22.8.11

Es geht aufwaerts (07.08.2011)

So langsam optimieren wir den morgentlichen Packprozess, immer wieder ist es spannend, ob alles in den grossen Rucksack passt, aber bisher hats noch jedes Mal geklappt. Der Plastikkruemelinstantkaffee ist heute besonders scheusslich, Porridge mit Aepfeln und Zucker dagegen genau das richtige Wandererfruehstueck. Wie gewohnt machen wir uns um 7:15 Uhr auf den Weg hinaus aus Tal, am Ortsausgang dreht Norman fleissig die Gebetsmuehlen, so kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.
Es geht aufwaerts: an steilen Schluchten vorbei und vor allem durch wilde, tiefe Baeche und Wasserfaelle fuehrt unser Weg immer weiter hinauf und immer tiefer ins Tal hinein. Die Landschaft veraendert sich, die Felsen aussenrum werden schroffer, bemooster, die Umgebung sieht aehnlich aus wie ein Regenwald.
Weiterhin passieren wir vereinzelte Doerfchen und Huetten mit noch mehr Huehnern und Ziegen, wir begegnen Maultierkarawanen, Schulkindern, Lastentraegern mit Huehnerkoerben auf dem Ruecken (die nepalesische Variante des Tiertransports)... Die Stoecke kommen bei diversen Flussueberquerungen auf glitschigen Steinen wieder zum Einsatz, es folgen die wackligen Haengebruecken, von denen wir inzwischen nur noch jede Zweite fotografieren, und einmal sinds auch nur 10 cm breite, nasse Holzlatten, die uebers Wasser fuehren. Lhakpa laeuft langsam, aber konstant mit, holt uns an schwierigen Stellen immer wieder ein und hilfts uns trotz schwerem Rucksack drueber.
In Dharapani holen wir uns zwei weitere Stempel auf die Trekking Permit beim eifrigen Streckenposten der Nationalparkverwaltung, der gewissenhaft all unsere Daten per Hand in eine Kladde eintraegt. Norman wird dort gefuehrt als "Norman Petter August".
Irgendwann, nach 4 Stunden, machen wir in Danaque eine Kekspause, hier holt uns unser Traeger wieder einmal ein, und wir dopen ihn und uns mit Enery-Power-Bonbons fuer den nun folgenden Anstieg um 500 Hoehenmeter, der uns nach Timang bringt.
Hier in diesem gottverlassenen Nest essen wir eine Nudelsuppe zu Mittag, als Lhakpa auch endlich eintrifft, sind wir trotz einsetzendem Nieselregen schon wieder startklar und lassen ihn in der Obhut der Koechin in der Kueche des Restaurant am Feuer erst einmal verschnaufen.
Ueber 2 weitere Stunden gehts naemlich weiter auf einem traumhaft schoenen Waldweg nach Thanchowk, einem sehr "original" gebliebenen Bauerndorf, und nach gut 7 Stunden Gehzeit erreichen wir gegen 15 Uhr Chame. Direkt vor dem Ortseingang huscht noch kurz vor uns ein Affe durch den Wald, bevor wir die Unmengen Gebetsmuehlen passieren. Laut der Schilder links und rechts gibts in diesem Doerfchen offenbar Internet, naja, wers glaubt. Chame liegt auf etwa 2.700 m, leider ist es sehr bewoelkt und nicht viel vom Panorama zu sehen.
Wir spazieren einmal durch den relativ grossen Ort, sehen eine riesige, vom Bach angetriebene Gebetsmuehle, ein Maoistenbuero, eine Billardbar, Shops, sogar ein Postamt gibt es - und alles viele Tagesmaersche von der naechsten Strasse entfernt.
Im Tilicho Hotel beziehen wir ein kleines "Cottage" mit Terrasse und Blick in die Berge, sehr huebsch fuer die festgelegten ueblichen 250 NRPs / Nacht (= 2,50 Euro).
Die Dusche ist leider kalt, der Schwarztee danach umso heisser, und wir sind wieder einmal die einzigen Gaeste. Lhakpa trifft etwa 1 Stunde nach uns ein.
Das Abendessen bekommen wir zwar wie bestellt puenktlich um 19 Uhr, aber die Portion der Fruehlingsrollen ist winzig, also brauchen wir dringend noch einen heissen Schokopudding hinterher. Lecker! So langsam wirds draussen empfindlich kalt, und es regnet auch wieder. Wir beobachten begeistert ueber Stunden die Huehner und deren Gebaren im Hof gegenueber, waehrend wir lesen.
Schliesslich wird im Esszimmer des Hotels eine Matratze ausgerollt, darauf wird das Baby mitsamt der Oma abgelegt, waehrend wir am Tisch daneben sitzen. Da gehen wir dann doch auch recht schnell ins Bett, in den warmen Schlafsack...

