukan in den Baumwipfeln, sehen einen daumennagelgroßen roten Frosch, der wohl giftig ist, sowie unzählige metergroße Spinnennetze, dicke Raupen und einen Blütennektar trinkenden Kolibri. Bald schallt uns lautes Geschrei von den Baumwipfeln entgegen, der Ranger am Eingang wird uns später bestätigen, dass dieses von den Brüllaffen kommt. Da ist der Name eindeutig Programm! Dasselbe Geräusch hat uns bereits heute morgen geweckt, doch haben wir die urtümlichen Laute fälschlicherweise für Baulärm gehalten...

Wir sind erstaunt, wie lange Titus mit uns durch den Regenwald wandert, gut eine Stunde lang klettert er bergauf und bergab, doch irgendwann verlassen ihn die Kräfte und für die letzten paar Minuten darf er in die Kraxe sitzen. Vor uns liegt noch einmal eine mindestens 50 m lange Hängebrücke, die beim Überqueren ordentlich schwankt. Als wir gerade in der Mitte hoch über dem Fluss sind, entdeckt Norman in den übers Wasser ragenden Baumästen riesige Echsen, die viele Meter über den Boden am äußerstens Astende sitzen und die Sonne genießen, die zwischenzeitlich hervorgekommen ist. Wie diese recht träge wirkenden Tiere dorthin gekommen sind, ist uns ein Rätsel.

Am Eingang melden wir uns wie versprochen wieder beim Ranger ab und steigen ins Auto; in unserer Lodge hat man uns ein Lokal fürs Mittagessen empfohlen, und Titus verlangt dringend nach einer Mahlzeit. Das kleine Gasthaus direkt an der Straße sieht von außen gar nicht so einladend aus, doch das Essen ist sehr lecker, es gibt ein typisch costaricanisches Lunch mit viel Bohnen, Reis, eingelegten und gebackenen Bananen, und wir kriegen es sogar hin, für Titus und ich eine vegetarische Variante zu bestellen.

Am Nachmittag steht dann unser zweiter Programmpunkt an diesem Tag an, wir besichtigen die auf dem Gelände unseres Hotels gelegene Ameisenfarm. Stolz zeigt uns der Ameisenforscher, der diese Station angelegt hat, seine beiden großen Kolonien von Blattschneideameisen, die über z.T. 90 m lange Wege die klein geschnittenen Blätter der Kakao-, Papaya- und Mangobäume in ihren Bau transportieren. Titus ist anfangs nur mäßig begeistert, zu nervig sind die dauernd um uns herum schwirrenden und uns angreifenden Stechmücken, doch nach einer Weile interessiert es ihn doch, wie die winzigen Ameisen in meterlanger Schlange ihre Beute transportieren, und wir dürfen dann sogar noch die Ameisenkönigin sehen ("Das ist die Mama von den Ameisen!").
Ganz nebenbei macht uns der Naturkundler noch auf den Vogel aufmerksam, der direkt vor der Tür unserer Hütte brütet, außerdem sehen wir einige von den Rotaugenlaubfröschen und eine dicke fette Kröte. Und alles im Umkreis von wenigen Metern rund um unser Zimmer!

Nun ist das Abendessen vorbei, und ich liege wieder einmal in der Hängematte draußen und höre dem lauten Zirpen der Grillen zu. Heute ist es deutlich kühler draußen, der Regen hat die Luft abgekühlt, und immerhin ist es seit heute vormittag trocken geblieben. Auch wenn so ein tropischer Regenguss auch ein besonderes Erlebnis ist!

11.8.16

Sarapiquí (10./11.08.2016)

Wieder sitze ich im Regenwald, während um mich herum der Regen niederprasselt. Inzwischen sind wir bereits in unserer nächsten Unterkunft, der netten Anlage "La Quinta de Sarapiquí", nördlich von San José am Rio Sarapiquì gelegen.

