17.8.16

Strandtag 2 in Sámara (16.08.2016)

Mist, die Sonne gestern war noch viel stärker als gedacht, Norman und ich haben beide einen ordentlichen Sonnenbrand, obwohl zumindest ich mich mit der 30er-Sonnencreme einigermaßen eingecremt hatte. Titus hat zum Glück nur auf dem Handrücken zwei kleine gerötete Stellen, seine UV-Schutzkleidung hat gut funktioniert, ebenso die 50er-Sonnencreme.

Heute morgen gibt es frischgebackene Pancakes mit Früchten für uns alle, Titus muss ab und zu in der Küche vorbeischauen, so ungeduldig ist er, bis die endlich fertig sind. Leider kommen ihm dabei immer mal wieder die beiden großen und sehr, sehr friedlichen Hunde des Besitzers in die Quere, vor denen er eine Heidenangst hat, sobald sie ihm zu nahe kommen.

Während ich ein paar T-Shirts rauswasche, besuchen Norman und Titus die Schafe und Hühner, und bald geht es los an den Strand. Hotelchef Rainer hat uns den Strand südlich von Sámara empfohlen und tatsächlich kommt hier wegen der vielen Palmen fast karibisches Feeling auf. Außer ist mal wieder kaum jemand da, das Meer ist pipiwarm, die Wellen genau richtig hoch, um darin herumzuhüpfen, und "zum Glück" ziehen dicke Wolken auf und verdeckt die Sonne - es hat trotzdem noch gut 29 Grad, das reicht uns völlig!
Stundenlang versuchen wir, Titus dazu zu bewegen, mit uns ins Meer zu kommen, doch nach wie vor wird er panisch, wenn wir uns der Wasserlinie nähern. Selbst auf dem Arm weint er los, will "raus, raus, raus!" - keine Chance! Na gut, also machen wir erstmal ein Picknick mit Käsebrot, Gurke und Keksen, allerdings sind wir jetzt schon allesamt mit dem feinen Sand paniert und das Essen wird dadurch etwas kompliziert.
Die Herren beschäftigen sich wieder mit der Erbauung einer Murmelbahn, ich darf immerhin als Wasserträger fungieren und jage zwischendurch die kleinen Krebse, die sich im Sand eingraben, sobald eine Welle kommt.

Als ich zum Himmel blicke, sehe ich schwarze Regenwolken, also packen wir zusammen, versuchen, uns notdürftig vom Sand zu säubern, und treten den Heimweg an. In Sámara erstehe ich in einer Apotheke noch schnell was gegen unseren Sonnenbrand, und bei der üblichen Flussdurchquerung filme ich diesmal, wie Norman professionell durch die Fluten lenkt.
Vorbei geht es an einer großen schlossartigen Mauer, an deren Eingang ein imposantes Wärterhäuschen und Tor mit modernsten Überwachungsanlangen steht. Wir mutmaßen, dass dieses Anwesen möglicherweise Mel Gibson gehört, der hier in Sámara tatsächlich ein Grundstück besitzt...

Ich bin froh, unter der Dusche endlich den kratzigen, juckenden Sand abzuwaschen - ich hasse Sandstrände und mir ist es ein Rätsel, wie man Tage damit zubringen kann, am Strand herumzuliegen. Viel schöner ist es, im warmen Pool zu schwimmen und herumzutoben. Ich frage verschiedene Unterkünfte an, die auf unserer weiteren Reiseroute liegen, während Titus einen Mittagsschlaf hält, danach gibt es Bananen und Ananas für alle.
Als ich gerade das Geschirr am Waschbecken abspüle, springt mir ein etwa 10-12 cm großer Skorpion auf die Hand. Meinen Schreckensschrei hören auch Norman und Titus unter der Dusche. Ich stülpe einen Kochtopf über das Riesenvieh und überlasse dem Mann das Feld.
Der sammelt todesmutig den Skorpion ein und zeigt ihn den Hotelangestellten - die aber nur herzlich lachen...

Pünktlich um 18 Uhr geht die Sonne unter und die Parkbeleuchtung (= Glühwürmchen) geht an. Wir bekommen ein leckeres Abendessen, und als Titus seine Portion Reis mit Gemüse aufgegessen hat, verlangt er noch die Hälfte meiner Pasta und einen großen Löffel von Normans Reis, den er anschließend mit einem großen Glas frischem Mangosaft hinunterspült.
Immer noch sind wir fast alleine hier im Hotel, es ist herrlich ruhig. Immer wieder spähen große Leguane über die Dachbalken der Restaurants, auf den großen Blätter der Bananenbäume sitzen Eidechsen und die Brüllaffen machen einen unglaublichen Lärm. Paradiesisch!

16.8.16

Strandtag 1 in Sámara (15.08.2016)

Die Nacht ist kurz, bereits um 4 Uhr beginnt der Hahn, durchdringend und im 10-Sekunden-Takt zu krähen, und es ist viel zu warm, um noch zu schlafen. Wir dösen also nur noch, bis Titus um halb 7 seine morgendliche Schmuseattacke startet. Der Hahn schreit immer noch, seltsame Vogellaute sind zu hören, ebenso ein paar Brüllaffen.
Im hellen Tageslicht sheen wir erst, wie schön und gepflegt dieses Hotelgelände ist, überall stehen indianisch angehauchte Statuen herum, denen Titus artig allesamt einen Guten Morgen wünscht. Kolibris schwirren, die Kokosnüsse plumsen herunter, während wir fürchterlichen Kaffee trinken und eine Kleinigkeit frühstücken.

Wir wollen zum Strand, also marschieren wir die 500 m durch den Wald bis zum Meer, und alleine auf dieser Strecke sehen wir handtellergroße Krebse, die sich scheu sofort in ihre Löcher zurückziehen, sobald Titus mit dem Fuß aufstampft, außerdem einen Kaiman, ein katzengroßes Eichhörnchen (?), und überall in den Bäumen raschelt es.
Der Playa Buenavista liegt in einer Bucht und ist über mehrere Kilometer lang, feinster Sandstrand liegt hier, doch kein Schatten weit und breit. Momentan ist der Himmel noch bedeckt, doch verspricht es wieder ein sehr heißer Tag zu werden. Die Wellen sind hier am Pazifik recht wild, das Meer ist aufgewühlt, und nur ein paar wenige Surfer versuchen ihr Glück.