Der Monsun macht seinem Namen alle Ehre (06.08.2011)

Ab fuenf Uhr werden wir von durchdringendem Hahnengeschrei geweckt - der kraeht unerbittlich und ohne Unterlass, an Schlaf ist nicht mehr zu denken. Leider regnets noch immer, beim Zahneputzen traegt man also lieber die Regenjacke. Nach einem schnellen Fruehstueck mit trockenen Chapattis und Tee gehts, gut eingepackt und mit dem Regenschirm in der Hand (= Norman) um 7.15 Uhr los.
Es geht bergauf, wieder ueber Wackelbruecken, weg von den Reisterrassen weiter ins Tal hinein. Wir trekken einen italienischen Trekker mit seinem Guide und drei englische Trekker, ansonsten begegnen uns nur Lastentraeger mit 3 Kisten Pepsi auf dem Ruecken oder ganzen Moebelstuecken und Nepalis auf dem Weg zur Arbeit, Schule oder sonst wohin, alle in den unvermeidlichen Flipflops.
Die Baeche, die wir ueberqueren, da sie den Weg ueberfluten, werden groesser und tiefer, wir brauchen hin und wieder die Stoecke, um sicher von Stein zu Stein zu huepfen. Im Oertchen Jagat machen wir um 10 Uhr eine Snickers- und Kekspause.
Wir schwanken auf einer Haengebruecke auf die andere Flussseite und folgen einem Bachlauf steil aufwaerts. Der Regen hat nun aufgehoert, die Sonne kommt langsam durch, und schon laeuft der Schweiss wieder in Stroemen.
Ein letzter steiler Anstieg durch eine spektakulaere Schlucht rechts an einem Wasserfall vorbei, und wir erreichen ein Plataeu mit Blick ins Hochland. Leider ist es so bewoelkt, dass keine Berge zu sehen sind. Nach einer halben Stunde erreichen wir das Doerfchen Tal mittags um kurz nach 12, nach 5 Stunden Gehzeit, das direkt am Fluss gelegen ist, der sich hier zu einem See aufstaut, bevor er sich als besagter Wasserfall in die Schlucht ergiesst.
Tal ist ein sehr gepflegter, richtig "grosser" Ort, mit Gebetsmuehlen am Ein- und Ausgang, huebschen Haeusern mit Gaerten und einem tollen Blick auf einen Wasserfall. Die Umgebung sieht recht verwunschen aus mit dunkelgruen bewachsenen Felsen, was wie in einem Fantasy-Film.
Wir beziehen das Peaceful Guest House, bekommen Lunch im Garten (Nudelsuppe bzw. gebratene Nudeln mit Gemuese), jetzt kommt auch Lhakpa an, sichtlich erleichtert.
Duschen und Haare waschen mit ertraeglich temperiertem Wasser im Verschlag im Garten, dann halten wir ein Nachmittagsschlaefchen. Wir holen anschliessend Wasser bei der "Safe Drinking Water Station", einem Projekt, bei dem Wasser zu Trinkwasser aufbereitet wird, um die unermesslichen Mengen an Plastikflaschen einzudaemmen. Beim Spaziergang durch den Ort treffen wir die englischen Trekker wieder und ratschen ein wenig, dann besichtigen wir den Wasserfall und erschrecken ein paar Huehner.
Zurueck im Hostel spielen wir Kniffel im Garten, als es draussen zugig wird, ziehen wir um in die "Dinning Hall" (sic!) und speisen Kartoffeln mit Gemuese bzw. Chicken Curry und trinken Schwarztee. Sehr gesund. Und schon regnets wieder, diesmal ziemlich heftig. Es ist sogar zu nass zum Zaehneputzen draussen, deshalb stellen wir uns dazu in den Wellblech-Duschverschlag. Um 21 Uhr ist Bettgehzeit, es gibt sogar Strom, wir koennen also noch ein wenig lesen.