Gestern waren wir den ganzen Tag über noch begeistert von unserem Schildkröten-Erlebnis, und auch Titus hat immer wieder davon erzählt, die die riesige Schildkröte mit ihren Hinterbeinen den Sand über ihre Eier geschaufelt hat, bevor sie zurück ins Meer gekrochen ist.
Um 9 Uhr morgens verabschiedeten wir uns aus der Mawamba Lodge, mit immer noch nassen und klammen Klamotten im Rucksack, und fuhren mit dem Boot zurück nach La Pavona. Die einstündige Bootsfahrt verging wie im Flug, zwar schüttete es zwischendrin mal ordentlich, doch diesmal hatten wir ein Dach über dem Kopf, und der Regen hörte ebenso schnell wieder auf. In den großen Bäumen am Ufer entdecken wir Kapuzineräffchen, die darin herumtollten, und eines hatte sogar dabei eine Kokosnuss in der Hand, woraufhin Titus sogleich "Die Affen rasen durch den Wald..." anstimmte.

In La Pavona herrschte Chaos, zig Reisegruppen bestiegen Boote bzw. kamen zurück aus dem Nationalpark und zerrten ihre teils schrankgroßen Koffer über den matschigen Uferweg. Ich bin immer wieder erstaunt, wieviel Gepäck manche Menschen dabeihaben! Titus ist eine große Hilfe beim Gepäckverladen, er hilft mit großem Ernst, seinen Trolley zu ziehen und trägt selbstverständlich seinen kleinen Rucksack selbst.
Leider müssen wir fast 1 Stunde auf unseren Bus warten, das schwül-heiße Klima macht alle schläfrig, nur Titus singt und tanzt ununterbrochen, während ihm die Schweißtropfen über die Stirn laufen.
Der klimatisierte Bus ist dann eine Wohltat, wir fahren gut 90 Minuten lang zurück nach Guapiles und bestaunen dabei wieder die großen Bananen-Plantagen. "Mama, schau, da sind wieder Bananen in den blauen Tüten" - richtig, die Bananenstauden werden zum Schutz vor Hitze und Insekten in große blaue Planen eingeschlagen, und mitten durch die Plantagen führen vorsintflutlich anmutenden, verrostete Förderanlagen, an deren Haken diese "Tüten" dann gehängt und abtransportiert werden: "Bananen-Gondeln", wie Titus sagt.

Mir wird die Fahrt ein bisschen lang, die Strecke kennen wir ja bereits von der Hinfahrt, doch zum Glück unterhält sich Titus wenigstens bestens und kommentiert alles, was er draußen entdeckt: Pferde, Kühe, Hühner, Bananen, Kokospalmen, Lastwägen, "Büsse",...
Endlich erreichen wir das Restaurant Rio Danta, dort dürfen wir unseren Mietwagen in Empfang nehmen. Einer der Angestellten präsentiert uns noch stolz ein Baby-Gürteltier, das sich aus dem nahen Regenwald verlaufen hat, und nach einer Kaffeepause mit "Kinder-Cappuccino" besteigen wir unser neues Gefährt, einen Suzuki Vitara 4WD.

Titus nimmt auf dem Rücksitz in seinem Kindersitz Platz und ist fast sofort eingeschlafen, während Norman sich noch mit dem Auto vertraut macht und ich versuche, anhand der schlechten Straßenkarte unsere Route ausfindig zu machen. Die knapp 60 km Fahrt nach Puerto Viejo de Sarapiquí geht schnell, es ist kaum Verkehr, und einzig auf die Hühner am Straßenrand und die Schulbusse müssen wir ein bisschen achten. In Puerto Viejo gehe ich in den kleinen Supermarkt, um uns mit Windeln, Getränken und ein paar Snacks zu versorgen. In der Obsttheke liegen bestimmt zehn verschiedene Sorten Bananen, alle ein klein wenig unterschiedlich aussehend und auch mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet, von 45 bis 90 Colones das Stück, doch da ich mich nicht auskenne, nehme ich mir einfach die günstigsten, die hier einzeln verkauft werden, und bin dann beeindruckt, dass die Kassiererin zweifelsfrei erkennt, um welche Sorte und Preisklasse es sich dabei handelt.