Norman und Titus bauen zwei Stunden lang ganz vertieft eine Murmelbahn, während ich alle paar Minuten ins Meer laufe, das leider kaum Abkühlung bringt. Im Wasser neben mir schaukelt eine ganze Horde brauner Pelikane, und angeblich gibt es hier am Strand auch Schildkrötennester.
Als die beiden Murmelbahn-Bauer fertig sind, sind sie von oben bis unten mit Sand paniert und schweißgebadet, doch Titus lässt sich nicht überzeugen, mit uns ins Meer zu gehen, zu groß ist seine Angst vor den Wellen. Wir waschen ihn notdürftig ab, und da es nun wirklich zu heiß wird, treten wir den Rückweg an. In den hoteleigenen Pool hüpft Titus dann aber mit großer Begeisterung, stundenlang wird darin geplantscht und geschwommen, das Wasser hat Badewannentemperatur und außer ist kein Mensch weit und breit.
Wir machen ein kleines Picknick mit den Resten unserer Einkäufe, und wieder geht es ins Wasser. In den Bäumen über uns klettern Echsen herum, und Norman hofft vergebens, ein Faultier zu erspähen.
Endlich können wir Titus zu einem Mittagsschlaf überreden, wir sind froh über die Pause, haben wir heute doch alle genug Sonne abbekommen.

Am späten Nachmittag wagen wir die Fahrt nach Sámara, auf Anraten Rainers auf einer neuen Route. Die Durchquerung des etwa 10 m breiten Flüsschens klappt bestens, und so stehen wir nach 25minütiger Fahrt mit völlig verdrecktem Auto im Städtchen vor der einzigen Tauchschule - die leider geschlossen hat. Offenbar nimmt man hier die "Nebensaison" ernst, weit und breit finden wir keinen einzigen anderen Anbieter von Tauchtouren. Wir sind enttäuscht, hatten wir uns doch darauf gefreut, endlich mal wieder unter Wasser zu gehen. Aber vielleicht klappt es ja noch bei einer unserer nächsten Stationen...

Also ab in den Supermarkt, wo wir unter Anleitung von Titus fürs morgige Picknick einkaufen,und danach an den Strand. Hier in Sámara ist ganz schön was los, ein Strandrestaurant reiht sich an das nächste, im Sand wird Beachvolleyball und Fußball gespielt, und: "Schau mal, Mama, die Männer werfen einen Teller! - genau, da wird Frisbee gespielt.
Wir spazieren die Bucht entlang, nicken den Polizisten, die auf Motorrädern patroullieren zu und kehren dann gegen 18 Uhr in ein Lokal ein, da es dunkel wird.
Gestärkt nach Burritos, Pommes, Saftschorle bzw. Caipirinha geht es zurück in unsere Unterkunft, wir sind stolz, dass wir den Weg im Stockfinstern problemlos finden, und sobald Titus im Bett ist, trinken Norman und ich noch ein kaltes Bier und erfreuen uns an den hunderten von Glühwürmchen im Gras vor uns.

Von La Fortuna nach Sámara (14.08.2016)

Am Sonntag morgen, nach einem typisch costaricanischen Frühstück mit Reis, Bohnen, Spiegelei und Toast packen wir gemeinsam unsere Koffer. Titus eilt geschäftig zwischen den Rucksäcken hin und her, räumt seine Spielsachen ein, kontrolliert das Verpacken seines Schnuffeltuchs und guckt unter den Betten nach, ob wir auch nichts Vergessen haben. Um kurz vor 10 Uhr geht es los, heute haben wir eine lange Autofahrt vor uns.

Bereits jetzt zeigt das Thermometer fast 30 Grad an, und wir sind froh über die Klimaanlage im Auto. Auf der kurvigen Landstraße fahren wir einmal rund um den Arenal-Vulkan herum, deutlich sind die Spuren der Lavaströme rund um den Kegel zu sehen. Viele Ausflügler sind auf der Straße unterwegs, vor den großen Thermalbädern stehen die Menschen Schlange, denn heute ist Sonntag. Immer wieder galoppiert auch ein waschechter Caballero auf einem Pferd auf der Straße, von einer der vielen Pferderanches kommend. Bald erreichen wir den großen Staudamm am Arenal-See und fahren die folgenden 40 Kilometer immer oberhalb des Sees entlang. Die kurvige Straße bekommt mir überhaupt nicht, doch zumindest Titus ist bestens gelaunt und singt gemeinsam mit Norman ein Kinderlied nach dem anderen.
Wir passiern Nuevo Arenal, ein Aussteigerdorf, in dem es unter anderem eine echte "German bakery" mit "Weizenbier, Sauerkraut und Bratwürstchen" gibt. Gerade, als Norman sagt, hier sehe die Landschaft mit den Viehweiden, Kuhherden darauf, den hübschen, grünen Hügeln und dem See fast so aus wie im Allgäu, erreichen wir "Pequena Helvetia", die kleine Schweiz Costa Ricas. Hier hat ein Schweizer Aussteigerpaar ein paar Häuser im Original Schweizer Bauernhofstil errichtet, mitsamt passender Kapelle dazu, einem Kuhstall mit Milchwirtschaft und Käserei sowie einer kleinen Bimmelbahn, die zum dazugehörigen Restaurant hinauffährt. Wir machen eine kleine Pause und bestaunen den Gasthof, in dem von den Gardinen bis zur karierten Tischdecke und den Holzschnitzereien und Inschriften alles wirklich sehr alpin wirkt.