"Baby, es gibt Reis" oder: Balanceakte (05.08.2011)

Ohne Wecker wachen wir um halb sechs auf, der Laerm des neben unserer Lodge rauschenden Flusses ist immens! Wir packen unseren Kram zusammen, putzen die Zahne mitten im Garten, und es verspricht jetzt schon, ein heisser Tag zu werden. Zum Fruehstueck gibts Porridge mit Obst und Tee, unser Traeger Lhakpa packt recht ungluecklich dreinschauend den Rucksack, wir befuellen unsere Trinkflaschen noch mit kochendem Wasser und wollen los. Doch halt, erst brauchen wir noch einen Stempel auf unserer Trekkingerlaubnis, leider duscht der zustaendige Herr grade, also muessen wir ein wenig warten. Um 7:15 Uhr brechen wir auf; gewandert wird durch sehr nasse Reisfelder, wir ueberqueren alle paar Minuten irgendwelche Baeche, die sich in den Hauptstrom ergiessen und balancieren auf Steinen ueber Wasserlaeufe - immer in der Hoffnung, keine nassen Fuesse zu bekommen.
In den Baeumen sehen wir Affen, ueber die Wege huschen riesige Eidechsen, es flattern die tollsten Schmetterlinge umher. Das Tal ist wahnsinnig gruen, wir sehen Huegel und Reisterrassen, so weit das Auge reicht. Am fruehen Morgen blitzen zwischen den Wolken sogar die richtig hohen Berge (Manaslu I) hervor. Wir kommen immer wieder an kleinen Doerfern und Huetten mit Unterstaenden fuer Ziegen, Huehner und Kuehe vorbei, davor sitzen die Dorfbewohner, Frauen waschen Waesche, Kinder rennen herum, alle Maenner humpeln am Stock umher, und alle gruessen uns freundlich.
Erste Erkenntnis des Tages: der Durchschnittsnepalese wandert in Flipflops! Und ist damit ungefaehr dreimal schneller als wir in unseren Wanderschuhen.
Es ist unglaublich heiss, durch die hohe Luftfeuchtigkeit sind wir schnell klatschnass und froh um den Sonnenhut. Pausiert wird unterwegs immer mal wieder, wir staerken uns mit Riegeln und Keksen, dadurch holt uns der etwas langsamer gehende Lhakba, der sichtlich unter der Hitze leidet, immer wieder ein. Wir begegnen auf dem Weg 2-3 anderen Trekkern, aber das wars auch schon.
Immer wieder ueberqueren wir den grossen Fluss, dann auf abenteuerlichen Haengebruecken, waehrends oben schaukelt, schaeumt zig Meter unter uns das Wasser.
Nach gut 5 Stunden Wanderung und etwa 200 Hoehenmetern erreichen wir um 12 Uhr Ghermu. Fuer Norman gibts dort Momos (so eine Art nepalesischer Maultaschen) zum Mittagessen, ich bin schon mit einer Cola zufrieden. Unser Traeger kommt eine halbe Stunde nach uns in dieser Lodge an - als wir vorschlagen, einen Ort weiterzuwandern (d.h. etwa 2 Stunden zu gehen), ist er nicht begeistert und raet ab. Also bleiben wir in Ghermu, spazieren durch den Ort und schlagen den Nachmittag mit lesen, Kniffel spielen, duschen und doesen tot. Am spaeten Nachmittag holen uns die Wolken ein, es beginnt zu regnen und hoert auch den ganzen Abend ueber nicht mehr auf.
Beim Abendessen laesst uns die Besitzerin keine Auswahl, es gibt Dal Bhat und Tee fuer alle. Zaehne geputzt wird am Familien-Wasserloch im Garten, und wir gehen ins Bett, waehrend die Besitzer noch begeistert vor dem Fernseher sitzen - wir sind eh die einzigen Gaeste weit und breit...

"Shake it, baby" oder: Busfahren in Nepal (04.08.2011)