Bald erreichen wir La Quinta de Sarapiquí und beziehen unsere hübsche kleine Hütte am Rand der großen Anlage, die wieder mitten im Regenwald liegt. Bislang ist es trocken, und wir nutzen das, um in den kleinen Pool zu springen - auch wenn Titus viel Überredung braucht, bis er sich in die das ein wenig kühle Wasser traut. Lange können wir aber nicht drin bleiben, denn wir werden von fast den vielen Stechmücken aufgefressen. Also Nobite aufgesprüht und los zu einer Erkundungstour durch das Gelände. Es gibt neben verschiedenen Pools und Badestellen am Flußufer ein großes Schmetterlingshaus, einen Kräutergarten und einen Teich, in dem Kaimane leben. Diese verstecken sich aber äußerst erfolgreich vor uns.
In den großen Bäumen raschelt es unentwegt, Vögel kreischen und Insekten summen. Wir setzen uns auf die große Terrasse, Norman und ich trinken ein kaltes Imperial-Bier, während Titus sich mit der Kiste voller Bauklötze spielt, die hier herumsteht. Es ist angenehm warm draußen, obwohl es bereits stockdunkel ist.
Beim Abendessen verkaufen wir Titus die gebackenen und frittierten Bananen als "Pommes", und er vertilgt davon und von der Maissuppe eine Riesenportion.

Norman bringt Titus dann ins Bett, während ich es mir zum Lesen in der Hängematte vor unserer Hütte gemütlich mache. Eigentlich wollen wir noch eine Runde Karten spielen, wenn der junge Mann schläft, doch die Wärme, Dunkelheit, die Geräusche des Regenwalds und das Schaukeln der Hängematte lullen mich dermaßen ein, dass ich um 21 Uhr ins Bett gehe.
Um Mitternacht werde ich von einem lauten "Rumms" geweckt - Titus ist aus dem Bett gefallen, der unruhige Schläfer hat es geschafft, sich bis zum Fußende vorzuarbeiten. Zum Glück ist nichts passiert, und nachdem wir ihn beruhigt haben, schlafen wir bis halb sieben weiter.

Wach werde ich davon, dass Titus neben mir im Bett sitzt und den Vorhang zur Seite schiebt, um aus dem Fenster zu gucken. Er strahlt mich an, anscheinend ist er ausgeschlafen und wieder mal voller Tatendrang. Irgendwie beschäftigen wir ihn noch eine Stunde, bis es Frühstück gibt. Inzwischen regnet es wieder laut prasselnd, doch wir gelangen trockenen Fußes durch die überdachten Wege zum Frühstücksbuffet. Wieder gibt es viel frisches Obst, und Titus freut sich über Mango und Pancakes mit Ahornsirup. Überhaupt klappt es wunderbar, mit ihm gemeinsam am Buffet sein Essen auszusuchen, er findet eigentlich immer etwas, das ihm schmeckt.

Da es immer noch regnet, verschieben wir unsere Ausflugspläne erst einmal, denn wir haben keine Lust, beim anvisierten Spaziergang durch den Tirimbina-Nationalpark wieder so nass zu werden wir vor zwei Tagen. Also schenke ich mir noch einmal eine Tasse Filterkaffee (bäh!) ein und setze mich zum Schreiben in die Lobby...

9.8.16

Tortuguero-Nationalpark (09.08.2016)

Um kurz nach 23 Uhr bekommen wir einen Eindruck, was "Regenzeit" in Costa Rica bedeutet: der Himmel öffnet seine Schleusen, und für den Rest der Nacht fallen sintflugartige Niederschläge vom Himmel, es donnert und blitzt und der prasselnde Regen ist so laut, dass ich nach meinen Oropax suche. Morgens ist vor unserer Terrasse ein großer See entstanden, und Titus sorgt sich um die Echsen ("Die verstecken sich vielleicht unter Blättern?"). Unser Guide sagte gestern bereits, dass es zu dieser Jahreszeit 22 von 24 h regnet, wir hatten gestern also schlichtweg einen der wenigen trockenen Tage erwischt.

Nichts desto trotz müssen wir irgendwann raus, nachdem ich beim Duschen noch einen Gecko an der Wand erschreckt habe. Also Gummistiefel an, Regenschirme in die Hand, und so eilen wir durch die Wassermassen Richtung Restaurant. Hier ist alles von einem Feuchtigkeitsfilm überzogen, der Boden ist rutschig und der Pool schwappt bereits über. Niemand stört sich daran, denn es hat trotzdem gut 25 Grad und alle patschen in Flipflops durch die großen Pfützen.
Wir frühstücken in Ruhe, Titus entdeckt seine Liebe zu Babybananen und French Toast mit Ahornsirup und tobt danach glücklich durch den Speisesaal, singend und "Hola!" rufend.