Unsere Fahrt geht weiter, das Thermometer klettert nun auf 35 Grad und die Klimaanlage schafft es kaum noch, das Innere des Wagens zu kühlen. In Canas, etwa auf der Hälfte der Strecken, machen wir einen kurzen Stopp an einem Supermarkt, holen Bananen, ich trinke einen Milchkaffee und Norman steht mit Titus vor der Kühltheke herum, um sich abzukühlen. Die beiden bestaunen die vielen Torten, die dort zum Verkauf stehen - offenbar ist heute in Costa Rica "Dia del Mama", also Muttertag, alles ist mit Luftballons und Girlanden dekoriert, in allen Geschäften gibt es aus diesem Anlass extra Sonderrabatte und eben auch Torten gehören wohl dazu. Mir ist es zu heiß, wir fahren lieber schnell weiter.
Dieser Teil der Strecke führt über die Interamericana, die Straße ist damit nicht mehr ganz so kurvig, sondern fast schon eine Schnellstraße, immerhin 80 km/h sind erlaubt. An der Tankstelle, an der wir bald den nächsten Stopp einlegen, stehen schon die Tankwarte bereit, und Titus kann gar nicht glauben, dass hier andere Männer "sein" Auto betanken dürfen!
Bald folgt eine große Brücke über den Golf von Nicoya, nun haben wir einen Großteil der Strecke geschafft. Inzwischen sind wir bereits mehr als drei Stunden unterwegs und so langsam naht die Mittagessenszeit. Irgendwie verpassen wir aber den richtigen Moment dafür, und für die nächsten 50 km folgt leider kein einziges ansprechendes Restaurant, nur kleine Buden, sogenannte "Sodas", die aber nicht sonderlich appetitanregend aussehen. Wir setzen auf die nächste großen Stadt, Nicoya, doch die Landstraße führt am Ort vorbei und wieder folgen 50 km - die letzten bis zum Zielort. Also gut, mit viel Quatschmachen, Geschichten erzählen und noch ein paar letzten Butterkeksen halten wir Titus bei Laune und fahren um kurz nach 15 Uhr, nach fast 5 Stunden Fahrt und 250 Kilometern endlich in Sámara ein.
Wir halten direkt am Strand, setzen uns ins erstbeste Strandcafé und ordern ein spätes Mittagessen und kalte Getränke. Ein bisschen kühler ist es hier, nur noch um die 27 Grad, hinter uns über den Bergen türmen sich schon wieder die dunklen Gewitterwolken auf. Das stört aber keinen, am Sandstrand ist unheimlich viel Betrieb. Titus verputzt eine große Portion Reis mit Gemüse und schaukelt dann selig in einer Hängematte.

Wir sind froh, dass unsere Unterkunft nur noch eine kurze Fahrt von hier entfernt ist, und freuen uns darauf, heute vielleicht sogar noch ein Bad im Meer nehmen zu können. Damit wir den Weg in das ein wenig abseits von Sámara gelegene Hotel "Paraiso de Cocodrillo" auch finden, haben wir extra die Anfahrtsbeschreibung abgespeichert und fahren brav über eine Schotterpiste nordwärts der Küste entlang. Immer kleiner und rumpeliger werden die Wege, auf die wir abbiegen, und bald stehen wir wie in der Beschreibung angegeben vor einem "kleinen" Fluss, den es zu durchqueren gilt. Leider hat dieser nun in der Regenzeit eine ziemliche Fließgeschwindigkeit und Tiefe, doch Norman vertraut auf den Vierradantrieb und fährt beherzt durch. Doch dahinter tut sich eine viel größere Schwierigkeit auf: der schmale Weg ist so zerfahren, von tiefen Wasserlöchern übersät und matschig, dass wir alle paar Meter anhalten müssen und Norman erst einmal abwägen muss, ob wir überhaupt durchkommen. Ganz knapp passen wir zwischen Bäumen durch, und schon nach ein paar 100 Metern kommen wir nicht weiter, vor uns liegt ein tiefes Wasserloch, das unmöglich zu durchfahren ist. Ein einheimischer Spaziergänger, der zufällig des Weges kommt, ist irritiert, dass wir uns überhaupt getraut haben, durch den Fluss zu Beginn zu fahren, und rät uns dringend, wieder umzudrehen. Auf Spanisch erklärt er uns mit Händen und Füßen eine alternative Route zu unserer Unterkunft, wir versuchen ergebnislos, jemanden dort telefonisch zu erreichen, und so drehen wir mit viel Mühe um, kommen dabei fast nicht aus dem Matschloch hinaus und rumpeln zurück zum Fluss. Norman ist schweißgebadet, und Titus juchzt auf dem Rücksitz wegen der Hoppelei im Auto. Augen zu und nochmal durch den Fluss, zurück nach Sámara und auf der Landstraße bis zu einem Abzweig. Mindestens 30 km geht es auf dieser Straße, bis wir ein Hinweisschild unserer Unterkunft entdecken. Titus ist eingeschlafen, inzwischen ist es schon nach 17 Uhr und so langsam reicht's mit der Fahrerei. Die Straße wird immer schlechter, ist von Schlaglöchern durchsetzt und irgendwann auch nicht mehr geteert, tiefer geht's in den Wald hinein und matschig ist es auch wieder. Nach 20 Minuten stehen wir wieder an einem Fluß, und diesmal ist der eindeutig zu tief, um heil durchzukommen.
Wir sind mit unserem Latein am Ende, unsere Straßenkarte ist viel zu ungenau und eine bessere Wegbeschreibung haben wir nicht. Wir versuchen nochmal telefonisch unser Glück im Hotel, und diesmal geht sogar der deutsche Besitzer Rainer selbst ans Telefon und erklärt uns den Weg. Wir sind offenbar ein Stückchen zu weit gefahren, und siehe da: gut versteckt, mitten in einem Waldstück, liegt das Hotel! Titus wacht auf, und ist wohl auch froh, dass die Fahrt für heute vorbei ist. Besitzer Rainer, so eine Art Alt-Hippie, heißt uns willkommen und erklärt sogleich, dass es einen ganz einfachen und kurzen Weg von Sámara aus gibt, den wir aber ja offenbar nicht gefunden hätten...
Zur Entschädigung für die anstrengende Fahrt bekommen wir ein großes Apartment, außer uns sind aber wohl eh keine anderen Gäste da, und wir machen einen Rundgang über das Gelände. Außer dem Pool gibt es noch ein Gehege mit Schafen und Hühnern, und man hört das Meer rauschen. Schon ist es dunkel, und überall auf der Wiese glimmen Glühwürmchen auf, während ich noch eine Runde mit dem Seil springe.