Keine Ahnung, was den Nachbarshund geritten hat, auf jeden Fall war die Nacht mehr oder minder "durchbellt" und wir dementsprechend unwillig, um 5:20 Uhr aufzustehen. Irgendwie klappte es dann doch, eine schnelle Katzenwaesche und ein hastiges Packen stehen schliesslich an. Unsere beiden grossen Rucksaecke bleiben naemlich mit einem Teil unserer Sachen im Hotel in Kathmandu, und ein grosser Rucksack wird mit unseren Wanderutensilien und den Schlafsaecken befuellt (und wiegt eine gefuehlte Tonne) und unserem Traeger uebergeben. Wir behalten unsere Tagesrucksaecke mit Wasser, Regenjacke und allem Noetigen. Draussen wartet schon ein Taxi, das uns zum Busbahnhof bringt, waehrend der immerfreundliche Nachtwaechter das Abschiedskomittee gibt. Der Taxifahrer bugiert uns durch das trotz der fruehen Stunde bereits herrschende Chaos und strahlt immerzu dabei. Am Busbahnhof vertroedeln wir ein wenig die Zeit mit heissem Tee und werden von Ngima noch mit Keksen ausgestattet, da er uns raet, das angebotene Mittagessen aus Hygienegruenden zu verschmaehen. Um 7 Uhr geht schliesslich der Bus, das Gepaeck wird natuerlich auf dem Dach untergebracht. Noch sind im Bus vor allem andere Trekker mit ihren jeweiligen Guides und Traegern, aber die beiden dazu engagierten "Busschreier", die nach der Abfahrt in der offenen Bustuer haengen, plaerren so lange die am Strassenrand stehenden Leute an, bis der Bus auch wirklich und nach nepalesischem Standard "voll" ist. Zuweilen werden durchaus auch Wartende am Arm in unseren Bus gezerrt, es herrschen richtiggehende Kaempfe um potenzielle Fahrgaeste zwischen den verschiedenen Busunternehmen. Sehr spannend das alles! Aber das dauert natuerlich, und so kommen wir kaum voran, sondern tuckern endlos an Strassenstaenden vorbei, dauernd springen fliegende Haendler (gerne kleine Kinder) auf und wollen Wasser, Obst, Chips oder Plastikkram verkaufen. Endlich gehts ueber enge Strassen raus aus der Stadt und rein in die Berge, immer nach dem Motto "Wer am lautesten hupt, gewinnt". Es wird unertraeglich heiss, alle daemmern vor sich hin, bis wir gegen 11 Uhr einen Stop an einem eher fragwuerdigen Strassenlokal und die erste Bekanntschaft mit einem Stehklo machen. Wir lehnen brav das angebotene Mittagessen ab (siehe oben), da die dreckigen Tische in der Tat nichts Gutes verheissen.
Bei der Weiterfahrt wird die Strasse zunehmend schlechter, die Stops zum Ein- und Ausladen der nepalesischen Passagiere oder wegen Hindernissen auf der Strasse (entgegenkommende LKWs oder Busse, Steine, Baeche, ...) werden haeufiger. Gegen 15 Uhr, nach acht Stunden Fahrt, erreichen wir endlich Besisahar, dort muessen sich zunaechst alle Trekker im dortigen Buero registrieren (d.h. es gibt einen Stempel auf die Trekking Permit und wir muessen unterschreiben).
Wir haben nun wirklich keine Lust mehr auf eine weitere Fahrt ueber Rumpelpisten und bestehen darauf, die gut 2 Stunden nach Bhulbhule, unserer heutigen Etappe, zu laufen. Unser Sherpa ist unwillig und wir schicken ihn daher mit dem Bus voraus. So war das ja eigentlich nicht gedacht, dass wir wandern und unser Traeger Bus faehrt!
Wir wandern ueber ueberspuelte Strassen, bei denen wir sogar einmal die Schuhe ausziehen muessen und barfuss durchs Wasser waten muessen, durch Doerfer, Kinder spielen am Rand und gruessen uns freundlich, ueberall stehen und liegen Kuehe, Ziegen, Huehner, Hunde, aussenrum ist alles gruen, der Fluss rauscht wild neben uns her, sehr idyllisch also. Wir sind sehr schnell total verschwitzt, weils extrem heiss ist und dazu die Luftfeuchtigkeit ordentlich hoch ist.
In Bhulbhule bekommen wir ein Zimmer (naja, einen Holzverschlag) im Thorang La Guest House, und es gibt draussen im Garten im Duschhaeuserl doch tatsaechlich warmes Wasser. Ein guter Anfang!
Danach sitzen wir im Garten, trinken ein Bier, lesen, zum Abendessen gibt es Dal Bhat, das nepalesische Nationalgericht, bzw. gebratenen Reis. Wir erwehren uns der wilden Mueckenschwaerme, dazu geistern riesige Spinnen und Geckos um uns herum.
Das Zaehneputzen erfolgt im Freien, da dort das einzig Waschbecken steht. Die Position, die man auf einem Stehklo einnimmt, ist im Yoga uebrigens die Ausgangsstellung der "Kraehe". Hmmm, ob die sich wohl daraus entwickelt hat?
Wir liegen schliesslich im Seidenschlafsack im Bett, im Zimmer krabbeln viele Tierchen umher, es gibt keinen Strom, aber durch die Stirnlampe werden wir heftigst umschwirrt. Dann lieber Licht aus und schlafen!

3.8.11

Warum sieht Hanuman aus wie ein Kuerbis?