Um 9:30 Uhr sind wir abmarschbereit, eine geführte Tour durch den hoteleigenen Park steht an. Gleich hinter unserer Hütte treten wir ein in einen dichtbewachsenen Urwald (Titus: "Wohnen hier Uhren? Wo sind die Uhren?"), es tropft stetig, immer wieder fallen kurze Schauer. Wir sehen einen Rotaugenlaubfrosch, es gibt kleine Gewächshäuser voller Schmetterlinge und Frösche (und voller Stechmücken) und es ist trotz des Regens ziemlich warm.
Nachdem wir nochmal die großen Leguane, die Papageien und die unter unserem Vordach hängenden Fledermäuse bewundert haben, packen wir was zu trinken ein und gehen wieder aufs Boot, um eine Rundfahrt durch die Kanäle des Nationalparks zu machen.

Leider stellen wir erst beim Betreten des Bootes fest, dass dieses nicht überdacht ist, und es ist zu spät, um noch die Regenjacken zu holen - also hoffen wir das beste, momentan ist es auch tatsächlich trocken. Die Fahrt geht los, Titus juchzt vor Freude, und wir erspähen im dichtbewachsenen Flussufer verschiedene Echsenarten, zwei große Tukane und verschiedene Schlangenhalsvögel, die ihr Gefieder mit weit ausgespannten Flügeln trocken lassen.
Wir sind noch nicht weit gekommen, da bricht wieder ein tropischer Regenguss über uns aus, innerhalb von Sekunden sieht man keine 10 m weit, es prasselt ohne Unterlass auf uns nieder. Titus packen wir in die Regenjacke, doch auch darunter wird es bald nass, und im Boot steht das Wasser schnell knöcheltief. So harren wir etwa 20 Minuten aus, während unser Guide tapfer weiterfährt und -späht, obwohl nun wirklich nichts mehr zu sehen ist. Irgendwann sind alle bis auf die Unterhose nass und wir beschließen gemeinschaftlich, dass es nun reicht.
Titus harrt stoisch und patschnass aus, gibt keinen Mucks von sich und lächelt nur jedes Mal freudig, wenn ich unter seine Kapuze luge.

Durch den Fahrtwind kühlen wir nun doch ein wenig aus, und so eilen wir zurück in der Lodge triefend schnell unter die heiße Dusche. Da es immer noch schüttet, besteht keine Chance, dass unsere nassen Klamotten trocken, wir hängen sie trotzdem mal auf, doch ich laufe nach 4 Stunden immer noch mit nassen Haaren herum und die Buchseiten werden klamm.
Alle Nachmittagsaktivitäten fallen aus, also halten wir gemeinschaftlich ein langes Mittagsschläfchen, spielen, toben, liegen in der Hängematte und organisieren unsere weitere Reise.

Nach dem Abendessen ziehen wir uns dunkle Kleidung an und packen die Regenjacken (!) in die Kraxe. Gegen 18 Uhr hat es zwar aufgehört zu regnen, doch man weiß ja nie. Pünktlich um 19:30 Uhr stehen wir am Bootssteg, denn heute abend dürfen wir auf eine Schildkrötentour. Dafür muss man sich beim Nationalpark anmelden, es gibt zwei Touren pro Tag, eine um 20 Uhr und eine um 22 Uhr - welche man bekommt, wird willkürlich entschieden. Wir haben also Glück, dass wir die frühe Tour machen dürfen, und bläuen Titus ein, dass er in den nächsten 2 Stunden möglichst leise sein muss...

Mit dem Boot geht es Richtung Strand, dort werden wir vom Ranger auf die Regeln eingestimmt, die bei der Schildkrötentour gelten. Die Suppenschildkröten kommen jede Nacht im Sommer an den Strand, um dort ihre Eier abzulegen, und kriechen danach ins Meer zurück. Nichts und niemand darf diesen Vorgang stören, da die Schildkröten sonst unverrichteter Dinge wieder verschwinden, sobald sie Gefahr wittern. Uns wurde gesagt, dass es keine Garantie gibt, dass man überhaupt Schildkröten sichtet, aber bereits kurz nach dem Betreten des Sandes sehen wir eine 1,50 m große Schildkröte auf ihrem mühsamen Weg zurück ins Meer. Wir sind begeistert, Titus in der Kraxe freut sich unbändig, doch bereits nach kurzem Fußmarsch werden wir angehalten zu warten. Der Mond scheint hell, die Sterne funkeln, und es blitzt zwar regelmäßig, doch scheint es trocken zu bleiben. Das Meer rauscht wild, und immer wieder erkennen wir Schildkröten, die sich aus den Fluten hinaus in den Strand kämpfen.
Unser Ranger winkt uns herbei, leuchtet mit seiner roten Taschenlampe auf den Boden und dort sehen wir minutenlang einer großen Schildkröte bei der Eiablage zu. Ei um Ei purzelt in das vorher von ihr ausgegrabene Loch, scheinbar ungerührt von unserer Anwesenheit - und auch Titus ist ruhig und guckt fasziniert zu.