Wir sind alle sehr erledigt, und so geht es nach leckerem Abendessen (Tortillas mit Guacamole bzw. Spaghetti - Titus isst wieder einmal mehr als eine halbe Erwachsenenportion, und für Norman, der sich mit ihm die Pasta teilen wollte, bleibt nicht allzu viel übrig) und einem kalten Bier für alle ins Bett.

14.8.16

La Fortuna - Fotos

La Fortuna / Arenal-Vulkan (12./13.08.2016)

Schon geht unser zweiter Tag am Fuß des Arenal-Vulkans zu Ende. Ich sitze in der schwülen Augusthitze auf der Terrasse unseres kleinen Bungalows, während Blitze fast im Minutentakt den Nachthimmel erleuchten, der Regen von den Blättern der Palmen tropft und die Grillen ohrenbetäubend laut zirpen. Zeit, die letzten beiden Tage Revue passieren zu lassen!

Gestern wurde ich wie immer von Titus geweckt, der aus dem Fenster spähte, und sich dann sein Lieblingslied "Guten Morgen, Sonnenschein" wünschte. Vollkommen zurecht, denn die dicken Wolken waren verschwunden und uns begrüßte strahlender Sonnenschein und blauer Himmel. Wir packen schnell zusammen, beluden unser Auto und fuhren bereits um kurz vor 9 Uhr los. Die etwa 80 km lange Fahrt von Puerto Viejo de Sarapiquì bis nach Fortuna gefiel uns allen sehr gut, dank des schönen Wetters konnten wir ungestört den Anblick der Bergketten und vor allem des perfekt kegelförmigen Vulkans Arenal genießen. Die Straße wand sich kurvig hinauf und hinab, entlang an Kokosnussfeldern und Bananenplantagen,  aus dem Radio dudelten mittelamerikanische Rhythmen und Titus sang und plauderte fröhlich vor sich hin. Nach gut anderthalb Stunden Fahrt machten wir eine kurze Pause auf einem Supermarktparkplatz, denn nur dort gab es Schatten, die Temperaturen lagen inzwischen so hoch, dass sich das Auto in minutenschnelle aufheizte, sobald die Klimaanlage ausgeschaltet war. Weiter ging die Fahrt mitten hinein ins sehr touristische La Fortuna, und nach einigen Irrfahrten gelangten wir endlich zu unserer etwas außerhalb gelegenen Unterkunft, die Villas Eco Arenal.

Gleich beim Aussteigen stolperte ich fast über eine fast handtellergroße Grille oder Heuschrecke, von denen wir dann zig weitere auf dem Rasen und in den Pflanzen entdeckten, und die man zu Titus' großer Begeisterung mit einem leichten Stups dazu bringen konnte, einen großen Sprung zu machen! Unser Zimmer war noch nicht bezugsfertig, und so stiegen wir gleich wieder ins Auto und fuhren ein paar Kilometer weiter zum Vulkan Arenal-Nationalpark und wanderten dort knapp 600 Stufen abwärts zum großen Wasserfall. Titus stapfte tapfer ein ganzes Stück alleine bergab, war aber dann doch froh, sich in die Kraxe auf Normans Rücken setzen zu können. Am Wasserfall und dem dazugehörigen Fluss gibt es zahlreiche Badestellen, und da das Wetter nach wie vor hochsommerlich war, tummelten sich hier wahre Menschenmassen. Trotzdem fanden wir am Ufer eine einigermaßen ruhige Stelle, breiteten unsere Decke aus und verbrachten zwei sehr gemütliche Stunden in dieser wunderschönen Umgebung mitten im Regenwald. Die 600 Stufen mussten dann allerdings wieder emporgestiegen werden, da kamen wir ganz schön ins Schwitzen!

Beim Beziehen unseres Bungalows mussten wir diesen leider sofort wieder fluchtartig verlassen, denn dieser hatte sich tagsüber so aufgeheizt, dass wir drinnen Saunatemperaturen hatten. Also setzten wir uns alle zusammen auf die Terrasse, Titus spielte mit seinen Duplosteinen und war zufrieden, wenn man hin und wieder seine Bauwerke bewunderte.
Inzwischen war ein heftiges Gewitter aufgezogen, es donnerte so laut, dass der kleine Mann schreckliche Angst bekam, und da sein Mittagsschlaf leider ausgefallen war, war er sowieso empfindsamer als sonst und voller Besorgnis. Also brachen wir recht früh zum Abendessen auf, doch bereits die fünf Minuten lange Autofahrt reichte aus, um das Kind in Tiefschlaf zu versetzen. Zwar bekamen wir ihn für den Besuch in der Pizzeria kaum wieder wach, doch nachdem er eine dreiviertel Pizza verspeist hatte, rannte er schon wieder kreuz und quer durch das Lokal und brauchte dann ewig zum Einschlafen...

Sehr gut gelaunt startete die Familie heute dann in den Tag. Beim Frühstück schwirrten Kolibris in den Blüten der Hibiskussträucher herum und auch von den Heuschrecken entdeckten wir wieder zahlreiche Exemplare. Wir packten den Kofferraum, statteten dem Supermarkt noch einen kurzen Besuch ab und fuhren los Richtung Vulkan. Nach etwa 15 km mussten wir Landstraße verlassen und weiter gings über eine Schotterpiste voller Schlaglöcher - "Das ist eine Rumpelstraße", tönte es vom Rücksitz! Endlich erreichten wir den großen Parkplatz der Gondel, dort erstand Norman "für den Preis eines halben Jahresgehalts" (Zitat Ende) Tickets für eine Gondelfahrt und fuhren in luftiger Höhe hinauf. Titus freute sich unbändig und schrie bereits beim Aussteigen oben, dass er "nochmal!" fahren wolle. Zunächst genossen wir aber den tollen Bllick auf den Arenal-See und den Vulkan, der sich (fast) wolkenfrei zeigte, so dass wir den Krater und den daraus aufsteigenden Rauch sehen konnten. Die anderen Fahrgäste der Gondel waren bereits ausgestattet mit Gurten und Seilen und düsten kurz darauf an Seilrutschen zwischen den Baumwipfeln hinab. Wir wählten die kinderfreundlichere Variante und wanderten durch den Regenwald auf einem steilen Pfad bergab. Anfangs drehte Titus noch jedes Blatt um und zupfte an jedem Ast, doch bald entdeckte er seine Wanderfreude wieder und marschierte ohne Murren mehr als 2 Stunden lang den Berg hinunter, freute sich über jeden Wegweiser ("Da ist ein Pfeil, da müssen wir lang!"), die vielen Schmetterlinge, die Hängebrücken und die über uns hinwegschwirrenden Leute an den Seilrutschen.
Ich bin immer noch beeindruckt darüber, wie viel der kleine Mann heute gelaufen ist, Respekt!