Seit heute morgen singen die Nachbarn im Nebenhaus dasselbe Mantra, wieder und wieder, hinein bis in die Abendstunden. Das nenne ich Durchhaltevermoegen! Ansonsten war unsere erste Nacht in Nepal ereignislos, der einsetzende Regen hatte seine Arbeit bis zum Aufstehen wieder eingestellt, und die Sonne lachte vom Himmel!
Also gingen wir ausgeschlafen zum Fruehstueck, wo es die ueblichen Backpackerkoestlichkeiten a la Banana Pancake oder Omelette mit Toast gab.
Kurz darauf traf auch schon wieder Ngima, unser "Trekkingbetreuer" ein, mit im Schlepptau hatte er denn auch nun unseren Sherpa porter (dessen Namen ich vergessen habe, aber ich habe ja nun ausgiebig Zeit, mir den einzupraegen), und wir besprachen den Ablauf unserer Trekkingtour. Ausserdem fotografierten man uns noch fix, damit sog. "Trekking Permits" angefertigt werden koennen, die im Annapurnagebiet dann kontrolliert werden und natuerlich Geld kosten. Danach wurden unsere Rucksaecke genauestens betrachtet, und die Odyssee auf der Suche nach einem Geldautomaten, der mehr als 300 Euro gleichzeitig ausspuckt, nahm ihren Lauf. So wurden wir durch ganz Kathmandu zu Fuss von Ngima und dem Sherpa begleitet, besuchten diverse Bankfilialen und mussten letzten Endes haeppchenweise das noetige "Kleingeld" fuer die knapp dreiwoechige Tour abheben, denn Geldautomaten gibts dort wohl nicht.
Vom Laufen durch die Stadt verfaerbt sich uebrigens das Taschentuch beim Schneuzen schwarz, so dreckig, staubig, voller Abgase und Rauch ist die Luft...
Nach den Strapazen folgte ein kleines Nickerchen, und schliesslich machten wir uns auf zum Durbar Square, dem Platz mitten im wilden Verkehrstreiben Kathmandus, auf dem unzaehlige Temple, ehemalige Palaeste stehen, umgeben von Verkaufsstaenden, Statuen, schlafenden Strassenhunden, lauernden Fahrradrikschafahrern. Das war herrlich, wir guckten uns stundenlang alles genau an (v.a. die erotischen Darstellung auf dem Tempel direkt neben der Hanuman-Statue), besichtigten noch das Koenigsmuseum (in dem so ungefaehr jedes benutzte Klopapier der letzten beiden nepalesischen Koenige ausgestellt war) und spazierten schliesslich zurueck zum Hostel. Etwas verwunderlich war allerdings, dass das Gesicht der Hanuman-Statue, also des Gottes, dem der ganze Platz gewidmet ist, von der Witterung und ueber die Jahrhunderte nur noch aussah wie ein Kuerbis, der als Fussball benutzt wurde; von einem Affenkopf war auf jeden Fall nichts mehr zu erkennen.
Dort machten wir uns dran, das Gepaeck umzupacken, alles, was morgen frueh um sechs mit zum Abmarsch Richtung Annapurna mitkommt, wurde in einen grossen geliehenen Rucksack verstaut, der Rest bleibt hier im Hostel, bis wir in etwa drei Wochen wiederkommen.
Beim Packen stellten wir fest, dass wir prima vorbereitet sind, aber keine Wasserflaschen mitgenommen haben. Also lief die "mission Sigg Flasche" an, erfolgreich und mit ein wenig Handeln konnten wir in einem der vielen, vielen Laeden mit Trekkingausruestung zwei Aluflaschen von Sigg (oder gut nachgemacht) fuer wenig Geld erstehen.
Abendessen in einem sehr leeren Lokal (es ist definitiv keine Saison in Nepal, im Hostel rennen zwar ein paar wenige andere Backpacker herum, aber ansonsten: tote Hose), und nun sitzen wir wieder im Hostel, werden gleich noch eine ausgiebige, letzte und vor allem warme Dusche geniessen, und das wars dann erstmal.
Morgen frueh um 6 Uhr werden wir abgeholt, dann gehts mit dem Bus in 6 Stunden nach Besisahar, und dann wird losgewandert - mit oder ohne Regen, mit oder ohne Blutegel!

2.8.11

Gestern noch in Muenchen, heute schon in Kathmandu!