Danach beenden wir die Tour, mehr kann man nicht sehen, und wir hatten offenbar riesiges Glück. Euphorisch ist die Stimmung bei der nächtlichen Bootsfahrt zurück in die Unterkunft, ein echtes Erlebnis! Und dank unseres Mittagsschlafes hat Titus gut ausgehalten und liegt nun müde und von den Schildkröten erzählen um 22 Uhr im Bett...

Tortuguero-Nationalpark (08.08.2016)

Was für eine Nacht - Titus fiebert, und schläft zwar tief und fest, doch träumt er sehr intensiv, ruft mitten in der Nacht “Wo sind unsere Koffer?” und “Ich muss ins Flugzeug!”, und außerdem braucht er Dauer-Körperkontakt und glüht dabei.
Gleich morgens nach dem Aufstehen um halb sechs übergibt er sich dann noch ins Bett, der Tag fängt ja super an. Ich bin besorgt, denn um halb 7 soll es losgehen zu unserem nächsten Aufenthaltsort.
Zu unserer Erleichterung kriegen wir das Kofferpacken und Auschecken gut hin, und Titus lässt sich dazu überreden, eine Scheibe Toast zu essen und ein bisschen was zu trinken. So langsam kriegt er Farbe ins Gesicht und das Fieber scheint auch weg zu sein. Vielleicht lag’s an der Zeitverschiebung, der Reiseaufregung oder doch dem ungewohnten Leitungswasser?

Unser Guide Chris sammelt uns pünktlich ein und verfrachtet uns in einen Reisebus, in dem schon zig andere Reisende sitzen. Nach längerer Fahrt durch die bereits zu dieser frühen Stunde überaus trubelige Stadt und durch verstopfte Straßen erreichen wir die Stadtgrenze und genießen den ungetrübten Blick auf die umliegenden Bergketten, überragt vom überaus aktiven beiden Vulkan Irazú mit seinen knapp 3.500 m. Kaum sind wir aus der Stadt draußen, wird es sehr, sehr grün, überall wuchert und sprießt es, riesige Büsche und Bäume säumen den Straßenrand, Blumen blühen, wir sehen Unmengen Hibiskus- und Hortensiensträucher. Titus verschläft diesen ersten Streckenabschnitt und schnarcht zur großen Belustigung unseres Busfahrers und unseres Guides lautstark vor sich hin.
Unsere Route führt mitten durch den Nationalpark Braulio Carillo, und die mühsam durch die endlosen grünen Hügel geschaffene Straße scheint jeden Moment von den von links und rechts hereinwuchernden Pflanzen wieder verschluckt zu werden. Es geht steil hinauf, immer wieder schwirren handtellergroße Schmetterlinge über die Straße, doch ebenso häufig sehen wir verrostete Autoskelette am Straßenrand liegen. Die Bergkette trennt die Pazifik- von der Karibikseite, und schnaufend quälen sich große Trucks hinauf und hinunter. Gegen 9 Uhr sind wir auf der Karibikseite wieder unten angekommen, und biegen zu einem mitten im Wald gelegenen Restaurant ab, um dort zu frühstücken.
Uns wird ein typisch costaricanisches Frühstücksbüffet versprochen, und der inzwischen erwachte und überaus hungrige Titus isst mit großer Begeisterung das Nationalgericht: gallo pinto, Reis mit schwarzen Bohnen. Außerdem gibt es natürlich frische Ananas, Guaven, Melonen und Papayas, außerdem gebackene Bananen, Tortillas und den allgegenwärtigen Filterkaffee. Die Amerikaner haben hier deutliche Spuren hinterlassen. Costa Rica exportiert den Großteil des angebauten Kaffees, zurück bleibt nur mindere Qualität…
Weiter geht die Fahrt, wir verlassen die geteerte Straße und holpern mitten durch riesige Bananenplantagen, Fincas mit Pferden und Kühen, und am Straßenrand steht eine Kokospalme neben der anderen. Titus ist inzwischen wieder quietschfidel und kommentiert alles, was er erspäht, singt nebenbei noch das Buslied und scheint wieder vollkommen gesund zu sein. Zum Glück!