Unten am Parkplatz machten wir ein Picknick und Titus verspeiste sehr begeistert unser nicht sehr lukullisches Mittagsmahl: labberiges Vollkorntoastbrot (natürlich ungetoastet) mit Scheiblettenkäse und immerhin Scheiben von frischer Gurke dazu.
Bei der kurzen Fahrt hin zum Vulkan-Observationszentrum schlief der kleine Wandersmann aber bereits nach wenigen Minuten ein, so dass wir dort angekommen erst einmal eine Pause im Restaurant einlegten, Titus auf einem Sofa ablegten und knapp zwei Stündchen mit perfektem Blick auf Vulkankegel und See eine Lesepause einlegten.
Verschwitzt und sehr glücklich schlug Titus dann die Augen auf, kletterte vom Sofa herunter und marschierte sofort wieder los, bereit zum nächsten Spaziergang. Diesmal allerdings nicht ganz so lang, es ging über eine kleine Hängebrücke hinüber zu einem Mini-Museum über den Vulkan-Nationalpark und einen Rundweg durch den Dschungel. Norman entdeckte einige Tukane in den Bäumen, ich fand ein paar Frösche auf dem Weg und Titus, der schon wieder weitgehend alleine und ohne Hilfe die steilsten Stufen hinauf- und hinunterstieg, titulierte die Urwaldriesen als "Brokkolibäume" wegen ihrer dichten Blätter.

Noch eine Banane als Stärkung, und da die Wolken bereits heranzogen, traten wir die Rückfahrt nach La Fortuna an. Auf der "Rumpelstraße" lief uns mal eben ein Weißrüsselnasenbär (was für ein Name!) über den Weg und Norman fuhr fast (?) über eine Schlange. Auf der Landstraße angekommen, herrschte dort dichter Verkehr, am Straßenrand parkten die Autos Stoßstange an Stoßstange, denn auf dieser Strecke sind überall heiße Thermalquellen zu finden. Einige sind nur durch schicke, teure Thermalbäder zu betreten, andere sind aber offenbar frei zugänglich und so liefen überall Menschen in Badebekleidung am Straßenrand herum.

Doch bald passierten wir mehrere parkende Autos, deren Insassen vollständig bekleidet am Straßenrand standen und in die Bäume starrten. Norman fuhr sofort rechts ran, schnappte sich die Kamera und stieg aus - und richtig, ganz oben im Baumwipfel saß offenbar ein Faultier. Da es kaum zu erkennen war, fuhren wir bald weiter, doch schon nach wenigen Minuten bot sich das gleich Szenario noch einmal, und diesmal hatten wir einen ungestörten Blick auf ein sich an einem Ast entlanghangelndes Faultier, das sich sehr fotogen bald nach links, bald nach rechts drehte.
Ganz selig fuhren wir weiter, ein Faultier hatten wir entdeckt, einfach so, am Wegrand! Herrlich! Doch damit nicht genug: kaum hatten wir zurück an unserem Bungalow unsere Schuhe ausgezogen, hörten wir schon wieder Brüllaffen schreien, und diesmal turnte eine ganze Horde davon gleich hinter unserem Häuschen in den Bäumen herum! Laut brüllend natürlich. Die mussten ausgiebig bestaunt werden, und nach einer schnellen Dusche war es schon Zeit fürs Abendessen. Auf dem Weg dorthin tummelten sich zahlreiche Frösche oder Kröten auf der Straße, die wohl die nahende Feuchtigkeit erahnten, schließlich blitzte und donnerte es bereits wieder. Wir schafften es noch trocken bis zum Mexikaner, bevor ein tropischer Regenguss hinunterprasselte. Titus verputzte selbstvergessen eine Riesenportion Pommes - so ein Wandertag macht hungrig!

Nun liegt der kleine Mann im Bett, Norman hat sich gerade eine Dose kaltes Imperial-Bier geöffnet und ich freue mich, dass es hier keine so lästigen Stechmücken wie noch vorgestern in Sarapiquì gibt, sondern hier höchstens mal ein handtellergroßer fliegender Käfer gegen die Wand rumst...

12.8.16

Sarapiquì - Fotos

Sarapiquì (11.08.2016)

Nach der ungefähr vierten Tasse Kaffee scheint der Regen ein wenig nachzulassen, und da wir mit unserem kleinen Wirbelwind sowieso dringend was unternehmen müssen, steigen wir ins Auto und fahren ins Tirimbina-Naturreservat,  4 km entfernt von unserer Unterkunft.
Der Eintritt ist wie alles hier ziemlich teuer, aber nun sind wir schon einmal hier... Titus marschiert fröhlich in seinen Gummistiefeln vorneweg, wir hinterher, und die Regenpause scheint anzuhalten. Mitten durch das Reservat führen Wanderwege und große Hängebrücken durch den Urwald ("Uhrenwald"), und bereits an der ersten Weggabelung läuft uns ein kleines Wasserschwein über den Weg. Immer tiefer hinein ins Dickicht führt uns der Pfad, über schmale Stege, und die meterhohen Urwaldriesen lassen kaum Licht hinein. Zwar regnet es nicht mehr, doch tropft es unaufhörlich von den Bäumen, ständig fallen tote Blätter herunter oder brechen morsche Äste ab. Wir entdecken einen Tukan in den Baumwipfeln, sehen einen daumennagelgroßen roten Frosch, der wohl giftig ist, sowie unzählige metergroße Spinnennetze, dicke Raupen und einen Blütennektar trinkenden Kolibri. Bald schallt uns lautes Geschrei von den Baumwipfeln entgegen, der Ranger am Eingang wird uns später bestätigen, dass dieses von den Brüllaffen kommt. Da ist der Name eindeutig Programm! Dasselbe Geräusch hat uns bereits heute morgen geweckt, doch haben wir die urtümlichen Laute fälschlicherweise für Baulärm gehalten...