Unglaublich, das ging nun doch alles ein wenig schnell - der erste Abend in Kathmandu: das erste Abendessen ist verspeist, das erste Bier ist getrunken. Und ich bin noch gar nicht ganz da.
Gestern noch, da wachte ich nach nur knapp 5 Stunden Schlaf leicht matschig zuhause in unserem Bettchen auf, noch ganz beseelt von der unglaublich schoenen "Tristan"-Vorstellung und der darauffolgenden Party. Und Norman und ich wurstelten uns durch den Montag, beschaeftigt mit Packen, Wohnung ordentlich hinterlassen, Waesche waschen, zur Reinigung gehen, zwischendurch eine TK-Pizza in den Ofen schieben, ein paar Mails schreiben und Telefonate mit der Familie fuehren... Puenktlich um 17 Uhr hatten wir alles geschafft und machten uns mit gefuehlt tonnenschweren Rucksacken mit der Tram und der S-Bahn auf zum Flughafen.
Die Warteschlange dort am Lufthansa CheckIn: ein mittelschwerer Schock, doch dannk Normans Senatorkarte konnten wir die feudal umgehen. Die Rucksaecke wogen dann aber doch 18 bzw. 16 Kilo, ganz schoen ordentlich, aber auch ganz schoen viel drin!
Ein bisserl Wartezeit vertroedelten wir noch mit Zeitung lesen, telefonieren und Wein trinken, und relativ puenktlich verliessen wir Muenchen in Richtung Delhi - gemeinsam mit viiiielen Indern an Bord, die lustige Turbane trugen, eine gute Einstimmung also. Das beste am Flug war der Baileys, der unaufgefordert nach dem Abendessen serviert wurde, gepaart mit einem netten Filmprogramm und tollen Plaetzen ohne laestige Vordermaenner.
Schwuppdiwupp waren wir morgens um 7 Uhr Ortszeit in Delhi, draussen hatte es bereits um die 28 Grad, und die Luft roch schon beim Aussteigen unverkennbar "indisch", ebenso das Innere des Flughafens. Nun hiess es: Zeit vertroedeln, denn wir hatten gut 6 Stunden Aufenthalt bis zum Weiterflug nach Nepal.
Also erstmal: Einreisestempel und Rucksack vom Gepaeckband holen, raus aus der Ankunftshalle, moeglichst ohne Kontakt mit den hyzaenengleichen Taxifahrern, die unschuldige Touristen sofort umgarnen und in die Bezahlfalle locken wollen. Stattdessen gleich wieder zur naechsten Tuer rein in den Flughafen, gefolgt von mehrstuendigem Herumsitzen. Beim Kaffeeholen wurde ich sogleich Demut gelehrt, denn der indische Kaffeeverkaeufer spricht nicht mit jeder dahergelaufenen westlichen Frau - nach 10minuetigem Schlangestehen, in denen jeder nachfolgende Mann bedient wurde und ich ignoriert wurde, gab ich auf und versuchte mein Glueck woanders. Incredible India!
Exakt drei Stunden vor Abflug oeffnete dann auch der CheckInSchalter von SpiceJet, nicht, ohne dass die schnarchnasigen Angestellten fuenfmal die Warteschlangen-Staender umhergeraeumt haetten. Dabei konnte man die langsamsten Putzmaenner der Welt beobachten... Endlich gings in die Passkontrolle, auch dort wurden wir in Geduld gelehrt, mit dem Zack-Zack-Modus unserer letzten Wochen ists nun definitiv vorbei. Tausendmal von zig verschiedenen Menschen wurden wir sowie unser Handgepaeck, das daran befestigte Namensschild und vor allem unser Bordpass begutachtet, kontrolliert, bestempelt, weitergereicht, wieder bestempelt, dazwischen war immer Zeit fuer ein Schwaetzchen, dass es eine Freude war. Nur wenige Stunden am Delhier Flughafen, und die indische Mentalitaet hat einen eingeholt. Was hab ich das vermisst.
Animiert von den vielen Einheimischen, die sich die langen Wartezeiten kurzerhand mit einem Nickerchen, ausgefuehrt auf dem Fussboden, ausgestattet mit Schlafsaecken, vertreiben, legten wir uns auf die ueberall aufgestellten Liegen und verpennten so die Zeit bis zum Abflug. Und nach nur gut 2 Stunden Flug durch dicke Wolken landeten wir in Kathmandu - sogar ein wenig Sicht auf die Berge war zu erhaschen. Das Land unter uns war tiefgruen, durchzogen von unzaehligen, mit braunem Wasser vollgefuellten Fluessen durchzogen. So sieht wohl die Monsunsaison aus. Beim Aussteigen tropfelte es bei weit ueber 20 Grad noch ein wenig, doch der Regen liess augenblicklich nach, und es wurde richtig schoen dampfbad-aehnlich.
Einreisen durften wir, natuerlich wieder bestempelt und beaeugt, die Ankunftshalle war deutlich heruntergerockter als noch in Delhi, ebenso hatte das Flugzeug schon bessere Zeiten gesehen. Aber wenigstens klappte der Abholservice, den unser Hostel bereitstellte, tadellos! Ehe wir uns versahen, sassen wir im Taxi Richtung Hotel Ganesh Himal, und los ging die wilde Fahrt durch den Linksverkehrt (manchmal aber auch rechts), laut hupend durch Kathmandu. Links und recht am Strassenrand: Kuehe, Huehner, Muellberge, winzige Verkaufsstaende, Mopeds, Fahrraeder, Rikschas - welcome to Asia!
Das Hostel dagegen: eine positive Ueberraschung, versorgt mit Begruessungs-Chai bekamen wir ein huebsches Zimmer, dort weihten wir sofort die Dusche ein, und schon sah die Welt ganz anders aus... Ein wenig auspacken, und wir machten uns auf, den Touristenstadtteil Thamel zu erkunden, immer bedacht, moeglichst nicht ueberfahren oder durch die ganze Huperei der Fahrradrikschas mit selbstgebastelter Hupe taub zu werden. Im Getuemmel wurde von Pashimaschals, Trekkingkleidung, Souvenirs, Drogen und Tigerbalsam so ziemlich alles angeboten, was das Backpackerherz begehrt. Zur Staerkung goennten wir uns ein echt nepalesisches Abendessen mit Momos (= mit Gemuese o.a. gefuellte Teigtaschen) und Nudelsuppe, und tasteten uns im Stockdunklen (um 20 Uhr!) zurueck ins Hostel. Dort erwartete uns schon Ngima, der uns unseren Traeger fuer die Trekkingtour vermittelt hat, um mit uns alles Weitere an Organisatorsichem zu besprechen. Netter Kerl, der mir erzaehlte, dass der Traeger, den er fuer uns ausgesucht haette, sehr erfahren sei, die Tour schon viele Male gemacht haette, da er ja auch schon etwas aelter sei - naemlich etwa 36/37!
Wir fuehlten uns auf jeden Fall gut aufgehoben, und da der Jetlag sich so langsam bemerkbar macht, gabs noch ein kleines Bierchen im Hostelgarten (immer noch bei T-Shirt-Temperaturen) - und jetzt gehts ins Bett!