120 km von San José entfernt erreichen wir dann endlich den Hafen, an dem wir mitsamt Gepäck auf kleine Barkasse umsteigen, die uns mitten in den Tortuguero-Nationalpark bringt. Beim Aussteigen aus dem gut gekühlten Bus sind wir innerhalb von Sekunden schweißgebadet, das tropische, feucht-heiße Regenwaldklima trifft uns mit voller Wucht. Auf dem Boot, bei voller Fahrt, weht wenigstens ein klein wenig frische Luft um unsere Nasen, doch unter der obligatorischen Schwimmweste ist es trotzdem viel zu warm. Immerhin ist die Landschaft wirklich spektakulär: wir fahren auf einem Flüsschen mitten durch den Regenwald, grün, soweit das Auge reicht, meterhohe Blätter, Farne und Büsche, Lianen hängen von Urwaldriesen bis hinunter auf das Wasser, und zu Titus großer Freude entdecken wir dann sogar Affen in den Bäumen!

Nach einstündiger Bootsfahrt in Richtung Meer erreichen wir die Mawamba Lodge, die für die nächsten zwei Tage unsere Unterkunft sein wird. An Land werden wir mit frischem Guavensaft empfangen und beziehen eine gemütliche Holzhütte mitten auf dem großen Gelände. Auf den Wegen und Grünflächen tummeln sich metergroße Echsen (“Legujane”, wie Titus sagt), und aus den Palmen schreien die Papageien herunter.
Auch beim Mittagessen langt Titus kräftig zu, mir ist es viel zu heiß, alle sind klebrig und so sind wir froh über eine kleine Pause. Norman geht mit Titus in den Pool, ich lege mich in die Hängematte auf unserer Terrasse und kann es kaum fassen, wie wunderschön es hier ist. Titus legt sich irgendwann mit dazu und wir beschließen, dass wir einfach hier bleiben oder dringend eine Hängematte zuhause brauchen.

Doch schon ruft der nächste Programmpunkt. Wir steigen trotz brütender Hitze wieder auf das Boot und fahren ins Dorf Tortuguero, das aus ein paar Hütten mit vielen Cafés, Souvenir-Geschäften und Reiseagenturen besteht. An jeder Ecke gibt es Kokosnüsse, frischgepresste Säfte und Schildkröten-Andenken zu kaufen. Wir bekommen Ausgang und verziehen uns in ein Café, in dem es schattig ist und ein Ventilator versucht, wenigstens einigermaßen erträgliche Temperaturen zu schaffen. Vergebens. Der einzige, der vor Energie strotzt und pausenlos hüpft, singt, tanzt und tobt, ist Titus.

Als die Sonne schon merklich tiefer steht, treten wir den Rückweg an, der uns direkt am Strand entlang führt. Das Baden im Meer ist hier verboten, zu unberechenbar sind die starken Strömungen, und die Wellen sind ganz schön hoch. Doch der Sandstrand ist sensationell, fast schwarzer, ganz feiner Sand färbt unsere Füße, und wir spazieren die 1,5 km zu unserer Lodge zurück. Titus sammelt Muscheln, freut sich über jedes Krebsloch und jeden Stock und wir sehen Unmengen Spuren der Schildkröten, die hier nachts an den Strand kommen, um ihre Eier abzulegen. Nur ins Wasser traut sich das Kind nicht, obwohl das Meer wirklich sehr warm ist.

Die Sonne geht bereits um 18 Uhr unter, wir schaffen es gerade zu Einbruch der Dämmerung zurück und duschen uns den Sand von den Füßen, und schon kommen die Mücken hervor. Wieder ist es zum Abendessen eigentlich viel zu heiß, wieder schaufeltTitus Unmengen von Reis in sich hinein und liegt dann um kurz vor acht todmüde im Bett, während ich es mir nochmal in der Hängematte gemütlich mache und den Geräuschen den Regenwalds lausche.