Wir sind erstaunt, wie lange Titus mit uns durch den Regenwald wandert, gut eine Stunde lang klettert er bergauf und bergab, doch irgendwann verlassen ihn die Kräfte und für die letzten paar Minuten darf er in die Kraxe sitzen. Vor uns liegt noch einmal eine mindestens 50 m lange Hängebrücke, die beim Überqueren ordentlich schwankt. Als wir gerade in der Mitte hoch über dem Fluss sind, entdeckt Norman in den übers Wasser ragenden Baumästen riesige Echsen, die viele Meter über den Boden am äußerstens Astende sitzen und die Sonne genießen, die zwischenzeitlich hervorgekommen ist. Wie diese recht träge wirkenden Tiere dorthin gekommen sind, ist uns ein Rätsel.

Am Eingang melden wir uns wie versprochen wieder beim Ranger ab und steigen ins Auto; in unserer Lodge hat man uns ein Lokal fürs Mittagessen empfohlen, und Titus verlangt dringend nach einer Mahlzeit. Das kleine Gasthaus direkt an der Straße sieht von außen gar nicht so einladend aus, doch das Essen ist sehr lecker, es gibt ein typisch costaricanisches Lunch mit viel Bohnen, Reis, eingelegten und gebackenen Bananen, und wir kriegen es sogar hin, für Titus und ich eine vegetarische Variante zu bestellen.

Am Nachmittag steht dann unser zweiter Programmpunkt an diesem Tag an, wir besichtigen die auf dem Gelände unseres Hotels gelegene Ameisenfarm. Stolz zeigt uns der Ameisenforscher, der diese Station angelegt hat, seine beiden großen Kolonien von Blattschneideameisen, die über z.T. 90 m lange Wege die klein geschnittenen Blätter der Kakao-, Papaya- und Mangobäume in ihren Bau transportieren. Titus ist anfangs nur mäßig begeistert, zu nervig sind die dauernd um uns herum schwirrenden und uns angreifenden Stechmücken, doch nach einer Weile interessiert es ihn doch, wie die winzigen Ameisen in meterlanger Schlange ihre Beute transportieren, und wir dürfen dann sogar noch die Ameisenkönigin sehen ("Das ist die Mama von den Ameisen!").
Ganz nebenbei macht uns der Naturkundler noch auf den Vogel aufmerksam, der direkt vor der Tür unserer Hütte brütet, außerdem sehen wir einige von den Rotaugenlaubfröschen und eine dicke fette Kröte. Und alles im Umkreis von wenigen Metern rund um unser Zimmer!

Nun ist das Abendessen vorbei, und ich liege wieder einmal in der Hängematte draußen und höre dem lauten Zirpen der Grillen zu. Heute ist es deutlich kühler draußen, der Regen hat die Luft abgekühlt, und immerhin ist es seit heute vormittag trocken geblieben. Auch wenn so ein tropischer Regenguss auch ein besonderes Erlebnis ist!

11.8.16

Sarapiquí (10./11.08.2016)

Wieder sitze ich im Regenwald, während um mich herum der Regen niederprasselt. Inzwischen sind wir bereits in unserer nächsten Unterkunft, der netten Anlage "La Quinta de Sarapiquí", nördlich von San José am Rio Sarapiquì gelegen.

Gestern waren wir den ganzen Tag über noch begeistert von unserem Schildkröten-Erlebnis, und auch Titus hat immer wieder davon erzählt, die die riesige Schildkröte mit ihren Hinterbeinen den Sand über ihre Eier geschaufelt hat, bevor sie zurück ins Meer gekrochen ist.
Um 9 Uhr morgens verabschiedeten wir uns aus der Mawamba Lodge, mit immer noch nassen und klammen Klamotten im Rucksack, und fuhren mit dem Boot zurück nach La Pavona. Die einstündige Bootsfahrt verging wie im Flug, zwar schüttete es zwischendrin mal ordentlich, doch diesmal hatten wir ein Dach über dem Kopf, und der Regen hörte ebenso schnell wieder auf. In den großen Bäumen am Ufer entdecken wir Kapuzineräffchen, die darin herumtollten, und eines hatte sogar dabei eine Kokosnuss in der Hand, woraufhin Titus sogleich "Die Affen rasen durch den Wald..." anstimmte.

In La Pavona herrschte Chaos, zig Reisegruppen bestiegen Boote bzw. kamen zurück aus dem Nationalpark und zerrten ihre teils schrankgroßen Koffer über den matschigen Uferweg. Ich bin immer wieder erstaunt, wieviel Gepäck manche Menschen dabeihaben! Titus ist eine große Hilfe beim Gepäckverladen, er hilft mit großem Ernst, seinen Trolley zu ziehen und trägt selbstverständlich seinen kleinen Rucksack selbst.
Leider müssen wir fast 1 Stunde auf unseren Bus warten, das schwül-heiße Klima macht alle schläfrig, nur Titus singt und tanzt ununterbrochen, während ihm die Schweißtropfen über die Stirn laufen.
Der klimatisierte Bus ist dann eine Wohltat, wir fahren gut 90 Minuten lang zurück nach Guapiles und bestaunen dabei wieder die großen Bananen-Plantagen. "Mama, schau, da sind wieder Bananen in den blauen Tüten" - richtig, die Bananenstauden werden zum Schutz vor Hitze und Insekten in große blaue Planen eingeschlagen, und mitten durch die Plantagen führen vorsintflutlich anmutenden, verrostete Förderanlagen, an deren Haken diese "Tüten" dann gehängt und abtransportiert werden: "Bananen-Gondeln", wie Titus sagt.