12.7.11

Kleines Update

Inzwischen haben wir alle ein Visum für Indien bekommen --> es hat mich nur noch zwei weitere Besuche bei der Konsulatsagentur gekostet, dann war's vollbracht. Wieder ein Häkchen auf der To-Do-Liste!

Gestern hab ich mir zur rein "mentalen" Vorbereitung "Dil bole hadippa" angeschaut. Wenn man keine Ahnung von Cricket hat, bleibt der Film über weite Strecken relativ sinnfrei. Aber ich mag Rani Mukherjee nun mal wirklich gern, allein dafür hat sich's gelohnt.
Und die wichtigste Aufgabe für Mumbai ist nun auch klar: einmal Statist in einem Bollywood-Film sein. Angeregt zu dieser Idee wurde ich durch einen Artikel in der "Zeit" - ich will da mitmachen!!!

30.6.11

Die Inder...

...machen mich schon wahnsinnig, bevor wir überhaupt in Indien angekommen sind!!!
Vor ein paar Wochen hab ich meinen beiden Mitreisenden selbstlos angeboten, mich um die Visa für uns zu kümmern - schließlich befindet sich das Konsulat bzw. die Behörde, die die Visa-Abwicklung übernommen hat, 2 Fahrradminuten von meinem Arbeitsplatz entfernt.
Nitschi und Norman haben daraufhin brav die von mir ausgedruckten Formulare ausgefüllt, mir Pässe, Vollmachten, Passbilder, Unterschriften übergeben, die entsprechenden Visagebühren überwiesen, mir die Überweisungsbelege geschickt etc.
Daraufhin habe ich mich frohgemuts zu "Cox and Kings" begeben, nur eine gute halbe Stunde gewartet, um dann zu erfahren, dass das Geld unserer Überweisungen noch nicht auf deren Konto angekommen und damit die Bearbeitung auf gar keinen Fall möglich ist. Die Überweisungsbelege allein wurden nicht akzeptiert. Okay, dachte ich mir, kann ich ja verstehen, dass die da pingelig sind, geh ich eben eine Woche später nochmal hin, dann müsste das Geld auf jeden Fall da sein und schwuppdiwupp bekommen wir unsere Touristenvisa.
Doch weit gefehlt: am Montag vormittag nutzte ich eine ruhige halbe Stunde im Büro, radelte fix wieder zu besagter Agentur, hurra, kein Mensch vor mir, direkt zum Schalter - und dort erfuhr ich, dass es doch tatsächlich seit letztem Montag (!) neue Visum-Formulare gibt, und die alten sind damit nicht mehr gültig sind. Aaaah!!!
Also: nochmal von vorne! Nun müssen wir alle wieder diese dämlichen Formulare ausfüllen (warum zum Henker wollen die Inder bloß wissen, in welchem Ort meine Eltern geboren sind?), zumindest in Nitschis Fall an mich schicken, und ich versuche mein Glück einfach nächste Woche noch einmal. Irgendwann wird das hoffentlich klappen... Ich versuche, geduldig zu bleiben, das ist gut für's Karma und schult mich für die Abenteuer und Späßchen, die in Indien auf uns warten... Om shanti om!