Mir wird die Fahrt ein bisschen lang, die Strecke kennen wir ja bereits von der Hinfahrt, doch zum Glück unterhält sich Titus wenigstens bestens und kommentiert alles, was er draußen entdeckt: Pferde, Kühe, Hühner, Bananen, Kokospalmen, Lastwägen, "Büsse",...
Endlich erreichen wir das Restaurant Rio Danta, dort dürfen wir unseren Mietwagen in Empfang nehmen. Einer der Angestellten präsentiert uns noch stolz ein Baby-Gürteltier, das sich aus dem nahen Regenwald verlaufen hat, und nach einer Kaffeepause mit "Kinder-Cappuccino" besteigen wir unser neues Gefährt, einen Suzuki Vitara 4WD.

Titus nimmt auf dem Rücksitz in seinem Kindersitz Platz und ist fast sofort eingeschlafen, während Norman sich noch mit dem Auto vertraut macht und ich versuche, anhand der schlechten Straßenkarte unsere Route ausfindig zu machen. Die knapp 60 km Fahrt nach Puerto Viejo de Sarapiquí geht schnell, es ist kaum Verkehr, und einzig auf die Hühner am Straßenrand und die Schulbusse müssen wir ein bisschen achten. In Puerto Viejo gehe ich in den kleinen Supermarkt, um uns mit Windeln, Getränken und ein paar Snacks zu versorgen. In der Obsttheke liegen bestimmt zehn verschiedene Sorten Bananen, alle ein klein wenig unterschiedlich aussehend und auch mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet, von 45 bis 90 Colones das Stück, doch da ich mich nicht auskenne, nehme ich mir einfach die günstigsten, die hier einzeln verkauft werden, und bin dann beeindruckt, dass die Kassiererin zweifelsfrei erkennt, um welche Sorte und Preisklasse es sich dabei handelt.

Bald erreichen wir La Quinta de Sarapiquí und beziehen unsere hübsche kleine Hütte am Rand der großen Anlage, die wieder mitten im Regenwald liegt. Bislang ist es trocken, und wir nutzen das, um in den kleinen Pool zu springen - auch wenn Titus viel Überredung braucht, bis er sich in die das ein wenig kühle Wasser traut. Lange können wir aber nicht drin bleiben, denn wir werden von fast den vielen Stechmücken aufgefressen. Also Nobite aufgesprüht und los zu einer Erkundungstour durch das Gelände. Es gibt neben verschiedenen Pools und Badestellen am Flußufer ein großes Schmetterlingshaus, einen Kräutergarten und einen Teich, in dem Kaimane leben. Diese verstecken sich aber äußerst erfolgreich vor uns.
In den großen Bäumen raschelt es unentwegt, Vögel kreischen und Insekten summen. Wir setzen uns auf die große Terrasse, Norman und ich trinken ein kaltes Imperial-Bier, während Titus sich mit der Kiste voller Bauklötze spielt, die hier herumsteht. Es ist angenehm warm draußen, obwohl es bereits stockdunkel ist.
Beim Abendessen verkaufen wir Titus die gebackenen und frittierten Bananen als "Pommes", und er vertilgt davon und von der Maissuppe eine Riesenportion.

Norman bringt Titus dann ins Bett, während ich es mir zum Lesen in der Hängematte vor unserer Hütte gemütlich mache. Eigentlich wollen wir noch eine Runde Karten spielen, wenn der junge Mann schläft, doch die Wärme, Dunkelheit, die Geräusche des Regenwalds und das Schaukeln der Hängematte lullen mich dermaßen ein, dass ich um 21 Uhr ins Bett gehe.
Um Mitternacht werde ich von einem lauten "Rumms" geweckt - Titus ist aus dem Bett gefallen, der unruhige Schläfer hat es geschafft, sich bis zum Fußende vorzuarbeiten. Zum Glück ist nichts passiert, und nachdem wir ihn beruhigt haben, schlafen wir bis halb sieben weiter.

Wach werde ich davon, dass Titus neben mir im Bett sitzt und den Vorhang zur Seite schiebt, um aus dem Fenster zu gucken. Er strahlt mich an, anscheinend ist er ausgeschlafen und wieder mal voller Tatendrang. Irgendwie beschäftigen wir ihn noch eine Stunde, bis es Frühstück gibt. Inzwischen regnet es wieder laut prasselnd, doch wir gelangen trockenen Fußes durch die überdachten Wege zum Frühstücksbuffet. Wieder gibt es viel frisches Obst, und Titus freut sich über Mango und Pancakes mit Ahornsirup. Überhaupt klappt es wunderbar, mit ihm gemeinsam am Buffet sein Essen auszusuchen, er findet eigentlich immer etwas, das ihm schmeckt.

Da es immer noch regnet, verschieben wir unsere Ausflugspläne erst einmal, denn wir haben keine Lust, beim anvisierten Spaziergang durch den Tirimbina-Nationalpark wieder so nass zu werden wir vor zwei Tagen. Also schenke ich mir noch einmal eine Tasse Filterkaffee (bäh!) ein und setze mich zum Schreiben in die Lobby...

9.8.16

Tortuguero-Nationalpark (09.08.2016)

Um kurz nach 23 Uhr bekommen wir einen Eindruck, was "Regenzeit" in Costa Rica bedeutet: der Himmel öffnet seine Schleusen, und für den Rest der Nacht fallen sintflugartige Niederschläge vom Himmel, es donnert und blitzt und der prasselnde Regen ist so laut, dass ich nach meinen Oropax suche. Morgens ist vor unserer Terrasse ein großer See entstanden, und Titus sorgt sich um die Echsen ("Die verstecken sich vielleicht unter Blättern?"). Unser Guide sagte gestern bereits, dass es zu dieser Jahreszeit 22 von 24 h regnet, wir hatten gestern also schlichtweg einen der wenigen trockenen Tage erwischt.