23.6.11

Nur das Nötigste...

Aktuell zeigt der Countdown noch 39 Tage bis zum Abflug an - und so langsam mache ich mir Gedanken darüber, was alles mitgenommen werden muss.
Die Packliste wächst täglich, inzwischen ist alles an Sportequipment eingekauft, und ich fürchte, dass wir diesmal wirklich "nur das Nötigste" mitnehmen können. Auf der einen Seite steht nämlich der Trekkingurlaub, für den man natürlich von Bergschuhen, Funktionskleidung, Schlafsack, Wanderstöcken über Blasenpflaster, Trinkflaschen, Gamaschen bis hin zu Stirnlampe, Skiunterwäsche, biologisch abbaubares Duschgel und Energyriegel alles mögliche einpacken muss. Schließlich kanns auf gut 5.000 m nachts doch recht kalt werden. Auf der anderen Seite folgt anschließend die Reise durch ein wahrscheinlich noch sehr hochsommerliches Indien, für das man den Seidenschlafsack ebenso braucht wie einigermaßen angemessene Kleidung (d.h. keine Trekkinghosen und auch keine Bergschuhe). Dazu kommt natürlich der nötige Lesestoff, die Medikamente, Fotoausrüstung,...
Die Packliste wird online geführt und täglich ergänzt, sobald mir wieder mal einfällt. Zum Glück habe ich mir letzte Woche einen neuen Rucksack gegönnt, der 60 l Fassungsvermögen hat. Ich bin sehr gespannt, ob alles o.g. reinpasst.

Nun ist auch unsere Unterkunft für die ersten Nächte gesichert, dank Internet und E-Mail kann man heute sogar problemlos online ein Hostel in Kathmandu reservieren - und bekommt eine herzige Antwort zurück: "Looking forward to seeing you", inkl. Abholservice vom Flughafen und "toilet paper" auf dem Zimmer. Ganz großes Kino.
Über die Empfehlung einer Kollegin habe ich auch Kontakt mit einem Trekking-Unternehmen in Kathmandu aufgenommen, ebenfalls problemlos per Mail. Der freundliche Mensch dort hat uns ein gutes Angebot für einen sog. "sherpa porter" unterbreitet, der uns die knapp 3 Wochen lang begleiten und v.a. unser Gepäck tragen wird. Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, was ich davon halten soll, dass ein einzelner Mann unsere beiden großen Rucksäcke tragen soll, während wir "nur" kleine Eintages-Rucksäcke mitnehmen werden. Andererseits sehe ich die Sache ein wenig anders, wenn wir oberhalb von 3.000 m sind und der Sauerstoff immer weniger wird...

Ich bin übrigens hellauf begeistert, dass man inzwischen in Indien Züge online buchen kann - das ging vor 5 Jahren noch nicht, damals haben wir selbst in zwei Monaten nie ganz verstanden, wie das Zugbuchungssystem an den Bahnhöfen funktioniert, und haben oft Stunden damit zugebracht, vor dem Ticketschalter Schlange zu stehen. Man konnte auch immer nur ein Zugticket für den nächsten Tag (niemals für eine Fahrt am selben Tag) kaufen, wenn ich mich richtig erinnere. Nun geht man auf www.cleartrip.com, legt einen Account an, sucht sich die Zugfahrt aus, bezahlt per Kreditkarte, und bekommt Sekunden später eine Bestäigungsmail mit Sitzplatznummer. Bin gespannt, ob das vor Ort dann auch so gut klappt mit den Reservierungen. Auf jeden Fall haben Nitschi und ich so schon mal die ersten Etappen fix gemacht, bei einem Fahrtpreis von etwa 2 Euro / Person für eine 7stündige Zugfahrt kann man nicht allzu viel falsch machen...