Nichts desto trotz müssen wir irgendwann raus, nachdem ich beim Duschen noch einen Gecko an der Wand erschreckt habe. Also Gummistiefel an, Regenschirme in die Hand, und so eilen wir durch die Wassermassen Richtung Restaurant. Hier ist alles von einem Feuchtigkeitsfilm überzogen, der Boden ist rutschig und der Pool schwappt bereits über. Niemand stört sich daran, denn es hat trotzdem gut 25 Grad und alle patschen in Flipflops durch die großen Pfützen.
Wir frühstücken in Ruhe, Titus entdeckt seine Liebe zu Babybananen und French Toast mit Ahornsirup und tobt danach glücklich durch den Speisesaal, singend und "Hola!" rufend.

Um 9:30 Uhr sind wir abmarschbereit, eine geführte Tour durch den hoteleigenen Park steht an. Gleich hinter unserer Hütte treten wir ein in einen dichtbewachsenen Urwald (Titus: "Wohnen hier Uhren? Wo sind die Uhren?"), es tropft stetig, immer wieder fallen kurze Schauer. Wir sehen einen Rotaugenlaubfrosch, es gibt kleine Gewächshäuser voller Schmetterlinge und Frösche (und voller Stechmücken) und es ist trotz des Regens ziemlich warm.
Nachdem wir nochmal die großen Leguane, die Papageien und die unter unserem Vordach hängenden Fledermäuse bewundert haben, packen wir was zu trinken ein und gehen wieder aufs Boot, um eine Rundfahrt durch die Kanäle des Nationalparks zu machen.

Leider stellen wir erst beim Betreten des Bootes fest, dass dieses nicht überdacht ist, und es ist zu spät, um noch die Regenjacken zu holen - also hoffen wir das beste, momentan ist es auch tatsächlich trocken. Die Fahrt geht los, Titus juchzt vor Freude, und wir erspähen im dichtbewachsenen Flussufer verschiedene Echsenarten, zwei große Tukane und verschiedene Schlangenhalsvögel, die ihr Gefieder mit weit ausgespannten Flügeln trocken lassen.
Wir sind noch nicht weit gekommen, da bricht wieder ein tropischer Regenguss über uns aus, innerhalb von Sekunden sieht man keine 10 m weit, es prasselt ohne Unterlass auf uns nieder. Titus packen wir in die Regenjacke, doch auch darunter wird es bald nass, und im Boot steht das Wasser schnell knöcheltief. So harren wir etwa 20 Minuten aus, während unser Guide tapfer weiterfährt und -späht, obwohl nun wirklich nichts mehr zu sehen ist. Irgendwann sind alle bis auf die Unterhose nass und wir beschließen gemeinschaftlich, dass es nun reicht.
Titus harrt stoisch und patschnass aus, gibt keinen Mucks von sich und lächelt nur jedes Mal freudig, wenn ich unter seine Kapuze luge.

Durch den Fahrtwind kühlen wir nun doch ein wenig aus, und so eilen wir zurück in der Lodge triefend schnell unter die heiße Dusche. Da es immer noch schüttet, besteht keine Chance, dass unsere nassen Klamotten trocken, wir hängen sie trotzdem mal auf, doch ich laufe nach 4 Stunden immer noch mit nassen Haaren herum und die Buchseiten werden klamm.
Alle Nachmittagsaktivitäten fallen aus, also halten wir gemeinschaftlich ein langes Mittagsschläfchen, spielen, toben, liegen in der Hängematte und organisieren unsere weitere Reise.

Nach dem Abendessen ziehen wir uns dunkle Kleidung an und packen die Regenjacken (!) in die Kraxe. Gegen 18 Uhr hat es zwar aufgehört zu regnen, doch man weiß ja nie. Pünktlich um 19:30 Uhr stehen wir am Bootssteg, denn heute abend dürfen wir auf eine Schildkrötentour. Dafür muss man sich beim Nationalpark anmelden, es gibt zwei Touren pro Tag, eine um 20 Uhr und eine um 22 Uhr - welche man bekommt, wird willkürlich entschieden. Wir haben also Glück, dass wir die frühe Tour machen dürfen, und bläuen Titus ein, dass er in den nächsten 2 Stunden möglichst leise sein muss...

Mit dem Boot geht es Richtung Strand, dort werden wir vom Ranger auf die Regeln eingestimmt, die bei der Schildkrötentour gelten. Die Suppenschildkröten kommen jede Nacht im Sommer an den Strand, um dort ihre Eier abzulegen, und kriechen danach ins Meer zurück. Nichts und niemand darf diesen Vorgang stören, da die Schildkröten sonst unverrichteter Dinge wieder verschwinden, sobald sie Gefahr wittern. Uns wurde gesagt, dass es keine Garantie gibt, dass man überhaupt Schildkröten sichtet, aber bereits kurz nach dem Betreten des Sandes sehen wir eine 1,50 m große Schildkröte auf ihrem mühsamen Weg zurück ins Meer. Wir sind begeistert, Titus in der Kraxe freut sich unbändig, doch bereits nach kurzem Fußmarsch werden wir angehalten zu warten. Der Mond scheint hell, die Sterne funkeln, und es blitzt zwar regelmäßig, doch scheint es trocken zu bleiben. Das Meer rauscht wild, und immer wieder erkennen wir Schildkröten, die sich aus den Fluten hinaus in den Strand kämpfen.
Unser Ranger winkt uns herbei, leuchtet mit seiner roten Taschenlampe auf den Boden und dort sehen wir minutenlang einer großen Schildkröte bei der Eiablage zu. Ei um Ei purzelt in das vorher von ihr ausgegrabene Loch, scheinbar ungerührt von unserer Anwesenheit - und auch Titus ist ruhig und guckt fasziniert zu.

Danach beenden wir die Tour, mehr kann man nicht sehen, und wir hatten offenbar riesiges Glück. Euphorisch ist die Stimmung bei der nächtlichen Bootsfahrt zurück in die Unterkunft, ein echtes Erlebnis! Und dank unseres Mittagsschlafes hat Titus gut ausgehalten und liegt nun müde und von den Schildkröten erzählen um 22 Uhr im Bett...